Frage von whiteTree,

Warum werfen so viele Leute anderen "Faulheit" als schuldhaft vor?

Menschen haben eine unterschiedlich starke Fähigkeit, ihr Verhalten an äußeren (Leistungs-)Anforderungen oder Notwendigkeiten auszurichten, die der aktuellen Lust und Neigung entgegen stehen.

Der eine muss sich nur einen Ruck geben oder arbeitet ohne inneren Widerstand, wie ein Roboter, jeden Tag seine Aufgaben und Pflichten ab, bevor er an Vergnügen denkt. Der andere muss sich extrem quälen, um eine unangenehme Pflicht anzufangen, kann sie deshalb nur auf den letzten Drücker, schlampig oder gar nicht erledigen. Denn er hat einen viel größeren inneren Widerstand ("inneren Schweinehund") als der Fleißige.

Es sind wohl nur relativ wenige Leute aus freier Entscheidung faul; die meisten wissen um ihre Nachteile dadurch, wollen eigentlich anders, können aber nicht, weil ihr innerer Widerstand viel größer ist als bei fleißigen Menschen. Tricks, wie sich an höheren Zielen (Leistungsidealen, Status, Geld u.a.) zu orientieren, funktionieren nur bis zu einer gewissen Stärke des inneren Widerstands.

Der innere Widerstand ist in seiner Stärke kaum beeinflussbar; mangelnde Pflichterfüllung deswegen ist folglich nicht schuldhaft. Effektiv muss sich ein "Fauler" für seine schwache Leistung vielfach mehr anstrengen als ein Fleißiger für ein viel besseres Ergebnis.

Während anerkannt ist, dass jemand zu dumm sein kann, wird "Faulheit" immer noch als Schuld angeprangert

Antwort von Gegengift,
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Ich glaube nicht an diesen "natürlichen" inneren Widerstand.. Dieser Widerstand wird gemacht, er entsteht und kann auch eine Krankheit darstellen..

Natürlich wird trotzdem falsch damit umgegangen...

Wichtig ist aber auch für den "Faulen", die Ursache zu erkennen und dann etwas dagegen zu unternehmen.. Einerseits kann das passieren, in dem man seine innere Haltung ändert.. Oder man ändert die Druck verursachende Umwelt..

Zu hoffen, dass die Außenwelt eine geringe Leistung hinnimmt, ist utopisch..

Deshalb muss man an sich arbeiten.. Nicht weil es die Außenwelt so will, sondern weil man sich sonst selbst schadet...

Antwort von gottesanbeterin,
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Wir leben halt in einer "Leistungsgesellschaft", in der sich Menschen ausbeuten lassen und bereitwillig selbst ausbeuten.

Natürlich muss man dann so genannte "Faule" schief anschauen, die lassen sich ja nicht bereitwillig ausbeuten, wenn man das gut fände, wäre doch das ganze System gefährdet.

Antwort von marilda,
3 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Ein Mensch der "fleißig" Arbeiten kann, kann sich schwer vorstellen, dass anderen dies nicht können also meinen die "sie wollen es nicht können, sie sind faul".

Antwort von Fantasie23,
2 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Wegen Intoleranz.

Antwort von bini2803,
1 Mitglied fand diese Antwort hilfreich

"Disziplin"? "Selbstdisziplin"? Faul ist schlecht und fleißig ist gut? Da haben wir das Problem, mit dem ich - bzw. meine Patienten - täglich in meiner Praxis zu tun haben. Es geht um generalisierte Wertung und Verurteilung. Und das ist das Problem. Die Gesellschaft entscheidet, wie die Richtlinien sind. Ach wirklich? NEIN! Jeder lebt sein eigenes Leben, entscheidet über seine Eigenschaften, seine Verhaltensweisen und seine Leistung. Und er ist dann auch selbst verantwortlich hierfür, muss in Folge auch selbst die Konsequenzen (er)tragen. Aber BITTE! Ein jeder möge sich von diesen grausamen Vorgaben lösen und OHNE WERTUNG er selbst sein! Es ist NICHT wichtig, was Andere über mich denken und wie sie ihr Leben gestalten. Niemand hat das Recht, hier irgendein Urteil, geschweige denn eine Verurteilung vorzunehmen. Ich selbst habe Jahre gebraucht, um ohne schlechtes Gewissen mal "faul" auf dem Sofa zu sitzen - schlimm genug. Und was bitte ist faul? In unseren Kulturkreisen, definieren sich die Menschen über das Tun, anstatt über das Sein. Ein Lob den Menschen, die "einfach mal" SEIN können - es sind die Gesündesten und Weisesten. Schöne Grüße aus meiner ganzheitlichen Praxis, in der ich exakt diese Thematik täglich erolgreich bearbeite.

Antwort von cncVeteran,
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hi. ich glaube dass die ursachen von "faulheit" eher ein gesamtgesellschaftlich, hausgemachtes problem ist. die kürzlich eröffnete studie zum thema arm-reich zeigt ganz klar, dass die schere zwischen den betroffenen personen immer weiter auseinander geht. wenn man für seine ehrliche arbeit sich auch noch bei der arge zusätzlich unterstützung erbetteln muss, dann denke ich, dass es viele leute geben wird, die sich aus diesem grunde der leistungsgesellschaft versagen. es war und ist immer einen gegenseitiges nehmen und geben in unserer derzeitigen arbeitsgesellschaft. fäirer lohn für faire arbeit. die politik aber, lässt mit seinem nein gegenüber mindeslöhnen die leute im regen stehen. prikäre arbeitsverhältnisse und lohndumping sind ganz klar tendenziell verantwortlich für die umstände. nebenbei spielt auch die erziehung sicherlich eine große rolle. wenn unsere heutigen kinder schon mitbekommen dass mammi und pappi sich ihre zeit lieber vor dem computer oder fernseher verdingen, als regelmäßig einen job nachzugehen, was soll dann anderes aus diesem werden. sicherlich gibt es ausnahmen von der regel, aber das pfänomen von sozialhilfempfängern in der zeiten oder gar dritten generation ist bekannt. deswegen ist "faulheit" als ausdruck für eine krankheit sicherlich richtig, dennoch wird an die symptomatik herumgebastelt, und nicht die ursachen behoben. diese krankheit ist aber, wie schon erwähnt, ein hausgemachtes problem. ich selbst arbeite bis zu 50std die woche, auch weil mein job relativ gut bezahlt ist. ich wüsste nicht wie reagieren würde wenn mir jemand sagt, dass ich plötzlich nur noch 60% meines derzeitigen lohns bekommen soll, bei gleicher leistung. wär ich dann auch faul,wenn ich mich diesen umständen verweigern würde, und lieber meine zeit vorm computer bzw. fernseher verdingen würde??? jede medaillie hat zwei seiten, leider sehen zu viele menschen immer nur die eine- ohne die andere zu berücksichtigen. gruß

Kommentar von whiteTree,

Danke für die gute Ausführung, allerdings meine ich mehr eine Art Faulheit, die man selbst nicht kontrollieren kann.

Bei prekären und ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen, oder wenn Unternehmerlobbyisten und Politiker sadistisch von "Beine machen" und "kein Recht auf Faulheit" schwafeln und Streichung von Sozialleistungen fordern, um Leute in ausbeuterische Verhältnisse zu zwingen, ist es eine bewusste Leistungsverweigerung. Eine Leistungsverweigerung, die aus gutem Grund und -wie ich meine- mit moralischem Recht erfolgt.

Mir geht es aber gerade auch um Faulheit bzgl. eigener Interessen, dass man die Arbeit auch dann nicht gut hinkriegt, wenn sie gut bezalhlt ist, dass man seine eigenen Kinder nicht richtig versorgen und seine eigenen Ordnungs- und Hygienestandards in der Wohnung nicht einhalten kann.

Ich finde, wenn irgendwann die eigenen Kinder verwahrlosen und man es nicht mal mehr schafft, sich für einen VHS-Kurs anzumelden oder sich ein Buch zu kaufen und zu lesen, wenn man nicht mehr die Dinge schafft, die man eigentlich will, dann hat man ein echtes Problem, das sich nicht mehr auf Ausbeutungsverhältnisse zurück führen lässt.

Antwort von horne,
1 Mitglied fand diese Antwort hilfreich

Faulheit gibt es nicht, nur mangelndes Interesse an der einen oder anderen Sache. Wer Interesse an etwas hat, ist nicht faul.

Kommentar von whiteTree,

Aber Interesse (wie auch Motivation) ist etwas, was man hat oder nicht hat und was vor allem in der Natur der zu erledigenden Pflicht liegt. Man kann sich eine lästige und unattraktive Sache nicht interessant reden oder denken.

Erfahrungsgemäß lässt das Interesse selbst an einer ursprünglich interessanten Aufgabe drastisch nach, sobald sie zur Pflicht wird.

Antwort von Elfilein84,
1 Mitglied fand diese Antwort hilfreich

Es ist insofern ärgerlich, weil es Dinge gibt, die erledigt werden müssen (um die Dinge am Laufen zu halten). Wenn sie jetzt der Faule nicht macht, muss es der Fleißige. Und das ist nunmal ungerecht. Und auch die Fleißigen tu ihre Pflichten nicht immer voller Freude.

Kommentar von whiteTree,

Genau das letztere sehe ich anders: Fleißige haben entweder keinen inneren Schweinehund, oder einen viel schwächeren. Sie machen die Arbeit nicht mit Freude, dafür aber wie Roboter, ohne Gefühle und ohne dadurch einem ständigen Horror ausgesetzt zu sein (der am stärksten vor und beim Anfangen ist).

Deshalb müssen sich Fleißig für eine viel bessere Leistung weniger anstrengen als unwillentlich Faule für eine schlampige und mangelhafte Leistung.

Kommentar von Elfilein84,

der Schweinehund ist (vielleicht) kleiner und die Anstrengung weniger, sagst du. Aber beides ist vorhanden. Ich denke, dass jemand der extrem faul ist, sich damit nur selbst schadet. Und wenn es soweit ist, dass man sich selbst schadet sollte man sich wirklich mal fragen, was da schief läuft - denn eine Steuererklärung zu machen ist nun wirklich nicht so schlimm (objektiv gesehen -> kostet kaum Körperkraft, geht schnell, ist nicht ekelig, stinkt nicht, nicht gefährlich oder schmerzhaft,...). Wo kommt dieser Horror her?

Kommentar von whiteTree,

Wo kommt der Horror her?

  • Da ist zum einen das Anfangen. Man muss aus seinen bequemen Freizeittätigkeiten raus und sich zu etwas anderem, unattraktiven zwingen. Dann kommen weitere Schwierigkeiten dazu: Hat man was zu schreiben, hat der Drucker genug Tinte und Papier, funktioniert der Scanner? Allein die Suche nach einem Kugelschreiber kann locker eine Viertelstunde und mehr kosten, wenn man an den "üblichen Orten" keinen findet - und dabei fängt man eben schnell mal an und trinkt noch 'nen Kaffee, liest 'ne Zeitung usw.

  • Dann muss man sie zu einer Zeit (abends, Wochenende) und an einem Ort (PC) erledigen, die eigentlich für Freizeit und Spiel bestimmt sind. Am PC ist es immer nur einen Mausklick zum Internet oder Spiel, und wenn man sich frühmorgends vornimmt, die Steuer zu machen, verbringt man den ganzen Tag damit, nur "mal eben" noch etwas zu surfen oder eine kurze Runde zu zocken, Elster (die Steuersoftware) ist als Fenster schon im Hintergrund offen, aber die anderen Sachen sind attraktiver, obwohl man ständig den Druck hat und am Ende völlig frustriert ist.

  • ein weiterer Faktor bei vielen Formalitäten ist, dass man Belege beibringen muss. D.h., alle paar Formularzeilen steht man auf, durchsucht u.U. stundenlang die Wohnung, findet es oft gar nicht. Und nein, ich kann nicht jedes eingehende Schriftstück sofort abheften. Ich kann es in der Regel nur auf den großen Poststapel legen, dazu kommt, dass man die Sachen ja auch liest (mögliche Orte: Wohnzimmercouch, Küche, Bett, Klo...) oder zwischendurch mal anderswo als Beleg braucht und dann einfach an Ort und Stelle liegen lässt, so dass sie irgendwo in der Unordnung verschwinden. Schlimmstenfalls landen sie irgendwann versehentlich im Altpapier. Da kann man nichts gegen machen, dieser 24-Stunden-Dauerordnungssinn, wirklich bei jeder alltäglichen Handlung drauf zu achten, Dinge an Ort und Stelle zurück zu legen, ist eine besondere Begabung, die ich nunmal nicht habe.

Kommentar von gamine,

WhiteTree - du bist ja garnicht faul! Du bist sogar sehr fleissig am Computer, du rennst fleissig in der Wohnung rum, um deine Sachen zu suchen...

Deine Krankheit heisst nicht Faulheit...

Antwort von Abigail,
1 Mitglied fand diese Antwort hilfreich

Mangelnde Pflichterfüllung ist schon schuldhaft. Es gibt so etwas wie Disziplin oder Selbstdisziplin.

Kommentar von whiteTree,

Zitat: "Es gibt so etwas wie Disziplin oder Selbstdisziplin"

Aber nicht für jeden. Das ist auch eine Begabung, wie zum Lesen, Schreiben, Rechnen usw. auch.

Und genauso, wie es Mathegenies und Dyskalkulisten, Sprach- und Literaturgenies und Legastheniker gibt, und ganz viel dazwischen, gibt es auch Menschen mit unterschiedlicher Begabung zur Selbstdisziplin.

Fehlende Begabung kann bei Selbstdisziplin (wie bei allem anderen) auch durch Training nicht oder nur unzureichend wettgemacht werden.

Außerdem geht man immer mehr dazu über, fehlende Selbstdisziplin mit psychischen Störungen (Depression, ADHS, Borderline) zu verbinden und dort die Ursache zu suchen.

Die Tatsache, dass viele Menschen mit ADHS-Medikamenten eine bessere Selbstdisziplin aufweisen als ohne, zeigt, dass hier wirklich eine grundlegende Störung und nicht fehlender Wille vorliegt!

Kommentar von gottesanbeterin,

"Fleißig" ist oftmals gleichbedeutend mit dumm!

Man fragt viel zu oft nicht, wem dieser "Fleiß" eigentlich nützt.

Antwort von Miezekatze32,
1 Mitglied fand diese Antwort hilfreich

genau, die Faulen sollten Selbsthilfegruppen gründen und für ihre Faulheit kämpfen, oder sind sie dazu zu faul?

Kommentar von whiteTree,

Ich denke, es gibt gerade bei diversen Arbeitsloseninitiativen schon viele recht aktive Leute, die sich gegen Gängeleien, Prügeln zu unangenehmen Pflichten und sadistische Rede- und Handlungsweisen ("Beine machen", "kein Recht auf Faulheit", "wer nicht arbeitet soll auch nicht essen" usw.) wehren. Und einige Male hat es ja auch schon deswegen ganz nett gerummst!

Kommentar von Miezekatze32,

aber wer soll die Faulen ernähren? Die Fleißigen?

Kommentar von whiteTree,

Es ist für einen Fleißigen viel weniger Aufwand, weil er keinen "inneren Schweinehund" überwinden muss.

Außerdem haben wir mittlerweile einen technischen Stand, dass wir ein weitgehend automatisiertes System alle nötigen Bedarfsgüter produzieren lassen könnten, ohne dass jemand dabei anderen auf der Tasche liegt, weil er nicht schuftet. Die Hartz IV-Kosten sind eh nur Brotkrümel unter den Staatsfinanzen.

Antwort von mineiro,

Und welchen Rat suchst du nun? Mit diesem Thema bist du im Forum wohl besser aufgehoben!

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