Frage von Tobias0997, 134

Warum wird im Deutschen das Verb oft ans Satzende gestellt?

Expertenantwort
von Volens, Community-Experte für Grammatik, Sprache, deutsch, 53

Die Reihenfolge im deutschen Hauptsatz ist
S - P - O (Subjekt - Prädikat - Objekt)

Auch bei zusammengesetzten Prädikaten steht der finite Anteil hinter dem Subjekt, der infinite am Ende.

Der gewöhnliche deutsche Nebensatz hat das Prädikat am Ende und ist dadurch auch erkennbar. (Einige Ausnahmen bei Verkürzungen von Nebensätzen bestätigen diese Regel.)

In anderen Sprache ist dies nicht immer auch so.
Das Englische hat Haupt- und Nebensatz in der gleichen Reihenfolge: S-P-O.
Latein hat im Standardfall das Prädikat immer am Ende eines jeden Satzes.
Lateinische klassische Autoren halten sich im Allgemeinen nicht daran und verstreuen ihre Satzteile in alle Richtungen, weil der gemeine Lateiner seine Kasūs (Fälle) gut beherrscht und es trotzdem versteht.

Kommentar von Tobias0997 ,

Hat es einen Sinn, dass es am ende steht?

Kommentar von Volens ,

Im deutschen Nebensatz?
Man kann einen hineininterpretieren: bevor SchülerInnen lernen, mit Konjunktionen und Relativpronomen vertraut zu sein, ist es ein gutes Kriterium, einen Nebensatz zu identfizieren.

Kommentar von LolleFee ,

Au ja - hineininterpretieren: Mir hat mal ein Franzose gesagt, das Deutsche sei so höflich, weil man im Nebensatz immer so lange auf das Verb warten müsse ;))

Kommentar von Volens ,

Hübscher Ausspruch.
Allerdings kommt ein Verb im verkürzten Nebensatz wirklich immer so blitzartig, dass man von einem Überfall sprechen könnte:

„Die Nürnberger hängen keinen – sie hätten ihn denn!“

Das klingt in verlängerter Version wirklich höflicher:

"Die Nürnberger hängen keinen, wenn sie ihn nicht haben."

Antwort
von SchakKlusoh, 43

Das ist eine Grammatikregel.

Eine mathematisch-logische Regel wirst Du nicht bekommen.

Wieso auch nicht? Andere Sprachen haben eine andere Grammatik, aber begründen kann man das nicht. Menschen haben sich eben darauf geeinigt.

Wieos sagen die Bayern "Meyer Erwin", andere Deutsche "Meyers Erwin" und wieder andere "Erwin Meyer"? Weil man sich lokal darauf geeinigt hat. Das sind Sprach-Traditionen.

Antwort
von Watchmenfan, 90

Eigentlich nicht. Das sind dann zusammengesetzte Verben oder zeitformbedingte Formungen, wie in deiner Frage; wird gestellt = Futur I

Kommentar von Tobias0997 ,

...,weil es mir schmeckt.  wäre ein beispiel

Kommentar von SchakKlusoh ,

Das ist ein Nebensatz. Für Nebensätze gelten eigene Regeln.

Kommentar von SchakKlusoh ,

Der Hund hat Frau Meyer gebissen.

Der Hund wird Frau Meyer beissen.

Der Hund wird Frau Meyer gebissen haben.

Tja, da gerate ich ins Schimmen.Bekommst Du die Fälle zugeordnet?

Kommentar von LolleFee ,

Das konjugierte Verb bzw. bei zusammengesetzten Zeiten der konjugierte Verbteil steht in Hauptsätzen an zweiter Stelle. Was hier hinten steht, sind die infiniten Verbformen, also in dem Fall die Infinitive und die Perfektpartizipien.

@tobias0997: Im Französischen steht das Verb immer an zweiter Stelle, egal ob Haupt- oder Nebensatz. Die Satzstellung ist im Französischen also einfacher als im Deutschen. Toll, oder? ;))

Kommentar von Deponensvogel ,

Bevor man Grammatiktipps gibt, den Unterschied zwischen Futur und Passiv lernen.

Antwort
von SuMe3016, 70

Seltsam, fiel mir noch nicht auf. Ich dachte, das macht nur Meister Yoda so.

Kommentar von Tobias0997 ,

, dass das nur Meister Yoda so macht

Kommentar von LolleFee ,

Guter Konter! =))

Kommentar von SuMe3016 ,

Ja, wahnsinnig gut. Ein Nebensatz kann ohne einen Hauptsatz nicht mal alleine stehen und unterliegt daher anderen Syntaxregen. *augenroll* Aber gut.

Kommentar von LolleFee ,

Ja, sehr gut. Du hast es nur nicht verstanden. 

Du schriebst: Ich dachte, das macht nur Meister Yoda so.

Und Tobias konterte: , dass das nur Meister Yoda so macht.

Du hast in Deiner Antwort einen Nebensatz verkrüppelt, indem Du ihm das "dass" genommen hast, und einen vermeintlichen Hauptsatz daraus gemacht.

Der Konter war gut, denn eigentlich hättest Du schreiben müssen:

Ich dachte, dass das nur Meister Yoda so macht.

Tja, SuMe3016. Das war wohl ein Eigentor.

Kommentar von SuMe3016 ,

Umm, danke, dass du mir das alles nochmal haarklein erklärt hast... lol. Ich kann lesen, und ein Gehirn hab ich auch. Aber nett von dir, dich auf das hohe Ross zu schwingen. *lach* Die Antwort hat mich doch sehr amüsiert. Ich habe einen Nebensatz VERKRÜPPELT und ich hätte es anders schreiben MÜSSEN?! Ich glaube nicht. Dass - Konstruktionen sind zumindest in der Schriftsprache nicht besonders ästhetisch und daher bei Sprachwissenschaftlern auch nicht gern gesehen. Der Nebensatz ist noch immer ein Nebensatz, nur eben ein nicht eingeleiteter Nebensatz. Von daher hätte ich gar nichts MÜSSEN und habe auch nichts VERKRÜPPELT (wenn überhaupt, verkrüppelt eher ein dass den ganzen Satz - ist eben eine sehr EINFACHE Art, einen NS einzuleiten). Du solltest mit einer halbgaren Ahnung von der Materie besser nicht mit "Spott" kontern. *lach*

Antwort
von MarioXXX, 53

Die protogermanische Sprache, also die Ursprache, hatte im Allgemeinen die Satzstellung S-O-V. War damals auch im klassischen Latein so üblich. Allerdings ist die Satzstellung nicht so wichtig, wenn es Deklinationen gibt.

Zudem wurde im Mittelalter die lateinische Sprache (Bibel, religiöse Texte) ins Althochdeutsche übersetzt. Dabei bemerkten die Priester, dass das Verb oft an letzter Stelle stand und wollten das auch im Althochdeutschen durchsetzen. Den Hauptsatz konnte aber die Bevölkerung durchsetzen. (S-V-O)

Und außerdem ist S-O-V sowieso die häufigste benutze Satzstellung weltweit.

https://en.wikipedia.org/wiki/Subject%E2%80%93object%E2%80%93verb#Incidence

Kommentar von Tobias0997 ,

Ich frage mich, ob es für Kinder, die von Amfang an reine S-V-O beigebracht bekommen, komisch klänge.

Kommentar von MarioXXX ,

Klingt sicher komisch. Wenn ein Brite zu dir sagt: Ich kann sprechen Deutsch, klingt für uns auch ganz komisch.

https://en.wikipedia.org/wiki/V2\_word\_order#German.2C\_Dutch.2C\_Afrikaans



Kommentar von Tobias0997 ,

wenn man aber von klein auf nichts anderes kennt

Kommentar von MarioXXX ,

Dann klingt es nicht komisch. Das Gleiche gilt auch für die Artikeln. Wir wissen es meist intuitiv ob die, der oder das das Richtige ist aber für Ausländer hat dieses Sprachgefühl eher nicht und muss alles auswendig lernen. Kein Wunder warum Deutsch so schwierig zu lernen ist. Ich habe gelesen, das Deutsch zu den seltsamsten Sprachen der Welt gehört. (aktuell auf Platz 10)

http://www.hna.de/welt/deutsch-zehnt-komischste-sprache-welt-zr-2996876.html

http://idibon.com/the-weirdest-languages/

Kommentar von earnest ,

Begriff und Zuordnung von "weirdness" in diesem Link erscheinen mir recht willkürlich - um nicht zu sagen: "weird".

Kommentar von OlliBjoern ,

Ja, ist schon seltsam. Aber an einem Punkt ist mir eine Sache aufgefallen, der ich zustimmen würde. Wir kennen doch alle solche Konstruktionen mit "Hilfsverben". Normales Deutsch wäre

winke der Oma!

Aber viele sagen

tu ma die Omma winken!

Das Hilfsverb "tun" wird verändert, "winken" bleibt in der Grundform, das kann man mit beliebigen Sätzen machen ("ich tu mich hier schminken").

Das ist aber ziemlich "normal", Baskisch macht so etwas (auch wenn es lexikalisch völlig "strange" ist), selbst manche Neuguinea-Sprachen (ich habe mich mal mit einer über mehrere Tage hinweg befasst) machen diese "Hilfsverb"-Konstruktionen (es gibt Konjugation, aber nur am Hilfsverb, und die eigentliche Aussage ist in einer Art unveränderlicher Grundform drin).

Und noch etwas ist (im Hochdeutschen falsch, aber weltweit gesehen durchaus "normal"): die Omma fällt hin, ich tu aber die Omma (!) winken.

Beides ist derselbe Kasus (im Baskischen wäre das der "Absolutiv"). Im korrekten Hochdeutsch muss man aber unterscheiden zwischen Nominativ und Dativ.

In Ergativsprachen (findet man fast überall in der Welt, aber in Europa eben nur im Baskenland) ist es normal, diese beiden Formen identisch abzubilden (bei uns ist es aber einmal "Subjekt" und das andere Mal "Objekt").

Daher beginne ich zu erahnen (mehr ist es nicht), warum Baskisch grammatikalisch (nicht lexikalisch) relativ "normal" ist. Indogermanische Sprachen haben ein sehr ausgefeiltes (sophisticated) System der Kasus, aber viele (für uns primitive Sprachen) denken "ergativ" (und mit Hilfsverben).

Kommentar von OlliBjoern ,

Deutsch hat alle 3 Genus der germanischen Ursprache bewahrt (das hat es übrigens mit dem Isländischen gemeinsam). Dagegen verwendet Schwedisch nur 2 Genus ("en" und "ett" Wörter) und Englisch nur 1 Genus (abgesehen von den Personalpronomina, dort wird natürlich "he" "she" "it" usw. unterschieden).

Genusunterscheidungen gibt es aber auch in nicht-germanischen Sprachen (in slawischen Sprachen, Latein und daraus abgeleiteten Sprachen u.a.). Viele Sprachen kennen gar kein grammatisches Genus (finno-ugrische Sprachen, Chinesisch, und viele andere). Finnisch kennt nicht einmal Artikel (und auch die Unterscheidung bestimmt/unbestimmt fehlt).

Kommentar von Deponensvogel ,

Was für ein enormer Blödsinn. Weil irgendwelche Priester die Bibel irgendwie übersetzt haben, haben plötzlich alle Deutschsprecher von Bern nach Wien und von Bozen nach Berlin begonnen, im Nebensatz das Verb woanders hinzustellen. Aber den Hauptsatz haben sie zum Glück verteidigt.

Wtf.

Antwort
von Oubyi, 24

Warum nicht?

Kommentar von Tobias0997 ,

weil es keinen sinn ergit

Kommentar von Oubyi ,

Für mich schon!

Expertenantwort
von earnest, Community-Experte für Grammatik, Sprache, deutsch, 26

Isso. Hat sich so entwickelt.

In anderen Sprachen ist es oft anders. Über die Verständnisschwierigkeiten, die sich bei solchen Sätzen, insbesondere bei Wurmsätzen, die völlig verschachtelt sind, ergeben (siehste), haben andere oft genug gewitzelt, so zum Beispiel Mark Twain. 

Vielleicht magst du hier mal nachlesen - es lohnt sich: 

http://www.viaggio-in-germania.de/twain-schreckliche-dt-sprache.pdf

Wir sind eben "haben sind gewesen gehabt geworden sein", siehe Link, Seite 14. 

;-)

Gruß, earnest


Kommentar von Deponensvogel ,

Ich hoffe aber, der gute Mr Twain meint das nur halbernst. Ernsthaft anzunehmen, die grammatischen Geschlechter hätten irgendetwas mit den biologischen zu tun, grenzt fast schon an die Unwissenheit der Genderfeministinnen, die den Unterschied zwischen Sexus und Genus nicht verstehen.

Kommentar von earnest ,

Es scheint mir offensichtlich, dass Twain nicht alles bierernst (deutschbierernst?) meint.

;-)

Antwort
von SchakKlusoh, 20

Genauso gut könnte man fragen, warum die Japanische Grammatik meist Sätze mit der Struktur Subjekt - Objekt - Prädikat bildet.

Ich Haus mein gehen

Genauso gut könnte man fragen, warum Engländer die Mehrzahl nicht immer mit -s bilden.

mouse - mouses - mice
child - childs - children

Ist halt so....

Kommentar von OlliBjoern ,

Ich kann kein Japanisch, aber bei "Haus-mein" musste ich sofort an Finnisch denken (talo-ni) (oder an Ungarisch). Auch Turksprachen (sieh an!) hängen das Possessivpronomen hinten dran (baba-min, mein Vater).

SOV ist recht verbreitet in der Welt, soweit ich weiß.

(Jedoch verwendet auch Finnisch die im Hauptsatz Stellung SVO, "se on paras elokuva, (minkä olen nähnyt)", das ist der beste Film, (den ich je gesehen habe) - und im Nebensatz wird das Objekt (minkä) vor das Verb gesetzt, wie im Deutschen (erst "den" und dann erst "gesehen habe")

Die Pluralbildung in den germanischen Sprachen ist etwas kompliziert, da wir sowohl "Umlautbildung" haben (siehe auch starke/schwache Verben) als auch Endungen kennen. Das spricht dafür, dass gerade unsere Sprachen etwas "weird" sind (siehe oben).

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