Frage von kolui, 159

Warum werden Homosexuelle-Verurteilte von damals entschädigt?

Weil man hier bei Gutefrage.net bei derartigen Themen zuerst diesen Satz beifügen muss:

Ich habe natürlich nichts gegen Homosexualität, die schaden mir ja nicht und sollten Leben können wie alle anderen auch.

Jetzt zu meiner Frage.

Ich kann nicht ganz nachvollziehen warum man Homosexuelle-Verurteilte von damals nun entschädigen möchte. Klar, dass der Verbot von Homosexuellen Praktiken unsinn ist.. aber es war damals nunmal eine Straftat. Diese Menschen haben das Gesetz gebrochen und wurden demnach bestraft.

Das wäre ja als ob man beispielsweise Heroin-Dealer frei spricht und entschädigt nur weil es vielleicht irgendwann legal sein wird. Aber was in zig Jahren geschieht hat doch nichts mit der jetzigen rechtlichen Lage zu tun.

Hoffentlich versteht ihr wie ich das meine..

LG

Antwort
von CaptnCaptn, 57

Streng gesehen konnte dies nicht als Straftat geahndet werden, weil durch diese Diskriminierung eines ihrer Grundrechte (die über allem stehen) verletzt wurde!

(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.


(2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.


(3) Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht.

(1) Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.

(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.

(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.


All das spricht gegen diese Verurteilungen, den Homosexuellen wurde Unrecht getan und ihnen wurden ihre Grundrechte verwehrt und das soll nun wieder gut gemacht werden.

Antwort
von ScaryPhilosophy, 8

Ich versuche es mal etwas anders als die anderen zu erklären:
Stell dir vor, jemand wird wegen Mordes verurteilt und ins Gefängnis gesteckt, nun kommt ein paar Jahre später raus, dass er unschuldig ist. Dann wird er natürlich frei gelassen, aber er wird außerdem für die Zeit, die er eingesperrt war, entschädigt, denn es war nicht rechtens, ihn einzusperren. Er hat keine Straftat begangen.

Nun stell dir vor, jemand wird eingesperrt, weil er homosexuelle Handlungen ausgeführt hat. Nach einer Weile stellt man aber fest, dass man ihn nicht hätte einsperren dürfen - weil man zu dem Schluss kommt, dass es keine Straftat ist, homosexuelle Handlungen auszuführen. Er hat also auch keine Straftat begangen (auch wenn er gegen zuvor geltendes Gesetz verstoßen hat), deswegen entschädigt man ihn dafür, dass er trotzdem bestraft wurde.

Ein anderes, extremes Beispiel, das sich allerdings mit der Situation der Homosexuellen vergleichen lässt: Ein Elternpaar beschließt, dass es von nun an in seinem Haus die Regel sei, dass das Kind verprügelt wird, wenn es seinen Teller nicht aufisst. Das Kind kann aber Rosenkohl wie die Pest nicht ausstehen und nur mit Mühe runterwürgen. Den Eltern, die Rosenkohl lieben, ist das egal. Sie servieren zu jedem Gericht Rosenkohl und das Kind bekommt auch etwas ab, damit es irgendwann endlich versteht, wie lecker und schmackhaft Rosenkohl in Wirklichkeit ist. Wegen der harten Strafe isst das Kind eine Weile lang noch widerwillig seinen Rosenkohl, doch irgendwann hält es die Qual nicht mehr aus. Dafür beginnt eine neue Qual, denn nun wird es jeden Abend verprügelt. Wegen der Erinnerung an den letzten Abend versucht es immer wieder, den Rosenkohl aufzuessen, doch es ist nicht stark genug, Und so wird es immer schlimmer und schlimmer zugerichtet.
Wenngleich sich die Eltern ganz geschickt anstellen, nach einem Jahr kommt es dann doch raus, dass diese Eltern ihr Kind misshandeln und die ganze Sache wird gestoppt.

Nur zur Verdeutlichung: Die Eltern sind der Staat, der ein (nach unserer heutigen Auffassung rechtswidriges) Gesetz aufstellt, das Kind spielt der Rolle des bestraften Homosexuellen. In der Geschichte ist das von den Eltern aufgestellte Gesetz die ganze Zeit über als unrechtmäßig anzusehen, während in der Realität erst später beschlossen wurde, dass das Gesetz mit anderen, bestehenden und wichtigeren Gesetzen unvereinbar ist. Jedoch wüsste ich nicht, wieso der Zeitpunkt eines Beschlusses da eine Rolle spielt. Wenn etwas generell unrechtmäßg ist, ist es das die ganze Zeit. Nicht erst dann, wenn man erkennt, dass es unrechtmäßig ist. Dann erst kann aber etwas dagegen unternommen werden.
In meiner kleinen Geschichte ist offen, wie die Eltern und der Staat nun handeln werden. In der Realität war es nunmal so, dass der Staat die unrechtmäßge Behandlung wieder ausgleichen wollte, die die Homosexuellen erfahren haben. Deswegen die Entschädigungszahlungen.

Ich hoffe, ich konnte den Sachverhalt verständlich machen. Wie in allen moralischen Fragen gibt es auch hier meiner Meinung nach kein eindeutiges "richtig". Moralisch richtig ist in der Regel das, was die stärkste (deswegen meistens die größte) Gruppe für richtig hält.

Ich persönlich finde diese Zahlungen moralisch und rechtlich richtig, und zum Glück auch viele andere Menschen. Das heißt natürlich nicht, dass du sie richtig finden musst.

LG

Antwort
von Maarduck, 51

Wenn der Staat einen Fehler einsieht und versucht wieder gut zu machen, so ist dies immer positiv zu sehen und geschieht leider viel zu selten. Die Gesetze sind dazu da, um das Zusammenleben der Menschen zu regulieren. Und dieses damalige Gesetz war bzgl. der Zielverfolgung eindeutig kontraproduktiv.  

Antwort
von apophis, 61

Naja, bei dem Fall mit den Homosexuellen geht es um das Menschenrecht. Dieses wurde mit dem Verbot verletzt, weshalb eine Entschädigung aus Sinn macht, auch als Symbol der Entschudligung.

Bei Drogen oder anderen Straftaten wäre das etwas anderes, da es eben nichts mit dem Menschenrecht o.Ä. zu tun hat.

Antwort
von StellaCat, 62

Ich schätze, dass es anders beurteilt wird als andere Straftaten, da es tatsächlich den Menschenrechten in sofern widerspricht als dass jeder Mensch gleich ist und somit das Recht hat zu lieben wen er will (solange dies natürlich beidseitig ist, von Straftaten die vielleicht durch Pädophilie etc. entstehen mal abgesehen). Der Crack-Dealer im Gegensatz musste nie unter den Entzug seiner Menschenrechte leiden.

Antwort
von Tannibi, 59

Ich weiß nicht, was du mit "damals" meinst.

Homosexuelle "Betätigung" (übrigens nur bei Männern)
war bis 1972 in der BRD eine Straftat. Wird da
irgendjemand entschädigt?

Kommentar von kolui ,

Ja.

Kommentar von Tannibi ,

Dann verstehe ich das auch nicht.

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