Frage von GoxTar, 155

Warum wird ein Fetisch in der Öffentlichkeit als etwas Schlechtes dargestellt bzw. als etwas "Anormales"?

Wir schreiben beinahe das Jahr 2016 und alle Menschen scheinen intolerant gegenüber Menschen mit Fetischen zu sein.

Aber warum ist das so? 

Immerhin ist das schon lange bekannt und schon längst nichts Neues mehr.

Da ich selbst betroffen bin, verstehe ich erst recht nicht, warum man so etwas Einfaches nicht akzeptieren kann.

Danke im Voraus.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von themachina, 155

Der Mensch braucht was, worüber er sich aufregen kann. Man hat jahrhundertelang gar nicht über Sex gesprochen, diese Offenheit kam erst in den letzten Jahrzehnten. Heute ist es unglaublich schwierig, noch ein Tabu zu brechen, weil es kaum noch welche gibt. Eins der letzten hat wohl die James mit ihren 50 Shades of Grey gebrochen - plötzlich sprechen alle über einen Fetisch.

Was ich sagen will: Es ist ein Trend. Unabhängig davon, welchen Fetisch du hast, es ist momentan sehr "in", über Fetische zu sprechen. Wenn du nicht willst, dass man über dich spricht, dann sieh zu, dass dein Fetisch zwischen dir und deinem Sexualpartner bleibt und nicht an die Große Glocke gehängt wird.

Ich find auch diese Gender-Debatte total überflüssig. Der Mensch sollte 2016 längst über jede Geschlechtsdiskussion hinweg sein, aber nein, daran hängt man sich jetzt auf.

Wir sind noch lange nicht so weit, wie manche glauben. Wir sind von der Keule noch gar nicht so lange weg. 

Kommentar von GoxTar ,

Sehr schöne Antwort!:)

Antwort
von Suboptimierer, 101

Ich finde nicht, dass ein Fetisch etwas Schlechtes ist.

Es gibt allerdings Fetische, die so absonderlich sind, dass es seeeehr schwer fällt, sich überhaupt vorzustellen, dass man das gut finden könnte.

Es kommt immer darauf an, wie weit sich andere in etwas wiederfinden können. 


Mal etwas anderes: 

"...alle Menschen scheinen intolerant...".

Ich frage mich, wieso man allen Menschen von seinem Fetish erzählen muss. Wieso muss man die anderen Menschen testen, ob sie tolerant sind? Menschen ohne Fetisch erzählen auch nicht jedem Hinz und Kunz von ihrem Sexualleben (wieso sollten sie auch?).

Ich denke, dass ein Teil der Wahrheit auch ist, dass ein Teil des Problems ist, dass Leute mit Fetischen unbedingt der Welt beweisen wollen, dass manche Fetische zwar nicht normal, aber nicht schlimm sind.

Das ist so, wie wenn jemand unbedingt jeden davon überzeugen will, dass es nicht schlimm ist, an Nacktschnecken zu lutschen.

Antwort
von Kuno33, 98

Was mir dabei schwerfallen würde, dass hier die Sexualität und Erotik nicht der persönlichen Bindung dient sondern der Bindung an etwas Gegenständliches. Aber es stimmt natürlich auch, dass in jeder sexuellen Beziehung auch ganz andere Beziehungsanteile mitspielen als nur die "reine Liebe" zwischen zwei Menschen. Das ist nur im Idealbild der "reinen Liebe" so. Das Idealbild ist aber schon ziemlich irreal. Allerdings stimmen die Bewertungen "gut" oder "schlecht" hier ganz und gar nicht. Ich würde sogar behaupten etwas Fetischismus steckt in jedem Menschen. Das fällt aber erst auf, wenn man genau hinschaut.

Antwort
von Fifets, 91

meistens schimpfen doch immer die darüber, die selbst einen haben und es nicht zugeben wollen oder? ich finde manche menschen übertreiben einfach maßlos. wenn einer auf peitschen & Co. steht, dann soll er doch! warum nicht? jeder mensch hat unterschiedliche vorstellungen von liebe und sex. man sollte einfach das tun was einem spaß macht und sich nicht von anderen menschen beeinflussen lassen

Antwort
von Finda, 51

Es gibt Fetische, die unsere Moralvorstellungen sprengen.
Fetisch ist der Oberbegriff für so vieles, dass auch einiges dabei ist, was nicht akzeptiert wird.
Zum Beispiel Sex mit Tieren, Menschen, die Frauen heimlich beobachten, etc.
Also ein paar von diesen Dingen finde ich schlecht.
Das Wort Fetisch differenziert aber nicht in gesellschaftlich o.k. oder eben nicht.

Antwort
von FragaAntworta, 61

Ohhh, da muss ich wiedersprechen, denn tatsächlich habe ich nicht gegen Deinen Fetisch, ganz im Gegeteil, ich kenne ihn gar nicht.

Aber ich habe auch einen Fetisch, ohne den geh ich nicht auf Reisen oder bin auch nur unterwegs, hat sich halt so eingebürgert. Allerdings nenne ich es ein EDC.

Antwort
von Maximilian0296, 100

Laut Wikipedia ist ein Fetisch eine "Form der Sexualität, die sich auf bestimmte Gegenstände oder Körperteile richtet". Aus meiner Sicht ist es deshalb auch ein Fetisch, wenn man sich von der weiblichen Brust angezogen fühlt, was ja bei einem Großteil der Männer vorkommt. Theoretisch sind also alle Menschen "Fetischisten", denn so gut wie jeder steht auf irgendetwas bestimmtes.

Ich denke aber mal, dass du die Intoleranz gegenüber bestimmter Fetische meinst. Menschen neigen seit jeher dazu, sich über Menschen die "anders" sind als schlechtere Menschen darzustellen. Der Rassismus ist da wohl ein sehr gutes Beispiel. Somit ist ganz klar, dass auch ungewöhnliche Fetische nicht toleriert werden.

Kommentar von Kajjo ,

Nein, du hast die Definition nicht verstanden (und deine genannte kann ich weder in Wikipedia noch in anderen einschlägigen Publikationen finden). Der menschliche Körper ist eben kein Gegenstand und die Geschlechtsmerkmale eines Menschen sind nun erst recht natürlich und typisch ein Ziel von Sexualität.

Nach der medizinischen Definition von ICD-10 ist Fetischismus der "Gebrauch toter Objekte als Stimuli für die sexuelle Erregung", wobei auch dort darauf abgehoben wird, dass diese Objekte nötig sind und eine erfüllende Sexualität ohne sie nicht mehr möglich ist.

Du hast aber natürlich schon recht, dass jeder bestimmte Neigungen und Vorlieben hat. Die Frage ist doch, wie sehr so eine Vorliebe die Sexualität beschränkt oder Leidensdruck verursacht.

Kommentar von Maximilian0296 ,

Es gibt ja auch Fuß-Fetischisten. Füße sind meines Wissens nach aber keine toten Objekte. Irgendwas stimmt mit deiner Definition nicht.

Expertenantwort
von Kajjo, Community-Experte für Sex, 31
  • Zunächst verwenden die allermeisten Menschen den Begriff "normal" im Sinne von "üblich und verbreitet", manchmal auch im Sinne von "natürlich und gesund". 
  • Damit haben wir auch schon zwei Teilantworten erarbeitet: Fetischismus ist nicht "üblich und verbreitet", sondern vergleichsweise selten. Wie alles, was anders ist, wird es schnell abgelehnt und misstrauisch beäugt. Das ist dem Menschen offensichtlich angeboren und ein Sicherheitsmechanismus. Vertrautes stellt keine Gefahr dar, Andersartigkeit lässt die Warnglocken läuten. Damit muss man sich abfinden. Zweitens ist krankhafter Fetischismus im medizinischen Sinne eben tatsächlich nicht natürlich und gesund, sondern kann Leidensdruck oder eine Einschränkung der erfüllenden partnerschaftlichen Sexualität verursachen. 
  • Ganz generell heißen Intimitäten nicht umsonst so. Warum erzählst du anderen von Fetischen?! Der Durchschnittsbürger erzählt auch nicht von seinen Lieblingsstellungen, Vorlieben und Neigungen im Bett. Manchmal wundere ich mich, wie man sich über die Reaktion anderer aufregen kann, wenn in Wirklichkeit das eigene Verhalten Ursache ist. Der alte Rat "einfach mal die Klappe halten" könnte viele Probleme vermeiden.
  • Konkret zum Fetischismus ist die Ursache der Ablehnung doch aber durchaus nachvollziehbar, besonders bei potentiellen Partnern. Sexualität ist eine wichtige Facette der Partnerschaft und man möchte mit dem eigenen Partner auch sexuell harmonieren und eine erfüllende, befriedigende Sexualität selbst erleben und auch dem Partner bieten. Fetische sind sehr oft Eigenheiten, an denen andere eben keinen Gefallen finden können und keine Erregung spüren, sondern im Gegenteil sich und ihren Körper als gewissermaßen unbedeutend im Vergleich zum Objekt empfinden. Und wer möchte das schon? Natürlich möchte man selbst geliebt werden, der eigene Körper soll das Begehren auslösen, soll toll und erregend empfunden werden und nicht nur die Strumpfhose, die man trägt. Ich finde, das ist ganz logisch und nachvollziehbar.
  • Zum Abschluss noch ein ganz allgemeines Statement zur Toleranz: Du darfst tun, was du willst, aber andere dürfen darüber auch denken, was sie wollen. Freiheit und Toleranz funktionieren nur in beide Richtungen. Natürlich musst du anderen zugestehen, bestimmte Praktiken, Stellungen, Neigungen, Fetische abzulehnen. Genau das ist Toleranz!
Antwort
von LisanneVicious, 47

Ich persönlich kenne das nicht. Eigentlich kenne ich viele, die nichts dagegen haben. Nach meiner Erfahrung sind es nur ein paar wenige, die dann diejenigen sind, die böse Kommentare ablassen.

Antwort
von Ladriel, 68

Also ich verstehe es auch nicht solang es jemanden gefällt ist das doch in Ordnung

Antwort
von jhon90, 31

Ich finde gar nicht, dass Fetische nicht akzeptiert werden, besonders in der heranwachsenden Generation. Meine Freunde kennen mich alle in Latex und ich kenne ihre Fetische

Antwort
von freezyderfrosch, 60

Die Mehrheit hat Fetische. Fetische an sich sind m.E. also gesellschaftlich akzeptiert. Das Ding ist, welcher Fetisch konkret eher abstoßend wirkt auf eine bestimmte Zielgruppe oder welcher nicht.  Vom Schuhe anbehalten beim Sex, gerne ins Gesicht kommen , Vergewaltigung nachspielen oder eben Lack und Leder mit Peitsche bis hin zu sehr unappetitlichen Fetischen, auf die ich nicht näher eingehen will, bis hin zu normalen Vorlieben wie, Reiterstellung bevorzogen,  ist ja alles soweit als "Fetisch" eingestuft. 

Mir ist nur wichtig. Ist es einvernehmlich? Schadet es Dritte? Wenn nicht - ausleben und auf andere sch...

Antwort
von xRapture, 38

Weil die meisten Menschen Mitläufer sind und wenn euner was dagegen hat muessen alle was dagegen haben weil sie ja sonst nicht cool sind.... Traurige welt leider

Antwort
von LonelyBrain, 62

Weil viele sich damit nicht auskennen und es fremd ist (weil es ja nicht jeder hat).

Vor dem Fremden hat man immer Angst. (s. Flüchtlingskrise, usw....)

Antwort
von RadicalGarrus, 52

Ähm jeder hat Fetische nur ist es den meisten peinlich diese öffentlich preis zu geben.

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