Frage von mboes, 63

Warum wird die politische Linke aus dem bürgerlichen Lager oft mit dem Schlagwort "Justemilieu" bezeichnet?

"Juste milieu" heißt ja "richtige Mitte". Was wollen bürgerliche Politkommentatoren ausdrücken, wenn sie diesen Begriff verwenden, um über die Linke zu sprechen?

Antwort
von Volens, 2

Obwohl es daher abgeleitet ist, bezeichnet ein Milieu eigentlich nicht die Mitte, sondern nur eine Umgebung. Die "richtige Umgebung" wird dadurch sehr relativiert, selbst wenn man sie als "richtige Mitte" wahrnimmt. Für die AfD ist die CDU schon linksradikal, und was die Linke anbetrifft, ist die SPD eine rechte Partei.

Man muss sich deshalb den Autor sehr genau begucken, der das Wort jeweils in den Mund nimmt. Eine feste Position ist mit "juste milieu" nicht zu definieren.

Antwort
von mboes, 27

Ich glaube, ich weiß es selber. Der Ausdruck geht zurück auf die kompromissbereite Politik des französischen Königs Louis Philippe. Merriam-Webster erklärt ihn auch heute als "a governmental policy characterized by moderation and compromise". In Deutschland fand er im Vormärz Verbreitung, um den liberalkonservativen Zeitgeist zu kritisieren, sagt Wikipedia. "In der politischen Diskussion erscheint er heute noch als polemisches Schlagwort gegen dominierende zentristische und vermittelnde Positionen." Deswegen definiert ihn der Duden auch als "laue Gesinnung". Wenn ihn heute Bürgerliche verwenden, sehen sie also wohl sowas wie einen wenig selbstbewussten linken Zeitgeist

Antwort
von wwalter59, 34

Diese Verwendung habe ich noch nie gelesen. Hast Du ein Zitat dazu?

Juste Milieu ist eigentlich eine Bezeichnung für bürgerliche Kreise, die sich vorwiegend für ihren wirtschaftlichen Vorteil interessieren.

Kommentar von mboes ,

Wenn man "Justemilieu" bei Google eingibt, sind die ersten Ergebnisse mit Bezug zur gegenwärtigen Politik ein Artikel von Jan Fleischhauer zu seinem Buch "Unter Linken", ein Artikel von der "Achse des Guten" darüber, dass die Präsidentin des Bundesumweltamtes sagt, Bio-Äpfel würden besser schmecken, und ein Blogartikel, der die "sogenannte" Zivilgesellschaft als staatlich bezahlte Heilsarmee bezeichnet. Auch sonst habe ich den Eindruck, dass der Begriff bei typisch bürgerlichen Medien immer mal wieder verwendet wird, dann immer im Zusammenhang mit der Linken. Eine Seitensuche bei Google ergibt 83 Treffer für welt.de und eins für sueddeutsche.de. Aber was will der Ausdruck denn sagen, wenn er auf irgendeine "goldene Mitte" anspielt?

Kommentar von wwalter59 ,

Wie geschrieben, ich habe es so noch nicht gelesen, aber die Beispiele machen Sinn für mich.

Juste Milieu war ja eine Art Schimpfwort gegen bürgerliche Kreise. Aber diese Art der Verbürgerlichung kann auch die Linke oder die progressiven Kreise treffen. Dann wird das eigene sinnliche Erleben mit dem Guten verwechselt. Dann badet man in einer Selbstgefälligkeit des Gutmenschentums, wie sich der Angehörige des Juste Milieu im 19. Jh. in seinem Reichtum gebadet hat.

Fleischhauer ist selbst ein Linker und kritisiert die Linke von innen. Und wenn bürgerliche Medien polemisieren, greifen Sie den Begriff möglicherweise auf.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community