Frage von zahlenguide, 42

Warum werden manche Wörter oft im umgekehrten Sinn verwendet?

z.B. bedeutet, dass Wort "Macho" auf italienisch einfach nur "männlich"; hier in Deutschland wird es als Belästiger verwendet; jemanden als Casanova zu bezeichnen, wird heute gern als Frauenverachtend gesehen, dabei war der echte Casanova sehr beliebt bei Frauen seiner Zeit etc. etc. etc. etc.

Warum werden Wörter so verdreht, dass die eigentlichen Fakten dahinter verschwinden?

Antwort
von Deponentiavogel, 19

Das nennt man Spezifizierung. Sie ist der hauptsächliche Motor für Bedeutungsveränderung.

Zum Beispiel nannte man Unverheiratete vom schönen Geschlecht früher Magd. Aus dem Diminutiv (Verniedlichungsform) entstand das heutige Mädchen: Magd + chen --› Mädchen

Bis zur Heirat arbeiteten die Mägde auf einem Bauernhof. Als sie dann ihre Geschlechtsreife verloren, heirateten sie und wurden zum Weib. Die heutige Bedeutung von Magd hat sich auf die bäuerliche Hilfskraft verengt, während der Diminutiv von Magd (Mädchen) heute das Standardwort ist.

Wenn man macho ist, also männlich oder ein Männchen, dann erfasst das zuerst die Bandbreite allen Männlichseins und verengt sich später auf einige unrühmliche männliche Eigenschaften.

Kommentar von DreiBesen ,

Was bedeutet denn "sie verloren ihre Geschlechtsreife"? Meinst du, sie kamen in die Wechseljahre, oder wie kann ich mir das vorstellen?

Kommentar von Deponentiavogel ,

Hahaha. Mein Fehler.

Sie wurden geschlechtsreif (und verloren ihre kindliche Unschuld?).

Antwort
von Hardware02, 19

Diese Wörter werden nicht "im umgekehrten Sinn" verwendet. Es ist nur so, dass das Wort im Deutschen eine andere Bedeutung hat als im Spanischen. Das kann man nicht wegdiskutieren, sondern muss man so akzeptieren. 

Es gibt da ja noch mehr so Beispiele. "Handy" bedeutet auf Englisch einfach "praktisch", nichts sonst. Und ein "Public Viewing" bedeutet, dass (sorry, etwas unappetitlich) eine Leiche irgendwo aufgebahrt wird, damit die Leute sich diese ansehen können. 

Das ist so. Und das wirst du nicht ändern. Aber versuch doch mal beim nächsten Fußballspiel irgendjemanden dafür zu interessieren, was "Public Viewing" "eigentlich" heißt, und denjenigen dazu zu bringen, nun ein anderes Wort zu verwenden. Ich glaube nicht, dass dir das gelingen wird. Du sorgst höchstens für Erheiterung :-)

Antwort
von DrBronstein, 21

!Hola, macho! Ist freundlich.

Ein weiteres Beispiel wäre "Junta", das im deutschen ausschließlich negativ besetzt ist, im Spanischen aber neutral ist (Junta de Andalucia).

Die deutschen Medien brauchen wohl die schmissigen Negativwörter.

Antwort
von RudolfFischer, 18

Das ist völlig normaler Sprachwandel. Den gibt es natürlich zwischen verschiedenen Sprachen, aber auch innerhalb derselben Sprache. Man denke etwa an den "Freier" aus dem Rotlichtmilieu, der eben heutzutage nicht "auf Freiersfüßen" ist.

Dass ein Wort in der einen Sprache etwas Anderes als in einer anderen Sprache bedeutet, obwohl sogar die Herkunft die gleiche ist, kommt sehr häufig vor. Man nennt Wörter anderer Sprachen, die genauso lauten wie ein deutsches Wort, aber etwas Anderes bedeuten, "falsche Freunde".

Falsche Freunde gibt es vor allem zwischen verwandten Sprachen wie Deutsch und Niederländisch.

Einen raschen Bedeutungswandel gehen Anglizismen im Deutschen durch. Man nehme nur das Wort "deal". Ursprünglich war damit im Deutschen nur der Drogenhandel gemeint, inzwischen bedeutet es nicht nur "Handel" allgemein, sondern auch "Abmachung" jeglicher Art.

Der "Kontrahent" von lat. "contrahere" 'mitziehen' war ursprünglich jemand, der sich mit einem zusammentat, den man auf seiner Seite hatte. Heute wird es meistens genau gegenteilig als "Widersacher", "Gegner" gedeutet, wohl wegen falscher Ableitung von lat. "contra" 'gegen'.

Ein bekanntes Beispiel zwischen Deutsch und Englisch ist engl. "eventually" 'schließlich', das der Deutsch falsch als "eventuell" versteht.

Kommentar von zahlenguide ,

wobei ich bei meinen zwei Wörtern glaube, dass es politisch gewollt war, diese Wörter negativ zu sehen. Wie kann man aus einem Casanova, der armen Frauen finanziell geholfen hat, nur einen Frauenverachter machen? - Aber stimmt natürlich, manchmal suchen sich Menschen Wörter aus anderen Sprachen, weil sie vielleicht zu faul sind sich eigene Wörter aus zu denken.

Antwort
von Bswss, 24

Macho und Casanova verdrehen so, wie sie meist gemeint sind, NICHT den ursprünglichen Sinn, sie spitzen ihn nur zu.

Und meines Wissens bedeutet das Wort "macho" nur im SPANISCHEN "männlich", während diese spanische Wort im Italienischen tastächlich nur "Macho" im negativen Sinn bedeutet.

Woher willst Du eigentlich wissen, dass Casanova bei DEN(also praktisch allen)  Frauen seiner Zeit beliebt war?

Kommentar von zahlenguide ,

gibt Dokus - es heißt, dass der echte Casanova auch Frauen geholfen haben soll, die finanzielle Probleme hatten

Antwort
von Herb3472, 28

Ein "Macho" ist auch im Deutschen durchaus kein "Belästiger", sondern ein sehr "männlicher" - soll heißen "dominanter" Mann, der bestimmt, wo's lang geht. Und unter einem "Casanova" wird nicht ein Frauenverächter verstanden, sondern ein "Womanizer", ein Mann, der bei Frauen keine Gelegenheit auslässt.

Antwort
von Maxieu, 8

Von deinen 4 Begriffsdeutungen sind 3 1/2 falsch.
Dabei kannst du einiges davon ohne Aufwand in einem Online-Lexikon überprüfen.

Den Rest hat Herbst472 dir noch einmal zum Abschreiben oder Ausdrucken erklärt.

Einzig an deiner Aussage, C. sei bei Frauen beliebt gewesen ist etwas dran.
Das Verführerische an ihm war aber sicher nicht seine von dir (in einem Kommentar) behauptete Mildtätigkeit.

Kommentar von zahlenguide ,

dann müssen sich Dokus über ihn irren...

Kommentar von Maxieu ,

Probier's einfach aus.

Geh für alle sichtbar spenden, m. a.  W.: Tue Gutes und lass es vor allem hübsche, junge Geschöpfe sehen.

Wenn du berichten kannst, dass dir im Anschluss die Frauenherzen, aber vor allem deren leibliche Hüllen zugeflogen sind, werde ich meine Einschätzung noch einmal überdenken - obwohl es auch in deinem Fall (wer wollte das ausschließen?) dann nicht unbedingt an deiner Spendabilität gegenüber den Ärmsten gelegen haben müsste.

(Es hält sich zudem hartnäckig das abscheuliche Gerücht, dass Frauen sich gelegentlich auch durch den Geldbeutel angezogen fühlen - eines Mannes Fähigkeit zur Mildtätigkeit könnte hier ein gewisses Signal aussenden.)

Bis auf Weiteres geht für mich die Gleichung "Spenden macht sexy" jedenfalls nicht auf. Sind nicht gerade deutsche Kirchgänger besonders spendenfreudig? Anscheinend muss ich auf ihre Motive und die Folgen noch einmal einen neuen Blick werfen...

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