Frage von frax18, 41

Warum werden reiche Menschen in der breiten Gesellschaft so oft diskrimiert und beschimpft?

... wenn unsere gesetzlichen Regelungen bei der Besteuerung des Privateinkommens von arm und reich scheinbar keine Unterschiede macht.

Ich habe mich neulich dahingehend informiert, dass reiche Menschen genauso besteuert werden wie in etwa Menschen aus der Mittelschicht. Der Spitzensteuersatz erhöht sich sogar bei besonders hohen Einkommen noch ein bisschen (aktuell von 42 auf 45%)... Demnach sind alle Menschen in etwa gleichbesteuert. Der einzige Unterschied besteht darin, dass Geringverdiener geringer besteuert werden, da ihnen sonst die Lebensgrundlage fehlt, was natürlich den Progressionsbauch bei steigenden Einkommen zur Folge hat, bis in etwa der Spitzensteuersatz erreicht ist...

Es gibt sicher schwarze Schafe, die sich als Steuerflüchtling ins Ausland absetzen, aber wäre es nicht prinzipiell verkehrt dies zu generalisieren?

Antwort
von JesterFun, 15

... wenn unsere gesetzlichen Regelungen bei der Besteuerung des
Privateinkommens von arm und reich scheinbar keine Unterschiede macht.

Das ist nicht richtig. Die Steuergesetze sind rafiniert so gedreht worden, dass Reiche immer reicher werden und Arme immer ärmer. Beispielsweise ist es so, dass Steuern auf Kapitalerträge weniger besteuert werden als eben Einkünfte aus Arbeitsleistung.

http://goo.gl/ZGQhQE

Zusätzlich ist eben die Verteilung von Vermögen in Deutschland mittlerweile sehr ungleich. Und ich frage mich, wieso gewisse Leute reicher sind als andere, obwol die genauso viel arbeiten. Und das oft sogar mehr.

Also mich wundert das nicht.

Wenn du mal mehr zu dem Thema wissen willst, empfehle ich dir Dirk Müller mit Cashkurs bzw. sein Buch/Hörbuch Showdown. Da erklärt er auch ein wenig die Probleme und die Ursachen und Folgen.

Kommentar von frax18 ,

Danke für den Link-

Ich schaue die Beiträge auf Youtube zu Crashkurs hin und wieder mal. Aber dass es ein Buch dazu gibt, war mir bisher nicht klar... werde ich mal mehr rein schauen.

Antwort
von wfwbinder, 12

Die oberen 10 % der Einkommenskala zahlen 50 % der Lohn- und Einkommensteuer.

die nächsten 50 % die anderen 50 %.

die restlichen 40 % zahlen gar keine.

DEr Gini-Koeffizient, der die Ungleichverteilung des Vermögens anzeigt,

ist nach Steuern in Deutschland wegen des Umverteilungssystems weit besser, als in den meisten anderen Ländern:

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/einkommensverteilung-di...

Von den G7 Ländern liegen wir hier eindeutig am besten.

Das die Ansichten über Reiche so negativ sind, liegt an denen, die trotz Wohlstand Steuerhinterziehung begehen und/oder mit dem Reichtum

protzen.

Ausserdem wird das auch noch durch die Medien befördert. Sendungen wie "Die Geissens" oder Glamour Maganzine, wo irgendwelche Spinner ihre Garagen mit 10 Luxusautos zeigen sind da kontraproduktiv.

Der typische Deutsche Unternehmer ist eher Wolfgang Grupp mit Trigema, der für seine Mitarbeiter da ist. zwar einen eigenen Heli hat, aber eben nicht damit protzt, sondern ihn einfach für die Geschäftsreisen nutzt.

Auch Unternehmer wie Rossmann, Reimann, Haub, sind sehr wohlhabend, aber sie halten sich aus den Medien raus und zahlen vermutlich pünktlich die Steuern, denn von entsprechenden Problemen hat man da nie was gehört.

Hasso Plathner, kennt auch kaum einer, aber der Finanziert Startups mit sienem Vermögen udn hat ein Universitätsinstitut gestiftet. Sein Kollege Dietmar Hopp ist nur wegen seines TSG Hoffenheim Hobbys bekannt.

Antwort
von Argon1, 5

Das Problem beruht darauf das immer mehr Reiche immer nach Schlupflöchern im Gesetz suchen um eben sich von den Steuern zu drücken.
Was man dann auch als Steuerflucht bezeichnet wird.
Ein Wohnsitz in einem steuerfreien Land namens Monaco oder Lichtenstein und 2 mal im Jahr für 2 Monate dan Deustchland zu reisen das ist nur eine Möglichkeit...

Während eine arme Frau mit 2 Kindern sich mit mehreren Billigjobs über wasser halten muss weil sie nicht vernünftig bezahlt wird.

Würde Jeder Reiche 1 mal im Jahr angenommen 50000 Spenden um so für anständige Jobs sorgen wäre die Zahl der Arbeistlosen und Geringverdiener um die hälfte geschrumpft.

 

Antwort
von NewKemroy, 14

Na, der Punkt ist wohl, dass jemand der ein paar Millionen auf der hohen Kante hat, diese so anlegen kann, dass er jährlich den Gegenwert von einem Einfamilienhaus bekommt - und zwar ohne zu arbeiten. Zwar ist der Zins momentan absolut niedrig, aber wenn man in Aktien geht und breit streut hat man vermutlich immer noch eine Rendite von 5% bei relativ geringem Risiko.

Für diesen Zugewinn  (, den ich ja jedem gönne, denn was wär ich für ein Mensch, anderen kein Glück zu gönnen) müssen andere mehr arbeiten. Oder um genau zu sein, dass was der Großgeldbesitzer an Wert quasi umsonst erhält muss der Ottonormalverbraucher zusätzlich erarbeiten. Und hiermit bin ich nicht einverstanden.

Wenn das Vermögen der Deutschen 10 Billonen Euro beträgt und im Durchschnitt einen Ertrag von 3 % erbringt, dann sind das 300 Milliarden, die jährlich ein Stück weit weiter nach oben verteilt werden.

Also ich finde die geschickteste Art Menschen auszubeuten ist doch so, dass sie es kaum merken und dass es nur partiell, aber flächendeckend geschieht. Ich glaube ich sollte Ausbeutungsberater werden ;-)

Antwort
von CamelWolf, 6

Na ja, Neid ist eben die deutsche Form der Anerkennung. 

Hinzu kommt der Umstand, dass manche Dinge nun wirklich etwas ungeschickt geregelt sind. Es bleibt eben eine Tatsache, dass ich als Freiberufler/Unternehmer/höherer Angestellter andere Möglichkeiten habe, Steuern zu umgehen. Im meinem Umfeld zahlt keiner 42% bzw. 45% Einkommensteuer. Vorher wird wieder neu investiert und abgesetzt, während Otto Normalverdiener sein Einkommen dadurch, dass er fast alles für seine Lebenshaltung ausgeben muss, an indirekten Steuern nochmals 19% (bzw. 7% bei den meisten Lebensmitteln) abdrückt.

Und in Sachen Beitragsbemessungsgrenze bei der Sozialversicherung, Firmenwagenbesteuerung und Vermögensbesteuerung, da bestehen objektiv "Gerechtigkeitslücken".

Ergo: Meiner Meinung nach könnte man in manchen Bereichen nachbessern. Das würde aber nicht dazu führen, dass das Image der Wohlhabenden besser wird, denn am Ende ist jeder (unverdient) reich, der 10 € mehr in der Tasche hat. Das sind menschliche Charaktereigenschaften und die wird der Gesetzgeber nie beeinflussen können.



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