Frage von Jasminzina1, 72

warum versteht jeder die bibel anders?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Geansehaut, 55

Weil sie so viele Fehler enthält.

Expertenantwort
von Enzylexikon, Community-Experte für Religion, 69

Weil die Bibel kein Sachbuch mit neutralen, statistischen Informationen ist, sondern sich aus Erzählungen zusammensetzt. die unterschiedlich interpretiert werden können..

Individuelle Interpretation

Ein Gleichnis, eine Geschichte, oder einen Brief kann man unterschiedlich bewerten und beurteilen.

  • Man kann den Inhalt wörtlich, als die Lehre eines Gottes an mehrere Propheten verstehen und genau so auf das eigene Leben beziehen.

oder

  • Man kann den Inhalt als Grundlage für historische Nachforschungen und archäologische Arbeit nutzen.

oder

  • Man kann den Inhalt als rein moralisches Lehrwerk verstehen. Die Taten hätten dann gar nicht so stattgefunden, sondern wären rein symbolisch.

Das sind nur drei von mehreren Auslegungsversuchen.

Kollektive Auslegung

Bestimmte Gruppen haben ein Interesse daran, ihrer eigenen Ideologie einen höheren Anschein von Autorität zu geben, indem sie sich auf die Bibel beziehen.

In diesem Fall würde die Interpretation der Bibel als "Qualitätsmerkmal" für die angebliche Richtigkeit der eigenen Lehre herangezogen werden.

Nach dem Motto: "Bereits in der Bibel wird auf unsere Lehre hingewiesen, deshalb ist sie bereits sehr alt und wahr".

Dann wird eine gruppentypische Art entwickelt, die Bibel so auszulegen, dass sie die Regeln, Gebote, Verbote und Vorgaben der Gruppe zu legitimieren scheint.

In solch einem Fall kann die Bibel leicht zur Manipulation von Gläubigen eingesetzt werden.

Allerdings ist die Manipulation durch einseitige Interpretation auch bei jeder anderen Schrift möglich und nicht auf die Bibel beschränkt.

Auch der Qur'an der Muslime kann unterschiedlich ausgelegt werden und alle möglichen Interessengruppen können ihre eigenen Ansichten durch diese Schrift unterstützen lassen.

Wenn man "Beweise" dafür finden will, dass der Mond aus Käse besteht, kann man sich aus der Thora, der Bibel, dem Qur'an oder Sutras irgendeine Theorie zusammenbasteln und behaupten, die eigene Lehre sei wahr, da sie im Buch XY steht.

Es gibt da ein sehr passendes Zitat

"Ich bin nur dafür verantwortlich was ich sage - nicht dafür, was du verstehst"

Und das ist für jeden etwas Anderes....

Kommentar von Jasminzina1 ,

danke für deine antwort

Kommentar von Enzylexikon ,

Keine Ursache, sehr gerne. :-)

Antwort
von rotesand, 38

Die Bibel wird deswegen von jedem anders ausgelegt, weil sie kein neutrales aus Fakten bestehendes Sachbuch ist, sondern nüchtern betrachtet eine Art "Trivialliteratur" darstellt --------------> auch Romane, Gedichte, Erzählungen & Kurzgeschichten sowie auch Zeitungsberichte/Kolumnen lassen jeweils eigene Schlüsse zu & sind reine Auslegungssache, die jeder Leser für sich individuell anders wahrnimmt als ein anderer.

Antwort
von Hamburger02, 72

Das ist eine relativ moderne Erscheinung, seit die Bibel nicht mehr wörtlich ausgelegt wird. Erst vor gut 40 Jahren ist auch die katholische Kirche drauf gekommen, dass eine wörtliche Auslegung nicht mehr funktioniert, weil dann leicht nachgewiesen werden kann, dass die Bibel jede Menge Widersprüche und Falschaussagen enthält.

Um das zu umgehen, geht man dazu über, die Bibel nicht mehr wörtlich zu verstehen sondern nur noch im übertragenen Sinn, damit man sich je nach Bedarf alles so hinbiegen kann, wie man es gerade braucht. Und da es sehr unterschiedlich ist, was der Interpretator gerade braucht, fallen die Interpretationen inzwischen auch ziemlich unterschiedlich aus. Jeder dichtet sich nun da rein, was er gerne möchte und das führt naturgemäß zu sehr unterschiedlichen Auffassungen, wie einzelen Texte zu verstehen sind.

Kommentar von omikron ,

Moment mal... Die Bibel wortwörtlich auszulegen war die Idee Martin Luthers. Die Katholische Kirche hat das noch nie getan und wusste immer, dass die Bibel erklärungsbedürftig ist. Vielfach wurde und wird sie dafür angegriffen, weil sie nicht dem Wort allein traut. 

Genau betrachtet tust du ja nichts anderes und erklärst, man müsse "Widersprüche" "umgehen", weshalb man die Bibel nicht wörtlich nehmen könne. Du kannst also mit deiner Ansicht problemlos katholisch werden!

Kommentar von Hamburger02 ,

Meine Quellen sagen etwas anderes, nämlich dass die RKK erst ab dem II. Vatikanischen Konzil von der wörtlichen Auslegung abgerückt ist.

Auszug aus einer Arbeit, die an der katholischen Fachhochschule Freiburg im Fach Religionspädagogik verfasst wurde:

http://www.pbueche.de/wp/wp-content/uploads/dei\_verbum-entstehung\_und\_wirkung...

Daraus ein Auszug der Einleitung, Hervorhebung/Ergänzung durch mich:
"Zunächst erscheint es einfacher, mit einem solchen Verständnis (Ergänzung: dem wortwörtlichen Verständnis) an die Heilige Schrift heranzugehen. Man liest den Text Wort für Wort und nimmt ihn so als verbindlich an. Auch in der römisch-katholischen Kirche herrschte ein solches Schriftverständnis bis vor vierzig Jahren vor...."

Kommentar von RobinsonCruesoe ,

Das wortwörtliche Verständnis der Bibel ist keine grosse Tradition der Katholischen Kirche. Man hat im Gegenteil den Vorwurf erhoben, die Auslegungen der Bibel seien zu allegorisch. Ich denke, die wörtliche Deutung der Bibel ist ein Ergebnis der historisch-kritischen Exegese, als man anfing, die Bibel an ihren historischen Aussagen zu messen. Diese Lesart nahm ihren Anfang im Protestantismus.

Kommentar von Hamburger02 ,

Also ich bin jetzt kein Experte auf dem Gebiet der katholischen Bibelexegese. Allerdings sprechen die Fakten, die ich kennen, für eine unterschiedliche Herangehensweise früher und heute.

Zum einen bestätigt die oben verlinkte katholische Facharbeit ausdrücklich, wann und wie sich das Verständnis der Bibel in der RKK gewandelt habe. Sie führt sogar die unterschiedlichen Positionen der Diskussion auf.

Vor längerer Zerit, daher weiß ich Namen und Zahlen nicht mehr ganz genau, sah ich eine Dokumentation über die Ägyptenforschung. Da wollte um 1850 ein Italiener (?) nach Ägypten, um Inschriften zu erforschen. Dazu benötigte er aus irgendeinem Grund die Genehmigung der kath. Kirche und die erhielt er nur unter der Bedingung, dass falls er irgendetwas finden würde, das auf ein höheres Alter der Erde als 6000 Jahre hinweise oder sonstwie der Bibel widersprechen würde, dass er das dann nicht veröffentlichen dürfe. Stattdessen solle er diese Erkenntnisse geheim halten und nur der Kirche mitteilen.

Für mich ist ein wichtiger Prüfstein dafür, ob jemand die Bibel wörtlich nimmt oder nicht, die Genesis. Eine wörtliche Auslegung führt zum Kreationismus, eine allegorische bzw. mythologische Auslegung kann Urknall und Evolution akzeptieren. Und dass die Genesis mit der Evolutionstheorie vereinbar ist, hat der Papst erst vor wenigen Jahren offiziell verkündet.

Aus eigener Erfahrung des Religionsunterricht in den 1960er Jahren weiß ich, dass als Reaktion auf einen Hinweis zur Evolutionstheorie regelmäßig die Antwort kam "Du magst vom Affen abstammen, ich bestimmt nicht." Da unterschieden sich Evangelen und Katholiken nicht groß.

Antwort
von Jogi57L, 51

Vielleicht weil es um Glaube geht, und daraus resultierende Gefühle.... ( und Gefühle sind nun mal sehr individuell...)

Es ist ja kein wissenschaftliches Buch, wo man z.B. experimentelle Bedingungen schaffen kann, und dann bei selber Versuchsanordnung und denselben Umständen, wie im wissenschaftlichen Buch, dann auch dasselbe Ergebnis herauskommt.

Damit die Bibel von allen  Menschen gleich verstanden werden würde, müsste es Schriftgelehrte geben, die definieren, wie was zu verstehen ist, und keine abweichenden, individuellen Gedanken zulassen.

Kommentar von Jasminzina1 ,

danke für deine antwort

Antwort
von McFatty, 68

Vieleicht haben manche gerüchte oder so gehört *klitschees* und es liegt an den Person mit anderen Religion .

Antwort
von kami1a, 29

Hallo! Zunächst ist das ja z. B. mit dem Koran auch nicht anders. Die Bibel wurde in einer anderen Zeit mit anderem Umfeld und ohne das heutige Wissen geschrieben. Man muss immer wieder interpretieren und genau das macht jeder anders. Wer die Bibel liest wird immer auch Antworten suchen aber sie kennt keine Atombomben und auch keine Computer. Sie kennt auch keine Massentierhaltung und keine Flüchtlingsprobleme in Deutschland.  

Ich wünsche Dir ein gutes und schönes Wochenende.

Kommentar von Jasminzina1 ,

danke für deine antwort und auch ein schönes wochenende.

Antwort
von Windspender, 62

weil viele stellen undeutlich sind und jeder mensch hat andere Gedanken, Meinungen und erfahrungen, daher bastelt sich jeder Mensch dann seine eigene Geschichte daraus :)

Ist ja auch ok, wenn nicht einige Menschen oder gruppen meinen, nur ihre Sicht wäre die einzig richtige.

Antwort
von DerBuddha, 32

das liegt daran, dass sich in den letzten 2000 jahren das weltbild, der verstand und das verständnis für alles weiter entwickelt hat und sich die menschen mehr gedanken um die texte machen....zudem gibt es 7 milliarden menschen mit ebenso vielen verschiedenen gedanken und interpretationen, abhängig immer von der erziehung, der bildung und seinem glauben.

man darf nicht vergessen, dass es vor 2000 jahren bildung nur für bestimmte menschen gab und somit musste man das glauben, was gelehrte vorgelesen und auch interpretiert haben, so ist es auch in der kirche heute noch, wenn der pfarrer dann bestimmte texte am sonntag vorliest und seinen kommentar dazu abgibt, so wie er es versteht oder haben möchte...........im koran ist es noch viel schlimmer, denn viel muslime können gar kein arabisch, sie beten dann die verse runter und vertrauen auf das, was sie von gelehrten übersetzt bekommen oder erklärt bekommen haben, deshalb glauben gerade im islam auch viele millionen ungbildete gläugibe den mist, den ein fanatischer prediger ihnen vorgaukelt.............und die sind so fanatisch, dass sie behaupten, den koran versteht man nur, wenn man ihn in arabisch liest, dumm eben nur, wenn man kein arabisch kann, denn dann ist man wieder auf das angewiesen was der übersetzer selbst hineininterpretiert.........*g*

eigentlich ist gerade dieses thema der beweis dafür, dass die ganzen texte niemals von einem gott stammen, denn sonst hätte ein allwissender und allmächtiger gott die worte so gewählt, dass man sie immer und zu allen zeiten ohne widersprüche und streit um interpretation verstehen kann..........aber vor 2000 jahren waren die texte für das damalige verständnis ausreichend und man konnte die menschen damit noch ohne einschränkung regieren und in schach halten....:)

Antwort
von kokomi, 53

1. nicht jeder, 2. weil sie spielraum lässt, 3. weil sie zum nachdenken anregt

Antwort
von ghasib, 51

Weil jeder sich bei etwas gelesenem was anderes vorstellt

Antwort
von RobinsonCruesoe, 23

Also ein Blick darauf, wie die Kirchenlehrer und Kirchenlehrerinnen Passagen aus der Heiligen Schrift ausgelegt haben, zeigt, dass ein fundamentalistischer Wortglaube in der Tradition der Kirche keine grosse Rolle spielt. Schon das Neue Testament selbst spricht sich dagegen aus, etwa in der Geschichte von der Versuchung Jesu, in der der Teufel als vermeintlich grosser Bibelgelehrter auftritt und wörtlich Psalm 91,11.12 zitiert ("Stürze Dich von den Zinnen herab, denn es steht geschrieben, Engel werden Dich behüten, damit Du nicht Deinen Fuss an einen Stein stösst'). Die Antwort Jesu ist bekannt.

Einen schönen Einblick, wie die KirchenlehrerInnen das Evangelium ausgelegt haben, bietet die APP Evangelio

Kommentar von RobinsonCruesoe ,

Evangelizo heisst die APP. Kurz noch zu der Auffassung, jeder könne beliebiges aus der Bibel herauslesen. Auch wenn die Tradition der Bibelauslegung viele Herangehensweisen an den biblischen Text kennt, von denen der Buchstabenglaube die geringste, wenn überhaupt eine Rolle spielt: die Aussage, die entfaltet wird, ist immer dieselbe: Die Liebe Gottes (zu Gott und von Gott) befreit von der "Angst um sich selbst" (Peter Knauer SJ)

Antwort
von omikron, 29

Weil jeder sie so verstehen will, dass sie ihm passt.

Auf diese Weise formt nicht mehr die Bibel das Leben des Menschen, wie es sein müsste, sondern der Mensch formt die Bibel. Sonst müsste der Mensch sich manchmal ändern, und wo kämen wir denn da hin, wenn Gott dem Menschen dreinreden dürfte!

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