Frage von DrSchmitt, 47

Warum werden bei einer Inflation Preise erhöht?

Nehmen wir mal an, der Staat druckt mehr Geld. Es kommt mehr Geld in Umlauf.

Woran merkt jetzt Bäcker A, dass der Wert des Geldes gesunken ist? Es werden vielleicht ein zwei Kunden mehr Geld dabei haben, aber warum genau erhöht er dann den Preis?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Schlauchmayer, 41

Der Bäcker merkt zunächst gar nicht, dass der Wert des Geldes gesunken ist. Der Wert des Geldes sinkt ja nicht dadurch, dass mehr Geld im Umlauf ist, sondern dadurch dass das Warenangebot nicht in dem Maße gestiegen ist, wie das Geld sich vermehrt hat.

Um im konkreten Beispiel zu bleiben, merkt der Bäcker, dass plötzlich mehr Brötchen nachgefragt werden, oder es werden ganz einfach teuerere Backwaren wie Vollkornbrötchen und Nußecken oder was auch immer nachgefragt. Er merkt das wahrscheinlich dadurch, dass Waren, die sonst erst um 18 Uhr ausverkauft waren, jetzt bereits um 16 Uhr nicht mehr da sind.

Der Bäcker hat jetzt zwei Möglichkeiten, auf diese erhöhte Nachfrage zu reagieren. Er kann mehr produzieren, damit es wieder bis 18 Uhr reicht oder er kann einfach die Preise erhöhen, damit wieder weniger nachgefragt wird und die Brötchen bis 18 Uhr reichen. Mit dem Unterschied, dass er jetzt eben pro Brötchen und insgesamt mehr verdient als vorher.

Für was er sich entscheidet, rechnet er vorher durch. Bringt ihm die Mehrproduktion mehr Gewinn, wird er sich dafür entscheiden. Bringt ihm das Preiserhöhen mehr Gewinn, macht er es so. Die Mehrproduktion kann im Vergleich zur Preiserhöhung schlechter abschneiden, weil er z.B. ohne weitere Maschinen anzuschaffen gar nicht mehr produzieren kann. Die weiteren Maschinen können aber zusätzliche Kosten verursachen und ein zusätzliches Risiko darstellen.

Wenn aber die Preise in der gesamten Volkswirtschaft ohne Mehrproduktion erhöht werden, dann verliert das Geld tatsächlich an Wert.

Inflation ist nur die Folge, wenn die Volkswirtschaft an ihren Kapazitätsgrenzen arbeitet.


Antwort
von Dirk-D. Hansmann, 19

Der Bäcker wird nicht auf die Inflation achten. Er wird immer erst seine Einnahmen und die Absatzmenge im Auge haben. Weil dieses natürlich tägliche Indikatoren seiner Tätigkeit sind.

Als nächstes wird er auch die Preisentwicklung seiner Zutaten achten und dann der anderen Kosten. Übrigens sind es gerade die traditionellen Meister, die Kalkulation noch beherrschen und daher auch die Preisentwicklung sehr genau abschätzen können.

Eine Inflation beginnt ja auch nicht erst dann, wenn wir von einer galoppierenden Inflation sprechen müssen. Oder wenn Ladeninhaber nach dem Aufstehen erst einmal die Vortagspreise verdoppeln.

Es geht ja in Branchen bzw. Branchenzusammenhängen. Steigt Energie, da sind alle von abhängig, aber nur zu einem Prozentsatz x. Also erhöhen sich in fast jedem Produkt die Bestandteile mit Energie und die daraus folgenden. Dabei wird aber auch auf die Durchsetzbarkeit am Markt geguckt.

Um bei dem Becker zu bleiben, zwar haben die hohe Energiekosten für ihre Backöfen, doch wenn nicht alle diese an die Kunden weiter geben, dann haben die, die das versuchen bei einem einigermaßen transparenten Markt ein Problem.

Es ist also nicht immer so, dass alles gleich zu Erhöhungen führt. Bei einem Brötchen werden die Aufwendungen für Mehl und andere Zutaten bei 50 - 66% liegen. Dazu kommen Lohnkosten usw. Der Stromanteil liegt vielleicht bei 1,x% am Brötchen. Was soll also der Bäcker tun, wenn die Kosten für Energie steigen? Im Moment hat er 0,5 Cent im Preis dafür enthalten. Steigt jetzt der Strompreis um drei Prozent, dann bräuchte er also 0,015 Cent Preiserhöhung. Bei 1.000 Brötchen sicher merklich aber nicht umsetzbar.

Also wird er die Erhöhung zu Lasten des eigenen Gewinns akzeptieren.

Bei den ganzen Inflationsängsten darf man nicht vergessen: Eine Inflation gegen Null oder sogar sinkende Preise (das hatten wir zu Zeiten von Rot/Grün und hatte tatsächlich was mit einer überzogenen Preisstabilitätsanforderung zu tun - von wegen die können nicht mit Geld umgehen) ein solcher Stillstand sorgt dafür, dass Investitionen und Konsumentscheidungen nicht gefällt werden. Die Lager füllen sich und es sind ja Kosten zu decken, dafür braucht man Bargeld. Folge die Preise werden weiter gesenkt.

In einer solchen Situation fühlen sich Deutsche zwar wohl, merken nur nicht, dass sie sich den Hals umdrehen. Keine Arbeit, fehlendes Geld für Konsum und Investition... Entlassungen. Entlassungen drücken aber die Konsumenthaltung noch weiter. Was macht der Produzent? Er investiert auch mal lieber nicht...

Also: Nicht nur der Bäcker sieht bei seinen Eingangsrechnungen, wo sein Geldwert verschwindet. Wo er für sein Geld vergleichsweise weniger bekommt.

Aber das sehen auch alle, die einigermaßen auf ihre Budgets achten. Ob geringste Einkommen oder ganz große. Wer sonst mit einem Haushaltsgeld von x für z Tage über die Runden kam, der wird schon merken, wenn sein z immer kleiner wird.

Daher ist aber gerade die Psychologie eine ganz entscheidende Größe bei der Geldwertentwicklung. Wie sind die Erwartungen für die Zukunft? Konjunktur-Klima-Index, Investionsklima, Konsum-Klima. Hier werden die Vorhaben der nächsten Monate für private Haushalte und Unternehmen bereits zu den ersten Reaktionen führen. Unterschätzen leider viele, wundern sich nur und haben keine Ahnung warum eine Investition voll in die Hose ging.

Auch wichtig bei der Sache: Früher waren Währungen in Gold gedeckt. Also ein bestimmter Anteil des umlaufenden Geldes lag im Staatstresor. Fort Knox für die Amerikaner sehr bekannt. Auch Deutschland streitet mit einer Bank in den USA, weil die Regierung mal einen Besuch vorbei schicken will und die wollen aber die Reserve im deutschen Eigentum nicht zeigen. Vermutlich ist denen einiges abhanden gekommen.

Das sind aber nur noch so Reste einer Geldwertstabilitätsrücklage. Dann wurde gesagt, so viel Gold können wir dem Markt gar nicht entziehen. Das ist unwirtschaftlich. Man hat Geld deshalb an den Warenwert gehängt. Also soll die Geldmenge in ihrem Wert dem Wert der produzierten Waren und Dienstleistungen entsprechen. Macht Sinn. Reichte aber gerade den Spekulanten nicht. Auch die Zentralbanken sagten, dass das nicht der Realität entsprechen würde. Schließlich müssten sie ja Kredite geben, bevor produziert werden könnte. Das Wert wird immer weiter in seiner Menge und Bewertung der realwirtschaftlichen Verhältnisse entzogen.

Und jetzt kommt ein Projekt, dass neben dem Auge der Öffentlichkeit betrieben wird. Das Verbot von Bargeld. Damit kann man dann die Geldmenge vollkommen willkürlich steuern und wenn der Eingriff nicht reicht, dann kann man noch den Wert verändern.

Kleine ketzerische Frage: Wer wird dieses nutzen können?

A - Der kleine Bäcker
B - Regierungen
C - Die superreichsten jedes Landes - etwa 1% der Weltbevölkerung
D - Banken

A, B sind falsch und D auch.

Sorry, kleiner Exkurs, weil er in dem Zusammenhang sehr wichtig für Hunger, Krieg und Wanderungsbewegungen der nächsten 150 Jahre mind. von enormer Wichtigkeit wird.

Kommentar von Bevarian ,

Und jetzt kommt ein Projekt, dass neben dem Auge der Öffentlichkeit betrieben wird. Das Verbot von Bargeld.

Interessant, aber wohl in absehbarer Zeit noch nicht durchführbar: da wird selbst der deutsche Michel aktiv gegen angehen! Vor TTIP hab' ich da mehr Angst...  ;(((

Kommentar von Dirk-D. Hansmann ,

Leider wird es ausreichend Leute geben, die das auch noch praktisch finden. Aber die Bestimmung der Geldmenge und die Kontrolle ungeahnte Macht beinhalten. In den Händen von relativ wenigen Leuten. Dagegen ist TTIP (so befürchte ich) ein Kindergeburtstag. Ich hoffe das wir beides nicht erleben müssen...

Kommentar von DrSchmitt ,

Ach das Verbot von Bargeld ...

Wenn ich jeden Tag in meine Geldschatulle gucke, wäre mir eine geldfreie Gesellschaft um einiges Lieber. #Ketzer

Kommentar von Dirk-D. Hansmann ,

Gute, der Nackte und seine Tasche, in die er nicht gegriffen werden kann. Aber fange mit einer banalen Sache an: Ehepaar - sie will ihn oder er sie überraschen - kauft ein Geschenk. Kontoauszug sagt: Geld bei xy ausgegeben. Höhe bekannt. Ort bekannt. Womöglich noch Ärger und kein Spaß. Bewegungsprofile. Persönliches Verhalten, Interessen usw. Wer heute liest ist ja schon mit Skepsis zu betrachten. Regelmäßig Wochenmagazin gekauft und einsortiert. Das wird die ohne Geld viel stärker treffen, als die mit Geld. Wobei die mit Geld noch eine ganze Reihe von Vorteilen haben werden. Volkswirtschaftlich betrachtet.

Antwort
von maxiwg, 47

Weil alles teurer wird. Er hat ja schließlich auch selbst sein Leben zu finanzieren und deshalb erhöht er dies. Je mehr Geld im Umlauf ist desto geringer ist dessen Wert

Kommentar von DrSchmitt ,

Aber dann müssen ja auch die andere Anbieter/Unternehmer wissen, dass alles teurer wird. Irgendwer muss ja anfangen.

Kommentar von maxiwg ,

die die das geld in Umlauf bringen. etwa die EZB

Antwort
von findesciecle, 14

In der Hyperinflation, deren extreme Spitze Deutschland aus 1923 kennt, wurden die Lehrlinge halbstündig losgeschickt, die neuste Zeitung zu kaufen und zu den nächsten Bäckern nebenan zu schauen und die Preise zu aufzuschreiben.  

Der Bäcker merkte demzufolge auch, dass die Arbeiter und Angestellten täglich oder halbtäglich ihren neuen Lohn wollten und dass der Zulieferer für Mehl nur noch eine Tagesration Mehl anlieferte! So war das. 

Deine Sicht auf die Dinge ist zu individuell gedacht - nicht Menschen erhöhen die Preise sondern der Markt. Aktuell: die EZB flutet die Euro-Zone mit Geld, aber die Preise wollen und wollen nicht anspringen, da will kaschiert werden, dass uns in 2016 eine gewaltige Wirtschaftskrise droht, die durch die EZB-Maßnahmen lediglich vorgeschoben wird!     

 

Antwort
von Kevyy, 28

Das hängt mit Angebot und Nachfrage zusammen. Wenn mehr Geld im Umlauf ist, dann erhalten die Konsumenten mehr Geld und die Kaufkraft heißt, das heißt in deinem Fall, dass die Nachfrage nach Brötchen steigt. Allerdings ist das Angebot geringer als die Nachfrage, weshalb der Preis gesteigert wird.

Antwort
von GuidoFawk, 3

Da der Bäcker selber höhere kosten beim Einkauf hat , muss er die Preise erhöhen.

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