Frage von Wahchintonka, 69

Warum wird eine Aussage glaubwürdiger, wahrscheinlicher und wahrer, je mehr Leute sie bestätigen, während die Aussage eines Einzelnen kaum ernst genommen wird?

Jemand behauptet z.b,. er habe ein UfO gesichtet. Man lächelt über ihn, in der Regel.Nun meldet sich ein zweiter, der auch eins in derselben Umgebung gesehen haben will. Schon wird man hellhöriger, zuckt aber noch mit den Achseln. Ein dritter, ein vierter und immer mehr Leute kommen hinzu, die das selbe Ufo auch gesehen haben wollen. Das Ufo wird immer wahrscheinlicher und irgendwann fast schon als Tatsache angesehen. Eines Tages jedoch stellt sich heraus, dass alles nur eine optische Täuschung aus welchen Gründen auch immer, gewesen sei. Angenommen, es gäbe keinen Glauben auf der Welt, und plötzlich käme ein Mensch auf den Gedanken, dass es ein Gott gibt, der die Welt erschaffen hat. Würde man diesen Menschen nicht auslachen oder gar in eine Heilanstalt bringen? Nein, nicht unbedingt! Es kämen weitere Leute auf diesen Gedanken, weil sie ihn irgendwie gutfinden. Und so ginge das weiter und weiter, bis es eines Tages heißt: Gott ist Wahrheit

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von offeltoffel, 21

Statistik.

Jede Person kann sich beim Anblick eines UFOs geirrt haben, z.B. aufgrund von Hallzuinationen, Lichtreflexen usw. Je mehr Leute aber das gleiche Ereignis bestätigen können, desto unwahrscheinlicher ist es, dass sie sich alle irren.

Stell dir vor, du hast einen Würfel und du möchtest herausfinden, ob er gezinkt ist und immer nur die 6 zeigt. Würfelst du nur einmal und hast eine 6, dann heißt das gar nichts. Würfelst du 50x und jedes Mal kommt die 6, dann glaubst du es (denn die Wahrscheinlichkeit einer gleichmäßigen, der Erwartung entsprechenden Verteilung, wird immer unrealistischer. 

Ein rein statistischer Ansatz ist in deinem Fall allerdings nicht möglich. Denn dazu müssten wir annehmen, dass jeder Mensch für die Sichtung von UFOs oder dem Glauben an Gott eine bekannte Irrtumswahrscheinlichkeit besitzt - und die kann es bei solchen Phänomenen nicht geben.

Generell kann man auch über den psychologischen Ansatz argumentieren: es kann mitunter eine überlebenswichtige Strategie sein, dass wir auf das Wissen der Masse vertrauen. Wenn vor tausenden Jahren ein Urahne von allen gesagt bekommt "iss nicht diese rote Beere, sie ist giftig!", dann wäre er bescheuert, würde er diese Warnung nicht ernst nehmen. Sagt es hingegen nur einer, muss das noch nichts heißen.

Kommentar von Wahchintonka ,

Logisch. Und wie steht es mit dem Glauben an einen Gott?

Kommentar von offeltoffel ,

Das ist jetzt schon viel schwerer. Weil, wie du siehst, spielen gesellschaftliche Punkte eine Rolle. Es ist genauso unmöglich die Wahrscheinlichkeit der Existenz eines Gottes anzugeben, wie die eines UFOs mit Todesstrahl und grünen schleimigen Insassen vom Planeten Mars. Es kommt uns so vor, als könnte das eine realistischer sein, als das andere, aber das sind alles subjektive Empfindungen. Der eine sagt z.B. "Gott kann es nicht geben, sonst würde er Kriege wie den des IS nicht zulassen!". Ein IS-Kämpfer sagt hingegen "Allah ist mächtig, denn er hat uns halb Syrien erobern lassen". Alles eine Frage des Standpunktes.

Um auf deine Frage zurückzukommen: ich denke, dass Religion deshalb ein Massenphänomen ist (und das sage ich ganz ohne negative Wertung!), weil es einem inneren Wunsch von uns entspricht. Es ist eine menschliche Eigenschaft, immer den Sinn zu hinterfragen, aber bei unserer eigenen Existenz gelingt das plötzlich nicht mehr. Gott ist - meiner Ansicht nach - der Klebstoff, der diese Lücke zu füllen vermag. Und weil viele dieses Bedürfnis haben, halten sie sich gegenseitig fest.

Wir empfinden auch oft nicht die Antwort als richtig, die tatsächlich wahr ist, sondern die, die am besten in unser eigenes Weltbild passt. Du schreibst z.B. "logisch", weil meine Antwort für DICH Sinn ergibt. Ein zutiefst religiöser Mensch wird schreiben "Blödsinn!", weil es seinem Weltbild widerspricht. Ob meine Antwort aber wahr oder falsch ist (und ob es sowas wie wahr oder falsch überhaupt gibt), das wird niemals jemand zu 100% beurteilen können.

Kommentar von Wahchintonka ,

woher weißt du das alles? du weißt viel ...stimmt das?

Kommentar von offeltoffel ,

Ich glaube nicht, dass das was mit Wissen zu tun hat. Ich schildere dir bloß, wie ich über diese Sache denke.

Kommentar von Wahchintonka ,

Wahr und falsch gibt es schon. Aber nur, wenn es sich um objektive Wahrheiten handelt, die für alle gilt: Nicht nur für den Menschen, sondern auch für jede Maus, für jeden Baum, für jeden  Stein ect. Unsere Sonne z.b. ist so eine objektive Wahrheit, während subjektive Wahrheiten meist Meinungen sind, über die man sich streiten kann. Du z.b. gehst schon seit etlichen Jahren immer zum gleichen Arzt. Er ist für dich ein guter Arzt, weil er dich bisher immer optimal betreut und deine Krankheiten ausgeheilt hat. Ein anderer Patient ist da ganz anderer Meinung, schließlich hatte er deinen Lieblingsarzt wegen einer angeblichen Falschbehandlung angezeigt.

Kommentar von Wahchintonka ,

wobei nicht nur Objekte wie die sonne wahr sind, sondern z.b. auch mathemat. Formeln oder dass der Mensch nicht vom Affen abstammt sondern sein Vetter ist

Antwort
von DerTroll, 12

Es ist einfach so, daß je mehr Leute unabhängig von einander etwas schildern, desto glaubwürdigier ist es nun einmal, weil es unwahrscheinlich ist, daß sich mehrere genau dasselbe ausgedacht haben. Wenn jetzt mehrere Leute unabhängig voneinander behaupten, ein Ufo gesehen zu haben, halte ich es zumindest für realistisch, daß es irgend eine Erscheinung gab, die man als Ufo gedeutet hat. Aber man darf nicht vergessen, daß es auch eine Massendynamik geben kann. Das sieht man ja beim Amoklauf in München. Auf einmal gingen lauter Hinweise bei der Polizei ein, die aber größtenteils falsch sind. Wenn einmal etwas bekannt ist, dann reden sich viele Leute gern ein, daß es stimmt oder wollen es einfach für Plausibel halten. Da taucht in den Medien eine Meldung auf, daß ein Wolf gesichtet wurde. Auf einmal wollen viele andere Leute das Tier auch gesehen haben, selbst wenn die ursprüngliche Meldung nur ausgedacht war. Und das löst erst recht eine Kettenreaktion aus. Wenn so viele das behaupten, dann glauben auch Leute daran, die sonst kritischer wären. Und dann bilden die isch auch ein, etwas gesehen zu haben usw. Schlimmer ist es aber bei Krankheiten. Gerade ältere Menschen lesen irgendwo (in der Apothekenumschau zum Beispiel) von einer Krankheit und schwups stellen sie fest, daß sie genau diese Symptome haben. Dann haben die auf einmal die symptomatisch passenden Kopfschmerzen, derer sie sich komischer Weise nicht bewußt waren, bevor sie darüber gelesen haben...

Aber von diesen Spezialphänomenen mal weg. Stell dir einfach mal einen Autounfall vor. Vieles kann man anhand der Spurenlage sehen, aber man muß auch Zeugen befragen. Also wer hatte Rot und wer grün usw. Vermutlich werden beide Unfallbeteiligten sagen, daß sie grün hatten. Aber klar ist man glaubwürdiger, wenn man unbeteilgte Passanten als Zeugen ausmachen kann, die das beobachtet haben.


Antwort
von Zathy, 19

Ah, du hast die Wunder der Psychologie kennen gelernt ^^

Ist halt so, unser Verstand ist halt so gebaut, daß er so funktioniert.

Auf nem evolutionär animalischeren Level ergibt das auch Sinn. Wenn man bei eder Gefahr, von der man hört direkt ausflippt, seine Sachen und Familie zusammenpackt und flüchtet, dann wäre das ein enormer Aufwand und Energieverbrauch und würde dem allgemeinem Überleben der Spezies nicht zu Gute kommen.

Aber je mehr Leute von einer Gefahr berichten, desdo wahrscheinlicher existiert sie auch. Und das dürfte wohl der Grund sein, warum wir so programmiert sind. Hat sich im Laufe der Evolution einfach als sinnvoll herausgestellt.

Natürlich bringt das auch Probleme mit, wie zB das was du gesagt hast. Da müssen wir schon unseren bewußten Verstand für einschalten, um dem angeborenen Reflex entgegen zu wirken.

Antwort
von VeryBestAnswers, 14

Warum wird eine Aussage glaubwürdiger, wahrscheinlicher und wahrer, je mehr Leute sie bestätigen, während die Aussage eines Einzelnen kaum ernst genommen wird?

Die Aussage wird weder wahrscheinlicher, noch wahrer. Sie wird aber glaubwürdiger, denn bei ein oder zwei Personen könnte es auch ein dummer Spaß sein. Bei hunderten von Menschen dagegen ist es sehr unwahrscheinlich, dass sie sich das UFO nur ausgedacht haben.

Abgesehen davon hängt die Glaubwürdigkeit einer Aussage von der Person ab, die sie macht. Wenn man jemanden überhaupt nicht kennt, hat man i.d.R. keine Skrupel, diese Person anzulügen, deshalb vertraut man wildfremden Leuten auch nicht.

Antwort
von Tim86berlin, 37

Weil der Mensch ein faules Rudeltier ist und sich lieber auf die Masse verlässt als selbst zu denken.

Kommentar von Wahchintonka ,

lustige antwort. und auch wahr (weil sie mir gefällt)

Kommentar von offeltoffel ,

lustig, aber Unfug. Was hat das Sichten eines UFOs mit Denken zu tun? Es geht um Glaubwürdigkeit, nicht um Logik.

Kommentar von Wahchintonka ,

Unfug kann aber auch schön lustig sein. Logisch?

Kommentar von offeltoffel ,

sie ist wahr, weil sie dir gefällt?

Kommentar von Wahchintonka ,

dir nicht? schade!

Kommentar von Wahchintonka ,

und warum soll das Sichten eines Ufos nichts mit denken zu tun haben? Manche glauben doch an Ufos. Und glauben an was, setzt denken voraus

Kommentar von offeltoffel ,

Tim86 Berlin schrieb, dass der Mensch lieber der Masse folgt, als selbst zu denken. Mal angenommen, die breite Masse sagt "da war ein UFO gestern!". Seine Antwort würde implizieren, dass das faule Inidividuum lieber sagt "ok, dann wird's wohl stimmen", als über den Sachverhalt nachzudenken. Aber was nützt denn Denken dabei, wenn Leute sagen, sie haben ein UFO gesehen? Ich kann beim Denken ja nicht zum Schluss kommen, dass sie irren oder richtig liegen - denn es geht um eine erlebte Erfahrung und nicht um etwas Logisches.

Anders wäre das, wenn die breite Masse behaupten würde "auf dem Mt. Everest hat es durchschnittlich +30°C". Da kann ich durch Nachdenken draufkommen, dass es falsch sein muss. Weil es um ein Faktum geht. Ich kann aber nicht beweisen, dass die Sichtung eines UFOs oder das Erleben einer göttlichen Erfahrung "falsch" ist.

P.S.: leider widerspreche ich dir bei der Behauptung, dass dem Glaube an etwas ein Denkprozess vorausgeht. Die Leute glauben teilweise so einen Unfug ohne darüber nachzudenken...

Kommentar von Wahchintonka ,

selbst wenn du beweisen könntest, dass es keinen Gott gibt, würden dir die wenigsten das glauben 

Kommentar von Wahchintonka ,

Ich weiß nicht, ob die Leute teilweise so einen Unfug glauben ohne darüber nachzudenken. Und woher soll ich jedes mal wissen, ob es Unfug überhaupt ist. Dass die Erde etwa 4000 Jahre alt ist, ist ein leichtnachweisbarer Unfug, obgleich heute immer noch etliche Leute daran glauben bzw. daran festhalten. Wenn aber jemand an die Existenz von außerirdischen glaubt (wie ich z.B.), dann wird es schon schwieriger, diesen Glauben als Unfug abzuqualifizieren.

Kommentar von offeltoffel ,

Ich frage mich nur, ob du alles im Leben für wahr hältst, was dir gefällt. Mir gefällt z.B. die Vorstellung, Sex mit Megan Fox zu haben. Davon wird es aber noch nicht wahr :D

Kommentar von Wahchintonka ,

nö, leider kann ich nicht alles für wahr halten, was mir gefällt

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