Frage von justlo, 58

Warum werden Schalke immer aggressiv wenn ein ehemaliger nach Dortmund oder Bayern wechselt?

Antwort
von Maxieu, 3

Das gilt für alle wirklichen Vereinsanhänger. Sind sind enttäuscht.
Egal, wie naiv man das finden mag: Die Fans sind nämlich ein Teil des Vereins, und umgekehrt ist der Verein ein Teil von ihnen (= eine Komponente ihres Gefühlslebens).

Fans wechseln den Verein (normalerweise) nicht - ganz gleich, ob er absteigt oder viertklassig ist. Sie haben oft selbst für den Verein gespielt und - so war es jedenfalls früher - drücken später den Mannschaftskameraden von einst, die es im Fußball weiter gebracht haben als sie selbst, die Daumen.
Da spielt ein gewisser (natürlich fragwürdiger, aber, wenn er im Rahmen bleibt und Momente von Selbstironie hat, sympathischer) Stolz auf das Eigene, den eigenen Anteil an der Leistung des Klubs eine Rolle.

Durch den globalisierten Kommerz haben sich die Dinge verschoben.
Profi-Fußball-Mannschaften sind heutzutage Weltauswahlen unterschiedlicher Güte. Die Spieler selbst sind Ich-Unternehmen, denen der Verein und die Mannschaft im Prinzip egal sind. Man beachte z. B., wie häufig in einem Interview zur Begründung eines anstehenden Vereinswechsels geäußert wird: "Ich möchte natürlich Titel gewinnen."
Wer kommt schon noch darauf, zu sagen: "Persönliche Titel sind mir egal.
Sonst wäre ich Tennisspieler oder Leichtathlet geworden. Vielmehr möchte ich,
dass unsere Mannschaft so erfolgreich ist, wie es eben geht."

So kann man es heute erleben, dass  ein "Schalker Jung" wie Manuel Neuer, der einst geweint hat, als Schalke nicht Meister wurde, heute mit dafür sorgt, dass Schalke nur bloß nicht Meister wird. Und die früher von ihm vielleicht sogar "gehassten" Bayern sind heute "sein" Verein, an dessen Erfolgschronik er mitschreibt.

Und warum?
Weil er selbst mehr Geld verdienen und persönlich Titelträger sein möchte.

Den Fans aber sind persönlicher Verdienst und Titel egal. Zum Teil opfern sie sogar einen größeren Teil ihres Einkommens, um den Verein zu unterstützen.

Im Prinzip ist ein Vereinswechsel eines Spielers - jedenfalls wenn der bisher eine Einsatzchance hatte - für sie eigentlich immer ein Verrat.
Natürlich weiß ein Fan auch, dass Fußball heute weitgehend ein Geschäft ist, in dem Vereine sogar in Asien Spiele austragen, um dort den Fan-Artikel-Absatz und die Buchungen von TV-Programmen zu steigern.

Und trotzdem möchte er die Illusion aufrecht erhalten, dass er selbst, der Verein und dessen Vorzeigemannschaft eine Einheit, eine Solidargemeinschaft bilden, weil ihm selbst sonst ein Stück gefühlter Lebensqualität (ein Stück Heimat) abhanden käme. Deshalb protestiert er dagegen, wenn gegen dieses
Gefühl vonseiten der Fußball spielenden Egozentriker all zu krass verstoßen wird, wie es der Fall ist, wenn ein Spieler zu einem traditionellen Rivalen wechselt.

So ein Protest ist natürlich hilflos. Aber diese Hilflosigkeit zeigt auch, dass wir uns in einem Übergangsstadium befinden von einer Zeit, wo der Fußball Teil eines von der Basis aktiv gestalteten Vereinslebens war, hin zu einer Zeit, wo der Fußball Teil einer weltweiten Unterhaltungsindustrie wird und die Leute ein Fußballspiel anschauen wie heute eine Tennispartie.
Es gibt dann eigentlich keinen Grund mehr, warum nicht alle Fußballbegeisterten "Fans" der weltbesten Fußballmannschaft sein sollten (also z. B. des FC Barcelona), denn schließlich "soll der Beste ja gewinnen."

Nationalmannschaften wären dann nur noch ein Relikt aus der Steinzeit des
Fußballs, weil sie nicht beliebig zusammengekauft werden können.
Aber auch da gibt es ja bereits "Fortschritte", wenn man
z. B. sieht, dass ein Spieler namens Eduardo Alves da Silva 2010, als er gerade vom FC Arsenal (England) nach Donetsk (Ukraine)  gewechselt war, für Kroatien an der WM 2010 teilgenommen hat. Inzwischen spielt und lebt er wieder in seiner Heimat Brasilien.

Antwort
von greenhorn7890, 23

1. Das machen auch Dortmunder, wenn einer nach Schalke oder Bayern wechselt.

2. Liegt das daran, dass der Fußball im Ruhrpott einer der Emotionalsten überhaupt ist. D.H. dass Spieler, die den Fans gefallen oft, oft von einer Liebe zum Verein sprechen oder und davon, dass sie niemals gehen werden. Wenn dann aber ein großer Club mit dem großen Geld winkt, ist die "Liebe" dahin. Das ist Heuchelei und macht die Fans sauer.

Antwort
von ThomasAral, 29

weil sie's eben nicht wahr haben wollen, dass profi-fussball in erster linie fürs "grosse geld" da ist und nicht mehr um einfach spass im verein zu haben.  der reichste verein kann sich die besten anwerben und kaum ein verein wird nein sagen wenn die kohle stimmt (auch Schalke nicht).

Antwort
von schwarzwaldkarl, 31

ist ähnlich wie bei Dortmund, die reagieren auch immer aggressiv, wenn einer vom BVB mit dem FCB liebäugelt... ;-)

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