Frage von ArmenienJerewan, 178

Warum werde die bestraft?

Ich schaue gerade eine Hitler Dokumentation und dabei ist mir der Fall eines ehemaligen KZ Wärters eingefallen, der ist glaube ich 90 oder so, wieso wird er heute noch dafür bestraft, was er 1943 getan hat? Klar, ist das schlimm, aber die Richter lebten nicht in der Zeit des Nationalsozialismus und können nicht beurteilen wie es früher war. Früher konnte man nicht einfach " nein, mach ich nicht " sagen. Es war ja der Führer der den Auftrag erteilte. Und außerdem gibt es doch eine Verjährungsfrist.

Antwort
von EnelTired, 76

Also erst einmal: Warum erst heute? Die Antwort ist, dass viele Jahre lang niemand dieser Menschen zur Rechenschaft gezogen wurden. Auf den 2.WK folgte eine Zeit, in der niemand über die Gräultaten der letzten Jahre gesprochen hat. Kein Mensch interessierte sich für Täter und Opfer. Ich glaube, viele wollten vor diesen schrecklichen Dingen einfach die Augen verschließen oder sie ganz vergessen. Außerdem lebten sie ja noch mit den Folgen, mit einer Mauer quer durch Deutschland und hatten wohl ihre "eigenen Probleme".

Daraufhin folgte allerdings eine Generation, die Fragen stellte und sich damit beschäftigte. Der Schrecken "2.WK" gewann an Bedeutung und so wird es erst heute immer wichtiger, sich damit zu beschäftigen, es zu verarbeiten, mit Zeitzeugen zu sprechen und eben auch die Taten der Ausführenden ins Auge zu nehmen.

Die Täter indessen tragen alle mit Schuld an dem was geschehen ist. Theoretisch könntest du alle Bürger dieser Zeit nehmen, die fraglos wie dumme Schafe hinterhergelaufen sind und den NS vergöttert haben, und diese in angemessener Weise zur Rechenschaft ziehen.

Aber wie du schon sagtest herrschte in Deutschland nuneinmal das nationalsozialistische Regime und wer sich dem entgegenstellte musste mit schwerwiegenden Folgen rechnen. Es gibt natürlich durchaus mutige Menschen, die gezeigt haben, dass Widerstand möglich ist. Wenn du dich allerdings ehrlich fragst, was du als deutscher Bürger zu diesen Umständen getan hättest, merkst du, wie schwierig diese Frage ist. Also, wo fängt nun die Schuld an diesen vergehen an? Das ist die Schwierigkeit und die Kontroverse in sochen Fällen.

Allerdings sprechen wir hier von einem ehemaligen KZ Wärter und nicht nur von einem einfachen Bürger. Das ist ein zentraler Unterschied, denn dieser Mann muss sich dazu bereit erklärt haben, als Wächter in einem KZ zu arbeiten. Er hätte auch Bäcker oder Briefträger werden können. Dass er KZ Wärter war, setzt also ein gewisses Maß an Begeisterung für den NS und seine Methoden vorraus.

Hinzu kommt noch, dass solche Wärter teilweise grausame Dinge von sich aus getan haben, die ihnen nicht von oben herab befohlen wurden. Damit sind sie nicht nur Mitschuldige, sondern haben sich auch selbst Schuld aufgeladen. Die Opfer solcher Menschen sind im Recht, dies anzuklagen.

Nun kommt noch ein Argument, das man allerdings auf keinen Fall pauschalisieren darf. Viele dieser ehemaligen Täter aus der NS-Zeit sind auch heute noch von rechtsradikalen Ansichten geprägt. Es gibt NS-Angehörige, die ihre Taten nicht bereuen und keinerlei Verpflichtung darin sehen, die Opfer um Verzeihung zu bitten. Für mich persönlich spielt auch das eine wichtige Rolle.

Du siehst also: Es kann durchaus gerechtfertigt sein, dass solche Fälle gerichtlich untersucht werden.

Antwort
von Dahika, 31

1. Es gibt keine Verjährungsfrist für Mord.

2. Man konnte sehr wohl Nein sagen. So eine Ausrede von Tätern, die aber nicht stimmt. Zugegeben, sie wurden nicht, wenn sie "Nein" sagten, nach Hause in die Pension geschickt, sondern sie kamen halt an die Front. Meist auch an die Ostfront. So wie Hundertausende junger Soldaten auch. Aber die Herrschaften, die sich so gerne als Übermenschen ansahen, waren dafür natürlich zu feige.  Lieber fremde Leute zu quälen und umzubringen, als sich selbst in Gefahr zu bringen.

3. Es gibt immer noch Überlebende der KZs, so dass diese sehr wohl beurteilen können, wie es früher war.

4. Ok, man kann bei einem über 90 j fragen: muss das jetzt noch sein? Da aber 90 jährige und kleine Kinder, schwangere Frauen etc... alle nicht von den SS-Verbrechern geschont, sondern sofort umgebracht wurden, habe ich dann auch kein Mitleid mit dem über 90 jährigen.

Man sollte alle NS Täter vor Gericht stellen. Leider war die Bundesrepublik in den 50er Jahren, wo es wirklich sinnvoller gewesen wäre, sehr nachlässig und komplizenhaft mit den Tätern. Wenn das nicht gewesen wäre, wäre halt der 90 jährige schon vor 60 Jahren verurteilt worden.

Antwort
von Apfelschorle69, 56

Straftat =Straftat. Egal wann und wo diese ausgeführt wurde.

Wenn jemand zum Beispiel heute jemanden ohne Grund umbringen würde und erst in 30 Jahren von der Polizei geschnappt werden würde , dann würde es ja auch nicht heißen: "Ja also der hat jemanden ohne ohne Grund erschossen , aber da diese Tat schon 30 Jahre lang her ist , wird die Anklage fallen gelassen".

Ob man den Dienst als KZ Wärter ablehnen konnte kann ich dir allerdings nicht genau sagen. So weit ich weiß konnte man

sich aber leicht um eine Versetzung bewerben.

 

 

Antwort
von dadita, 39

Mord verjährt nicht, Völkermord noch weniger. Den Befehl zu verweigern und Widerstand zu leisten war eine Option, eine Option welche durchaus einige gewählt haben und wofür diese tapferen Menschen einen hohen Lreis bezahlten.

Wer sich an diesem Völkermord begeilitge hat dafür die Konsequenzen zu tragen. Es herrschte kein Zwang direkt in den KZs zu arbeiten. Er tat es und trägt damit Mitschuld an diesen taten. Sich feige auf "Befehle" auszureden ist nicht akzeptabel. 

Antwort
von Linuxaffiner, 8

Die Kriegsverbrecherprozesse von 1946 waren zwingend notwendig. Und die Prozessführung konnte man nicht den Deutschen überlassen. Das ging schon einmal in den zwanziger Jahren schief als sich deutsche Kriegsverbrecher sich für Gräueltaten im I. Weltkrieg verantworten mußten.

Die Angeklagten von 1946 leugneten und wiesen jede Schuld von sich. Was wollte man dann aber von den einfachen Wehrmachtssoldaten erwarten. Da mußte nach rechtstaatlichen Prinzipien jeder Fall (so fern es möglich war) einzeln geprüft werden.

Diese ganzen Exekutionskommandes in der Wehrmacht, da wurde niemand dazu gezwungen - da war alles freiwillig. Das haben mir ältere Bekannte die bei der Wehrmacht waren selber erzählt.

20 Jahre später begann dann in der westdeutschen Gesellschaft eine wirkliche Aufarbeitung des dritten Reiches. Da haben die Studentenbewegungen der 68iger einiges ins Rollen gebracht. Das war dann auch einer der Gründe dafür warum ein Ministerpräsident aus Baden-Württemberg sein Amt verloren hat.

Das ist eine andere, unbefangenere Richtergeneration als noch vor 50, 60 Jahren, und die nehmen auch auf 90jährige keine Rücksicht, sofern sie sich schuldig gemacht haben.

PS.: Wenn man jeden begeisterten Mitläufer und Aktivisten des dritten Reiches zur Verantwortung gezogen hätte - es wären kaum Leute zum Wiederaufbau der BRD zur Verfügung gestanden. Was mich dann zu der ganz persönlichen Frage führt - wie hätte ich gehandelt, was hätte ich gemacht. Und da werde ich mit meinen persönlichen Urteilen etwas vorsichtig. Es geht auch um die Frage der Verführbarkeit des Menschen durch totalitäre Systeme und Führerfiguren.

Und das ist heute auch noch brandaktuell..

"Wer andere kennt ist klug - wer sich selbst kennt ist weise"

Antwort
von MarkusKapunkt, 81

Mord verjährt nie. Das ist ein Rechtsgrundsatz. Auch die Beihilfe zum Mord, weswegen Reinhold Hanning verurteilt wurde, hat keine Verjährungsfrist, so dass er auch im Alter von 94 Jahren noch verurteilt werden konnte.

Natürlich ist es für die Strafverfolgungsbehörden und insbesondere Richter immer sehr schwer, so lange zurückliegende Verbrechen aufzuarbeiten. Doch zur Urteilsfindung gehört eben nicht, auf einen lange zurückliegenden Zeitgeist Rücksicht zu nehmen. Der Punkt, dass der Angeklagte auf Befehl gehandelt hat und ihm üble Folgen für sich selbst geblüht hätten, wenn er diese nicht befolgte, wurde bei der Strafzumessung berücksichtigt. Wir haben ein Strafgesetzbuch, und danach wird ein Tötungsverbrechen angeklagt, egal wie lange es zurückliegt.

Reinhold Hanning wurde wegen Beihilfe zum Mord in wenigstens 170.000 Fällen zu einer Freiheitstrafe von fünf Jahren verurteilt.

Kommentar von tuedelbuex ,

Wir haben ein Strafgesetzbuch, und danach wird ein Tötungsverbrechen angeklagt, egal wie lange es zurückliegt.



Ist es denn ein Tötungsdelikt, wenn ein junger Mensch sich nach, zum Tatzeitpunkt, geltendem Recht verhält und wenn andernfalls ihm die gleiche Maßnahme geblüht hätte? Wie anmaßend kann man sein, das beurteilen zu wollen, ohne jemals selbst diese Situation erlebt zu haben. M.M. hat kein heutiger Richter das Recht, das zu beurteilen! Entweder man beteiligt sich oder stirbt selber. Und stirbt man lieber selber, hat man kein anderes Leben gerettet. Und wer kann beurteilen, wie solch ein Mensch gelebt hat, jede Nacht von den Opfern geträumt und schweißgebadet aufgewacht ist? Die wahren "Täter" (sind zum größten Teil zur Rechenschaft gezogen worden oder bereits verstorben) haben sich die Hände nicht schmutzig gemacht......


Kommentar von MarkusKapunkt ,

Ich sehe das ja ähnlich wie du. Aber schau dir doch mal die Zahlen an! Der Mann ist "nur" zu fünf Jahren verurteilt worden, dabei hat er hunderttausende auf dem Gewissen. Natürlich können wir uns nicht in seine Situation hineinversetzen. Natürlich kann das auch kein Richter. Aber ein Richter handelt niemals anmaßend. Er hat nunmal die Aufgabe, ein Urteil zu fällen. Dafür wird er bezahlt. Und damit dieses Urteil gerecht ist, hat er einen ganzen Stapel von Gesetzbüchern.

Uns ist es natürlich erlaubt, eine Meinung zu diesem Fall zu entwickeln. Ich kann auch deine sehr gut verstehen. Aber die Angehörigen der Oper haben sicher eine andere Meinung als du. Die denken sich wahrscheinlich "besser spät als nie".

Kommentar von Marquess ,

"Ist es denn ein Tötungsdelikt, wenn ein junger Mensch sich nach, zum Tatzeitpunkt, geltendem Recht verhält und wenn andernfalls ihm die gleiche Maßnahme geblüht hätte?"

Niemandem blühte bei Befehlsverweigerung der Tod. Das ist Unwahr. Das gab es nur in den letzten Kriegsmonaten und nur an der Front. NICHT aber in der Wehrmacht oder der SS generell. Auch wenn viele diese Mär gerne wahr hätten... das ist sie nicht.

Außerdem war der Mann Gruppenführer und hätte sich versetzen lassen können wenn er gewollt hätte.



Antwort
von SiViHa72, 9

Mord verjährt nicht. Eigentlich können sie sich noch glücklich schätzen.. hatten ja mehrere Jahrzehnte ein schönes Leben.

Und jetzt müssen sie für ihre Fehler eben doch noch gerade stehen. Korrekt so.

Mit deiner begründung kanns ich jeder den A* retten,d ers ich nur lange genug absetzen kann. Sogar ein befehlsgebender Diktator u.ä.

Antwort
von TreudoofeTomate, 82

Die Bestrafung ist gerecht und überfällig. Nur weil er untergetaucht ist, darf kein Kriegsverbrecher davon kommen.

Und falsch, man konnte sich weigern und man konnte sogar gegen die Faschisten kämpfen.

Kommentar von tuedelbuex ,

Ich bitte Dich! Der junge Mann war 1943 gerade mal 17 Jahre alt (sofern die Altersangabe "90 Jahre" stimmt). Ein Jugendlicher also, dem nach heutigen Maßstäben einiges aus Rücksicht auf sein Alter nachgesehen wird und der nach damaliger Gesetzeslage bei Weigerung seine eigene Hinrichtung riskiert hätte. Das Wort "Kriegsverbrecher" halte ich für deutlich übertrieben für junge Leute, die aus Angst um das eigene Leben getan haben, was ihnen befohlen wurde. Solche "Bestrafungen" haben nichts mit Recht und Gesetz zu tun, dienen lediglich den Rachegelüsten einiger weniger, die z.T. in ihrer "Heimat" nicht wirklich anders agieren (Palästina).

Kommentar von TreudoofeTomate ,

Sie sind gerecht. Auch 17jährige mussten nicht mitmachen. Warum waren andere kritisch? Schiss vor Hinrichtung rechtfertigt keine Kriegsverbrechen.

Kommentar von Marquess ,

Niemand hat bei Verweigerung eine Hinrichtung riskiert. Das verbreiten nur gewisse Kreise um die Nationalsozialisten besser aussehen zu lassen.

Kommentar von MarkusKapunkt ,

Der Mann war 21, Mitglied in der SS und mitschuldig am Tod von mindestens 170.000 Menschen. Schließlich war er sogar der Gruppenführer seiner Wachmannschaft. Auch wäre er erst 17 gewesen, hätte das nichts entschuldigt. Was ihm geblüht hätte, wenn er sich geweigert hätte, das können wir nicht sagen. Es gibt außerdem unzählige Möglichkeiten, sich zu weigern. Er hätte sich krank stellen können. Sich um eine Versetzung bemühen können. Sich so ungeschickt anstellen können, dass man ihn woanders eingesetzt hätte. Aber er hat trotzdem mitgemacht.

Antwort
von Marquess, 58

Mord und Kriegsverbrechen verjähren nicht.

Antwort
von josef050153, 9

Es gibt im Recht gewisse Grundsätze. Einer davon ist, dass Mord nicht verjährt.

Antwort
von sophia1710, 53

Ich persönlich finde das auch nicht sooo toll, aber es ist einfach ein Zeichen für alle, das man mit nichts davon kommen kann und immer für seine Taten bestraft wird.

Kommentar von Marquess ,

Du findest es schlecht dass Mord und Kriegsverbrechen bestraft werden?

Ob du auch so denken würdest wenn jemand deine Liebsten umbringen würde?

Kommentar von sophia1710 ,

Man weiß ja nicht was er wirklich getan hat. Es ist gerecht das er bestraft wird, aber mit 90 ist das nicht schön.

Kommentar von TreudoofeTomate ,

Stimmt, ist es nicht. Der Mörder hat den größten Teil seines Lebens in Freiheit verbringen können, während seine Opfer tot waren und deren Angehörige ins Unglück gestürzt. Er hat gehofft, davon gekommen zu sein, in Ruhe zu sterben und seine Taten für immer zu vergessen. Zum Glück ist das nicht passiert. Die Strafe kommt viel zu spät und sie ist gerecht.

Kommentar von Marquess ,

"Man weiß ja nicht was er wirklich getan hat"

Natürlich weiß man das. Hier sind ordentliche Gerichte am Werk und kein Dorfmob.

Und das Alter ist vollkommen unerheblich. Vor dem Gesetz sind alle gleich, egal welchen Alters, Geschlechts, Hautfarbe und sonstigem. Deshalb trägt Justitia eine Augenbinde.

Antwort
von wolfgang11, 11

Ich bin Jahrgang 1924 und habe die Zeit erlebt.

Wie kann sich heute ein Richter in die damalige Zeit versetzen?

Wir wurden manipuliert. Es gab nur eine manipulierte Presse. Warum sollten wir der Propaganda nicht glauben?

Wie viele junge Menschen lassen sich heute trotz Presse- und Meinungsfreiheit manipulieren (IS)? 

Ich habe zum Glück den Werbern der SS widerstanden und wurde regulär zur Wehrmacht eingezogen. Für meinen damaligen Glauben habe ich mit 5 meiner besten Jugendjahre als Soldat und Kriegsgefangener gebüßt, ohne je dafür verurteilt geworden zu sein.

Wer einmal in den Fängen der SS war, hatte keine Chance, einen Befehl zu verweigern, ohne sein Leben zu riskieren.

Als Soldat wurde Befehlsverweigerung mit Erschießen bestraft oder bestenfalls mit Versetzung in eine Strafkompanie, was ebenfalls ein Himmelfahrtskommando war, weil es Minen Suche bedeutete.

Diese Beispiele nur, wie ich die damalige Zeit erlebt habe.

Was damals geschehen ist waren grausame Verbrechen. Wer als Befehlsempfänger sein Leben lang von diesen Verbrechen verfolgt worden ist, der hat heute genug gelitten.

Es sind in jener Zeit so viele Verbrechen an die Menschlichkeit begangen worden, für die Niemand zur Rechenschaft gezogen wurde. Beispiele: Bomben auf unschuldige Zivilisten. Vergewaltigung unzähliger Frauen. 

Kommentar von Linuxaffiner ,

Sehr gut beschrieben - guter Kommentar!

Antwort
von Juli277di, 10

Ganz einfach: Um andere gegenwärtige Verbrechen zu vertuschen.

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