Warum wird Anarchismus als linksextrem eingestuft?

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10 Antworten

Na ja, eine Gesellschaft ohne Staat ist auch das angestrebte Ideal von Kommunisten.

Ferner war die ursprüngliche Konfrontation die gegenüber dem leibeigenschaftlichen Feudalsystem mit all seiner Beschränkungen individueller Freiheit.

Heutzutage, angesichts formaler gleicher Rechtsstellung aller Menschen und einer sozialstaatlichen Mindestdaseinsfürsorge für sozial Schwache läuft Anarchismus fraglos Gefahr, auch schnell für rechtspopulitische bis -extreme Dampfplauderei instrumentalisiert zu werden...


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Na, ich vermute mal, weil beide anti-elitär sind und in gewisser Weise die Gleicheit der Menschen vorn an stellen.

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Da Linksautonome ein selbsterklärendes Bild zum Anarchismus liefern, und zudem auch von linksorientierten Parteien noch Spenden erhalten, dürfte die Sachlage selbsterklärend sein.

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Wenn man von der ursprünglichen Definition rechts=konservativ und links=revolutionär ausgehts, stimmt diese Zuordnung ja. Anarchie hat es bisher nicht gegeben und widerspricht auch allen Staatsformen dieser Welt. Es ist also neu->links

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Kommunisten/Sozialisten und Anarchisten haben beide das gleiche Ziel, einen herrschaftsfreien Kommunismus, lediglich der Weg dorthin unterscheidet sie. Anarchisten wollen eine klassen,- und staatenlose Gesellschaft möglichst gleich, Kommunisten betrachten das hingegen als Utopie und gehen den Weg zum Kommunismus erst einmal über den Sozialismus. Sie gehen mithin etappenweise vor. Letztere sind bis dato nicht an dieses angestrebte Ziel angelangt.

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Kommentar von DanielJ1978
06.02.2017, 11:57

Hier wollen wir doch bitte unterscheiden und zwar zwischen Kommunismus und Kommunismus. Kommunismus in seiner ursprünglichen, prämarxistischen, Veranlagung ist deutlich von der marxistischen oder auch parteikommunistischen Linie zu unterscheiden. Während der prämarxistische Kommunismus tatsächlich sehr nah an anarchistischen Ideen und Leitbildern liegt, hat der Kommunismus marxistischer Ausprägung damit nur noch äußerst wenig zu tun. Das liegt zu einem beträchtlichen Teil daran, daß Marx zwar von der Befreiung der Arbeiterklasse und deren Gleichberechtigung schrieb, gleichsam dieser Arbeiterklasse aber alle Fähigkeit zur Selbstverwaltung absprach und den Bestrebungen der Arbeiter eine Führungsriege anriet. Darauf basiert der Parteikommunismus, der von einem absurden Führungsanspruch gewisser Teile der Bewegung über andere ausgeht.

Zum Erreichen des angestrebten Zieles einer anarchistischen Gesellschaft:

Sie schreiben, daß dieses Ziel bislang nicht erreicht wurde. Das ist insofern falsch, daß es eben doch funktionierende anarchistische Gesellschaften gab. So entstand, nach der Machtübernahme der Kerenski-Regierung im Februar 1917 in Russland, zwischen 1917 und 1921 eine anarchistisch geprägte und funktionierende Gesellschaft auf dem Gebiet der Ukraine. Während des gesamten russischen Bürgerkriegs - welcher übrigens von marxistischen Parteikommunisten vom Zaun gebrochen wurde - blieb die Ukraine als anarchistisches Gebilde bestehen. Die Kerenski-Regierung ließ die Anarchisten in der Ukraine gewähren, da diese für die russische Regierung zu dieser Zeit keine Bedrohung darstellte. Erst mit der vollständigen Machtübernahme durch Lenin und Stalin in Russland gerieten die ukrainischen Anarchisten unter Nestor Machno ins Visier des russischen Nachbarn, da die anarchistischen Ideen und deren erfolgreiche Umsetzung für den Großmachtswahn der russischen Parteikommunisten tatsächlich gefährlich waren, weil sie zeigten, daß es eben auch ohne Führung durch Eliten geht.

Eine zweite funktionierende anarchistische Gesellschaft etablierte sich in Spanien etwa um 1936. Hier ergab sich nach der Flucht von Großkapitalisten und Großbauern das schlichte Problem der Versorgung mit Lebensmitteln und Verbrauchsgütern. Auf Grund dessen übernahmen Arbeiter und Bauern die industriellen und landwirtschaftlichen Betriebe in Selbstverwaltung. Dieses Konzept war so erfolgreich, daß die, nach dem Sieg der Francofaschisten zurückkehrenden Grundbesitzer feststellen mußten, daß ihre Betriebe und Höfe deutlich produktiver waren als vorher. Das lag vor Allem daran, daß die spanischen Anarchisten so wirtschafteten, daß jeder Bürger das hatte was er zum Leben brauchte und einer Anhäufung von Kapital in wenigen Händen durch die Bevölkerung selbst entgegengewirkt wurde. Überschüsse wurden also nicht in die Hände eines dubiosen Fabrikbesitzers gegeben, sondern in bessere Produktions- und Arbeitsbedingungen investiert. Auch diese anarchistische Gesellschaft fiel denn Allmachtsfantasien eines Einzelnen zum Opfer, nämlich denen des Faschisten Franco.

In der heutigen Zeit finden sich funktionierende anarchistischen Strukturen oft innerhalb von etablierten Staaten. So gibt es in Südamerika indigene Gruppen, die zwar in der Theorie dem Gesetz nach einem Staat untergeordnet sind, von diesem aber weitestgehend ignoriert werden und sich so funktionierende, dem Anarchismus äußerst ähnliche Strukturen bewahren konnten. Gleiches gilt für Ureinwohner in einigen afrikanischen Staaten, die in der postimperialen Entwicklung zwar auch zu verschiedenen Staaten gehören, diese aber in ihrem täglichen Leben und im Umgang miteinander ausblenden und ebenfalls funktionierende, als anarchistisch zu bezeichnende Strukturen entwickelt haben.

Nicht zuletzt gibt es auch in Deutschland Gruppen innerhalb des Staatskonstruktes welche zwar der Form halber "regelkonforme" Strukturen aufweisen, in der eigentlichen Zusammenarbeit unter- und miteinander jedoch auf hierarchielose Strukturen bauen. So gibt es Vereine die sich zwar, um als Verein anerkannt werden zu können entsprechende Strukturen geben, diese aber in ihrer Arbeit völlig außen vorlassen. So gibt es zwar auf dem Papier Vorstände, diese haben jedoch in der realen Arbeit und Mitgliedern gegenüber keinerlei Autorität oder Weisungsberechtigung. Das ist zwar eine verwässerte Form des Anarchismus, zeigt aber, daß diese Idee im Kern funktioniert.

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Warum wird Anarchismus als linksextrem eingestuft?

Anarchisten sind genau dann linksextrem, wenn sie ein staatenloses System wollen, um eine klassenfreie Gesellschaft zu errichten, in der jedes Individuum die maximale Handlungsfreiheit hat. Der Linksextreme/Anarchist setzt voraus, dass eine Gesellschaft ohne Staat funktionieren kann!

Rechtsextreme Anarchisten gibt es nicht, da sich Rechtsextreme keine staatenlose Gesellschaft wünschen, um dann im Chaos und Krieg zu leben. Der Rechtsextreme hat die Vorstellung, dass ein vereinigtes Volk und ein mächtiger Staat zum Glück der Einzelperson führt. Anarchismus widerspricht dieser Vorstellung.

Zusammengefasst: Es gibt keine rechten Anarchisten, da das politische Ziel Unordnung wäre. Außer in terroristischen Vereinigungen ist Anarchismus also tatsächlich linksextrem!

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Kommentar von Disposable
27.01.2017, 17:07

als rechter Anarchist muss ich dir widersprechen

eine staatenlose Gesellschaft, wie von Rothbart, Hoppe oder Friedman jr. beschrieben, ist nicht chaotisch, sondern durch einen ungehinderten Preismechanismus organisiert

Im Gegensatz zu der linken Vorstellung einer staatenlosen Gesellschaft sind Menschen dann nicht nur dazu frei, in Weisen zu handeln, die keine Ungleichheit verursachen, sondern haben freie Verfügung über ihren Besitz und Kontrolle über ihre sowohl sozialen als auch wirtschaftlichen Interaktionen.

Gerade für jemanden rechten ist es ansprechend, nicht den Anschein von Toleranz sowie die gesellschaftspolitischen Ideen linker Gutmenschen aufgezwungen zu bekommen, sondern individuellem Ermessen auf eigene Kosten diskriminieren, oder auf eigenen Gefahr tolerieren zu können, und nicht den Import von Menschen inkompatibler Kulturen und das Erhalten unproduktiver Lebensweisen durch den Sozialstaat mitfinanzieren zu müssen, sondern von der Möglichkeit Unerwünschte vom eigenen Grund und aus der eigenen Geldbörse zu entfernen Gebrauch machen zu können, wie es eine staatenlose Gesellschaft ermöglicht

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Rechte wollen mehr Staat und Fremdbestimmung : Linke wollen weniger Staat und mehr Individualismus

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Kommentar von Dreadrasur
04.09.2016, 14:08

Dem würde ich widersprechen. Linke wollen einen starken Staat in wirtschaftlichen Angelegenheiten, während Rechte meistens eher zu freieren Märkten tendieren. Gesellschaftlich hingegen schränkt ein rechter Staat die persönlichen Freiheiten des Menschen mehr ein. Insofern würde ich argumentieren, dass ein Anarchist die Freiheiten aus beiden Ansichten vereint.

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Anarchie und Linksextremismus sind zwei verschiedene Welten.
Sozialismus bedeutet umverteilung, Diebstahl und Zwang, also der Faschismus und Korporatismus.

Anarchisten lehnen dies strikt ab!

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Kommentar von elagtric
27.09.2016, 00:53

Hi Gebraucht123 :

Die "Bedeutung" von Sozialismus als Umverteilung, Diebstahl und Zwang kannst Du doch bestimmt auch näher darlegen.

Wie Du da den Faschismus reinzudefinieren versuchst, würde mich ebenso interessieren:

Und zuguterletzt : was bedeutet für Dich Korporatismus ?

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Kommentar von Gebraucht123
16.10.2016, 23:02

Es geht mir bei der Beantwortung der Frage nach den unterschied zwischen Anarchie und Sozialismus und um nichts anderes. Sozialismus funktioniert nicht ohne einen Staat. Ein Staat bedeutet aber zwang und Gewalt, da er seine Bürger zwingt Steuern zu zahlen und Ihnen gesetze aufzwingt. Nur der Staat macht eine Umverteilung möglich, dh., wenn Geld von anderen genommen wird um es anderen zu geben. Das ist alles, mehr brauche ich dazu nicht sagen! In einer Anarchie gibt es keinen Staat, also auch keine Steuern usw

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Weil sich der Sozialismus und der Anarchismus nur dadurch unterschieden werden , dass es im Sozialismus eine Verwaltung gibt und im Anarchismus nicht. Sonst werden die selben Ziele angestrebt.

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Gebe dir absolut recht, Anarchisten und Linksextreme sind nicht dasselbe, obwohl sie viele Ähnlichkeiten aufweisen. Doch allein der Begriff "linksextrem" zeigt ja, dass sie sich noch zu dem System zählen, weil sie den Begriff links auf sich selbst anwenden, Anarchisten lehnen ja selbst diesen ab.

Wenn du noch mehr darüber erfahren willst, über z.B. den Unterschied zwischen Kommunisten und Anarchisten, warum Anarchisten überhaupt so vieles ablehnen und warum sie keine Partei gründen etc. solltest du unbedingt das Buch "Anarchie!" von Horst Stowasser lesen! Es ist etwas teuer, aber es lohnt sich wirklich!! Dann erst merkt man, mit wie vielen Vorurteilen wir dem Anarchisten begegnen!

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