Frage von grubenhirn, 126

Warum werden Bio-Bananen neuerdings in Plastiktüten verpackt - ist das nicht unlogisch und gegen die eigentliche Idee von Bio-Produkten?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von uncledolan, 70

Hallo,

Bio-Produkte sind keinesfalls "so Bio wie möglich", sondern eben nur "ein bisschen mehr Bio" als Standard-Produkte.

An dem von dir genannten Widerspruch kann man das gut erkennen. Es wird aus ökonomischen oder Haltbarkeits-Gründen auf Plastik umgestiegen, obwohl das um ein Vielfaches schädlicher für die Umwelt als Pappe oder Holz ist.

Die allermeisten Hersteller von Bio-Produkten legen ihre Produktion so aus, dass ihre Produkte "gerade so" das Bio-Siegel erhalten, sich aber die Kosten und der Herstellaufwand möglichst minimal erhöhen (womit also auch der Tierschutz- und Umweltschutzgewinn minimal ist!). Im (aus Unternehmenssicht) besten Fall ist der "Preisaufschlag wegen Bio" des Produktes höher als die Mehrkosten für das Erhalten des Bio-Siegels.

Im Übrigen solltest du dir auch mal die Frage stellen, warum kaum jemand sich an solchen wie dem von dir genannten Widersprüchen stört:

Der Grund dafür ist, dass viele Personen glauben wollen, dass sie sich und der Umwelt etwas Gutes tun, ganz egal, ob sie das nun wirklich tun. Das liegt daran, dass Menschen zum Schubladendenken neigen: Die Annahme, dass konventionelle Produkte immer der Umwelt schaden, sowie dass Bioprodukte immer der Umwelt helfen, ist ziemlicher Blödsinn. Trotzdem wird sie von vielen Personen vertreten. Die hohe Komplexität von Themen wie zum Beispiel des Schutzes der Umwelt führt dazu, dass Menschen sich an das wenige Einfache klammern, was sie verstehen, nämlich das formschön in Szene gesetzte Bio-Siegel auf dem Produkt.

Vergleiche hierzu die Diskussion um E10, den "Bio-Kraftstoff". Für die Produktion dieses Kraftstoffes werden massenhaft Lebensmittel wie Rapspflanzen und andere Lebensmittel in Dritte-Welt-Ländern produziert, wobei teilweise eine große Ausbeutung der Umwelt (Waldrodung etc) sowie vor allem der Bevölkerung (Es werden aus Ländern, in denen Menschen verhungern, unnötigerweise Lebensmittel in riesiger Menge angebaut, um diese dann nicht zu verspeisen, sondern sie für Kraftstoff in Europa zu verwenden!) stattfindet. Trotzdem wird diese Farce weiterbetrieben, damit man behaupten kann, man helfe der Umwelt.

Und Nein, ich will nicht sagen, dass Bio-Siegel generell ein falscher Weg sind, das Umweltbewusstsein in der Bevölkerung zu erhöhen, aber ich will sagen, dass die derzeitige Umsetzung nicht nur nicht/kaum der Umwelt hilft, sondern vor allem den Gedanken der Nachhaltigkeit korrumpiert, weil langfristig diese großangelegte Verarsche dazu führen wird, dass die Menschen die Bio-Siegel nicht mehr ernst nehmen werden.

Kommentar von grubenhirn ,
Merci pour la résponse
Antwort
von Imago8, 31

Die Antwort von Cokedose ist interessant und erklärt einiges.

Habe mal Bio-Zwiebeln in Netzen gesehen. Man könnte das doch auch
mit Bananen und Äpfeln und dem Rest machen? Vielleicht kann man auch Netze aus Maisstärke oder Hanffasern oder etwas anderem pflanzlichen herstellen?

Kommentar von grubenhirn ,

Gute Idee.

Vielleicht schreibe ich die Produzenten oder Händler mal an, so dass sie die Alternative wenigstens mal überdenken.

Antwort
von Cokedose, 58

Bio und Umweltschutz sind zwei vollkommen unterschiedliche Dinge. Von daher steht es auch nicht im Widerspruch zueinander.

Der Grund darin liegt jedoch im Lebensmittelrecht, denn wenn offene Bioprodukte zusammen mit normalem Produkten der gleichen Art angeboten werden, so müssen diese so angeboten werden, dass ein Verwechsung ausgeschlossen ist. Deshalb gibt es auch keine losen Bio-Äpfel sondern auch nur in Tüten wenn es normale lose Äpfel gibt. Auch Bio-Gurken sind meist eingeschweißt und mit einem Aufkleber versehen. Du wirst also niemals in einem Supermarkt sowohl Bio als auch normale Gurken gleichzeit ohne jede Kennzeichung am Produkt finden.

Kommentar von grubenhirn ,

Verstehe! Eine sehr bedenkliche Praxis.

Kommentar von Cokedose ,

Warum? Ich halte es für sinnvoll, damit kein Supermarkt etc. normales O+G teurer als Bio verkaufen kann. Oder dass ein Kunde der gezielt Bio sucht versehentlich normales O+G kauft.

Auf der anderen Seite sind diese Verpackungen ja auch noch ein zusätzlicher Schutz, da unbehandelte Bio Produkte ohnehin leichter anfällig für Schimmel und Verderb sind.

Kommentar von grubenhirn ,

Mag sein.

Wer aber aus den selben Gründen Bio-Produkte kauft wie ich, der möchte ja auch was für die Umwelt tun - jedenfalls nicht das Gegenteil -  und dann sieht man wie die Bio-Bananen mehr Kunststoff verschwenden als die "normalen Bananen".

Das widerspricht dem edlen Geiste der Bio-Konsumenten.

Kommentar von Cokedose ,

Wäre es umgekehrt und die normalen Bananen wären in Tüten, wäre die Belastung wesentlich höher, da Bio-Produkte ja nach wie vor eher Randgruppenprodukte (nicht abwertend gemeint) mit einem deutlich geringerem Abverkauf sind. Von daher ist es schon die bessere Lösung des weniger nachgefragte Obst in Tüten zu packen.

Kommentar von grubenhirn ,

Stimmt.

Noch besser: Tüten ganz weglassen, trotz der oben genannten plausiblen Gründe!

Antwort
von grubenhirn, 9

Interessante Petition zu diesem Thema: https://www.change.org/p/rewe-befreit-bio-lebensmittel-von-unn%C3%B6tiger-plasti...

Antwort
von playzocker22, 54

Bio=nur ein bestimmter anteil des Lebensmittels ist Bio (ich glaub es müssen 17 prozent sein). Da zählt ne plastiktüte zum "nicht bio" teil.

Kommentar von Tokik ,

beim Bio-Produkt müssen es schon 95% Bio sein, mindestens. Das ist gesetzlich vorgeschrieben (außer die verpackung, die ist nicht geregelt). Das mit den 17% bezieht sich wsl. auf (bestimmte) Fairtrade-Waren, das ist aber wieder ein ganz anderer Bereich.

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