Frage von Dasgirlvondort, 85

Warum werden reiche Länder immer reicher und arme Länder immer ärmer?

Die Frage steht ja schon. Wieso ist das eigentlich so? Intressiert mich. Und wenn möglich könnte jemand noch 1/2 Beispiele bringen?

Antwort
von wfwbinder, 50

Ein Grund ist hier schon genannt worden, das sind die subventionierten Exporte in die Länder von Europa und noch schlimmer aus den USA.

Dann die Politik der Weltbank, die verschuldeten Ländern verbietet Schutzzölle gegen die verbilligten Importe zu erheben.

Aber nicht zu vergessen, auch wenn es die betroffenen Länder ungern hören, es liegt auch an den Reichen dieser Länder. Je ärmer ein Land, desto größer die Kluft zwischen arm und reich. Die Reichen in den Ländern profitieren von den geringen Löhnen, von den subventionierten Importen (denn ihnen gehören die Importunternehmen) und sie beherrschen die Regierungen.

Je ärmer ein Land, desto korrupter sind Verwaltung und Regierung.

Antwort
von berkersheim, 70

Diese Behauptung ist nicht ganz richtig. Erstens sagt sie nicht, warum bestimmte Länder überhaupt reich sind und auch nicht, warum andere über lange historische Perioden arm bleiben. Ägypten war historisch mal ein sehr reiches Land. Das ganze Osmanische Reich war über Jahrhunderte von 1453 bis zur Zeit Bismarks ein sehr mächtiges und reiches Land. Gleiches gilt für Portugal und Spanien. Japan ist in kurzer Zeit zu den reichsten Industrienationen aufgestiegen. Gleiches gilt für China, die auf dem Weg sind. Es ist eine Frage, wie sich eine Gesellschaft gemessen an den ökonomisch-technischen Anforderungen organisiert. Afrika und auch Südameriker versinken im Sumpf der Korruption und Gesetzlosigkeit. Unsere moderne Wirtschaften funktionieren mit einem extremen Wechselspiel, einem hohen Beziehungsnetz und das ist sehr anfällig gegen Störungen wir Korruption, Nachlässigkeit usw.. Darum gibt es in den jetzt hoch verflochtenen Wirtschaften Gesellschaften, die das gut drauf haben und Gesellschaften, die da erhebliche Mängel aufweisen. Korruption und Ungesetzlichkeit verursacht hohe Kosten und Uneffektivität.

Kommentar von borriquito ,

Ich glaube, in der ganz großen historischen Linie wollte er es gar nicht wissen. ;-)

Kommentar von berkersheim ,

@borriquito

Wenn es so ist, soll mir Dasgirlvondort das selbst sagen. Und selbst wenn, ist ein Blick in die Historie immer gut, um zu prüfen, ob die Hypothese langfristig stimmt.

Wenn man die Frage tiefer beantworten will, muss man

a) in die Kulturgeschichte gehen, wo wann welche Voraussetzungen zum gesellschaftlich erfolgreichen Umgang mit den modernen Produktionsbedingungen gewachsen sind und

b) warum bestimmte Kulturen es in den letzten 150 Jahren nicht geschafft haben (z.B. Lateinamerika) und welche Kulturen offensichtlich Organisationsformen und Einstellungen mitbringen, um es relativ schnell zu schaffen (Japan, China, Vietnam, Südkorea).

Auch die Trennung in "arm" und "reich" ist zu pauschal. Wenn man genau hinschaut hat es auch innerhalb der "Schicht" der Reichen in den letzten 70 Jahren eine erhebliche Umschichtung gegeben. Speziell in der Nachkriegszeit gab es in Deutschland viele Potentiale, von unten nach oben zu kommen. Meiner Meinung nach trägt ausgerechnet die praktische Politik der sog. Sozialisten dazu bei, dass sich das wieder extrem verengt, weil von diesen bereits "alles Bürgerliche" - als kleinbürgerlich diffamiert, diese Mitte des Aufstiegspools - belastet wird - während man an die ganz Großen nicht rankommt, sogar mit ihnen in ideologischer Verblendung kooperiert. Aber das ist ein weites Thema.

Antwort
von Matschpfirsich, 64

Beispiel Afrika.

Deutschland, ein reiches Land, exportiert viel nach Afrika. Zum Beispiel billige Produkte oder auch minderwertige aus den Industrien, die man in Deutschland nicht verkaufen könnte.

In Afrika werden diese Produkte, meist Nahrungsmittel, sehr billig verkauft. Der Punkt dabei ist, dass die Produkte günstiger verkauft werden, als sie vor Ort von Händlern verkauft werden.

Folge: Die Händler, also die afrikanischen, verlieren ihren Job. Sie verkaufen nämlich nicht mehr genug, da alles ja viel günstiger aus Deutschland kommt. Deutschland, das reiche Land, wie schon gesagt, wird noch reicher, da es Mangelware trotzdem noch verkaufen kann, für die es in Deutschland keine Abnehmer gefunden hätte. Positiv für unser Land.

Afrika jedoch wird dabei Ärmer, da sie kostenpflichtig importieren aus Deutschland, außerdem werden sie abhängig von uns. Warum? Die Händler gibt es jetzt nicht mehr. Da sie zu wenig verdienen, lohnt sich ihr Geschäft nicht. Also geben sie es auch nicht an ihre Söhne weiter. Händler sterben sozusagen aus. Die Wirtschaft von Afrika wird immer schlechter, immer mehr Arbeitslose, da die Händler keine Jobs finden.

Afrika bezahlt immer weiter die Importe, obwohl sie wenig Geld haben, aber kann auch nicht ohne die Importe leben. Jedenfalls nicht mehr.

Antwort
von borriquito, 54

Also zum einen ist die aufgestellte Tatsachenbehauptung historisch nicht ganz richtig; auf lange Sicht ohnehin nicht, da ist sie gradezu falsch. (s. Antwort von berkersheim) Selbst in den vergangenen 20 Jahren kann man davon ausgehen, dass sich der Reichtum der Länder der Erde sogar einander annähert - AAAAAAber innerhalb der Länder nimmt die Kluft zwischen Arm und Reich immer weiter zu. Da gilt es also zu differenzieren.

Trotzdem ein paar Gedanken.

a) ein Land, dass vor allem Rohstoffe und Agrargüter produziert und verkauft, hat kaum eine Chance auf nachhaltige Entwicklung - da die echte Wertschöpfung mit dem Einsatz von Maschinen, d.h. mit industrieller Massenfertigung gemacht wird.

b) eine solche Industrialisierung findet in der Regel nur statt, wenn das betreffende Land über einen längeren Zeitraum eine protektionistische Wirtschaftspolitik betreibt, also seine eigene Industrie mittels Zöllen oder anderen Handelshemmnissen vor der Konkurrenz aus anderen Ländern schützt.

c) Solcher Protektionismus wird von den bereits reichen Ländern nicht gerne gesehen - denn die "Marktführer" profitieren von offenen Märkten. Also zwingen sie ärmere Länder oft dazu, ihre Märkte zu öffnen. Google in diesem Zusammenhang mal "Strukturanpassungsmaßnahmen", "Konsens von Washington" oder auch - ganz aktuell - "Austeritätspolitik".

Antwort
von nurlinkehaende, 49

Salopp gesagt, weil Reichtum mehr Möglichkeiten bietet, weiteren Reichtum zu erzeugen.
 Wenn Du selber Geld hast wie Heu, kannst Du es ohne zu hungern in alles mögliche stecken, irgendwas klappt am Ende immer.

Antwort
von IsiHase, 47

Globalisierung. Rohstoffpreise werden von den Industrieländern höher getrieben und das ist schlecht für die Entwicklungsländer. Zölle und mehr Kosten, viele kleine Bauern gehendaran kaputt. Das hat die Folge, dass das Land weniger Wirtschaft macht. // Hat auch was mit Terms of Trade zu tun.

Bald eine EWG Arbeite?

Antwort
von hundeliebhaber5, 42

Man denkt zwar, das Länder wie Deutschland reicht ist. Das täuscht aber. Der Großteil der Bevölkerung ist unterer Mittelstand, wenn überhaupt. Die "Reichen" sind die Konzerne.

Antwort
von BurkeUndCo, 39

Weil die reichen Länder den armen Ländern Geld leihen. Dafür wollen sie dann Zinsen.

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