Frage von VictorStern, 23

Warum werden Hersteller von Asbest-Produkten nicht zu Gunsten eines Entschädigungsfonds enteignet?

Thema Asbest: Eigentlich kann man doch kein vor 1995 gebautes Haus in Deutschland ruhigen Gewissens modernisieren/umbauen/sanieren, ohne Angst haben zu müssen, Asbest-Fasern erinzuatmen. Die tollen Tips mit Proben nehmen: Soll man 100 Proben nehmen lassen? Wer kann sowas bezahlen? Hinter jeder Schaltersteckdose kann eine andere Spachtelmischung sein. Das weiß man ja vorher nicht. Oder zugeflickte Bohrlöcher. Die Hersteller damaliger Produkte sind doch namentlich bekannt. Warum werden diese nicht enteignet. um mit dem Geld jetzt die Sanierungen zu finanzieren, die aufgrund ihrer Produkte erforderlich sind. Die NS-Täter klagt man doch heute nach über 70 Jahren auch noch an. Die Asbest-Produkte-Hersteller sind doch im Ergebnis auch nicht anderes als Massenmörder. Warum halten es Staatsanwälte und Richter nicht für nötig, auch diese anzuklagen bzw. zu verurteilen und das Vermögen einzuziehen. Bereits 1936 war in Deutschland die Gefahr von Asbestprodukten eindeutig bewiesen worden. Jeder Hersteller mußte somit wissen, daß er Produkte herstellt, mit denen er Menschen letztlich ermordet.

Antwort
von DanBam, 16

Solche Vergleiche sind ungebührlich. Das eine ist Produkthaftung, das andere ist Genozid. Die einen haben aus purem Hass Menschen ermordet, die anderen waren mit der Absicht an den Start gegangen, einen haltbaren Baustoff entwickelt zu haben.

In grauer Vorzeit machten sich die Hersteller keine Gedanken um die menschliche Gesundheit oder Verträglichkeiten. Als irgendwann bekannt wurde, wie schlimm der Umgang mit Asbest für den Menschen ist, wurde in vielen Ländern die Produktion und der Handel verboten. Viele Hersteller wurden verklagt, fast alle sind Pleite gegangen. Ich vermute daher dass so mancher in Europa verprellter Hersteller sich selbst inklusive seiner Produktionsanlagen ins Ausland verlagert hat, um vor Ort weiterhin den Tod auszuliefern. Aber solchen Typen in diesen Ländern das Handwerk zu legen brauchst Du die Unterstützung des jeweiligen Landes - eher geht also ein Kamel durch ein Nadelöhr.

Antwort
von tryanswer, 15

Weil sie sich nichts haben zu Schulden kommen lassen, beschwer dich doch bei demjenigen, der das Haus gebaut hat - aber selbst den trifft keine Schuld. Das Problem mit dem Asbest ist doch in erster Linie, daß wir heute so einen Aufstand darum machen.

Wo ist eigentlich dein Problem, du siehst doch, wenn du auf Asbest triffst und bist dann einfach entsprechend vorsichtig - dafür brauchst du keine Proben zu nehmen.

Kommentar von VictorStern ,

Natürlich war es seit der NS-Zeit bekannt, wie tödlich Asbest ist. Es war damals bereits als Berufskrankheit anerkannt. Unter Ausnutzung der Kriegsniederlage haben die betreffenden Hersteller ab Ende der 1950er diese erkannten und dokumentierten Gefahren bewußt ignoriert und diese Produkte auf den Markt gebracht. Wenn Behördenvertreter dies genehmigt haben, also mit Herstellern gemeinsame Sache machten, gehören diese ebenfalls zur Verantwortung gezogen. Manche Firmen haben quasi "wie die Geistesgestörten" überall Asbest in die Produkte geschüttet, ohne daß es dafür überhaupt einen ernsthaft nachvollziehbaren Grund gab.

Gerade bei Spachtelmassen erkennt man es im Gegensatz zu Fertigprodukten wie Blumenkästen oder Dachziegeln eben nicht, ob diese Asbest enthalten. Eine Einzelhaussanierung wird da immer zum Risiko.

Kommentar von tryanswer ,

Wie du schon selber sagst: der Einbau von Asbest war zulässig. Wenn du meinst Asbest nicht zu erkennen, mußt du eben beim renovieren einen Mundschutz tragen - und die kosten auch nicht die Welt.

Antwort
von Matermace, 20

Solange die Verwendung von Asbest legal war kannst du daraus auch keinem einen Strick drehen. Wenn morgen rauskommt dass Alpinaweiß krebserregend ist wird man den Hersteller auch nicht verklagen können.

Kommentar von VictorStern ,

Es heißt ja "Unwissenheit schützt vor Strafe nicht"! Da die Gefahren bekannt waren, haben jene Hersteller grob fahrlässig gehandelt. Auch wurde Asbest oft nicht erkennbar deklariert, sondern mit Fachausdrücken für den Verwender verklausuliert, der Verbrauicher also arglistig getäuscht.

Im Beispiel Alpinaweiß: Einen Hersteller kann man immer verklagen, in dem man eine Klage einreicht. Die Frage ist, was das Gericht daraus macht. Nach heutiger Rechtsprechung müßte der Hersteller sehr wohl Schmerzensgeld zahlen, wenn sich das Produkt als krebserregend herausstellt, obwohl es zugelassen war. Der Erfolg hängt natürlich immer von einem guten Anwalt ab, der sich nicht einschüchtern läßt.

Kommentar von Matermace ,

Eine solche Klage würde eventuell Erfolg haben, ich glaube aber dass es eine lange und teure Schlammschlacht werden würde. Der Umstand dass die Verwendung erlaubt war obwohl die Gefahren bekannt waren dürfte da ganz massiv zu tragen kommen, schließlich steht damit auch der Gesetzgeber im Visier.

Antwort
von Harald2000, 22

Weil du dich öffentlich noch nicht dafür eingesetzt hast.

Antwort
von Snowfreak0815, 4

Das gleiche müsste für Alkohol Zucker Tabak und tausende andere Produkte gelten.

Antwort
von casala, 18

das liegt schlicht und einfach daran, daß die asbestverwendung nicht verboten wurde, sondern als im bau nützliches produkt geduldet wurde.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten