Frage von Happiness88, 69

Warum war es wichtig für Sokrates, Philosophie zu betreiben? Warum sollten Menschen überhaupt philosophieren?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von berkersheim, 23

Sokrates war ein sehr umtriebiger Mensch. Er war erst mal Bildhauer, wie sein Vater. Dann hatte er sich im Pelloponesischen Krieg als Schwerbewaffneter hohes Ansehen erworben. Das Bild von Sokrates als Philosoph ist stark von den Gesprächen bei Platon geprägt. Doch ist gar nicht so sicher, wie weit Platon den Sokrates und seine Bekanntheit nicht missbraucht hat, ihm seine eigenen Ideen in den Mund zu legen. In den Berichten des Xenophon ist Sokrates viel lebenspraktischer, berät seine Freunde in allen Fragen der Lebensgestaltung. Seine Freunde/Schüler waren durch die Bank reich begütert, bei denen er reihum an den Gastmälern teilnahm, sie teils mitorganisierte, quasi als Diskussionsleiter die Gespräche strukturierte. Sokrates war Sophist und hat wie diese auch Rhetorik gelehrt, was ihm den Vorwurf einbrachte, er bringe der Jugend bei, den Leuten das Wort im Mund umzudrehen. Man darf nicht vergessen, dass es damals außer einer einfachen Elementarschule keine offiziellen Bildungseinrichtungen gab. Sport betrieb man in den Gymnasien. Ansonsten gab es freie Lehrer und Philosphen, die auch die Epen auslegten und Rhetorik lehrten, deren Denk- und Redetraining eine gute Schule für höhere Ämter war. Philosophieren war damals etwas anderes als heute, mehr in die Lebenspraxis eingebunden. Philosophen waren Ärzte, betrieben Kosmologie und Mathematik oder Naturwissenschaften. Es gab nicht den spezialisierten Philosphen sondern eher den Universalgelehrten.

Heute muss man unterscheiden zwischen der akademischen Philosophie und dem reinen Interesse an Weisheit und Wissen. Wenn man mal an Philosophie Blut geleckt hat stößt man heute automatisch auf die Historie der Philosophie, weil man in der Lektüre aktueller philosophischer Beiträge oder Aufsätze oder Bücher immer wieder an andere Philosophen verwiesen wird, seien es aktuelle oder Größen der Geschichte. Selbst Hobbyphilosophen wie ich sammeln mit der Zeit Wissen über Entwicklungslinien der Philosophie. Man lernt - und das fasziniert dann schon viele Menschen - Problemsituationen umfassender zu analysieren und einzuschätzen. Letztlich macht es einfach Spaß, nicht an der Oberfläche hängen zu bleiben. Aus der Philosophie haben sich die Wissenschaften entwickelt und sie wirkt immer noch in diese zurück. Es gibt kein Rechtsstudium ohne Rechtsphilosophie, keine Pädagogik ohne philosophische Grundeinstellungen. Selbst in meiner Arbeit über die Geldtheorie habe ich fleißig Karl Popper und Hayek zitiert. Ob Hirnforschung oder Physik - an philosophischen Überlegungen kommt keiner vorbei.

Kommentar von Happiness88 ,

Danke sehr

Antwort
von Tokij, 18

Berkersheim hat es im Grunde schon beantwortet, aber ich wollte es nochmal etwas pointieren.

Die blosse Unterscheidung zwischen Philosophie und "Nichtphilosophie" entstand aus einer Tradition aus Dingen, die sich Philosophie nannten (in Berkersheims Antwort "akademische Philosophie" genannt). Tatsächlich glaube ich nicht, dass es dort eine wirkliche Unterscheidung gibt, auch wenn man heutzutage diese Tradition und die ureigentliche Bedeutung meinen bzw. unterscheiden kann.

Philosophie gehört zum Leben wie Naturwissenschaften und alles andere Greifbare auch. Selbst der Entschluss, keine Philosophie zu haben, ist eine Philosophie. Man stößt nicht nur auf Wissen und Weisheit in der Historie der Philosophie, man begegnet ihr in allen Dingen, genauso wie man die Naturwissenschaften auch nicht einfach ausschalten kann.

Bestenfalls lässt sich die "Liebe zur Weisheit" mit dem wörtlichen Interesse an der Wahrheit begrenzen und messen, und selbst das ist diskutabel. Denn auch wenn ein Mensch scheinbar weniger Interesse zeigen sollte, so lässt sich nicht endgültig sagen, an welcher Wahrheit er Interesse zeigen sollte. Obwohl dieser Mensch an deiner Wahrheit weniger Interesse aufbringt (möglicherweise der klassischen akademischen Philosophie), so ist er möglicherweise interessierter an seiner persönlich, emotionalen Wahrheit beteiligt, deren Wahrheitsgehalt du persönlich vielleicht weniger "Wahrheitsgewicht" beimisst.

Antwort
von SusiFi, 22

Weil er und auch alle anderen Menschen sich nicht mit dem Vorhandenen (oder dem was uns erzählt wird, was wir denken) zufrieden geben, sondern es hinterfragen wollen, es verstehen wollen, es verbessern wollen. Weil es für so gut wie alles eine Lösung gibt (die Lösung sei bei jedem anders und die Lösung muss nicht immer gleich die richtige Antwort sein, da es eine persönliche Meinung bildet) und wir diese Lösung ergründen und erforschen wollen.

Kommentar von Happiness88 ,

Danke sehr !

Antwort
von fremdgebinde, 40

Das Philosophieren liegt in der Natur des Menschen, ist nur bei jedem Individuum mehr oder weniger stark ausgeprägt.

Antwort
von priesterlein, 29

Vermutlich aus dem gleichen Grund, aus dem Menschen danach fragen: Man will etwas wissen, etwas erkennen.

Antwort
von kimonina2015, 26

ER hatte densellben Grund, wie du ihn gerade hattest, diese Frage zu schreiben.

total klasse, das ist so als würde jemand den Lichtschalter betätigen und zeiotgleich fragen, was passiert, wenn er darauf drückt.

Danke für diese tolle Frage.Meine ich wirklich. Total süß.

Kommentar von Happiness88 ,

😊😊

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