Warum werden Satyren mit steifen Penisen dargestellt?

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4 Antworten

Ein steifer Penis ist ein Zeichen von Begierde und sexueller Erregung/Erregtheit. Dies ist ein die Satyrn (dies ist in der deutschen Sprache der Plural von Satyr) kennzeichnender Zustand.

Die Darstellung bringt also allgemein das Wesen/die natürliche Veranlagung der Satyrn zum Ausdruck. Speziell kann im Zusammenhang einer Szene einzelner bildlicher Darstellungen ein zusätzlicher Grund liegen, z. B. wenn ein Satyr einer Nymphe nachstellt oder dabei ist, sich mit ihr zu vergnügen.

Satyrn (griechisch: Σάτυροι [Satyroi]; lateinisch: Satur oder Satyros; Singular: Σάτυρος [Satyros]; lateinisch: Satyri) sind in der griechischen Mythologie Naturwesen/Naturgeister. Sie verkörpern etwas von der urwüchsigen, hemmungslosen Fruchtbarkeit und Lebenskraft der wilden ungebändigten Natur in Wäldern, Bergen und Feldern.

Die Satyrn sind Mischwesen aus Mensch und Tier. Zum Großteil sind sie menschengestaltig (anthropomorph), aber in einem mehr oder weniger starken Ausmaß an den Extremitäten (äußersten Teilen des Körpers) tiergestaltig (theriomorph). Tierhaftigkeit zeigt sich in spitzen Ohren, Schweif/Pferdeschwanz, Hufen, Beinen mit Fell, kleinen Hörnern. Anfangs ist bei der Mischung das Tier fast immer ein Pferd, seit der Zeit des Hellenenismus wird auch ein Ziegenbock üblich (was sie dem Gott Pan anähnelt). Ein steifer Penis zeigt das Animalische (Tierhafte) der Satyrn. Die Satyrn verhalten sich sehr triebhaft.

Die Satyrn sind fast immer geil/lüstern (auf eine einfache, naturhafte Weise). Sie haben eine exzessive (ausschweifende), selbstzweckhafte, von der weiblichen Psyche auch unabhängige Sexualität. Sie sind übermütig, derb und ausgelassen. Die Satyrn stellen vor allem den Nymphen nach, weiblichen Naturwesen/Naturgeistern.

Vor allem der steife Penis wird Phallos (griechisch: φαλλός [phallos]; lateinisch; phallus; Plural griechisch: φαλλοί [phalloi]; lateinisch: phalli) genannt. Eine in der Wissenschaft verwendete Bezeichnung bei der Beschreibung solcher Darstellungen, wie sie bei den Satyrn oft auftritt, ist „ithyphallisch“, von griechisch ἰθύφαλλος (ithyphallos), zusammengesetzt aus ἰθύς (ithys), „gerade (empor), aufrecht“, und φαλλός (phallos), „Phallos, männlcihes Glied“.

Die Satyrn gehören zum Gefolge des Gottes Dionysos (Διόνυσος). Dionysos hat Züge eines Vegetationsgottes, er hat etwas von der Triebkraft, dem schwellenden Saft, der Üppigkeit und Vitalität von Vegetation, ist Weingott und steht allgemein in Verbindung mit Grenzüberschreitungen, weswegen er ein Gott des Rausches und der Ekstase ist. Dazu gehört zeitweiliges Außer-sich-sein/Aus-sich-Heraustreten/Verzückung/Raserei. Daher ist Sexualität bei ihm und seinem Kult ein charakteristischer Bestandteil.

Literatur:

Theodor Heinze, Satyr I. Mythologie, Kunst und Kult. In: Der neue Pauly (DNP) : Enzyklopädie der Antike ; Altertum. Herausgegeben von Hubert Cancik und Helmuth Schneider. Band 11: Sam -Tal. Stuttgart ; Weimar : Metzler, 2001, Spalte 1119 - 1121

Balbina Bäbler, Satyr II. Details der bildlichen Darstellung. In: Der neue Pauly (DNP) : Enzyklopädie der Antike ; Altertum. Herausgegeben von Hubert Cancik und Helmuth Schneider. Band 11: Sam -Tal. Stuttgart ; Weimar : Metzler, 2001, Spalte 1221 - 1122

Erika Simon, Silenoi. In: Lexicon Iconographicum Mythologiae Classicae : (LIMC). Band VIII 1: Thespiades – Zodiacus et Supplementum. Zürich ; München : Artemis-Verlag, 1997, S. 1108 – 1133

Ernst Kuhnert, Satyros und Silenos. In: Ausführliches Lexikon der griechischen und römischen Mythologie. Herausgegeben von Wilhelm Heinrich Roscher. Band 2, Abteilung 1: Iache - Kyzikos. Leipzig : Teubner, 1909 - 1915, Spalte 444 - 531

Christiane Ackermann, Silen, Satyr. Maria Moog-Grünewald (Hrsg.), Mythenrezeption : die antike Mythologie in Literatur, Musik und Kunst von den Anfängen bis zur Gegenwart. DNP : Der Neue Pauly. Supplement-Band 5. Stuttgart ; Weimar : Metzer, 2008, S. 647 – 654

Herbert Jennings Rose, Griechische Mythologie : ein Handbuch. Aus dem Englischen übertragen von Anna Elisabeth Berve-Glauning. 3. Auflage. München : Beck, 2012 (Beck'sche Reihe ; 1530), S. 152 - 153:  

„Die Satyroi in Dionysos' Gefolge sind Geister des wilden Lebens in Wäldern und Bergeshöhen, die dessen ungezügelte animalische Fruchtbarkeit personifizieren. Ihrem Äußeren nach sind sie fast menschlich gestaltet, nur ein Teil ihres Körpers ist immer tierisch, stets sind sie männlich, immer sexuell erregt. Meist tragen sie Pferdeschwänze, etwa in der frühen attischen Kunst, was an die Kentauren erinnert, die später besprochen werden sollen. Manchmal haben sie etwas von einem Bock an sich und werden mit kleinen Hörnern, spitzen Ohren und oft mit Ziegenbeinen dargestellt. Dieser Typus, der uns durch den berühmten Satyr des Praxiteles und andere wohlbekannte Kunstwerke vertraut ist, erinnert deutlich an Pan. Erzählungen über Satyroi gibt es in großer Zahl, fast alle von derselben Art. Die Satyroi sind äußerst wollüstig, sie lieben Tanz und Lustbarkeit; sie zeigen sich feige, wenn nicht die dionysische Raserei sie furchtbar werden läßt. Zwar bilden sie einen Teil von Dionysos' Gefolge, da sie aber eine unabhängige Schöpfung der griechischen Phantasie darstellen und nicht bloß Angehörige seines Kultes können sie auch als mythische Verkörperung des unkultivierten Landes angesehen werden, so wie die Tritonen als die des wilden Meeres. In Italien werden sie mit den Fauni, einheimischen kleinen Waldgöttern, gleichgesetzt; auch wir sprechen oft von Praxiteles' Statue als vom «tanzenden Faun».“

Alexander Heinemann, Der Gott des Gelages : Dionysos, Satyrn und Mänaden auf attischem Trinkgeschirr des 5. Jahrhunderts v. Chr. Berlin ; Boston : De Gruyter, 2015 (Image & context ; Volume 15), S. 134:  

„Sexuelle Erregung zeichnet Satyrn schon in ihren frühesten Darstellungen aus der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts aus, wo sie sich in den phantastischen Ausmaßen ihre erigierten Phallos kundtut […]. Die Erektion resultiert vor allem im 6. Jahrhundert nicht immer aus dem Erzählzusammenhang, sondern kann im Sinn des Attributs Geilheit und sexuelle Übergriffigkeit als grundsätzliche, überepisodische Eigenschaft der Satyrfigur kenntlich machen."

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  • Sie sind mutwillige Gesellen von robuster, ungeschlachter Gestalt, mit struppigem Haar, stumpfer, aufgeworfener Nase, zugespitzten Ohren und einem Ziegenschwänzchen oder kleinen Pferdeschweif. Als Genossen des Dionysos lieben sie den übermäßigen Genuss des Weins und erscheinen bald mit dem Pokal, bald in bacchischem Taumel mit dem Thyrsos, bald dem Schlaf ergeben, bald kelternd, auch auf der Flöte blasend oder das Cymbalum schlagend, öfters auch mit den Nymphen zu raschen Tänzen vereinigt oder diese lüstern verfolgend. 

http://www.hellenicaworld.com/Greece/Mythology/de/Satyr.html

Im Nachhinein wurde mancher üble Geselle schon bewundert, man denke nur an Michail Wassiljewitsch Lomonossow oder Gérard Depardieu.

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Vermutlich, um durch das Mittel der "Potenz" die Macht dieser Wesen zu versinnbildlichen.

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weils auch optisch mehr hergibt

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