Frage von bagdader, 58

Warum wird die Einzigartigkeit des deutschen Völkermords an den Juden, immer noch von so vielen Deutschen angezweifelt und abstruse Vergleiche angestellt?

Immer wieder liest man auch in den Antworten und Kommentaren von gutefrage.net "die anderen", namentlich Russen, Amerikaner, Israelis, Briten, Franzosen etc. hätten ja "auch" Völkermord verübt...

Bei der Bundeszentrale für politische Bildung heißt es doch nicht umsonst unter "Holocaust":

"Auch ein Vergleich mit anderen Völkermorden kann dazu beitragen, die Singularität des Holocaust in Zweifel zu ziehen."

Weiter oben steht: "In Deutschland ist es nach § 130 Abs. 3 des Strafgesetzbuches verboten, den nationalsozialistischen Völkermord an den europäischen Juden öffentlich zu billigen, zu verharmlosen oder zu leugnen. Aber noch immer gibt es Menschen, die danach streben, die Geschichte umzuwerten, umzudeuten und umzuschreiben."

Nachzulesen unter: http://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/41342/auschwitz-luege

Wie kann man die bestialischen Untaten, die Deutsche verübten, von den 6 Millionen ermordeten Juden waren immerhin 1,5 Millionen Kinder (!) nur verharmlosen, indem man vergleicht?

Israel Gutmann schrieb bereits 1987 über die Einmaligkeit des deutschen Völkermordes:

„Er entsprang nicht einem wirklichen Konflikt zwischen dem deutschen Volk und den Juden in Deutschland oder in der Welt. In Wahrheit waren die Juden ein loyaler und ergebener Teil der deutschen Gesellschaft; sie leisteten einen großen Beitrag zur Entwicklung und zur Blüte der deutschen Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur. […] Es handelte sich vielmehr um einen Vernichtungsfeldzug, der sich aus der Rassenideologie der Nazis ergab und nur aus diesem Grund beschlossen wurde. […] Doch die nationalsozialistische Rassenlehre beschränkte sich nicht darauf, den Juden als ein Wesen zu definieren, das entgegen dem von der darwinistischen Theorie festgelegten Prozess der natürlichen Auslese, Anpassung und des Überlebens minderwertige rassisch-biologische Wesenszüge angenommen hätte. Nach Hitlers Grundsätzen waren die Juden weder eine religiöse noch eine nationale Gruppe, sondern eine machthungrige, gut organisierte subversive „Rasse“, die sich das Ziel gesetzt hatte, den natürlichen Wettkampf der menschlichen Rassen aufzuheben… Auf solchen grundlosen Behauptungen beruhte der „Krieg“ gegen die Juden, der ständig verschärft wurde, bis er das Stadium der unnachgiebigen physischen Vernichtung erreichte. […] Das Ziel war, alle Juden ohne Rücksicht auf Alter, Geschlecht, Anschauung, Beruf oder Stand zu fangen und zu töten.“

Warum fällt es nur so schwer dieses Wissen in deutschen Hirnen nachhaltig zu verankern?

Es wäre doch ein Zeichen von Einsicht (dem ersten Weg zur Besserung), Fakten endlich anzuerkennen.

Antwort
von MrHilfestellung, 29

Einerseits ist es natürlich ein Abwehrmechanismus, viele Menschen haben eine deutsche Nationalidentität und zu dieser gehört unter anderem der Holocaust.

Der oder die durchschnittliche Deutsche weiß natürlich, dass die Shoa ein schrecklicher Völkermord war und dass Deutschland daran schuld war, aber man kann sich ja immer noch ein bisschen damit "trösten", dass andere Staaten auch Völkermorde verübt haben. 

Das geht bei einer Singularität nicht und das würde die deutsche Nationalidentität dann doch noch ein bisschen negativer Erscheinen lassen.

Dazu kommt dann noch, dass viele Menschen sich nicht mit Shoa-Forschung beschäftigen und die Zahlen in der Schule gelernt haben. 

Wenn man sich nur die reinen Opferzahlen ansieht und nicht die Motivation und Durchführung dann liegt es natürlich nahe die Shoa mit anderen Massenmorden zu vergleichen und dann fällt natürlich schnell der Satz, "dass im großen stalinistischen Terror ja viel mehr Menschen umgekommen sind."

Kommentar von bagdader ,

Deutsche haben auf unglaublich grausame Weise auch eineinhalb Millionen Kinder ermordet. Wer das Buch von Christopher Browning über das Polizeiregiment 101 gelesen hat, weiß, dass die Mörder keine grausamen, perversen Zombies, sondern ganz normale Familienväter waren, die meisten freiwillig dabei und froh nicht an die Front zu müssen, manche wurden sogar von ihren Frauen zu den Erschießungen begleitet. Männer vom 101er schickten Fotos von den Erschießungen im Osten an Familienmitglieder, zeigten sie beim Fronturlaub am Stammtisch in fröhlicher Runde beim Bier rum.

Sie taten ihr "Handwerk" wie Metzger, die eine ganz normale Tätigkeit ausüben, sie dachten sich nichts dabei. Bei den Erschießungen berichteten Beteiligte, sprangen die Schädelknochen und das Gehirn meterweit und beschmutzte die Täter. Die Uniformen mussten täglich in die Wäsche...

Dennoch machten sie weiter.

Wie war es möglich, dass diese Deutschen in ihren Opfern nicht Menschen, Ihresgleichen, sehen konnten?

An der parteimäßigen Indoktrinierung und dem fanatischen Antisemitismus lag es nicht, nur ein Drittel der Täter was NSDAP und/oder SS.

Erst bei den Prozessen, nach dem Krieg, begannen manche (nicht alle!) nachzudenken und das Gewissen machte sich bemerkbar.

Schlimmer ist, dass es heute im 21. Jh. noch deutsche Menschen gibt, die diese Untaten nicht wahrhaben wollen, die relativieren, die leugnen, die von "deutscher Ehre" faseln, die "nicht besudelt werden darf".

Für mich hat das Bildungssystem der BRD total versagt. Auch scheint mir das Wirtschaftssystem verantwortlich für die Bildungsmisere.

Man will keine über sich nachgrübelnden Deutschen, sondern blinde, thumbe, unkritische Konsumenten, die sich wohlfühlen, ranklotzen, kaufen, fressen, Sex haben und zufrieden sind mit Niedriglöhnen. Deshalb mache ich auch den Unterschichten ob ihrer Ungebildetheit keinen Vorwurf. Die Eliten, die haben die Schuld.

Antwort
von Shiranam, 17

Es ist verankert.

Es gibt kaum einen Tag, an dem man im Fernsehen nicht daran erinnert wird. Man darf das niemals vergessen. Wichtiger noch ist, dass jeder persönlich seine Lehren daraus zieht, denn schuldig sind unsere jüngeren Generationen NICHT.

Was mich stört, ist, dass man fast nur noch dieses Thema hat und somit sich scheinbar jeder Deutsche persönlich schuldig fühlen soll.

Es ist wahr, dass es auch andere Grausamkeiten gab. Völkermorde. Auch die dürfen nicht geleugnet werden. Auch aus diesen sollte jeder Mensch seine persönlichen Lehren ziehen. Auch daran sind die jüngeren Generationen NICHT schuld.

Es zeugt von Dummheit, da vergleichen zu wollen. Solche Vergleiche bringen uns nicht voran und machen keine Grausamkeit ungeschehen. Leider.

Ich sage nur, wir alle, die ganze Welt muss verstehen, warum soetwas geschehen konnte. 

Leider komme ich persönlich, psychologisch bisher nur zu dem Schluß, das derartiges jederzeit wieder passieren kann, weil man einfach die einzelnen Taten soweit zerstückelt, dass Niemand mehr das Gefühl hat, Verantwortung für das Gesamte tragen zu müssen. Man führt ja nur aus, was Andere entschieden...

Hoffen wir alle, das ich mich irre!

Da will ich mich irren!

Antwort
von Reinhardwm, 13

Das ist ein äußerst schwieriges Thema.

Die Beweislage basiert im Wesentlichen auf Zeugenaussagen, Fotos und einer einzigen Kopie des sog. "Wannseeprotokolls". Was natürlich Zweiflern in die Hände spielt ist die Tatsache, dass jeder allzu laut ausgesprochene Zweifel am Holocaust unter Strafe steht - nicht nur ein geschichtliches Novum sondern auch ein Verstoß gegen das Grundgesetz, dass es Jedem frei stellt, sich aus frei zugänglichen Quellen uneingeschränkt zu informieren und auch das Recht auf freie Meinungsäußerung garantiert. Soll heißen: in diesem Spezialfall kann man nicht die unterschiedlichen Argumente abwägen und selber Rückschlüsse ziehen (sogar ich muss hier äußerst vorsichtig sein mit dem, was ich schreibe).

Wohl interessantestes Beispiel ist ein Vortrag eines französischen (!) Historikers, der sehr ausführlich zu belegen versuchte, dass zumindest die Zahl der ermordeten Juden technisch unmöglich zu realisieren gewesen sei und die Gaskammern technisch so gar nicht funktioniert hätten. Ob man nun dieser Argumentation folgen will oder nicht - auf YouTube verschwindet das entsprechende Video immer wieder genau so schnell wie es hochgeladen wird. Interessant aber ist die Gegenargumentik einer anderen Gruppe französischer Historiker: "der Holocaust ist dadurch bewiesen, dass er statt gefunden hat". Ein Argument,dass vor keinem demokratischen Gericht bestand hätte...

Und auch wenn es im Verlauf der Geschichte viele Völkermorde gegeben hat - diese Form der industrialisierten Ausrottung (von der ich persönlich ausgehe, dass sie statt gefunden hat, bei allem kritischem Denken habe ich bislang keinen überzeugenden Gegenbeweis gehört) ist wirklich einmalig.

Was aber noch ein weiteres Problem ist: uns Deutschen wird dadurch auf alle Zeiten ein Schuldkomplex eingeimpft, gegen den sich die Menschen zunehmend wehren wollen. Ja, das ist absolut unglaublich, was damals passierte. Und man darf es nie vergessen und schon gar nicht darf es sich wiederholen. Aber die Täter von damals leben fast alle nicht mehr. Ich selber kam 19 Jahre danach auf die Welt. In wie fern trage ich also eine Schuld? Oder meine Eltern, die bei Kriegsende kleine Kinder waren? Oder meine Großeltern, die allesamt einfache, unpolitische Arbeiter waren?

Kommentar von bagdader ,

Bezüglich der Gaskammern und deren Leistung:

Etwa 40 % der von Deutschen ermordeten Juden, wurden erschossen, erschlagen, verbrannt, erhängt, ertränkt, erwürgt, lebendig begraben, mit Handgranaten oder Explosivstoffen getötet, zu Tode gehungert, oder sind an unbehandelten Krankheiten gestorben.

Wie heißt den der erwähnte französische Historiker?

Historiker darf sich jeder nennen, der Geschichte studiert hat. Dies ist keine geschützte Berufsbezeichnung und viele Historiker schreiben zur Eigentherapie oder für Geld an der Wahrheit vorbei. So gesehen musste du einen überprüfbaren Namen nennen oder Deine Infos können nicht ernstgenommen werden.

Der deutsche Genozid an den Juden ist absolut einmalig.

Kommentar von Reinhardwm ,

Den Namen hab ich leider vergessen, war irgendwann in den 80ern. Er bezog sich hier rein auf die Zahlenangaben derjenigen, die vergast wurden (wobei es da kaum belastbares Material gibt, diese Zahlen beruhen zumeist auf Schätzungen, was auch schon wieder jedes Argument dafür oder dagegen erschwert). 

Das man damals auch sonst "kreativ" (im negativen Sinne) war ist klar. Auf das vergasen verfiel man eh erst später, weil dass im Vergleich zu den anderen Methoden schnell, preiswert und effektiv war. Manche von diesen ... nun ja, "Menschen" möchte ich die Verantwortlichen kaum nennen) nannten das sogar noch "humaner".

Antwort
von paulklaus, 5

VORAB: Ich danke dir aufrichtig für deine Frage, die ich (jedoch) nicht beantworten kann !

Wenn ich hier in manchen Antworten lese, dass die Leugner angeblich nicht viele an der Zahl sind (egal ob 1000 oder -zigtausende), so kann ich nur verständnislos mit dem Kopf schütteln.

Das "Thema" wurde zu meiner Gymnasial-Zeit (u.a. Anfang der 60er Jahre) sowohl in der Schule als auch von der Generation meiner Eltern völlig (!!) TABUISIERT. Wurde es überhaupt erwähnt, durfte natürlich im selben Atemzug das "Argument" nicht fehlen: "Die Engländer erfanden die KZs im Burenkrieg."

Dass stramme Nazis bis in die 70er Jahre höchste politische Ämter bekleideten, dürfte allgemein bekannt sein...

Zurück zur Frage: NEIN !! Ich habe darauf keine Antwort und ringe seit sieben Jahrzehnten um eine solche !

Schon VOR meinem Abi - s.o. - hieß es allerorten, nun müsse aber endlich mal Schluss sein mit diesem Thema; wir könnten ja nicht eeewig schuldig sein für Gräueltaten der Generation unserer Eltern. - Und protestierte jemand gegen dieses "Argument", galt er als Nestbeschmutzer.......


Warum gehe ich so ausführlich auf deine Frage an, obwohl ich sie nicht beantworten kann ?!?!


Weil ich der DUMPFHEIT vieler Deutscher ohnmächtig gegenüberstehe !

Weil wir UNMITTELBAR vor demselben braunen Sumpf stehen - oder uns schon in ihm befinden - wie damals !

Rechtsradikalismus ist so salonfähig geworden, dass seine Mentalität fast zum guten Ton gehört, denn


Geschichte ist die ewige Wiederkehr des Gleichen !! 


pk

Antwort
von MatthiasHerz, 17

Wenn von achtzig Millionen plus x Deutschen ein paar tausend das Genannte anzweifeln, sind das dann für Dich so viele?

Kommt natürlich auf den Standpunkt an. Bewegst Dich in deren Zentrum, ist die Menge natürlich enorm.

Beschäftigt man sich, wie ich und so viele andere, nur in der Schulzeit und im Rahmen der Geschichte mit dem Holocaust, rückt das Geschehen nach und nach ferner in die Vergangenheit.

Ja, es war schrecklich und darf und sollte niemals vergessen werden, aber als Nicht-Zeitzeuge des Jahrgangs 1970 betrachte ich es dennoch inzwischen mit einer gewissen Distanz.

Für zukünftige Schülerjahrgänge wird die subjektive Entfernung immer größer, weil sie als Mitteleuropäer niemals einen Krieg mit all seinen Gräueln unmittelbar erlebten.

Antwort
von dafsjdcchgs, 33

Es sind nicht viele deutsche. Nur n paar nazis bezweifeln es

Kommentar von Reinhardwm ,

Also Jeden, der den Holocaust anzweifelt als Nazi zu bezeichnen ist ein ähnlich einschichtiges Bild wie jeden Juden als "ausrottungswürdig" anzusehen. Zu den prominentesten Zweiflern gehört z.B. ein jüdischer Wissenschaftler aus Israel. Der ist ja wohl kaum ein Nazi.

Und nein, ich betrachte die Thematik zwar kritisch, gehöre an über nicht zu den Zweiflern.

Antwort
von ClausO, 15

Warum hat Jude Hitler so viele Juden vergasen lassen, das frag ich mich, und seit dem sind die am jammern und wollen Entschädigung und hier das sagen haben. Keine Frage, es gab Millionen Tote, Aber der Grund war, das ein paar machtgeile Schweine Europa für sich alleine wollten. Und deshalb wurde Europa entmenscht. Durch Krieg und Vernichtung.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten