Warum wählt man Parteien, die einen für unmündig halten, Faulheit oder Masochismus?

... komplette Frage anzeigen

9 Antworten

Meinetwegen kannst Du mein Argument als "Faulheit" abtun: Ich nehme Wahlen ernst:

Wenn ich jetzt beispielsweise über Glyphosat entscheiden müsste, würde ich mich informieren, was Glyphosat ist, was es (angeblich) bewirkt, was es (angeblich) nicht bewirkt, was von den bisherigen Tests zu halten ist, was die Alternativen wären, welche Risiken diese bergen usw.

Wenn ich jetzt beispielsweise über einen Bundeswehreinsatz in Syrien entscheiden müsste, würde ich versuchen, mich zu informieren, welche Gruppen es da überhaupt gibt, wie sie zueinander stehen, wer wen unterstützt, wer welche Agenda hat, wer schonmal ein gewisses Gebiet unter Kontrolle hatte und wie sie dort "regiert" haben, welche Minderheiten es allgemein in Syrien gibt, welche Probleme etc.

All das sind aber leider Dinge, die sich nicht mal eben an einem Nachmittag recherchieren lassen. Ich persönlich habe momentan einfach keine Zeit, mich mit solchen Dingen zu beschäftigen.
Deshalb wähle ich Menschen, die dafür bezahlt werden, Lösungen für diese Probleme zu finden. Das ist die übliche Arbeitsteilung: Der Elektriker schließt den Ofen an, der Koch kocht, der Bäcker backt und der Politiker entscheidet.

Wir leisten uns ein Parlament mit über 600 Mitgliedern, da kann man es - finde ich - durchaus verlangen, dass diese Menschen sich entsprechend informieren und dann für ihre Entscheidungen gerade stehen.
Dass das aktuell nicht passiert, ist erschreckend - aber nicht durch Volksabstimmungen lösbar.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von kzumollegah
10.09.2016, 16:48

Ich finde auch nicht, dass das Volk über alles entscheiden sollte,völkerrechtswidrige Initiativen sollten nicht erlaubt sein, aber unsinnige Volksbegehren kann man doch einfach die Unterschrift und spätestens bei der Abstimmung eine Abfuhr erteilen. 

Aber gibt es nicht auch Themen, wo es kein eindeutiges richtig und falsch gibt? Themen wo es nur auf die persönliche Meinung drauf an kommt? Was spricht hier deiner Meinung nach dagegen?

0

Durch volksabstimmungen kommen dinge raus wie die Brextientscheidung in GB.

Nachdem die ersten Folgen eintraten kamen viele Stimmen auf:

Wenn ich das geahnt hätte, wäre ich zur Wahl gegangen.

Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich anders gestimmt.

Das ist doch ein Beweis, dass Volksabstimmungen nicht so gut sind.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von kzumollegah
10.09.2016, 16:27

Das zeigt eher, dass es schon vorher gravierend an direkter demokratischer Mitbestimmung und Bürgernähe gefehlt hat, sonst hätten die Wähler nicht eine Notbremse gezogen. Man kann doch nicht die Symptome für die Ursache verantwortlich machen. 

Und ob der Brexit für Großbritannien nachteilig war, wird sich wohl erst in Jahren zeigen. 

1

Also ich wähle zwar eine Partei, die für Volksabstimmungen ist, halte Volksabstimmungen persönlich für Quatsch.

Volksabstimmungen sorgen oft dafür, dass Rechte von Minderheiten beschnitten werden. Siehe Schweiz wo über so witzige Sachen wie Minarettverbote abgestimmt wird.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von kzumollegah
10.09.2016, 15:29

Inwiefern werden in der Schweiz die Rechte von Minderheiten mehr beschränkt, als in indirekten Demokratien? Eigentlich ist ein Volksbegehren doch ein Mittel, mit dem sich eine ungehörte Minderheit, die sich im Parlament als unzureichend vertreten fühlt, Gehör verschaffen kann. 

Ich halte das Minarettverbot auch nicht für nötig, aber die Muslime können doch trotzdem ihre Religion ausüben. 

0

Wahlen sind eine Grundlage der Demokratie. Wer nicht wählen geht, darf auch nicht meckern. 

Jetzt gibt es durchaus Leute, denen die Partei, die Du vielleicht für eine Ansammlung von Dummköpfen hältst, etwas sagt und gibt. 

Bist Du damit nicht einverstanden, wählst Du eine Partei, die Deinen Vorstellungen am nächsten kommt - oder Du gründest selbst eine Partei. Das ist Dein gutes Recht, denn das GG sagt ja: "Die Parteien wirken an der Willensbildung des Volkes mit." 

Volksabstimmungen sind nunmal bei uns nicht vorgesehen, jedenfalls laut GG nicht so, wie es sich viele Leute vorstellen. 

Und das die bildungsferne Unterschicht z. B. über unsere Verteidigungs-, Außen- oder Europapolitik einfach per Ja oder Nein abstimmen soll, bereitet mir doch einige Bauchschmerzen. 

Wäre ich nicht zu faul, würde ich schon gerne eine Partei gründen, aber auch die würde bestimmt nicht die Interessen aller 80 Mio. Einwohner treffen; das ist einfach unmöglich. 

Ideal ist das vielleicht alles nicht, aber etwas Besseres wurde bisher noch nicht gefunden. Es ist ja nicht so, dass erst durch das Internet der Gedanke an Volksabstimmungen aufkam. 

Außerdem: Ich wohne in einem kleinen Dorf mit 2.500 Einwohnern. Ob ich jetzt durch mein Kreuz irgendwem die Stimme gebe oder durch Handheben bei einer Versammlung auf dem Rathausplatz, wo sich vielleicht nur 500 Leute versammelt haben, gegenüber von 1.500 Wahlberechtigten, von denen 1.200 zur Wahlurne gingen; was ist besser? 

Möglicherweise trauen sich ja die Leute nicht, in der Öffentlichkeit für oder gegen eine Sache abzustimmen. 

Selbst in der Schweiz waren es ja lange Zeit nur die wehrfähigen Männer, die zur Abstimmung zugelassen waren. 50 % der Bevölkerung war also ausgeschlossen (jetzt ist das nicht mehr so).  Bei uns konnten aber spätestens seit Gründung der BRD 100 % der Wahlberechtigten zur Wahl gehen. 

So begnüge ich mich damit, wählen zu gehen, zumal ich ja bei Gemeindewahlen ganz anders stimmen kann als bei Landtags- oder Bundestagswahlen. 

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von kzumollegah
10.09.2016, 16:09

Durch die Parteiendemokratie kann man ja nur das geringste Übel wählen. Manche stimmen vielleicht mit einer Partei mehrheitlich überein, lehnen aber manche Positionen entschieden ab. Man hat aber keine Möglichkeit bei konkreten Positionen mitzubestimmen. So wollen Umfragen zufolge die Mehrheit der Deutschen Merkel als Kanzlerin behalten, aber trotzdem lehnt eine Mehrheit ihre Immigrationspolitik ab. Außerdem werden durch die Fünfprozenthürde Stimmbürger mundtot gemacht. Beide Probleme könnte man so lösen.

Wenn die Mehrheit der Wähler wirklich Ungebildete aus der Unterschicht wären, hätten wir ganz egal ob direkte oder indirekte Demokratie ein Problem. Sie könnten ja auch einer entsprechenden Partei ihre Stimmen geben.
Ich glaube eine Ehefrau konnte damals in der Schweiz über ihren Ehemann immer noch mehr Einfluss nehmen, als ein Stimmviehangehöriger in Deutschland ;-) Ein Schweizer kann in einem Jahr politisch mehr entscheiden als ein Deutscher in seinem Leben.

0

Warum wählt die Mehrheit der Deutschen Parteien, die einen für zu dumm für Volksabstimmungen halten?

Zwei Versuche hast du jetzt noch, um die Gründe zu erraten, warum viele Menschen Direktdemokratie ablehnen.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von kzumollegah
10.09.2016, 16:11

Mir fallen nur Masochismus und Faulheit ein... Kläre mich auf!

0

Ich weiß ja nicht, was du für Parteien wählst, die dich für unmündig halten, aber offenbar hast du da ein Problem: Andere Leute wählen ja Parteien, die ungefähr das vertreten, was ihre Wähler für richtig halten.

Es gibt hier bei diesem Ratgeberforum Fragen wie zum Beispiel "Wie kriege ich Tintenflecken aus Baumwolle raus?" oder "Ist mein Schwanz so lang wie der von Anderen?" Das sind Fragen, wie sie hierher gehören. Dafür wurde dieses Forum gemacht. Glaube ich, zumindest.

Dann gibt es Fragen, die kommen in ähnlichem Gewand daher. Sie haben auch ein Fragezeichen hintendran, und vorn steht oft ein Fragewort wie zum Beispiel "Warum". Allerdings geht es bei dieser Art fragen nicht darum, etwas herauszubekommen, wobei einem die Anderen helfen können, nein:
Bei solchen Fragen geht es dem Fragesteller darum, dass er den Anderen seine Ansicht überbraten will. Meist entblöden sich die entsprechenden Fragesteller auch nicht, jeden, der nicht nach ihrer Pfeife meint, sofort wortreich, oft aggressiv zurechtzuweisen, um ihm dann gleich nochmal die eigene Ansicht überzudröhnen, in endlosen Kommentierereien.

Solch eine "Frage" ist ja diese hier.



Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von kzumollegah
10.09.2016, 16:19

"Ist mein Schwanz so lang wie der von Anderen?"... Das sind also wichtige Fragen, über die man hier schreiben soll. Ich dachte, dass dieses Portal durchaus für kontroverse Fragen offen ist. 

Es gibt natürlich auch diese Art von Nutzern, die an keiner Beantwortung interessiert sind, sondern nur oberlehrerhaft und wortreich schreiben, weshalb die Frage nicht gut ist. 

Sofern man die Antwort selbst noch nicht weiß oder einfach nachlesen kann, gibt es keine schlechten Fragen, sondern nur schlechte Antworten.

Es interessiert mich einfach, die Gründe für dieses Wahlverhalten herauszubekommen. Viele werden ja Argumente haben, sonst hätten diese Parteien keine Mehrheit. Und beleidigt habe ich hier auch keinen.

0

Was Volksabstimmungen anrichten können, sieht man ja am Beispiel Brexit. 

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Du hast die Wahl, wer auf dem Wahlzettel steht draf gewählt werden, eine andere Wahl hast Du nicht.

Volkesentscheide sind eine andere Wahl (siehe Brexit).
Kaum entschieden gehen die Verlierer auf die Straße.
Man kann nur nicht solange wählen lassen bis es ein Wunschergebnis hat.

Siehe Österreich, die Präseswahl, geht das schief wie geschehen, muss die nächste Wahl angesetzt werden.
Ist nicht immer einfach mit der absoluten Wahrheit.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Die Befürworter der direkten Demokratie und Volksabstimmungen können nicht sagen, wie man einen etwas komplizierte Sachverhalte auf ein einfaches Ja - Nein reduzieren kann. Die negative Seite einer Volksbefragung haben jetzt die Briten mit dem Brexit am Hals, daher ist auf der Insel die "Katerstimmung" verbreitet.

Wir haben die Volksabstimmung in allen Bundesländern in deren Landesverfassungen installiert. Sie wird auch vom Volk genutzt. Weshalb soll deshalb ein Demokratiemangel bestehen?

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von kzumollegah
10.09.2016, 16:40

Auch im Parlament wird letztlich mit Ja oder Nein abgestimmt. 

Es besteht ein Demokratiemangel, weil nicht über Bundespolitik, also die wirklich wichtigen Dinge, abgestimmt werden kann. Warum sollte etwas nicht funktionieren, was auf Landesebene auch funktioniert? 

0