Frage von linneus, 53

Warum war Frankreich nach der Dreiteilung des Fränkischen Reiches nur ein Königreich, während das Heilige Römische Reich ein Kaiserreich war?

Verlor Karl der Kahle oder einer seiner Nachfahren einen Wettstreit um die Kaiserkrone oder konnte man vielleicht nur mit Zustimmung des Papstes Kaiser werden? Wenn ja, gestattete der Papst Frankreich nicht, Kaiserreich zu werden? Vielen Dank für ernste Antworten.

Expertenantwort
von PeVau, Community-Experte für Geschichte, 22

Nach Karl dem Großen gab es verschiedene karolingische Herrscher sowohl im Westfrankenreich, als auch im Ostfrankenreich, die den Kaisertitel trugen. Schlüssel für diesen Titel war die Herrschaft über das Langobardenreich in Norditalien. Mit dem Machtverfall der Karolinger geriet Norditalien unter die Herrschaft mehrerer lokaler Könige und der Kaisertitel war einige Jahrzehnte vakant.

Erst der Herzog von Sachsen und ostfränkische König Otto I. eroberte Norditalien und damit die langobardische Königskrone. Er griff die Kaiseridee Karls des Großen wieder auf und wurde 962 in Rom zum Kaiser gekrönt.

Seit dem war der Kaisertitel mit dem entstehenden HRR verbunden.

Antwort
von Blindi56, 25

Kaiser mussten vom Papst gesalbt und gekrönt werden.

Nach der Teilung war zunächst nur der Mittelteil (Lotharii Regnum) ein Kaiserreichh, da es die Kaiserwürde quasi "erbte" (Lothar war der älteste Sohn des Kaisers, und sein Reich umfasste Italien - "römisches Reich").

Das wurde aber 855 (Teilung von Prüm) wieder aufgeteilt, und die Kaiserwürde erbte dann Ludwig II, der Italien bekam. Die Kaiserwürde hing also davon ab, wer Italien regierte.

Antwort
von rr1957, 24

Kaiser und König sind sehr unterschiedliche Ämter, hab eigentlich nur gemeinsam dass beide üblicherweise auf Lebenszeit vergeben werden.

König wird man durch eine Wahl der Untertanen (nicht eine demokratische Wahl im heutigen Sinn, sondern ein kleiner Kreis von Wahlmännern (Kurfürsten) einigt sich darauf, wer ihr König sein soll). Man ist dann König (Rex) dieser Untertanen, z.B. König der Franken, König der Deutschen, König der Schotten etc., egal wo diese sich aufhalten; es kann dagegen andere Leute im Land geben, die keine Untertanen sind. Umgekehrt kann der König mit seinen Leuten in ein anderes Land ziehen und ist dort immer noch ihr König.

Kaiser ist ein Amt, das man für ein bestimmtes Gebiet von der übergeordneten Regierungsmacht verliehen bekommt - die byzantinische Regierung setzte für bestimmte Regionen des römischen Imperiums lokale Anführer als Stellvertreter des byzantinischen Imperators ein; der so ernannte Stellvertreter hatte dann Titel wie Imperator, Augustus, Caesar, Autokrator, Sebastos oder Kaisaros etc. (auf lateinisch bzw. griechisch).

Wervirrenderweise hat sich nun der römische Papst durch eine Fälschung, die sogenannte "Konstantinische Schenkung", das angebliche Recht verschafft, im Namen des römischen Imperators im abgelegenen West-Teil des byzantinischen Imperiums solche Kaiser-Ernennungen vorzunehmen. Die Kaiser-Krönungen durch den Papst waren also - wie wir heute wissen - völlig unrechtmässig, aber damals wusste das keiner und darum haben die Könige darum konkurriert, wer von ihnen vom Papst zum regionalen Stellvertreter des Imperators ernannt wurde.


Kommentar von rr1957 ,

ach ja, zur eigentlichen Frage:  Warum Frankreich ein Königreich, das heilige Römische Reich aber ein Kaiserreich war ?


Naja, das ist eben ein falscher Vergleich:  Treffender kann man sagen:
es gab einen König der Franken/Franzosen, und es gab einen König der Deutschen, und ne Menge weiterer Könige. Und der König der Deutschen bekam oft (aber nicht immer) vom Papst (also eigentlich unrechtmässig, wie wir heute wissen) das Amt des weströmischen Kaisers verliehen. Dieser Kaisertitel galt theoretisch in dem gesamten weströmischen Gebiet, inklusive Italien, Frankreich, Britannien, Spanien, Nordafrika etc. aber die Moslems in Spanien und Nordafrika haben diese Ernennungen durch Päpste eher ignoriert ...

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