Frage von RomanoP, 147

Warum waren alle von DDR immer in iwelche Vereine mit Hobbys usw.?

Alle Bürger von DDR sgen mir, dass sie in Verein z.B. Kaninchenzüchterverein oder Kunstradverein oder Sammlerverein waren. Hatten die so viel Zeit oder weil sie warum sonst?

Expertenantwort
von Unsinkable2, Community-Experte für Politik, 25

Hatten die so viel Zeit oder weil sie warum sonst?

Auch die DDR-Bürger gingen einem geregelten Arbeitsleben (40-Wochenstunden, Schichtarbeit, etc.) nach.

Doch die Gesellschaft war auf "miteinander" statt auf "Individualismus" getrimmt. Es war also von der Gesellschaft gar nicht gewollt, dass sich einzelne Leute nach Feierabend in ihren Häusern oder Wohnungen vergruben. Stattdessen organisierte man Hausaufgangs-Feste, Straßenfeste, Dorf-Aufgaben, Vereine und zahlreiche andere Gelegenheiten, um miteinander in Kontakt zu kommen oder zu bleiben.

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1. Man setzte sich nicht in den Biergarten und zog Fotos - "Mein Haus! Meine Yacht! Mein Auto! Mein Handy! Mein Bankauszug!" - aus der Tasche, sondern beschäftigte sich zwischenmenschlich. Mit anderen Worten: Man saß gern zusammen und klönte über Gott und die Welt. Dabei ergaben sich zwangsläufig auch Gespräche über gleiche Interessen und Hobbys. Und - zack! - schon gab es noch einen neuen Verein. 

2. Die Vereine ermöglichten die die Betätigung nach eigenen Interessen und Fähigkeiten unabhängig von der Größe der eigenen Geldbörse. Man konnte einfach einem Verein beitreten, sich ein bisschen ausprobieren und ... hängen bleiben, wenn es Spaß machte oder weiterziehen, wenn es langweilig war. Die Kosten hielten sich in so überschaubaren Grenzen, das es jederzeit und jedermann möglich war, sich in aller Ruhe auszuprobieren, worauf auch immer man Lust hatte. Man brauchte also beispielsweise keine teuren Musikinstrumente kaufen, wenn man mal ein bisschen Musizieren lernen wollte: Der Verein organisierte es für die Mitglieder. Und nur, wenn man "mehr" wollte, musste man selbst in die Tasche greifen.

3. Die Vereine ermöglichten - so etwa mir - den Leistungssport neben der Schule. Damals zahlten meine Eltern 5 Mark pro Monat für meinen Sport. Für alles zusammen. Heute müssen Eltern für vergleichbares Training etwa 1.000 - 1.200 Euro pro Monat berappen. Das kann sich heute nicht jeder leisten, selbst wenn er wollte.

4. Und schließlich gab es noch die bereits erwähnten "Beziehungen", die man in Vereinen und Organisationen aufbauen konnte. Dieser konnte jenes besorgen; jener welches; ... und so konnte man sich leicht aushelfen, wenn Not am Mann war. 

Antwort
von beangato, 17

DDR-Bürger hatten nach der regulären Arbeitszeit auch noch Zeit für Hobbys. Es arbeiteten übrigens so gut wie alle Menschen der DDR (Arbeutsscheue gabs auch, aber das waren nicht viele).

Nach der Arbeit wurde sich getroffen, weil man was miteinander machen wollte.

Antwort
von ilknau, 32

RomanoP.

Dein Thema Soziologie beginnst du in dem Moment zu verfehlen, verallgemeinerst du: das tust du nämlich schon mit deiner Fragestellung: alle waren...

Zudem unterstellst du unterschwellig: arbeitsscheues Volk...

Die Leute arbeiteten auch ihre 40 oder mehr Stunden Woche und entspannten sich im Vereinsleben, wobei es als Plus noch Gemüse, Blumen, leckeres Fleisch sowie hilfreiche Bekanntschaften gab.

Von denen zehrte man auch im Alltag: Gartenfreudin Anita etwa hat einen Onkel, der im Betonwerk arbeitet während Spartenkumpel Alex wen in der Getreidewirtschaft kennt.

Sie braucht Getreidepellets für ihre Kaninchen und er Betonumrandungen für die Beete: prima Tauschgeschäft, während Onkel und Bekannter eben von Anita und Alex aus ihrem Schneidereijob und seiner Schlachthofarbeit etwa eine Hose für eins seiner Kinder sowie feine Ochsenschwänze eben für seine Hunde erhielten, lG.

Antwort
von Schuhu, 53

In der DDR war es ziemlich wichtig, Beziehungen zu haben. man konnte nicht alles in ausreichender Menge kaufen, also war es gut, jemanden zu kennen, der jemanden kannte, der was besorgen konnte. Außerdem war Gemeinschaft ein höheres Gut als im Westen, wo der individuelle Egoissmus eine größere Rolle spielte.

Antwort
von Maarduck, 24

Hatten die so viel Zeit oder weil sie warum sonst?

Ja, im Sozialismus müssen die Menschen sehr viel weniger für ihren Lebensunterhalt arbeiten, als im Kapitalismus. Die Arbeit war auch nicht so hart, so dass man nach der Arbeit noch Kraft und Lust hatte auf "Selbstverwirklichung". Und Geld und Zeit um Kinder zu machen und aufzuziehen war auch noch da. 

Schade dass die Menschen damals der kapitalistischen Lügenpropaganda dermaßen auf den Leim gegangen sind und das alles aufgegeben haben.

Antwort
von martinzuhause, 50

das lag dann wohl eher daran das man nicht ständig vor dem tv gesessen hat und lieber was mit freunden gemeinsam gemacht haben.

Antwort
von Lazarius, 20

Das ist doch ganz einfach.

Es gab weder Internet noch Smartphones, nur zwei Fernsehsender für manche plus zwei Westsender.

Was würdest du, wenn du das alles wegnimmst, mit deiner Freizeit machen?

LG Lazarius.

Antwort
von Lexa1, 45

Das hat mit der zeit nicht viel zu tun. Da war einfach das Zusammengehörigkeitsgefühl ein ganz anderes. Man hat sich arrangiert.

Außerdem gab es nur geringe oder gar keine Mitgliedsbeiträge in den jeweiligen Vereinen oder Organisationen.

In den alten Bundesländern war es oftmals so, da jeder so sein eigenes Süppchen gekocht hat. War halt eine Ellenbogengesellschaft und nicht jeder hast sich in die Karten schauen lassen. In der DDR hatte fast jeder etwa gleich viel und da war das egal. Es gab keinen oder kaum Neid. Und man hat sich untereinander geholfen. Wenn auch nicht ganz uneigennützig.


Antwort
von darkhouse, 2

Es wird hier alles so positiv dargestellt. Sicher empfand man grad als Kind diese Vielfalt an Vereinsleben und gemeinsamer Freizeitgestaltung als Geschenk. Ich auch. Aber es war doch - wie auch in den Pionierorganisationen - ein gerichtetes Vorgehen des Staates zum Prägen der Persönlichkeit in eine gewollte Eigenschaft: Die Person einzustellen auf das Leben in einem System. In einer staatsangepassten Struktur. Auch Kontrolle war über die Vereine gut möglich, weil in jeder Vereinigung mindestens einer von der Staatssicherheit anwesend war. Man konnte so Menschen zusammengefasst einfacher kontrollieren als Individuen, dazu kam natürlich der Effekt, dass der Staat wusste, was unter den Leuten so geredet wurde. Das Individuum ging dabei mehr oder weniger verloren, die Gemeinschaft als Ziel. Und für den Staat tanzten alle an den gleichen Fäden.

Antwort
von offeltoffel, 69

Sie hatten etwas Anderes zu tun, als die Konsumspirale am Laufen zu halten. In der DDR gab es tatsächlich ein Leben außerhalb des Hamsterrads.

Antwort
von toomuchtrouble, 38

Hatten die so viel Zeit

Kein schlechter Ansatz. Einerseits gab es definitiv ein größeres Zusammengehörigkeitsgefühl und die Möglichkeiten der Freizeitgestaltung waren eingeschränkt, andererseits fehlte die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes und der Arbeitsdruck war wesentlich niedrieger. Man nahm sich einfach die Zeit.

Die meisten Freizeitaktivitäten waren an dem ausgerichtet, was Bürger der DDR im Westfernsehen sahen. Die Wünsche von Auto bis Mode konnten teilweise nur über eine Freizeitorganisation umgesetzt werden, ohne die beispielsweise kein Materialerwerb möglich war. Als Modegruppe in einer betrieblichen Freizeitorganisation war es einfacher möglich, an Stoffe und Nähmaterialien zu kommen. Kulturgruppen kamen leicher an Konzert- oder Theaterkarten, die selten in den freien Verkauf kamen.

Antwort
von Undsonstso, 26

Warum auch nicht,

war wohl erstrebenswerter, als bei i-welchen Parteiversammlungen mitzumachen.

Zudem war es vermutl. erschwinglicher als heutzutage, Hobbies auszuleben.

Antwort
von voayager, 11

Du übertreibst ganz einfach!

Antwort
von Schnoofy, 11

Dort waren sie vereint im Kampf für den real existierenden Sozialismus.

Naja - theoretisch jedenfalls.

Antwort
von ErdbeerCookie92, 52

Früher hatten die Leute noch kein Internet und mussten sich andere Hobbys suchen ;)

Außerdem war es natürlich praktisch, wenn man sich Beziehungen aufauen konnte...   "Verbündete" waren damals sehr wichtig.

Antwort
von soissesPDF, 11

Vereinsmeierei war schon immer, deutschlandweit, verbreitet.
In der DDR nicht weiter verbreitet als in der BRD auch nur.
Vom Dackelzüchtervein bis Kegelverein war und ist alles vertreten.

Antwort
von TheHuntress, 42

Da du als Thema Soziologie angegeben hast, werde ich mich mal auf Staatstheorie/ Netzwerktheorie beziehen: Putnam, ein amerikanischer Philosoph, sah in den Vereinen ein Abbild des Staatsapparates. Das heißt, dass Vereine ähnliche Strukturen und Funktionen aufweisen. Da die DDR eine realsozialistische Diktatur war, findet man Aspekte der Herrschaftsform auch im alltägichen wieder, zb. eben in Vereinen.

Antwort
von Thather, 35

Zum "organisieren". Du musstest viele Leute kennen, die Dir kleine Gefälligkeiten machen konnten und Du denen. Sonst bist du nicht voran gekommen. Das war ein Verhalten gegen die Mangelwirtschaft.

Kommentar von Huckebein3 ,

Das war ein Verhalten gegen die Mangelwirtschaft.

Und deine Antwort spricht für das DDR-Wissen eines Westdeutschen.:)

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