Warum werden Fragen zu politischen Themen tendenziös emotional beantwortet und nicht auf Grundlage einer sachlichen Ebene?

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11 Antworten

Ich stimme dir da zu. Eine Ursache sehe ich darin, dass Menschen in solchen Diskussionen schnell ihre Werte verletzt oder in Gefahr sehen, und Werte sind für die meisten Menschen indiskutabel "das Gute". Werte rein rational zu begründen ist schwierig, da sie meist auf einer moralischen Grundannahme aufbauen, und noch dazu oft nicht eigenständig ausgearbeitet wurden, sondern einfach von den Eltern oder der Gesellschaft übernommen. Von daher ist die erste Reaktion bei Gefährdung eine emotionale. Dass aber verschiedene Menschen unterschiedliche und sogar gegensätzliche Werte haben können, oder ihnen manche Werte wichtiger sind als andere, ist selbstverständlich.

Es wäre ehrlich gesagt auch schwierig, jeder politischen Diskussion eine moralphilosophische Grundlagendiskussion vorausgehen zu lassen, doch gerade das halte ich für einen Weg in einer Gesellschaft mehr Konsens zu schaffen, indem solche Themen öffentlich und parallel zu politischen ausdiskutiert werden.

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Kommentar von ETechnikerfx
21.09.2016, 14:41

Schlüssige Antwort. Vor allem die Herleitung woher die Menschen ihre Grundwerte haben und wie sehr diese in ein politisches Problem (emotionales Problem) führt. Die Grundlagendisskusionen sollten eigentlich unter den Parteien stattfinden. Stattdessen wird die Sau mit voller Absicht durch die Medien durch das Dorf getrieben und polarisiert die Menschen in ihren Grundfesten.

Du hast recht wenn du schreibst dass Werte rational nur schwer zu begründen sind. Es gibt jedoch moralphilosophische Ansätze, wie beispielsweise den kategorischen Imperativ, die genau diese Zwickmühle lösen könnte. Was müsste geschehen um solch eine politische Logik zu etablieren? Ich weiß, es hört sich sehr blauäugig an und ist es auch, aber dennoch schwellge ich gerne mal in einer Utopie.

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Nunja die Ratio ist in jedem Menschen anders entwickelt. Es gibt "Bauchmenschen" und "Kopfmenschen". Und unter den Kopfmenschen gibt es noch verschiedene Stärkegrade. Das hat mit Intelligenz zu tun.

Viele politische Argumente sind für intelligente Menschen schwierig nachzuvollziehen.

Außerdem benötigt man für die nötige Objektivität einer Debatte innere Ruhe und Distanz zum Thema. Erlebe ich negative Auswirkungen einer gewissen Politik, fällt es vielen sehr schwer es als natürlichen kollateralschaden zu verstehen. Auch wenns übergeordnet Sinn macht. (Sagen wir z.B. eine Straßensperrung auf Grund einer öffentlichten Situation. Aus Gründen der allgemeinen Sicherheit absolut vertretbar. Für den Anwohner der dadurch mit dem PKW nicht zur Arbeit kommt schwierig).

usw usw

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Kommentar von ETechnikerfx
21.09.2016, 14:05

Denkst du dass die in deinem Beispiel genannten Anwohner sich deshalb ärgern, weil sie keine Option haben oder aber weil sie sich anderen gegenüber bevormundet fühlen?

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Politische Themen müssen dem Volk plausibel vermittelt werden. Negatives soll keine Ängste erzeugen, und die "Bauchgefühle" werden auf moralisch wertvolle Aktivitäten gelenkt.

Deshalb werden affekterzeugende Bilddokumentationen mit entsprechender musikalischer Untermalung argumentativ verwendet. Ein uraltes Verfahren in der Politik, um Wähler zu binden. 

Aber auch die Werbung weiß davon ein Lied zu singen.

Auf Zahlen und Fakten der sachlichen Ebene achtet kaum einer.

Im privaten Umgang ist es nicht anders. Die Unterdrückung von negativen Emotionen wie Ärger, Frust, Neid oder Wut gelingt schwer. Freude dagegen darf abgelassen werden. Die Beherrschung  fällt immer schwer. Wenn die Justiz von überforderten Eltern spricht, werden deren Affekthandlungen oft milde bestraft.

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Kommentar von ETechnikerfx
21.09.2016, 20:47

Wie ich dich verstanden habe ist es also System, politische Themen emotional zu behaften um das Thema in die ein oder andere Richtung zu lenken?

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in der Politik gehts ausschliesslich um Interessen, die unter dem Tarnmantel so edler Motive ausgefochten werden wie Sachdebatte, Streitkultur, Sachkompetenz und vor allem absolute Wahrheit des eigenen Standpunkts und der des Gegners wird dann als intellektuell oder charakerlich minderwertig diffamiert.

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Kommentar von ETechnikerfx
21.09.2016, 20:51

Also bist du auch der Meinung dass politische Themen bewusst emotional behaftet werden um das Thema in eine bestimmte Richtung zu lenken?

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Rein subjektiv gesteuerte Dinge lassen sich nicht auf eine sachliche Reihe bringen.

Habgier, Machtgier, Eitelkeit, Besserwisserei, Begehrlichkeitserfüllung, das alles sind Hauptgrunde, warum Menschen in die Politik gehen. Und um gewählt zu werden, ist Steigerung der Beliebtheit (also auch etwas Emotionales) von Bedeutung. Beobachtete Sachlichkeit innerhalb der Politik ist deshalb zwangsläufig kaum mehr als die Tünche, mit der die emotionalen Hintergründe verdeckt werden.

Daß Politik nicht emotionsgeleitet sein darf, ist nur ein frommer Wunsch. Ebenso könnte man verlangen, daß Religionen nur logisch nachvollziehbare Inhalte haben dürfen.

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Weil Menschen ungern in ihrem Weltbild gestört werden und auf diese Störung ihres Weltbildes mit Aggression reagieren. 
Genau wie ein politischer Gegener einfach Wut in einem auslöst, weil er ja der jenige ist, der den eigenen Zielen diametral entgegen steht. 
Das heißt aber nicht, dass die politische Analyse emotionsgeleitet sein muss, dass heißt nur, dass die Kommunikation zwischen unterschiedlichen politischen Lagern hitzig und Emotionsgeladen geführt wird, weil es nicht darum geht sich aufeinander ein zu lassen, sondern sich zu behaupten. 

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Kommentar von ETechnikerfx
21.09.2016, 13:27

Also würdest du sagen, dass Politik im Anfang aus Fakten ergründet betrieben wird, dann jedoch aufgrund von persönlichen Belangen ad absurdum geführt wird?

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Man merkt es ja auf dieser Seite, eine sachliche Diskussion ist selten möglich, da beide Seiten zur Polemik neigen, man kann nicht über AfD oder Flüchtlinge reden, ohne das jemand mit unsinnigen Nazivergleichen kommt, ich hätte gerne mal mit einem Linken sachlich über die Flüchtlingskrise z.B. geredet.

In meinen Augen hat politische Korrektheit und der linke mediale und politische Mainstream jede sachliche Diskussion zu kontroversen Themen nahezu unmöglich gemacht, da bleibt einem am anderen Ende des politischen Spektrums nur selbst polemisch und zynisch zu werden. Ich habe außerdem das Gefühl, dass das politische und mediale Establishment zu feige ist, negative/unpopuläre Tatsachen ehrlich zu benennen.

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Kommentar von ETechnikerfx
21.09.2016, 13:49

Ich glaube hier liegt der Fehler. Jeder erwartet etwas von jemandem, der unmöglich dass geben kann. Es ist eine Unsicherheit in der Bewertung einer Sache. Wieso beispielsweise bist du der Meinung das Medien nur noch politisch korrekt sein wollen und wer ist der linke politische Mainstream? Ich verstehe was du schreibst aber nicht wen du meinst. Für mich ist dass so als wenn hier von jemandem geschrieben wird, der nicht existiert.

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Kommentar von Sachsenbruch
21.09.2016, 14:28

"... mit unsinnigen Nazivergleichen" kommst im Moment eigentlich nur du, Gunn. Wozu?

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Das beste Beispiel ist A.Merkels emotionsvoller Umgang mit den Flüchtlingen vor einem Jahr. Sie machte mit ihrer offen gezeigten Sympathie für sie große Politik.

Empathie ist schon nötig, doch darf die sachliche Ebene nicht verlassen werden.

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Also Emotionen haben sehr wohl ihre Gründe. Unsere Emotionen bewahren uns zB Leute umzubringen, zu stehlen usw. Emotionen dürfen deshalb auf keinen Fall fehlen. Bei "Fals Flag Operationen" zB muss man die Emotionen raushalten oder manipulieren, sonst glaube ich nicht das man sowas durchführen kann.

Das Denken darf klarerweise auch nicht fehlen, logisch. Aus meiner Sicht müssen Emotion und Denken übereinstimmen um gute Entscheidungen treffen zu können.

Naja warum fehlt oft das denken? Viele sind wahrscheinlich nicht überzeugt von der Notwendigkeit des Denkens. Denken erfordert Zeit und Aufwand, da muss schon auch was rauskommen.

Dann könnten wir noch über die Informationsbeschaffung. Die Voraussetzung ist für Vernünftige Gedankengänge im politischen Bereich. 

Da lass ich lieber mal wieder Daniele Ganser reden, das ist ein ziemlich grosses Thema.

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Beispiel:

Ein Grüner trifft einen AfDler.

  • Der Grüne wirft dem AfDler das Parteiprogramm vor.
  • Der AfDler kontert mit dem Parteiprogramm der Grünen welches 1980 die Befürwortung der Pädphilie beinhaltet.

Wer jetzt glaubt, eine solche Debatte würde emotionslos geführt werden können, der irrt. Beide werden sich gegenseitig hochschaukeln und vollkommen erzürnt (aber jeder als vermeintlicher Sieger) davon gehen.

Wo liegt jetzt das Problem?

Beide hätten die Möglichkeit einer konstruktiven Debatte nutzen können. Dies erfolgt aber nicht, da sich jeder automatisch erstmal in eine Vorteilsposition bringen möchte, und dabei bedacht ist, den Finger in bekannte Schwachstellen zu legen.

Dies ist menschlich, was dann auch gleich das Problem ist.

Menschen ohne Emotionen widersprächen der menschlichen Natur

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Kommentar von ETechnikerfx
21.09.2016, 20:45

Also gelingt der politische Diskurs solcher Parteien nicht, weil jeder seinen ideelen Vorteil bei sich behalten will? 

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Du sagst, dass Politik nicht emotionsgeleitet sein soll?
Mag' sein, dass Emotionen kein guter Ratgeber für Entscheidungen sind, aber ich habe es noch nirgendwo anders gesehen.

Sämmtliche politischen Argumente "verkaufen" ihre Ideen über Emotionen, und es sind auch (oder zum größten Teil?) immer die Emotionen, nach denen alle 4 Jahre ein Kreuz auf einem Wahlzettel gemacht wird.

Ist, meiner Meinung nach, unrealistisch, dass es ohne geht.

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Kommentar von ETechnikerfx
21.09.2016, 13:32

Das sage ich nicht. Nur ich möchte gern wissen weshalb die Menschen so sind, obwohl sie wissen dass Emotionen kein guter Ratgeber sind.

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