Frage von oneof8billions, 90

Warum war man in den 70ern Menschen mit Behinderung gegenüber weniger tolerant als heute (eine Freundin kann ein Lied erzählen)?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Herb3472, 35

Es bedurfte rationaler, sozialer und emotionaler Lern- und Entwicklungsprozesse, um die alten Einstellungen in Frage zu stellen, über Bord zu werfen und durch neue zu ersetzen. Noch vor nicht allzu langer Zeit mussten sich "Krüppel" von der Gnade der Mitmenschen ernähren, "unwertes Leben" wurde in Gaskammern vernichtet oder für grausame, menschenverachtende Studien missbraucht oder geistig behinderte Menschen als "Idioten" (oft unter unwürdigsten Bedingungen). Vieles war nicht bewusst menschenverachtend und bösartig - es war "normal". Und was "normal" ist, wird in der Regel nicht hinterfragt.

Dass die Einstellung Behinderten gegenüber heute gemeinhin anders ist, ist sicherlich der Initiative einiger weniger aufgeschlossener Köpfe zu verdanken, die jahrzehntelang dafür gekämpft und ihr Leben dieser Idee gewidmet haben, und allmählich auch ein breites Echo dafür gefunden haben.

Kommentar von Herb3472 ,

Korr. geistig behinderte Menschen als Idioten weggesperrt.

Expertenantwort
von rotesand, Community-Experte für Kleidung, Auto, Mode, Schule, 10

Hallo!

Ich kann mich für keinen dieser Punkte entscheiden weil mMn keiner so richtig zutrifft. In den 70ern waren Körperbehinderte bzw. Kriegsversehrte auch wg. der relativ kurzen Zeit zum Kriegsende noch allgegenwärtig ... die waren einfach da, so hat's auch mal mein Berufsschullehrer beschrieben der ca. 1945 geboren war. 

Körperbehinderte gehören im Grunde - etwa Rollstuhlfahrer, Amputierte oder auch Spastiker - mehr oder weniger zum Alltagsbild & keiner schaut wirklich mehr hin.

Geistigbehinderte sind ein anderes Thema. Sie wurden damals schon aus Scham, weil sie "nicht normal" bzw. "irr" waren versteckt oder verleugnet, aber auch deswegen weil es für sie schlicht keinerlei Möglichkeiten gab am Alltag teilzunehmen. Es gab nur wenige Einrichtungen für sie & wenn doch, dann wurden sie auch dort weggesperrt (Stichwort "Irrenhaus") und vegetierten abgesondert von der Gesellschaft vor sich hin, bis sie schlussendlich irgendwann gestorben sind. 

Das aber ist heute oft noch exakt genauso, nur wird es schöngeredet oder totgeschwiegen bzw. mit dem beliebten Wort "Therapie" geschmückt. Eine echte dauerhafte Lebensperspektive besteht für Geistigbehinderte auch heute nicht wirklich ---------> sie müssen unter dem Signum "Arbeitstherapie" billige Larryjobs gg. Hungerlohn (wenn überhaupt) durchführen, werden von der Gesellschaft genauso herabwürdigend behandelt wie damals & leben in Heimen oder bei der Familie (sofern möglich) ein Leben weitestgehend am Rande der Gesellschaft ... nur dass alle Welt dabei was von Inklusion & Toleranz faselt, jeder "Sozialexperte" Beifall klatscht & die Daumen erhebt was m.E. einfahc nur total verwerflich & verlogen ist. 

Menschen die in irgendeinerweise nicht "normal" sind müssen "heutzutage" mMn umso mehr einstecken als in den 70ern/80ern weil die Gesellschaft doch immer intoleranter und engstirniger wurde, das Normendenken immer absurdere Züge annahm aber man es im Gegenzug erlernte alles zu beschönigen -----------> früher war man ehrlicher, direkter & da galten Behinderte als "Krüppel" oder "Aussätzige" bzw. man benutzte diese Wörter sogar öffentlich ohne Skrupel. Heute tut das keiner mehr aber im Grunde pflegt man den selben Umgang mit Geistigbehinderten oder Psychischkranken. Und diese Unehrlichkeit ist mMn nochmal so schlimm.

Fazit ---------> nach wie vor besteht eine gewisse Diskriminierung, nur wird sie eben verleugnet & schöngeredet.. gerade was psychische Krankheiten oder geistige Behinderungen angeht. "Normal" ist das auch nicht & abfällige Bemerkungen gibt's dahingehend auch in der ach so toleranten & weltoffenen Zeit en masse.. nur wird es "schön verpackt" wie das heute Usus ist.

Geändert hat sich im Bezug auf geistige/psychische Behinderten also nix! Meine Meinung!

Antwort
von Ursusmaritimus, 14

Zuerst unterscheide zwischen körperlich Behinderten und geistig Behinderten, körperlich Behinderte gab es durch die Kriegsversehrten in rauen Mengen und sie waren im Rahmen der Gesellschaft häufig integriert.

Geistig Behinderte oder aber Menschen mit Artikulationsproblemen (Spastiker, Gehörlose) hatten es bedeutend schwerer und wurden tatsächlich eher weggeschlossen, dies aber nicht nur in D sondern praktisch weltweit.

Hier sollte man jedoch nicht vergessen das auch noch in den Siebzigern Wohnraum und Lebensqualität der Menschen weitaus niedriger war als Heute. Wenn man nun die Behinderten in ihrer Lebensqualität nur ein Stück unter der Bevölkerung ansetzt landet man nach heutiger Sicht unter der Armutsgrenze.

Es ist auch ein positives Luxusproblem das wir es uns leisten (können) und wollen uns so intensiv um diese schwache Gruppe der Gesellschaft zu kümmern. Dies ist in anderen Ländern und Religionen (auch im Buddhismus) noch nicht soweit.

Es sind viele Gründe und deine Auswahl trifft das Problem nur am Rande....

Antwort
von Alterhaudegen75, 25

Weil die Zeit und das allgemeine Verständnis eine völlig andere gewesen ist. Es wurde damals in den Medien auch so gut wie keine Aufklärung betrieben. Es gab sogar Zeiten wo Behinderte aus Scham versteckt oder verleugnet wurden.

Heute geht man sehr viel besser damit um. Zumal Behinderte einen völlig anderen Stellenwert haben. Heute können sie am ganz normalen Arbeitsleben teilnehmen, wenn der Arbeitsplatz dafür ausgerichtet wurde. Sie können den Führerschein machen, nehmen an den Paralympics teil und sind aktiv in den Medien. Das hätte es damals nie und nimmer gegeben. Die Aufklärung heute ist eine völlig andere. Heute ist es fast normal wenn einem jemand zum Beispiel mit einer High Tech Protese über den Weg läuft. Stelle dir das mal in der damaligen Zeit vor. Heutzutage sind sie auch gesellschaftlich vielmehr akzeptiert, woran natürlich viele Vereine, Verbände und Organisationen großen Anteil daran haben. Natürlich könnte es hier und da noch besser werden bzw. sein. Aber ich denke schon aus Erfahrung das man besser zurecht kommt als damals.

Antwort
von Flintsch, 28

Ich habe absichtlich keinen der Punkte gewählt, da sie, meiner Meinung nach, unzutreffend sind.

Die Leute waren damals über Behinderungen nicht aufgeklärt und dachten oft, dass behinderte Menschen eine ansteckende Krankheit hätten oder gefährlich wären. Ältere Menschen hatten noch so bescheuerte Vorstellungen aus den 30er und 40er Jahren und hätten ...naja, muss ich jetzt nicht näher beschreiben.

Ich wohne selbst in München - seit meiner Geburt - hinter einer Behindertenwerkstatt und -wohnheim. Da habe ich immer mitbekommen, wie widerwärtig die Leute auf Behinderte reagieren. glücklicherweise hat sich das im laufe der letzten Jahrzehnte etwas gebessert, wenn auch nicht in dem Maße, wie man es erwarten könnte.

Kommentar von Flintsch ,

Ach ja, wenn dich das Thema näher interessiert, kann ich dir eine Serie empfehlen, die in den 70ern im TV ausgestrahlt wurde. "Unser Walter" handelt von einer Familie mit einem behinderten Sohn und deren Probleme. Allerdings habe ich keine Ahnung, ob man diese Serie überhaupt im Handel oder im Internet findet.

Kommentar von Ursusmaritimus ,

Gibt es:

http://www.amazon.de/gp/product/B000PC0TTU?keywords=unser%20walter&qid=14543...

...und man erkennt hier sehr gut den Zeitgeist sowie seine Entwicklung.

Antwort
von Weisefrau, 25
Die Wissenschaft ist weiter

Hallo, in den 70ern wussten wir so viele Dinge noch nicht. Woher auch?  Das Fernsehen war zum Großen Teil auf Unterhaltung ausgerichtet. In der Schule wurde nur immer derselbe Stoff gelernt. Unsere Eltern wurden noch untern der Generation Hitler erzogen. 

Die Wissenschaft war damals auch noch nicht so schlau wie Heute.

Woher sollte dann das Wissen kommen und wie sollte es sich verbreiten?

Kommentar von Ursusmaritimus ,

Das Fernsehen hatte einen echten Bildungauftrag und erfüllte ihn. Die Privaten Sender mit ihrem tiefergelegten Programm kamen erst in den 80ern.

Antwort
von WosIsLos, 26

Menschen mit Behinderung werden auch heute noch diskriminiert.

Auch finanzielle Leistungen werden immer mehr eingeschränkt oder sind unpraktikabel.

Nur Politiker wollen uns was anderes weismachen.

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