Frage von Rosenblad, 87

Warum weist der Daesch/IS ( داعش) trotz oder gerade wegen seiner Gräuel und Grausamkeiten ein solches Anziehungspotential für junge Menschen auf?

Eigentlich eine Frage an die verschiedenen Humanwissenschaften - aber da die Bestialitäten im Gehäuse einer Religion und auf deren vortragbaren Normvorlagen (Koran) als ausdrückliche Handlungslegitimation liegen, soll der Adressat auch die Religion sein.

Eine Polemik oder Blaupausenrethorik gegen die islamgläubigen Menschen in ihrer Gesamtheit – bei aller Suggestion die in dieser Frage zu liegen scheint – soll aber diese Frage mit aller Bestimmtheit nicht transportieren.

Eigentlich eher eingehangen in den folgenden Satz: „Wenn es zutreffend ist, dass es keine Mörder gibt, sondern nur Menschen, die Morde begehen, sind die meisten von uns unter Umständen wahrscheinlich bereit zu töten - es müssen nur die situativen, sozialen und handlungsdynamischen Bedingungen dafür vorliegen, dass sich Potentialität in Handeln übersetzt.” (Harald Welzer „Wer waren die Täter? Anmerkungen zur Täterforschung aus sozialpsychologischer Sicht“; In: Gerhard Paul (Hrsg.) „Die Täter der Shoah. Fanatische Nationalsozialisten oder ganz normale Deutsche?“; Göttingen, Wallstein-Verl., 2002, 276 S., darin S. 237-253, hier S. 238)

Schafft der Islam i.B. und die Religion i.A. nun akzentuiert eher solche Bedingungen, da eher in der Lage z.B. affektive Feindbilder zu setzen und über religiöse Symbole starke Gruppenidentitäten zu generieren sowie transzendent gelagerte Eingänge (z.B. in ein Paradies) vorzugeben?

Antwort
von 1988Ritter, 41

Deine abschließende Frage ist zu kurz gedacht.

Die eigentliche Frage muss tatsächlich lauten, 

Wieso interessieren sich überhaupt junge Menschen für den fundamentalistischen Islam, und lassen sich dann bis hin zu Tötungsdelikten radikalisieren.

Und da findet sich der Nährboden eindeutig in unserer Gesellschaft.

Wir haben in unserer heutigen Familienkultur keine Erziehung mehr.

Kinder werden schon frühzeitig durch Medien erzogen. Spielekonsolen, Computer, Handys, Fernseher. Die moderne Gesellschaft hat sich technische Verwahranstalten geschaffen, in denen ein Kind jeglicher Identität beraubt ist.

Da dies schon im Kindergarten und früher losgeht, ist es nicht verwunderlich, wenn Kinder in der Pubertät Orientierungshilfen, Regeln und Leitbilder suchen.

Und das ist der Punkt wo insbesondere salafistische Organisationen anknüpfen.

Da die Kinder in der Regel einen nicht normalen Bezug zum Eltern haus haben, ist es ein leichtes neue Idole und Ideale zu erwecken, aus denen man dann radikalisieren kann.

Eine besonders gute Broschüre zu dem Salafismus und der Jugend findest Du zum kostenlosen bestellen unter diesem Link:

 http://www.mik.nrw.de/verfassungsschutz/aktuelles.html

Kommentar von Agentpony ,

Deine Argumentation mit der fehlenden Erziehung ist nicht nachvollziehbar. Denn es sind doch gerade die muslimischen Familien, die vermehrt das sogenannte traditionelle Familienbild bedienen - und wo trotzdem das Problem entsteht. Oder sollen die alle nicht mehr erziehen?

Kommentar von 1988Ritter ,

Insbesondere auf den weiterführenden Schulen beklagen sich Eltern mit muslimischen Migrantenhintergrund darüber, dass ihnen die Kindr zunehmend entgleiten.

Das so behauptete traditionelle Familienbild hat somit eine extreme Schieflage erhalten.

Kommentar von Rosenblad ,

Das aufgezeigte pädagogische Element in unserem ökonomisierten Gesellschaftssystem ist in dieser speziellen Thematik vielleicht etwas weniger wirksam - so rekrutieren sich die allermeisten IS-"Kämpfer" im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung aus Bosnien, einem noch weitgehend auf Traditionen basierenden  Gesellschaftssystem (trotz oder gerade wegen der Brüche in diesem Land). Nein es bleibt neben den psychischen und sozialen Stellgrößen auch eine in der Religion selbst liegende Weichenstellung, aber dazu ist dieses Thema für viele Betrachter zu unangenehm. 

Kommentar von 1988Ritter ,

Das ist nicht ganz richtig. Bosnien wird oftmals falsch dargestellt. Wir haben in Bosnien salafistische Ausbildungslager mit paramilitärer Ausrichtung. Wenn man von Bosnien spricht, dann in der Regel von den dort ausgebildeten Muslimen, die sich dann aber tatsächlich aus diversen Staaten rekrutiert haben.

Trotzdem ist Dein Hinweis "Weichenstellung" natürlich richtig.

Kommentar von Rosenblad ,

Danke für die Korrektur - ich hatte mich dabei auf folgenden Bericht gestützt: https://meta.tagesschau.de/id/108254/weltspiegel-bosnien-brueckenkopf-der-islami...

Kommentar von 1988Ritter ,

Die öffentlich rechtlichen Fernsehanstalten sind um politisch neutrales und höfliches Berichterstatten bemüht. :-)))

Wenn man Bosnien Heute sieht, dann ist der Konflikt schon vorprogrammiert.

Gerne sind "Dörfer" mit ihren Ausbildungslagern samt Bastelunterricht für bombige Stimmung im Grenzbereich angelegt, so dass eine reger und unkomplizierter  Puplikumsverkehr über die grüne Grenze erfolgen kann.

Das dürfte in dem Zusammenhang vielleicht auch noch interessieren:

http://www.zdf.de/zdfzoom/zdfzoom-kalaschnikows-fuer-terroristen-41975542.html

Kommentar von Rosenblad ,

Danke für den Verweis - die Situation in Albanien dürfte dann ja der von Bosnien nicht ganz unähnlich sein.

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