RolfHoegemann am 03.10.2007 um 19:56 Uhr
Es fiel mir heute wieder in den Rundfunknachrichten auf. Es hiess "Merkel besuchte..." Warum wird nicht "Frau Merkel" oder "Herr Westerwelle" gesagt/geschrieben. Ich empfinde das genaugenommen als Unhöflichkeit. Hat das einen besonderen Grund, dass man diese Anrede weglässt?
Herr und Frau ist eine Anrede. Wenn in den Nachrichten von Frau Merkel oder Herrn Stoiber gesprochen würde, wäre das nur lächerlich. Genau wie bei den Todesanzeigen an und an immer noch geschrieben wird: Heimgegangen Frau Juliane Lünterbusch. Das ist genau solch ein Unsinn.
Das einzige, das zu Merkel, Schröder oder Stoiber passt wären Ihre Titel Dr. oder auch die Berufsbezeichnung Bundeskanzlerin.

Wegen der Kürze. Richtig müsste man im ersteren Fall Frau Bundeskanzlerin Dr Angela Merkel sagen. Das geht aber auf Kosten der Nachrichtenzeit.
pooky am 3. Oktober 2007 20:43 @tradaix: das ist falsch.

Nachrichtentexte sind in einer Variante der Erzählform geschrieben. Hier gibt es in der Regel keine Anreden.

Man hat heute keine Zeit mehr für solche Förmlichkeiten. Es ist schade aber Zeit ist Geld
critter am 3. Oktober 2007 20:25 Bei dieser Antwort wird mir leider ein wenig schlecht, ehrlich! Soll das heißen, dass wir alle Höflichkeiten über Bord werfen sollen, denn "Zeit ist ja Geld". Da wundert mich heutzutage so manches nicht mehr. Schade.
In anderen Ländern hat man komischerweise die Zeit für Herr und Frau, und die schwimmen auch nicht auf der Brennsuppen daher.
pooky am 3. Oktober 2007 20:42 @critter: Keine Sorge, das hat nichts mit der Zeit zu tun...

Ich vermute mal, dass es mit Zeit-/Platzersparnis zu tun hat. Besonders, wenn man mehrere Personen aufzählt. Allerdings ist die fehlende Anrede besonders auffällig, wenn es sich um eine Frau handelt. Das hört sich irgendwie unhöflich an. Aber natürlich gilt: Wenn schon keine Anrede, dann für alle. Außerdem wirkt es neutraler. Stell dir mal vor, ein Reporter spräche von "Herrn" Goebbels. Man würde ihn sofort der Sympathisierung verdächtigen.
@Regenmacher: Du sprichst mir aus der Seele, danke!
Anreden haben in Nachrichten, Artikeln usw. nichts zu suchen, denn es sind Berichte.
Warum hat das in berichten nichts zu suchen? Kann man diese Regel irgendwo einmal nachlesen und die Verbindlichkeit derselben überprüfen?
Ich habe das auf der Journalistenschule München gelernt, zu deren Absolventen ich gehöre. Als Literatur empfehle ich das Buch "Nachrichten im Hörfunk" vom Vista-Verlag oder "Journalismus und Stile".
Nur mal so, wie eine Nachricht mit Anreden im Radio / Fernsehen klingen könnte:
Frau Bundeskanzlerin Angela Merkel hat ihre politischen Gespräche in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba aufgenommen. Nach einer Begrüßung mit militärischen Ehren vor dem Nationalpalast traf sich Frau Merkel mit dem äthiopischen Premierminister Herrn Meles Zenawi.
Addis Abeba ist die erste Station der Afrika-Reise der Kanzlerin. Bis zum Sonntag wird sie auch Südafrika und Liberia besuchen. Frau Merkel will mit der Reise die Kooperation zwischen Deutschland, der EU und den afrikanischen Staaten verbessern. Dazu dienen auch Gespräche mit den Repräsentanten der Afrikanischen Union in der äthiopischen Hauptstadt.
Jetzt mal ernsthaft: ist das ein guter Stil? Stell dir vor, wir würden das auch so in Romanen, Büchern usw. lesen können, also überall, wo Erzählformen vorkommen...
Also - mich täte das nicht stören - wobei es mich bei Nennung des Vornamens nicht stört, wenn Herr/Frau weggelassen wird. Der reine Nachname klingt für mich halt respektlos. Und in den Romanen/Büchern die ich lese ist es mir noch nicht aufgefallen, dass diese Anrede weggelassen wird. Aber ich mag auch keine moderne Literatur - bei der könnte es wohl schon so sein.