Warum wird das deutsche Schulsystem nicht verbessert?

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17 Antworten

Was ist denn eigentlich so eine Schule in einem hochindustrialisiertem Land wie Deutschland? Nun, es ist der Zubringer für die Arbeitswelt. Dazu gehören bestimmte Fachlenntnisse und Disziplin, nämlich sich anzupassen und für etliche Stunden Leistungen zu erberingen. Genau diese Wünsche der Arbeitgeber erfüllt die Schule im hinreichendem Maße. Mithin ist der Staat mit seinem Bildungssystem durch aus zufrieden.

Da nun der Bedarf an Fachkräften nicht so riesig groß iss, ist es ziemlich egal, ob alle Schüler gute Leistungen erbringen oder nicht. Ein Teil der Schüler sind leistungsorientierte Menschen und deren Anzahl genügt den Arbeitgebern.

Fazit: es bleibt alles so wie es iss, ein paar kosmetische Korrekturen eingeschlossen. Es darf zwiwchenzeitlich ein wenig gemeckert werden und siehe, sind`s gar viele Meckerer und Kritiker noch dazu, dann werden kleine Korrekturen am Bildungssystem vorgenommen und dann hat sich`s.


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Kommentar von wfwbinder
31.08.2016, 18:43

    Da nun der Bedarf an Fachkräften nicht so riesig groß iss,

Das ist ja nicht richtig. Sowohl in den MINT Fächer im Akademischen Bereich, wie auch bei den entsprechenden Facharbeitern hapert es.

Viele Ausbildungsplätze bleiben schon unbesetzt, weil die Schulabsolventen, den Mindesterfordernissen nicht entsprechen.

Ich denke es ist nciht eine Frage der Qualität der Schulen, sondern eine Frage der Qualität der Erziehung in den Familien.

Als ich meinen Hauptschulabschluss machte (1969, danach Handelsschule und nach weiteren 17 Jahren Hochschulreife), gab es auch mal Schulschwänzen. wer das Gegenteil behauptet, der lügt. Aber wie heute, dass Schüler wochenlang nicht in der Schule erscheinen, war fast unvorstellbar. Dreimal die Woche bekam man daheim gesagt, geh schön in die Schule, lerne ordentlich, mache was der Lehrer sagt, damit du es mal besser hast als wir.

Das scheint heute in den Familien zu fehlen.

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Es wird nicht verbessert, weil es das, was es tun soll, ausreichend bis ausgezeichnet erfüllt.

Es stellt genügend und ausreichend ausgebildete (nicht unbedingt gebildete) Abgänger für Wirtschaft und Verwaltung zur Verfügung. Nicht so gut wie möglich, sondern so gut wie nötig. Ein Stichwort dazu ist: Bologna-Prozess

Es ist die Spielwiese von 17 Kultusministerien, samt den dazugehörigen Beamtenapparaten und bietet sichere Versorgungspfründe und Profilierungsmöglichkeiten.

Es sorgt dafür, dass Deutschland das Industrieland in der Welt bleibt, in dem der Aufstieg über die Grenzen sozialer Klassen und Schichten hinweg am wenigsten anzutreffen ist. Das Bildungssystem in Deutschland ist sozial selektiv und sorgt dafür, dass die Gebildeten und wirtschaftlich besser Gestellten unter sich bleiben. Chancengleichheit ist nur formal gegeben, praktisch aber besteht eine eklatante Benachteiligung derer, die in ihrem Elternhaus weniger Bildungshintergrund haben und wirtschaftlich weniger Möglichkeiten, derartige Nachteile wettzumachen. Das nennt man dann scheinheilig die Verantwortung der Eltern.

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Kommentar von PeVau
30.08.2016, 13:08

Ergänzung:

Unser Bildungswesen ist auch wichtig für die Nachhilfeindustrie. Ein ständiger Strom bedürftiger und zahlender Kundschaft ist für diese Branche schließlich die Existenzgrundlage.

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Kommentar von derdorfbengel
30.08.2016, 13:43

Exzellente Antwort. Erspart mir sogar eine eigene und lässt mich den Dornröschenschlaf hier leichter ertragen.

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Weil es dem Machterhalt dient.

Durch den Schulzwang werden alle daran gewöhnt, sich den Verhältnissen zu unterwerfen und das natürliche Bedürfnis nach Freiheit und Selbstbestimmung aufzugeben. Nach etwa 12 Jahren Unterordnung weiß kaum noch jemand, was Freiheit eigentlich ist.

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Kommentar von randomhuman
30.08.2016, 18:45

Und dein Vorschlag zur Vermittlung von Wissen ist welcher?

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Zum einen gibt es zwar viele Ansätze, aber die sind oft konträr zueinander. Die Einigung in welche Richtung es geht ist oft nicht leicht. Zum anderen sind Politiker meist nicht für Experimente zu haben. Es ist besser als der da zu stehen, der nichts gemacht hat, als am Ende der zu sein, der mit seinen Neuerungen alles nur verschlimmert hat.

Das Hauptproblem ist aber, dass bei uns das Lehramtsstudium oft nur aus Mangel an Alternativen gewählt wird. Ich habe bei meinem Abiturjahrgang einige gekannt, die eigentlich etwas anderes studieren wollten, aber aufgrund von NC Vorgaben oder Auswahlverfahren, den Studiengang nicht belegen konnten und dann gesagt haben "Na dann studiere ich halt XY auf Lehramt. Das geht immer.". In den Ländern, in denen die Schulen als vorbildlich gelten gibt es welche mit eingliedrigem System und welche mit viergliedrigem System. Was diese Länder aber gemeinsam habe ist, dass dort nicht jeder, der ein Abitur hat auf Lehramt studieren kann. Das Lehramtsstudium in diesen Ländern ist einem höheren Selektionsdruck unterworfen und der Anteil an psychologischer Schulung ist in der Regel viel höher.

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Es wird sicher nicht ignoriert. Aber ich glaube wenn man noch nie in der Politik gearbeitet hat, weiß man gar nicht wie unglaublich schwer und unglaublich teuer es ist, Reformen durchzusetzen!! Also nicht so schnell urteilen. Außerdem hat jeder andere Vorstellung vom optimalen und wenn man sich nicht einigen kann wird es dank Demokratie auch nie zu einer Änderung kommen.

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Ganz einfach. Weil kein Geld, keiner Zeit oder Lust dazu hat oder gar nicht erst gehört wird. Wie ist es denn in der Schule. Jeder muss alles wissen und beherrschen. Schwachsinn. Jeder hat stärken und Schwächen. Anstatt zu versuchen die Schwächen zu stärken, sollte doch viel mehr die Stärken ausgebaut werden. Dies würde später viel mehr helfen. Wenn du Chemiker werden willst brauchst du doch keine eins in Musik. Denn später wirst du etwas machen was dir liegt und nicht was dir nicht liegt. Man verschwendet Zeit und Energie für etwas was du später wieder korrigieren musst. Am Beispiel Chemiker... Du bist gut in Chemie aber forderst dies nicht. So musst du später im Studium viel mehr nachholen. Und dann nützt dir keine gute Zensur in Englisch. Technik oder Geographie. 

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Was willste denn konkret verbessern?

Das was ich häufig als Vorschläge lese halte ich für unnötig bzw. unpraktikabel.

Da wird dann zum Beispiel von vielen Praktikas gesprochen, weil sonst der arme Schüler nicht herausfinden kann, was er mit seinem Leben anfangen will. Dass man Praktikas auch während der Ferien machen kann, scheint außer Acht gelassen zu werden.

Oder der Vorschlag, dass der Schulbesuch freiwillig sein sollte. Im Endeffekt ideal um eine Unterschicht ranzukriegen, welche nichts hinterfragt. Oder um Kinderarbeit zu fördern.

Noch als letztes Beispiel die Fächer: Da wird davon gesprochen, dass man nicht weiß, wie man ohne Kochunterricht überleben soll. Dafür bräuchte es halt entweder Eigeninteresse oder die Eintrichterung des Wissens durch die Eltern. Im Endeffekt scheint das Wissen aber nicht dringlich genug zu sein, dass man Eigeninitiative zeigt und es sich selbst beibringt. Das selbe lässt sich auf viele Themengebiete ausbreiten.

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das ist quatsch.

das problem ist nicht unser schulsystem, sondern zum einen großteils völlig verzogene kinder und auf der anderen seite "schlechte" lehrer - denn nicht das system, sondern die struktur und der aufbau des unterrichts ist für den lernerfolg und die motivation entscheidend - und dafür ist die person vor der tafel zuständig.

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Kommentar von BTyker99
30.08.2016, 10:23

Unabhängig vom Schulsystem gibt es aber noch andere wichtige Punkte, an denen man ansetzen könnte: Meiner Meinung nach fehlt häufig der Praxisbezug und die meisten Kinder haben nach der Schule keine Vorstellung davon, wie es weitergehen könnte. Ich halte es daher für sinnvoll in die Schullaufbahn mehrere kurze Praktika einzubinden, um möglichst viele Berufsmöglichkeiten aufzuzeigen. Dazu müssten sich natürlich auch die Betriebe eine andere Kultur aneignen, da diese Schnupper-Praktikas ihnen direkt wirtschaftlich nicht einbringen würden, langfristig gesehen aber vielleicht doch.

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Kommentar von randomhuman
30.08.2016, 18:41

Neja ich glaube so einfach kann man das nicht sagen und vor allem nicht verallgemeinern. Das Schulsystem braucht auf jeden Fall eine Modernisierung und auch ein anderes Konzept, welches sich in die moderne Welt einfügt. Im Moment ist das Schulsystem träge und zu komplex für Verbesserungen oder Veränderungen. Das macht es unflexibel und dementsprechend nicht zukunftsträchtig.

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Damit kann man vermutlich nicht genug Wähler mobilisieren, und Schüler können zumeist nicht wählen.

Man kann heute schon froh sein, wenn die Eltern die Kleidergröße ihrer Kinder kennen, aber sich für die Schulbildung einzusetzen, geht wohl zu weit. Es ist ja auch klar, dass wenn man sich heute für eine Änderung einsetzen würde, das frühestens bei der nächsten Generation zur Anwendung kommen würde (und das sind dann die Kinder, die mit den eigenen konkurieren ;-) )

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Es gibt schon Initiativen, aber das sind alles nur kleine Projekte.Schulen sind halt nicht sexy für den Wahlkampf.

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Wieso? Es wird seit 200 Jahren daran verbessert, leider bleiben einige Verbesserungen ein Schlag ins Wasser.

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Weil, die damit auch ein Ziel verfolgen - frühe Manipulation. Das hat alles ein genaues System. Nach der Grundschule kommt dann das Schubladen-System, um zu  uns in Kategorien zu unterteilen. Dementsprechend wird dann dann weiter manipuliert. 

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Kommentar von FrageAntwo
31.08.2016, 14:54

Wie kommst du darauf wir würden manipuliert?

Das ist eine falsche Unterstellung

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Inwiefern "verbessern"? Um welche Probleme mit welchen Lösungen wie zu bearbeiten?

Das deutsche Schulsystem ist hervorragend! Es hat maßgeblich dazu beigetragen, den hohen Lebensstandard durch eine flächendeckende Bildungsversorgung auf höchstem Niveau für ALLE schulpflichtigen Kinder zu gewährleisten.

Wie also grezt du "Verbesserungen" von Verschlimmbesserungen ab?

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Kommentar von BTyker99
30.08.2016, 10:26

Das Schulsystem ist überhaupt nicht hervorragend, bei Pisa stehen wir recht weit hinten an. Meiner Meinung nach ist aber vor allem problematisch, das Schulabgänger in der Regel keinen Bezug zum späteren Beruf aufbauen und quasi bei Null anfangen, und sich so innerhalb kürzester Zeit aus dem Nichts für eine Karriere entscheiden müssen.

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Kommentar von voayager
30.08.2016, 15:24

Näheres dazu, siehe PISA!

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Kommentar von randomhuman
30.08.2016, 18:44

Also von hervorragend ist das System meilenweit entfernt oder besser gesagt alle 16 Systeme, was schon mal das Hauptproblem am System ist. Es braucht ein bundesweites flexibles und modernes Bildungssystem. Aber davon sind wir weit entfernt.

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Weil die "Verbesserungen" nicht für jeden Verbesserungen sind und weil Veränderungen auch immer Kosten bedeuten. 

Das hin und her zwischen G8 und G9 war natürlich völliger Quatsch.

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Hallo,

die "oberen Zehntausend" (zu denen auch die Politiker gehören) sind nicht an der Verbesserung des sogenannten "Bildungssystems" interesiert. Es soll gerade dazu ausreichen, Arbeiter heranzuerziehen, damit Industrie, Wirtschaft etc. (ungebildete)Arbeitskräfte für ihre Produktionsanlagen haben.

Dazu kommt, dass Bildungspolitik eine Angelegenheit der einzelnen Bundesländer ist und nicht des Bundes. Die Bundesländer, vor allem Bayern, würden sich mit allen Mitteln (und mit "allen Mitteln" meine ich auch wirklich alle Mittel) dagegen wehren, das Bildung eine Angelegenheit des Bundes wird.

MfG

Steven Armstrong

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Da muesste man schon mal die Frage aufwerfen,ob es Rahmenbedingungen für alle Länder geben muß! Es also eine Bundesangelegenheit wird.

Wenn ja,wärs möglich.

Wenn nein,also weiter alleinige Landeskompetenz nicht möglich.Der Grund dafür sind "grüne bzw.rote " Projekte,die sehr stark mit bildungspolitischen Vorstellungen von "schwarzen" Regierungen korrelieren.

Dazu muß man auch sagen das eine föderative Gesamtschule in Baden-Württemberg immer noch eine andere Qualität hat,als die gleiche in Bremen.

Eine weitere Problematik gibt es.Sollte Unterricht und Kultus,straffer,einheitlicher,regulierter werden,wären hunderte Schulbuchverlage nicht mehr zu halten.Hier gibt es eine starke Lobby,die daran interessiert ist,das der Staat eben nicht gleiche Materialien und Bedingungen für alle Schüler schafft.

Beste Grüße

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war es Marx, der behauptete "der Staat ist nur das Machtinstrument der herrschenden Klasse" ?

Die herrschende Klasse breche ich für Nichtmarxisten der Einfachheit halber auf "das grosse Geld" herunter. Die (Privat)Eigentümer der Produktionsmittel.

Kein Staat unter kapitalistischen Verhältnissen kann eine allseits gebildete Bevölkerung gebrauchen. Das wäre eher eine Gefahr (siehe die 68'er Studentenunruhen ).

Zum Funktionieren braucht er eine grosse Masse an Malochern, denen die Maschinen den "Geist" abnehmen.

Daneben eine kleine Elite, welche die Malocher managt, zusammenhält.

Deswegen auch schon die frühe Auslese in Gymnasium und Realschule.

Du kannst wissbegierig sein ohne Ende. Kommst Du aus einfachen Verhältnissen, wird es schwer, das Ding bis zum Studium durchzuziehen.

Eine Art gewollte Schranke.

Ich weiss, arg verkürzt, aber im Kern wohl nur schwer zu widerlegen.

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Kommentar von nocheinnick
04.09.2016, 17:02

Und auch das Studium hilft nicht viel um aus der Unterschicht aufzusteigen, denn Mittelschichtler werden schon von Anfang anders sozialisiert. Den zukünftigen USlern wird mehr beigebracht sich anzupassen und untereinander auszukommen, aber auch keine Abweichler zuzulassen. Die kleinen MSler lernen von Anfang an mehr Führungskompetenzen, also dass man die anderen auch mal scheuchen kann und deren Bedürfnisse nicht so ernst nehmen muss. Sprich: wie man USler am besten ausbeutet. Das kann man später kaum noch nachholen und so landet auch der akademische USler eher auf schlechten Posten.

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