Frage von numbmind, 1.318

Warum verstehen "Gesunde" psychische Krankheiten nicht?

Viele stellen mich als faul da und das ich denen meine schlechte Energie aufzwinge indem ich über meine Probleme rede.zb ist es auch oft ein tabu Thema was die Personen die dies intolerieren zur Weißglut bringt. zb mein bruder,der keine psychische Krankheit hat,sagt immer ich habe auch Probleme du bist nur faul usw...dabei habe ich eine richtige angststörung und Depressionen und bin halt sozial isoliert,weil die angst mich wie in einem Gefängnis festhält neue menschen kennenzulernen.und das versteht er alles nicht.nicht mal ein hauch von Akzeptanz. warum ist das so?? haben diese leute kein empathievermögen oder denken sie psychische Krankheiten sind was vom menschen erfundenes um "Faulheit" zu rechtfertigen ??

Expertenantwort
von rotesand, Community-Experte für Kleidung, Auto, Mode, Schule, 457

Ich kenne das von einem inzwischen verstorbenen Freund von mir, der unter Verfolgungswahn und Depressionen litt. Auch er wurde stigmatisiert & von vielen gemieden.

Der eine Grund dafür ist schlicht mangelnde Erfahrung: Man kann sich als "Gesunder" nicht in psychisch erkrankte Menschen reinversetzen, weil man die Probleme nicht hat & sie schlicht nicht versteht. Weil man sich als "Gesunder" nicht im Geringsten vorstellen kann, dass auch jemand psychisch unfassbar leiden kann & das oft nochmal so schlimm ist wie ein körperliches Gebrechen (man spricht nicht umsonst vom "Seelenkrebs"), reagieren viele dann so Verständnislos und attestieren einem psychisch Kranken, dessen Krankheit man ja nicht optisch wirklich sieht (sieht man schon, aber nur wenn man Erfahrungen damit hat; ich merke es einem an!), Faulheit, Trägheit, ggf. auch "Sozialschmarotzerei" bei Sozialgeld-/Frührentenbezug oder den Status eines Drückebergers, der sich vor "normaler Arbeit" zu drücken versucht (Verweigerung der Leistungsgesellschaft, dabei ist es doch gerade die, die manche psychische Probleme erst erzeugt). Habe ich alles am Beispiel des Freundes live erlebt.

Außerdem stigmatisiert das Bekenntnis "ich geh' zum Psychologen" immer noch ---------> wer das öffentlich zugibt, muss auch heute damit rechnen, dass ihn "die Gesunden" als unnormalen, verkalkten und/oder vollkommen durch den großen Wind geratenen Sonderling ansehen. Das ist auch deswegen so, weil  psychische Erkrankungen nicht mit dem gesellschaftlichen Ideal eines scheinbar immer glücklichen Menschen harmonieren, der selbst in größter Not den anderen gemäß dem Gesellschaftsideal zu verklickern hat dass er die Nummer Eins im Büro ist, es ihm super geht & er Erfolg in Serie feiert wo er auch hinkommt.

Wer zugibt psychisch nicht im Reinen mit sich zu stehen suggeriert der Gesellschaft Dinge wie Misserfolg, Schwäche oder gar Versagen. Deswegen traut sich fast keiner es zuzugeben. Wer es doch kann, der hat entweder richtig Größe oder ihm ist alles egal --------> meine Erfahrung!

Der andere Grund für dieses falsche Bild des psychisch Krankten ist die einseitige Berichterstattung, mit der allgemeinen Medien über psychische Krankheiten berichten: Man liest zu viel einseitige Sensationsberichterstattung, populistischen und wertenden Schund, der journalistisch absolut unseriös ist & das stigmatisiert eben, lockt vorgefertigte Meinungen an & bringt die Stammtischbrüder, die "alles besser wissen" ins Sinnieren.. die "Stammtischbrüder" sind "natürlich" die "Gesunden", die sowieso alle möglichen "Minderheiten" diskriminieren.

Die Medien zielen m.E. mit ihrer Berichterstattung - bis auf ganz wenige seriöse Gesundheitsmagazine -im Grunde gemäß dem Gesellschaftsideal darauf ab, psychisch erkrankte Menschen unterschwellig als solche zu bezeichnen, die "nicht ganz richtig im Kopf" oder sonst wie minderwertig sind. So kommen dann Vorurteile erst richtig zustande ----------> der deutsche Michel, der sowas Vorurteilsbehaftetes liest, in seinem Reihenhaus hockt & sich nicht groß für die Welt bzw. die Backgrounds interessiert, glaubt so 'nen Schotter dann natürlich und richtet sein Weltbild danach aus.. man tuschelt verschämt im Ort rum, dass der und der "einen Schatten hat", dabei sollte man sich selber mal an die Füße fassen: JEDER hat irgendein Problem(chen). Meine ehrliche Meinung!

Kommentar von Jules555 ,

Sehr gut formuliert!Das trifft es!!!

Kommentar von rotesand ,

Danke..!

Schöne weihnachten wünsche ich dir!

Antwort
von Kapodaster, 553

Wenn jemand noch nie eine Angststörung erlebt hat, kann er sich nicht vorstellen, wie das ist. Das Erleben dabei weicht zu stark vom "Normalen" ab.

Vielleicht wird das klarer, wenn man bedenkt, dass auch jemand mit Angststörung sich nicht "automatisch" in andere psychische Störungen hineindenken kann, etwa in die manischen Phasen bei einer bipolaren Störung.


Deshalb können die Betroffenen von den Gesunden dieses Verstehen auch nicht verlangen. Was sie jedoch einfordern können und sollten, ist ein Akzeptieren und Berücksichtigen. Und das Bewusstsein, dass es sich um eine Krankheit handelt, nicht um eine Charakterschwäche. Bei einem Beinbruch würde ja auch niemand sagen.. "Hey, reiß dich mal zusammen! Wenn du es wirklich willst, kannst du heute Nachmittag mit uns Fußball spielen."

Antwort
von verquert, 450

Hallo numbmind,

hier ist gegenseitiges Verständnis, Empathie angebracht. Denn auch jene Menschen, die keine Diagnosen haben, tragen oft sehr schwere Probleme und Herausforderungen mit sich. Haben allerdings noch ihren eigenen Antrieb, ihre Motivation den Schwierigkeiten etwas entgegenzusetzen, sich zu überwinden. Oftmals werden sie dann aber etwas 'mürrisch'. Weil durch ihre Kämpfe auch enorm viel Energie verloren geht.

Du möchtest über Deine Probleme reden - über welche Themen magst Du Dich austauschen!? - Wie mies und schwierig das Leben ist, also problemorientiert oder was Du versuchst hast und was eventuell auch nicht funktioniert hat - trotzdem aber eher ressourcenorientiert? - Positive Formulierungen?

Auch höre/lese ich bei Betroffenen von Depressionen, dass sie keine 'Lust' mehr zu kämpfen haben. "Lust" ist somit etwas mit eigener Motivationsregulierung und ein Synonym von "Unlust" ist "Faulheit", wenn man es so auslegen mag. Oftmals stehen aber dem Gründe, Blockaden im Weg. Hier ist dann zu unterscheiden, ob sich der 'gefühlten Hilflslosigkeit' man sich ausliefern mag oder gegen diese Gefühle und Hemmungen ankämpft. Wege finden, um sich aus der Lage wieder rauszuholen. Was enorm schwer ist, aber möglich wenn an sich geglaubt wird und auch Strategien für das Leben sich angeeignet werden mag - also die Motivation da ist zum Leben. Wenn diese Motivation wegbleibt, dann ist die Depression ein automatischer Mitläufer. Und notorisch pessimistische Menschen sind schwer auszuhalten - weil diese immer wieder jemanden mit runterziehen. Ob Du dazu gehörst, das weiß ich nicht.

Aber wenn er Dich akzeptieren sollst, weil Du Probleme hast, das bringt Dich kaum weiter. Vor allem nicht, wenn er Dich nicht auf Deinem Weg unterstützen kann, da er eventuell zu viele eigene Probleme auch hat. Dass Du dann in eine medizinische Klinik gehst, das kann ein guter Schritt sein. In der Hoffnung, dass Du dort Strategien und Ressourcen erlernen darfst, um Deinem Leben wieder neuen Antrieb geben zu dürfen.

Kommentar von robi187 ,

es gibt krankheiten die in richtung behinderung  gehen. deshalb weis ein arzt was das richtige ist.

Kommentar von verquert ,

Nein, leider nicht immer weiß das ein Arzt. Habe selbst viele Ärzte durch, 7 stationäre Kliniken, einige ambulante Betreuungen,... und trotzdem musste ich mir meinen Weg selbst suchen, weil alle gemeint haben, dass ich "zu instabil" sei. Aber keine Alternative mitteilen konnten. Und dann habe ich mir selbst Wege gesucht - und zumindest arbeitstechnisch einen gefunden. Aber ich glaube, wir reden gerade aneinander vorbei, oder?

Kommentar von reginarumbach ,

es gibt psychische erkrankungen, bei denen klinikaufenthalte NICHT helfen. im gegenteil , sie vergrößern die instanbilität. dieses problem tritt oft bei borderline auf, so dass es hier für die betroffenen besser ist zu hause zu leben und an ein gutes ambulantes netz angebunden zu sein. so erreichen sie es leichter in ihre sicherheit zu kommen.

Kommentar von verquert ,

an reginarumbach:
Ich würde sagen, dass es eher auf das Konzept ankommt. Je nach Schweregrad der aktuellen Instabilität ist es teilweise stabilisierender, in einer 'Klinik' zu sein. Aus folgenden Gründen:

- Stabilität verschafft oftmals eine Tagesstrukturierung. Zu Hause ist diese manchmal nicht gegeben bzw. zu überfordernd (bei Kind_ern zum Beispiel). Eine Klinik kann die aktuellen "Gedankengänge" unterbrechen, weil sich auf eine neue Situation eingelassen werden muss. Natürlich ist eine innere Bereitschaft dazu wichtig.

- einige Menschen können kaum ein "ambulantes Netz" aufrecht erhalten, da es dafür schon eine Grundstabilität auch voraussetzt oder viel Zeit und Geduld von 'dem Helfernetz', was oftmals nicht gegeben ist. Vor allem in akuten Krisen.

- die Diagnose muss stimmen. Obwohl auch vor allem die Borderline-Erkrankung kein einheitliches Konzept bedarf. Eher verschlimmert. Nicht zuletzt, weil die Diagnose einfach falsch ist.

- Der Mensch muss als "individuell" angesehen werden - unabhängig der Diagnose. Das machen die meisten Kliniken nicht, da sie nach "Konzept" gehen. Auch dann ist ein Klinikaufenthalt eher schädlich und destabilisierend. Aber es gibt Kliniken, wo tatsächlich auch individuell auf den Menschen (nicht auf die Diagnose) geschaut wird.

- die KlinikmitarbeiterInnen müssen ihr eigenes Konzept verstehen. Auch das ist nicht immer gegeben.

- wer seine Grenzen, Bedürfnisse,.... gar nicht kennt und dann in eine Klinik kommt, wo ggf. permanent überfordert bzw. unterfordert wird - und dies nicht kompensiert werden kann, auch hier wird oftmals mehr destabilisiert. Daher fände ich es wichtig auch seine eigenen Bedürfnisse und Grenzen einzugestehen und diese versuchen 'freundlich mitzuteilen' - nachdem sie herausgefunden wurden, was auch zu großen Schwierigkeiten führen kann. Manchmal geht es allerdings bereits schon besser, nachdem der Mut da ist, sich selbst mehr wahrzunehmen und die eigenen Bedürfnisse umzusetzen. In einer Klinik auch zu Begründen (keine Rechtfertigung), damit eventuell auch Kompromisse es geben darf. Wenn es im Vornherein keine Kompromisse (Individualität) geben darf, so würde der Klinikaufenthalt auch nichts bringen.

Beispiel!? - Wer viel Rückzug braucht, hat es in einem mindestens Doppelzimmer sehr schwer. Wenn es aber einen "Rückzugsraum" gäbe, der zumindest tagsüber genutzt werden kann für einige Stunden (eventuell Zeitraum festsetzen), dann KANN es ein Kompromiss sein. Je nach Individualität.

[....]

Mit anderen Worten: es gibt Gründe, weswegen ein Klinikaufenthalt (vor allem für Menschen mit Borderline) nicht helfen. Wenn die Gründe herausgefunden wurden, so kann ein "passendes Konzept" vielleicht selbst erstellt werden. Eine Klinik hat sich zum Teil auf 'mein Konzept' eingelassen. Das heißt, vor allem die Regeln durfte ich anpassen. Meine Bedürfnisse wurden wahrgenommen und zum Teil umgesetzt (Anpassung und Individualität). In dem Klinikaufenthalt habe ich vieles für mich mitnehmen können. Positives, wie auch Negatives. In einer "Intervall-Klinik" wohl besser, weil der erste Aufenthalt wohl primär dazu dient, sich 'kennenzulernen'.

Antwort
von Undsonstso, 258

Ich denke mal, es liegt i-wie auch in der Natur vieler Menschen, dass sie das, was sie selbst nicht kennen, weder verstehen noch i-wie akzeptieren kömmen.

Das ist nicht allein das Phänomen bei psychischen Erkrankungen. Gleiches / ähnliches gibt es in vielen Lebensbereichen... Bei Fremdenfeindlichkeit sind die Mechanismen auch in etwa so.

Antwort
von TrudiMeier, 196

Als gesunder Mensch kann man es schwer nachvollziehen, wie sich z. B. eine Depression äußert.  Ich arbeite in einem Betrieb in dem eine Vielzahl psychisch kranker Menschen beschäftigt ist. Ich hinterfrage bei den Kollegen viel. Allerdings beziehe ich mich niemals auf die persönliche Erkrankung, sondern hinterfrage allgemein. (Das tue ich weil es mich interessiert.) Eben wie sich eine z. B. eine Depression äußert etc. Ich zweifle die psychischen Erkrankungen keineswegs an. Allerdings habe ich in meiner langen Tätigkeit den Eindruck bekommen, dass sich manche unter dem Deckmantel ihrer psychischen Erkrankung einen lauen Lenz machen. Wenn mir die Krankschreibungen für Freitag oder Montag oder einen Brückentag oder für die Zeit des nicht genehmigten Urlaubs auf den Tisch flattern, dann zweifle ich ernsthaft daran, dass diejenigen ausgerechnet zu diesen Zeiten mit den Auswirkungen ihrer psychischen Probleme zu kämpfen haben. (Bei einem gesunden Menschen zweifelt man bei Krankschreibungen zu derartigen Zeiten eh an, dass sie wirklich krank sind) Leider wirkt sich so ein Verhalten daraufhin aus, dass psychische Erkrankungen teilweise nicht für voll genommen werden. Es ist nicht einfach zu unterscheiden, ob derjenige nun wirklich unter psychischen Problemen leidet, oder einfach nur faul ist. Deswegen kann man aber noch lange nicht alle psychisch Kranken über einen Kamm scheren. Und auch als gesunder Mensch kommt man manchmal morgens nicht aus dem Bett, wenn man richtig Kummer hat.

So, und nun können mich alle lynchen.

Antwort
von Andrastor, 307

Es fällt den Menschen schwer weil sie keine Symptome sehen können. Wenn du Fieber hast, kann man deine Temperatur messen, brichst du dir den Arm trägst du einen Gips. Aber bei Krankheiten der Psyche sieht man von aussen nichts.

Psychisch gesunde Menschen, die nie so etwas erfahren mussten, können sich auch nicht vorstellen was für ein Gefängnis die eigene Psyche sein kann.

Zeig deinem Bruder mal diesen Comic hier:

http://i.imgur.com/pP3rO.jpg

Kommentar von CountDracula ,

Dabei bräuchte man so vielen Personen einfach nur mal in die Augen zu schauen... dann würde man so oft erkennen, wie es ihnen gerade tatsächlich geht.

Kommentar von Andrastor ,

die meisten Menschen sehen nicht weiter als ihre Nase reicht und leben in einer Welt die mehr ihren Vorstellungen als der Realität entspricht.

Antwort
von Ille1811, 293

Hallo numbmind! Von Sokrates stammt der Ausspruch: "Arzt, heile dich selbst!" Was Sokrates damit gesagt hat ist, dass kein Arzt versuchen sollte, eine Krankheit bei einem Patienten zu heilen, die er nicht selbst hat oder gehabt hat!
Es ist nicht so, dass 'die Leute' nur für psychische Krankheiten kein Verständnis haben. Guck dir mal 'die Leute' an, was sie z.B. Körperbehinderten ungefragt an 'Mitleid schenken'. Sie fragen gar nicht erst, ob der Mensch, der eine Behinderung hat, leidet, sondern setzen das als selbstverständlich voraus! Dabei gibt es bei Menschen mit einer Körperbehinderung genauso viele lebensfrohe Menschen wie bei Menschen ohne Körperbehinderung.
So genannte 'Normale' (genormte Menschen?) wissen nichts, aber alles besser!
Das Buch, was Robi dir empfiehlt ist sehr hilfreich. Es kann dir Wege zeigen, dich mit Gleichbetroffenen auszutauschen und dadurch auf dem Weg zur Genesung voranzukommen.
Ich wünsche dir den Mut, dich mit Menschen, die ähnliche Herausforderungen wie du haben, auszutauschen.

Antwort
von kiniro, 202

Deine Frage erinnert mich an den Spruch einer Mutter, die zwei autistische Söhne hat "hätten die sich mal ne gescheite Behinderung zugelegt".

Meine Tochter und ich kennen dieses Problem ebenfalls.
Egal, ob psychische Probleme oder Autismus. Beides wird leider noch immer mit "wenn die sich mehr anstrengen und / oder (strenger) erzogen werden, dann löst sich das Problem von alleine".

Nein, das Gegenteil ist der Fall. Je mehr dir einer vorschreibt, wie du dich in der Situation zu verhalten hast, umso schlimmer wird die Angst, das Gefühl des Gelähmt sein.

Außerdem vermute ich hinter diesem Verhalten auch die Angst vor der eigenen Unzulänglichkeit. Weswegen diese Menschen oft in blinden Aktionismus verfallen, statt einmal zuzugeben "Leute, ich bin nicht immer so stark und mutig wie ich tue".

Antwort
von auchmama, 322

Ganz viele Menschen haben das Problem, dass sie nur Dinge nachvollziehen können, die sie sehen oder anfassen können. Beides geht bei der Psyche nicht und darum können sie nicht "begreifen" das es sowas gibt! Selbst Ärzte haben damit teilweise ein Problem. Allerdings nutzen Ärzte ganz oft die Psyche als Ursache, wenn sie organisch nichts finden können........

Du solltest bitte mit Deinen Eltern sprechen und sie bitten, dass sie Deinen Bruder zurück pfeifen, damit er Dich nicht weiter unter Druck setzt. Solche Sprüche gehören sich nicht und wenn er Dich schon nicht unterstützen kann, dann soll er Dich einfach in Ruhe lassen!

Gute Besserung wünsche ich Dir und alles Gute!

Antwort
von sakura09, 240

Du kannst versuchen, es so zu sehen:

Du erlebst in deinem Zustand deine Grenzen. Dein Bruder hat aber auch seine Grenzen. Das eine ist dein Problem, das andere ist sein Problem. Du wünschst dir mehr Akzeptanz, die kann er dir aber offenbar nicht geben. Er wünscht sich von dir mehr Kämpfergeist, weniger Klagen, das kannst du ihm zurzeit nicht anbieten.

Hast du schon mal daran gedacht, dass dein Zustand deinem Bruder unbewusst zu nah geht? Dass er dich eigentlich viel zu lieb hat, und sich unbewusst wünscht, dass du nicht so leiden musst? Dass er sich nicht gegen dich wehrt, sondern gegen dein Leiden? Dass er es nur nicht richtig herausbekommt, weil er es selbst vielleicht gar nicht weiß?

Gut finde ich auch den Gedanken von "verquert": Andere sind oft von ihren eigenen Kämpfen erschöpft. Dann ist es ganz schwer, noch Kraft aufzubringen, die Kämpfe anderer auszuhalten.

Dein Bruder kann dir mit seinen Bemerkungen nicht helfen. Versuch dich davor zu schützen, indem du das verstehst und akzeptierst, die Bemerkungen an dir abperlen lässt (leicht gesagt...) und dir deine Hilfe woanders suchst.

Versuche auch deinen Bruder so zu akzeptieren, wie ER ist. Trotzdem gehe du unbeirrt DEINEN Weg, auch wenn "keiner" dich versteht.

Du kannst Weggenossen finden. Aber erwarte nicht von jedem, dass er dir Weggenosse sein kann und will.

Alles Gute!

Antwort
von Teddybaerli202, 85

Ich glaube kaum das "gesunde" Menschen kein Empathievermögen bestitzen oder denken man würde psyische Krankeheiten erfinden. Für solche ganz "gesunde" Menschen ist es oft unvorstellbar, was da in einem vorgeht. Sie können sich das, in den meisten Fällen, einfach nicht vorstellen, weil sie nichts vergleichbares kennen und so einfach nicht nachvollziehen können wie so etwas ist.

Ich glaube dabei kommt es auch nicht darauf an ob der Mensch psyisch vollkommen gesund ist oder nicht. Es kann sein, dass ein vollkommen "gesunder" Mensch dies Krankheiten um  einiges besser versteht, als jemand anderes mit psyischen Krankheiten. So kann es also sein, das dich der Kumpel, dem es psyisch blendend geht besser versteht, als die shizophrene Bekannte ;)

Antwort
von Apfel2016, 37

Am schwersten ist es bei einer Angststörung die Ursachen zu verstehen. Den was an einem Tag Angst macht kann an einem anderen Tag vollkommen selbstverständlich sein. So ist es für außenstehende sehr schwer zu verstehen.

Ein gesunder Mensch kann einfach nicht verstehen warum man zB in den einen Supermarkt geht und in den anderen nicht. Man kann auch nicht nachvollziehen warum Dinge die einem gefallen nicht geändert werden. Weil ein gesunder Mensch würde es einfach tun anstatt tagelang schlecht drauf zu sein.

Ich denke man kann keine Krankheit nachvollziehen, wenn man Sie nicht selbst erlebt hat. Außerdem ist es für angehörige sehr schwer damit umzugehen. Du siehst dass der Mensch der dir wichtig ist schlecht drauf ist, aber du kannst nichts dagegen tun bzw. versuchst du den Mensch aufzubauen aber er ignoriert es (vielleicht bekommt er es auch nicht mit) dann ist man gefrustet.

Ich spreche hier aus Erfahrung. Ich kann mit der Krankheit meiner Mutter umgehen, sie akzeptieren und Rücksicht nehmen und Ihr natürlich helfen, aber nur wenn sie mir sagt wie...Ich kann Sie aber nicht verstehen oder nachvollziehen, da die meisten Situation die sie aus der Bahn werfen für mich einfach normal sind.

Meine Geschwister (wir sind alle bereits erwachsen) können damit weniger gut umgehen und meiden den Kontakt oder möchten einfach über die Krankheit nicht sprechen, zum Teil kommen auch unangemessene Antworten oder sie gehen einfach wieder. Nicht weil Sie meine Mutter nicht lieben oder so...sie können die Sachen nicht nachvollziehen und sind überfordert.

Wenn ein normaler Umgang mit deinem Bruder nicht möglich ist, dann meide diesen für eine Weile. Du musst dir keine Gedanken machen warum dein Bruder so ist und er kann vielleicht lernen deine Krankheit zu verstehen , wenn er ein wenig Abstand hat. Vielleicht versteht ihr euch dann nach einer Weile wieder besser. Sollte das nicht der Fall sein kann es für dich aber besser sein den Kontakt abzubrechen. Du musst dir dann wie gesagt keine Gedanken mehr machen und hast somit schonmal ein Problem weniger.

Solltest du von deinem Bruder Hilfe wollen (oder auch von jemand anderem) dann sage ihm das ganz direkt. Nur so können dir die Menschen in deiner Umgebung helfen und vielleicht ein wenig verstehen was genau dir schwerfällt.

Antwort
von Ramboline, 154

Um bereits abgegebene Antworten nicht zu wiederholen kann ich dir nur raten, was ich als Betroffene ganz schwer lernen musste: "Lass lallen"

Gesunde können es nicht nachvollziehen, mich haben Depressionen bereits mit 48 Lebensjahren in Erwerbsminderungsrente gebracht. Von "faule Sau bis Sozialschmarotzerin" habe ich alles durch. Du weißt ja: "Jeder hat drei Leben! Ein öffentliches, ein privates und eines, welches dir angedichtet wird". Deshalb: "Ll = Lass lallen!"   

Antwort
von Heart900, 89

Du bist nicht faul, sondern vorsichtig geworden. Soziale Ängste nehmen sogar zu,da es leider viele Männer gibt die nicht wissen was eine Frau überhaupt ist. Ich gehörte leider auch zu dieser Gattung aber mein ganzes Leben lang eine Vorahnung hatte, daß da etwas nicht stimmt. Jetzt wo ich sehe, was Frauen wirklich brauchen haben sich meine Ansichtgen stark gewandelt und bin wesentlich fairer geworden. Zu deiner Frage : Du bist nicht krank, sondern krank gemacht durch ein negatives Umfeld und Traumata. Deshalb solltest du erstmal dir Zeit nehmen um dich ganz auszuruhen und zu entspannen. Es sind oft die ganz lieben und gewissenhaften Menschen die sich immer fertig machen und die "Schuld" bei  sich sehen. Ich denke du solltest erstmal durchhängen, da werden dir viele Dinge automatisch auffallen. Und wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.

Antwort
von Barney123, 174

Hallo numbmind,

verstehen kann das nur jemand, der sich mit der Sache auseinandergesetzt hat. Ottonormalbürger tut das aber nicht, und dabei interessiert ihn nicht die Bohne, dass ungefähr 38 % der Bevölkerung in ihrem Leben einmal psychische Probleme bekommt. Die meisten haben irgendetwas gehört und plappern das nach. Zudem gibt es jede Menge Vorurteile, da brauchst Du ja nur die Antworten hier durchlesen So glaube ich auch, dass Dein Bruder das irgendwie von Deinen Eltern gehört hat oder dass das allgemeine Klima in Deiner Familie so ist, denn irgendwo muss Dein Bruder das ja her haben.

Und nein, das Verhalten Deines Bruders ist nicht hilfreich.

Allerdings glaube ich auch nicht, dass Du chronisch krank bist, gerade bei jungen Menschen kann da noch viel passieren. Allerdings sind psychische Probleme sehr langwierig, und da geht halt nix von Heute auf Morgen.

Es ist auch keine Lösung für Dich, dass Du Dich in der Krankheit einrichtest, Da muss Du schon irgendwie herauskommen. Therapie, bzw. stationäre Therapie steht ja an. Von normalen Mitmenschen würde ich nicht zu viel Verständnis erwarten, da brauchst Du dir nur einmal hier die Antworten durchlesen. Da ist nur wenig hilfreiches dabei, und schon gar kein Verständnis. Wenn sich jemand mit dem Thema beschäftigt, kann man sehr viel verstehen. Aber in der Regel muss man da ja von seinen geliebten Vorurteilen abschied nehmen, und das tut weh.

Kommentar von Suboptimierer ,

Da muss Du schon irgendwie herauskommen. Therapie, bzw. stationäre Therapie steht ja an.

Dazu ist ein depressiver halt oft nicht in der Lage. Und nun?

Kommentar von Mewchen ,

In allererster Linie muss man sich selbst helfen. Ich selber bin in Behandlung, habe auch eine gewisse Zeit gebraucht, mich dazu aufzuraffen, aber der erste Schritt muss nun mal vom Betroffenen selbst kommen. Eine Depression entbindet nicht von der Verantwortung sich selbst gegenüber.

Kommentar von Barney123 ,

Hallo Mewchen,

In allererster Linie muss man sich selbst helfen.

Das ist natürlich richtig, nur, wie soll das gehen, wenn die Welt düster und ausweglos erscheint? Das ist doch das eigentliche Problem. Dazu kommt, dass es eine hohe Hemmschwelle gibt, bei psychischen Probleme Hilfe zu suchen, oder woher kommt die Frage des Fragestellers hier? Doch von zu vielen falschen Vorurteilen - oder?

Ich selber bin in Behandlung, habe auch eine gewisse Zeit gebraucht, mich dazu aufzuraffen,

dazu muss der leidensdruck steigen, und mit zunehmendem Leidensdruck wird die Problemlösung schwieriger, weil die Motivbation sinkt. Da wäre eine unterstützende Umgebung hilfreich, die keine Vorwürfe macht. Genau das scheint die Fragestellerin/der Fragesteller aber nicht zu haben.

Eine Depression entbindet nicht von der Verantwortung sich selbst gegenüber.

Richtig ist, dass die Lösung nur von der betroffenen Person selbst kommen kann. Aber Ärzte und Therapeuten können Lösungen aufzeigen. Und genau darum geht es, wenn die Welt dunkelgrau bis schwarz und Hoffnungslos ist. Bei manchen ist die Hoffnungslosigkeit so groß, dass sie sich selbst umbringen. Solchen Menschen muss man erst einmal wieder Hoffnung gegben, dass es überhaupt eine Lösung gibt und dass doch nicht alles so schwarz ist. Da ist das Verhalten der Allgemeinbevölkerung doch stark hinderlich. Lies Dir doch einmal die Antworten hier durch: "Reiß Dich zusammen!" Darum gehts es nicht. Das hilft nicht weiter! Jemand der tief in einer Depression steckt wird dadurch nur noch weiter hineingetrieben weil seine Hoffnungslosigkeit und das Gefühl des Versagens nur weiter verstärkt wird!

Kommentar von Barney123 ,

Nun Suboptimierer, wass willst du mir sagen. Du hast da einfach zwei Sätze aus meinen Posts herauskopiert und aus dem Zusammenhang gerissen, und nun wieder irgendwie zusammengefügt.

Erklärung?

Kommentar von Suboptimierer ,

Ich wollte verdeutlichen, dass man "Dazu ist ein depressiver halt oft nicht in der Lage. Und nun?" immer an jeden Ratschlag für einen Depressiven hängen kann und das niemanden auch nur einen Schritt nach vorne bringt.

War als kleine Rache für deinen (auf mich blöd wirkenden) Kommentar auf meine Antwort gedacht.

Da du aber inzwischen klar gestellt hast, dass dein Kommentar gar nicht meine Antwort treffen sollte, hat sich das Thema (meine Verdeutlichung) für mich ebenfalls erledigt.

Alles gut also.

Antwort
von voayager, 342

Man kann als Gesunder meist nicht wirklich nachvollziehen, was es mit den psychischen Erkrankungen und deren Empfindungen so auf sich hat. Was einem fremd ist, erfühlt man zumindest nicht, kann es somit nicht wirklich begreifen und nachvollziehen, lediglich es registrieren und benamsen. Und weil das nun mal so ist, hält sich auch das Verständnis in Grenzen. Ob nun ein Mensch faul ist oder, kann man meist nicht ermessen, möglich ist ja auch bloße Drückebergerei, eine gewöhnliche Verantwortungslosigkeit. Da nun eine Unterscheidung zwischen bloßer Faulenzerei einerseits und psychischer Erkrankung oftmals nicht möglich ist, sind Mißverständnisse und Fehldeutungen an der Tagesordnung.

Kommentar von Barney123 ,

Hallo voayager,

Das Problem bei der Bezeichnung faul ist einfach, dass sie verwendet wird, wenn jemand nicht so funktioniert, wie das die Umgebung erwartet. Dabei ist es doch meistens so, dass genau diese Umgebung ihren Teil dazu beitragt, dass der betreffende nicht so funktioniert, wie erwartet wird. Es würde mich nicht wundern, wenn die Umgebung von numbmind an den Depressionen ihren Anteil hätte und nun ihr auch noch die Verantwortung zuschreibt.

Kommentar von voayager ,

sicher, nur kann ein Mensch jenseits einer Therapie im psychosozialen Feld nicht eine aufwendige Rückschau plus soziologische Betrachtung vornehmen, wenn denn Handeln unmittelbar angesagt ist. Würde man alles Mögliche stets berücksichtigen, wäre eine Handlungsebene nahezu unmöglich. So was funktioniert nun mal nicht im praktischen Alltag.

Kommentar von Barney123 ,

Nun ich erlebe hier quer durch alle Themen, dass sich die Menschen nur in Ausnahmefällen mit den Heutigen Erkenntnissen auseinandersetzen. Da gilt in erster Linie: „Ich habe zwar keine Ahnung, aber eine detaillierte Meinung zum Thema.“ Und so ist das auch bei psychischen Erkrankungen. Die Leute haben die Klappe offen, aber sonst keine Ahnung. Und das ist einfach nicht hilfreich. Das ist niemals hilfreich, bei keinem Thema!

Kommentar von voayager ,

das ist wohl wahr

Kommentar von Panazee ,

Die Leute haben die Klappe offen, aber sonst keine Ahnung.

Man muss bei der Beantwortung dieser Frage doch kein Fachmann sein. Da kann doch jeder etwas dazu schreiben.

Der Fragesteller will ja nicht wissen warum er die Probleme hat, die er hat, sondern warum andere ihn nicht verstehen.

Es gibt ja nur drei Gruppen von Menschen. Die eine, die ihn verstehen kann, die andere, die ihn nicht verstehen kann und eine dritte, die ihn teilweise verstehen kann.

Jeder kann hier etwas dazu sagen. Die, die zur ersten Gruppe gehören können ihm sagen, dass nicht alle Menschen darin versagen sich in ihn hinein zu versetzen. Die, die zur zweiten Gruppe gehören können ihm sagen, warum sie das nicht können und die, die zur dritten Gruppe gehören können ihm sagen, warum es ihnen teilweise gelingt, aber teilweise nicht. Alle diese Äußerungen könnten ihm doch helfen, oder etwa nicht?

Kommentar von Barney123 ,

Hallo Panazee,

Es gibt ja nur drei Gruppen von Menschen. Jeder kann hier etwas dazu sagen.

Das tund die ja auch, sie gehen aber weit über die von Dir gestreckte Grenze hinaus und urteilen. Und nein, da ist vieles dabei, was einer Hilfe deutlich entgegensteht.

Antwort
von Kodiak57, 323

Sich in Krankheiten hinein zu versetzen, die man sehen oder begreifen kann (vom Armbruch bis zu Krebs) ist einfach. Alles, was mit Seele/Psyche zu tun hat, ist von Außenstehenden schwer begreifbar und wird daher oft auch nicht ernst genommen.

Antwort
von Panazee, 172

Du wirst vermutlich auch Probleme haben dich in die Gedankenwelt von jemandem hinein zu versetzen, der 100% davon überzeugt ist, dass er Napoleon Bonaparte ist. Du wirst diese Wahnvorstellung nicht nachvollziehen können, weil doch jedem klar ist, dass Napoleon schon lange tot ist und es unmöglich ist Napoleon zu sein. Trotzdem gibt es Fälle wo Menschen vollkommen überzeugt sind, dass sie Napoleon, Jesus oder wer auch immer sind. Sie sind auch für keine logische Widerlegung zugänglich.

Man kann oft nur verstehen was man selber schon erlebt hat. Die Zustände von Angststörungen kann ich nachvollziehen. Ich hatte auch schon Angst vor etwas. Dieses muss ich nur erweitern um den Zusatz, dass diese Angst bei einer Angststörung keine wirklich fundierte Grundlage hat. Die Angst bleibt die Gleiche. Bei Wahnvorstellungen versage ich total darin mich hinein zu versetzen, denn ich hatte noch nie Wahnvorstellungen.

Was man nie selbst erlebt hat ist schwer nachvollziehbar. Ganz besonders im Bereich der Psyche.

Kommentar von Panazee ,

P.S.:

Es kommt in deiner Frage nicht heraus, ob du dich in Behandlung befindest und ob das was du da schreibst eine Diagnose eines Facharztes ist oder deine "Eigendiagnose". Bist du in Behandlung? Wenn nicht, dann begib dich in eine. Es ist nämlich blöd dauernd zu sagen "Ich kann dies und das nicht, weil....", aber die Möglichkeiten an diesem Zustand etwas zu ändern nicht wahrnimmt, sondern sich darauf "ausruht".

Kommentar von keineideekeinei ,

ich hab jetzt nur dein ps gelesen...

ich weis nicht wie es beim fragesteller ist, aber er sagt das er "richtige angststörung und Depressionen hat sozial isoliert ist"

ich glaube ich kann das ein wenig nachvollziehen, da ich selber denke das ich sowas in der art habe (aber wie du gesagt hast ist das bei mir auch nur eine selbstdiagnose)

ich hab es bisher noch nicht geschafft zu einem arzt zu gehen... es hört sich so leicht an den einen satz "herr doktor, ich glaube das ich depressionen oder so etwas habe" zu sagen, aber immer wenn ich beim hausarzt bin (wegen anderen sachen) bekomme ich es einfach nicht hin diesen satz zu sagen

deshalb hatte ich mal online geguckt was für fachärzte in diese richtung es denn in meiner nähe gibt... aber ich habe mich nicht getraut mich in einen zug zu setzen (ich gehe nie wirklich alleine raus, bzw. fahre irgendwo alleine hin) und wirklich einen arzt zu besuchen... zum einen traue ich mich einfach nicht, zum anderen habe ich angst vor dem prozess (ich gehe hinein, sehe die sekräterin... was sage ich, wie drücke ich mich aus ohne das sie tausend mal nachfragt was denn nun mein problem sei, wie bezahle ich es ohne das es jemand mitbekommt, da ich über meine mutter versichert bin usw.)

meine eltern, denke ich, wissen nicht wie es mir teilweise geht (bzw. niemand den ich kenne habe ich irgenwann mal was davon erzählt, da ich nie über meine gefühle oder gedanken rede) und ich zweifle auch oft daran das ich überhaupt etwas habe... aber auf der anderen seite, denke ich schon das ich was habe...

was ich damit sagen will, ist das es gerade bei sozialen problemen schwieriger ist (vielleicht auch nicht, aber ich kann ja jetzt nur von mir reden) zu jemandem zu gehen und jemandem zu sagen das man etwas hat...

ich weis nicht wie man etwas daran verändert, aber ich wäre so gerne in therapie... ich kann halt nicht hin gehen... ich gehe vielleicht später, wenn ich weg von meiner familie und allen bekannten die ich habe wohne, zu einem arzt... aber bis dahin dauerts halt noch...

sry das ich dich zugetextet habe :/

Kommentar von Panazee ,

sry das ich dich zugetextet habe :/

Dafür musst du dich nun wirklich nicht entschuldigen. ;-)

Das was du schreibst ist schon nachvollziehbar, aber dein Fall ist glaube  ich etwas anders als der des Fragestellers. Du erzählst ja absolut keinem davon. Der Fragesteller hat geschrieben:

Viele stellen mich als faul da und das ich denen meine schlechte Energie aufzwinge indem ich über meine Probleme rede [...] zb mein bruder,der keine psychische Krankheit hat,sagt immer ich habe auch Probleme du bist nur faul usw..

Der Fragesteller scheint also kein Problem damit zu haben über seine Probleme zu reden. Ganz sicher tut er das mit seinem Bruder. Wer die "Viele" genau sind weiß ich nicht, aber er scheint seine Probleme gegenüber anderen nicht zu verschweigen.

Was dein Problem angeht, so weiß ich leider nicht wie alt du bist. Ich würde vielleicht alles was dich bedrückt auf einen Zettel schreiben und den einfach der Arzthelferin über den Tisch schieben, wenn du Probleme hast in dem Moment auch nur ein Wort heraus zu bekommen. Das geht dann schon klar. Der Vergleich hinkt zwar, aber ich hatte mal eine schwere Bronchitis und war so heiser, dass ich wirklich keinen Ton mehr heraus bekommen habe. Ich habe dann um 4 Uhr in der Früh auf einen Zettel geschrieben was los ist, wie ich mich fühle, wie meine Lunge beim Atmen rasselt, dass ich nicht liegen kann, weil ich dann das Gefühl habe keine Luft mehr zu bekommen und so. Um 7 Uhr habe ich mich von meiner damaligen Mitbewohnerin in ein Krankenhaus fahren lassen. Ich habe der Frau am Empfang den Zettel rüber geschoben. Die hat den gelesen, genickt und gemeint "Nehmen sie bitte Platz". Der Arzt war dann ganz begeistert und hat gemeint, dass er sich wünschen würde, dass das mehr Patienten mit Sprechproblemen so machen würden und hat mich sogar gefragt, ob er den Zettel behalten kann.

Klar lag der Fall anders, weil ich ja generell kein Problem damit habe mich mitzuteilen und "lediglich" ein körperliches Problem dafür gesorgt hat, dass ich keinen Ton mehr heraus gebracht habe. Würde aber sicher auch bei dir klappen. Therapeuten sind einige "Merkwürdigkeiten" gewöhnt. Ob das aber geht, ohne das deine Eltern davon etwas mitbekommen weiß ich nicht. Im Zweifel würde dann aber auch dein Therapeut mit ihnen reden, wenn du es einfach nicht über dich bringst.

....so, jetzt habe ich aber mal ordentlich zurück getextet :-D

Kommentar von keineideekeinei ,

ich bin 18, aber ich weis halt nicht wie das ist wegen der krankenversicherung

das mit dem zettel hatte ich mir auch schonmal überlegt... allerdings traue ich mich das bei meinem derzeitigen hausarzt auch nicht... ich verstehe mich nicht so gut mit dem...

ich hatte aber genau einen solchen zettel geschrieben (alles was mir eingefallen ist und mir komisch vorkommt... also mein verhalten, meine gedanken usw.) und bin damit zur frauenärztin gegangen, da ich dachte das ich mich das eher trauen würde (auch wenn sie natürlich nichts machen kann, aber sie hätte mich weiterleiten können oder auch nur mit mir sprechen oder sowas)

aber dann saß ich da im gespräch und konnte ihr den zettel auch nicht geben... ich hatte den, als ich auf sie warten musste, in der hand und hab es mir immer wieder überlegt usw.

aber im gespräch habe ich einfach nur ihre fragen beantwortet und war kurz vor dem weinen (falls sie das bemerkt hat, hatte sie jedenfalls nichts dazu gesagt oder gedacht es liegt an was anderem)

und jetzt bekomme ich auch einen anderen frauenarzt... vielleicht trau ich mich ja bei dem...

aber irgendwie bekomme ich das einfach nicht hin... was ich mir überlegt habe ist das ich leute übers internet kennen lerne und denen vorher über meine probleme erzähle, da es online ganz gut geht... vielleicht wäre jemand bereit mit mir zum arzt zu gehen (ich denke das ist alles was ich bräuchte) wenn ich mich mit jemandem anfreunde, aber das habe bisher auch noch nicht hinbekommen.. einfach da ich mich nicht traue alleine irgendwo hin zu fahren :(

zurück zum fragesteller:

das ist mir auch beim lesen aufgefallen das er sich anderen mitteilen konnte... deshalb kommt mir die frage auch ein wenig komisch vor, aber das kann auch nur an mir liegen... vielleicht sind die in seiner familie gewohnt über gefühle oder sowas zu sprechen?

wenn man es aber so als ausrede benutzt, dann stimme ich dir schon zu... da hilft selbstdiagnose nicht, wenn man andere möglichkeiten hat als selbstmitleid

aber ich kenne den fragesteller ja nicht... :/

Antwort
von MimmiKnuspi, 91

Ich denke, sie können sich nicht genau in die "kranke" Person hinein versetzen. Dadurch verstehen sie meistens nicht wie Menschen mit physischen Krankheiten. Zwei Menschen , die ,die gleiche Krankheit haben, können sich im Vergleich mit dem gesunden Menschen ineinander hinein versetzen und sie verstehen sich, weil sue deren Probleme vielleicht auch haben und verstehen dies dann besser :)

Antwort
von Suboptimierer, 148

In den Vordergrund würde ich die Frage stellen, weshalb sich "gesunde" dafür interessieren und meinen, es besser zu wissen, weshalb ein psychisch Kranker so ist wie er ist.

Es gibt erfahrungsgemäß nur zwei mögliche Gründe: Entweder jemand will sich dadurch aufspielen oder jemand will einem anderen verstehen und helfen.
Wenn dein Bruder dich fertig machen muss, um sich als besser darzustellen, ist er selber auch nicht ganz psychisch problemfrei. In dem Fall solltest du dich wehren und zwar, indem du deinen Bruder versuchen solltest, dazu zu bringen, sich zu überlegen, wieso er dir überhaupt Faulheit vorwirft. Was verspricht er sich davon?
Bleibt die gesamte Hausarbeit nun an deinem Bruder hängen oder was ist sein Problem?

Wenn er wirklich an deinem Wohl interessiert ist, solltest du einen Gang zurück schalten und ruhig und gelassen ihm alle Fragen beantworten.

Kommentar von Barney123 ,

Dazu ist ein depressiver halt oft nicht in der Lage. Und nun?

Kommentar von Suboptimierer ,

Das ist kein Argument. Ein Depressiver kann seine Depression immer als Grund vorweg schieben, nichts zu tun.

Trotzdem können Ratschläge nützlich sein, er solle etwas tun. Sei es nur, um einen passablen Weg zu kennen.
Vielleicht kann der Fragesteller sich ja doch überwinden.

Kommentar von Barney123 ,

Ratschläge sind auch Schläge

Beschäftige Dich einmal mit dem Thema, dann kommen auch praktikable Vorschläge

Kommentar von Suboptimierer ,

Und du werd mal konstruktiver.

Kommentar von Barney123 ,

Bevor ich antworte, lese ich mir erst alles durch. Bei ganz krassen fehlern kommentiere ich sofort

Kommentar von Kapodaster ,

Ratschläge sind auch Schläge

Na, dann müsstst du auch für die Schließung dieser Plattform plädieren ;-)

Kommentar von Barney123 ,

Sorry, der Kommentar war für einen anderen Post gedacht, weiß nicht, was da passiert ist, finde den gerade nicht

Kommentar von Suboptimierer ,

? Welcher Kommentar war für einen anderen Post gedacht? Handelt es sich etwa nur um ein Missverständnis?

Kommentar von Barney123 ,

Also nochmal langsam zum Mitdenken:

Hallo Suboptimierer,

Oben habe ich aus versehen Deine Antwort kommentiert. Eigentlich wollte ich eine andere Antwort kommentieren. Da ich den Text aber in einem externen Editor geschrieben habe, ist wohl irgendwie die dazugehörige Antwort gescrollt, so dass der Kommentar bei Deiner Antwort gelandet ist. Ja, es handelt sich um ein Missverständnis. Wenn Du noch einmal genau durchliest, dass merkst Du dass mein Kommentar gar nicht zu Deiner Antwort passt!

Verstanden oder muss ich ausführlicher erklären?

Kommentar von Suboptimierer ,

Wegen mir musst du nichts noch ausführlicher erklären.

Danke, dass du das noch richtig gestellt hast. Ich war wirklich die ganze Zeit am rätseln, was an meinem Rat so schlimm sein soll.

Kommentar von Barney123 ,

Hallo Suboptimierer,

wünsche dir ein gutes Selbstbewusstesein, dass Du Dich nicht so leicht verunsichern lässt. Kenne Dich schon seit mehreren Posts, aber wenn Du Müll schreiben würdest, warest Du mir deswegen bekant. Bist mir nicht negativ aufgefallen

barney

Kommentar von Suboptimierer ,

Selbstbewusstsein ist etwas, das man entweder hat oder nicht. Die Fragen, wie man selbstbewusster werden kann, finde ich mitunter am schwersten.

Selbstbewusstsein ist auch im Grunde für niemanden verkehrt. Man müsste sich schon eine Situation konstruieren, in der Selbstbewusstsein von Nachteil ist.

Aber du hast recht, sonderlich selbstbewusst bin ich nicht.

Kommentar von Suboptimierer ,

Ich denke auch immer viel nach über das, was ich mache. Ein selbstbewusster Mensch würde sein Handeln immer a priori für richtig erachten. Es gäbe keine Zweifel.

Kommentar von Barney123 ,

Ein selbstbewusster Mensch würde sein Handeln immer a priori für richtig erachten.

Das wäre dann übersteigertes Selbstbewusstsein, das den Bezug zur Realität verloren hat.

Kommentar von Barney123 ,

Der Kommentar war auf die Antwort von DODOsBack gedacht!

Antwort
von CountDracula, 154

Hallo,

ich stimme meinen Vorrednern nicht zu. So etwas wie 'sich nicht in jemanden hineinversetzen können' bedeutet für mich nur 'zu faul dazu sein, es wirklich zu versuchen'. Was sollen denn zum Beispiel Schauspieler sagen, die sich in tonnenweise verschiedene Charaktere hineinversetzen müssen?

Nebenbei ist 'Verständnis' für mich etwas anderes als 'Akzeptanz'... wenn ich etwas akzeptiere, nehme ich es so, wie es ist. Dabei muss ich es aber nicht unebdingt verstehen.

Kommentar von Suboptimierer ,

Es gibt unterschiedliche Gründe, weshalb sich viele Menschen nicht in andere (oder nur selektiv) hinein versetzen.

  • Es war nie notwendig
  • Es bringt einen Teil des eigenen Inneren nach außen
  • Pauschales Misstrauen
  • Geringe Schnittmenge der Perspektive auf das Leben
  • Angst, sich selber damit herunter zu ziehen

Es muss erst einmal überhaupt ein Anlass gefunden werden, weshalb man sich in andere Menschen auch nur versuchen soll, einzufühlen.
Es ist wie eine Art Spende, ein stützender Arm. Der sich Hineinfühlende hat direkt erstmal nichts davon, sich in jemanden hinein zu versetzen, höchstens nur noch mehr Probleme, als er sowieso schon hat.

Kommentar von CountDracula ,

Das sind für mich alles keine Gründe.

  • Es ist immer notwendig. Ausnahmslos. Wer das nicht so sieht, hat etwas nicht verstanden.
  • Tut es nicht.
  • Auch, wenn ich jemandem misstraue, kann ich versuchen, mich in ihn hineinzuversetzen.
  • Ausrede
  • Ausrede

Wer nicht völlig blind durchs Leben läuft, findet in jeder Situation einen Anlass. Natürlich hat der sich Hineinfühlende etwas davon, nämlich das Verständnis für die Person und ihre Handlungen. Verständnis verhindert Aufregung (wenn man versteht, wieso jemand etwas macht, regt man sich viel weniger darüber auf) und Missverständnisse. Dass jemand durch Verständnis mehr Probleme hat, halte ich für lächerlich.

Grüße von einer ausgebildeten Streitschlichterin.

Kommentar von Suboptimierer ,

"Es ist immer notwendig. Ausnahmslos. Wer das nicht so sieht, hat etwas nicht verstanden."

Dann ist aber Faulheit nicht mehr der einzige Grund, sondern es kommt noch Unverständnis hinzu.

"Tut es nicht" (auf: "Es bringt einen Teil des eigenen Inneren nach außen")

Man kann sich immer nur soweit in andere hinein versetzen, wie man sich selber darin wiederfindet.

Jemand, der noch nie z. B. Drogen genommen hat, kann sich nicht in jemanden hinein versetzen, der gerade Drogen genommen hat.

Wenn ich denke, dass jemand traurig ist, dann nur, weil ich mir vorstelle, in der gleichen Situation traurig zu sein.
Ich zeige, dass ich in der Situation traurig wäre.

...

"Auch, wenn ich jemandem misstraue, kann ich versuchen, mich in ihn hineinzuversetzen."

Kann man, so ticken viele aber nicht. Für vielen formt sich recht früh ein Bild von einem Menschen. Ist dieses nicht gut, hält man es für nicht der Mühe wert, sich in denjenigen hinein zu versetzen.

Und davon mal ab - man kann sich auch gar nicht in jeden hineinversetzen. Das würde jeden überfordern, auch dich.

Ich manche kann man sich deswegen nicht hineinversetzen, weil man zu wenige Informationen über ihn hat.

Dass du so tust, als lohne es sich, sich in jeden hinein zu versetzen verursacht unnötigen Stress. JEDER wäre überfordert.

"Ausrede" (auf: "Geringe Schnittmenge der Perspektive auf das Leben")

Das ist keine Ausrede. Wir in unserer westlichen Welt sind zum Beispiel gar nicht in der Lage, uns in die Köpfe von Menschen eines Buschvolks hinein zu versetzen.

Die haben einen ganz anderen Bezug zur Natur. Ihr Umfeld ist ganz anders, ihre Bräuche, ihre Gepflogenheiten, ...
Wenn einer von denen einem anderen zum Beispiel eine Kokusnuss reicht, freut der sich darüber, ist es normal oder ist es eine Aufforderung für ein Duell, sodass er sich fürchtet. Oder ärgert er sich, weil es eine Beleidigung ist?

Ich wüsste es nicht und könnte nur an der Reaktion beurteilen.

"Ausrede" (auf: "Angst, sich selber damit herunter zu ziehen")

Ängste sind niemals Ausreden und die Angst ist immer real (auch wenn es das Angstobjekt nicht ist).

Kommentar von CountDracula ,

Du hast noch nie (Online-)Rollenspiele gespielt, oder? Man kann sich in jeden Menschen hineinversetzen, wenn man nur will, unabhängig davon, ob man schonmal in seiner Situation war oder nicht. Dazu muss man sich nur gut genug mit seiner Situation auseinandersetzen.

Und natürlich sind Ängste Ausreden, denn Ängste kann man überwinden, wenn man sich nur nicht einredet, man könnte es nicht.

Kommentar von Suboptimierer ,

Nein, mit (Online-)Rollenspielen kenne ich mich aus. 

Aus dieser Naivität heraus kann ich mit Leichtigkeit behaupten, dass ich immer eine Eigeninterpretation an den Tag legen würde, würde ich mich in jemanden anderes hinein versetzen wollen. 

Ich könnte keine Gefühle nachempfinden, die ich nicht selbst empfinden würde.

Kommentar von Barney123 ,

Hallo Bloodsuckerin,

So etwas wie 'sich nicht in jemanden hineinversetzen können' bedeutet für mich nur 'zu faul dazu sein, es wirklich zu versuchen'.

Für ein respektvolles Miteinander ist es ja unerlässlich sich in den
Anderen hineinzuversetzen. Das ist ja das Wesen der Empathie. Mit dem Anderen mitfühlen. Viele Konflikte werden ja nur deshalb nicht gelöst und werden immer schlimmer, weil die Kontrahenten nicht versuchen, den Anderen zu verstehen. Ich denke auch, dass viele Psychische Erkrankungen einen viel schwereren Verlauf nehmen und auch schwerer therapierbar sind, weil die Menschen nur gelernt haben, ihre eigene Meinung dem Anderen aufzudrücken. Aber das ist schon Gewalt und das Bündel
Vorurteile das viele von uns mitbekommen haben sind da eher Hinderlich als Hilfreich.

Antwort
von BrainsRevenge, 164

Die Leute, die so auf dich reagieren, sind in der Begegnung mit dir einfach mit ihren eigenen Gefühlen überfordert und emotional unreif. Sie können oder wollen deine Probleme nicht nachempfinden, nehmen einfach die für sie passenste Erklärung und hauen sie raus - faul.

Und sie brauchen anscheinend auch eine Erklärung und sind nicht in der Lage, etwas Unverständliches einfach offen zu lassen. Sie könnten ja auch einfach sagen: "Tut mir leid, ich verstehe das nicht" oder vielleicht noch: "Mich interessiert das nicht, ich will es nicht hören" Das wäre wenigstens noch ehrlich. Aber ... sie werten ab - leider. Und das tun sie, weil sie ihre eigene Unfähigkeit nicht ertragen können oder wollen und auf dich abwälzen.

Man kann sowas wie psychische Erkrankungen und Störungen nicht  einfach mit seinen Verstand erfassen, dazu braucht es, wie du schon gesagt hast, Empathie. Gut, wenn du sie noch hast und Symptome zeigst. Das ist wertvoll.

Kümmere dich nicht so sehr um das Unverständnis der anderen, sondern als erstes um dich selbst.

Kommentar von BrainsRevenge ,

So sieht es für mich zumindest gerade aus, ich bin allerdings auch krank und mir fehlt ein wenig die Perspektive der "Gesunden".

Es kommt auch immer darauf an, wie diese Begegnungen zustande kommen und wie sie von der Kommunikation her ablaufen. Das Unverständnis der anderen solltest du zunächst als Gegebenheit nämlich genauso akzeptieren, wie sie deine "Faulheit".

Diese Basis muss erstmal her und die Bereitschaft sich gegenseitig verstehen und nachempfinden zu wollen, wenn man weiter reden möchte.

Antwort
von devinha35, 52

hallo..das hat viel mit Oberflächlichkeit seitens deiner Mitmenschen zu tun. Ich glaube das Verhalten meiner Mitmenschen hat mich auch sehr krank gemacht. Meistens werden sowieso die falschen in einer Psychatrie behandelt-das ist so mein Empfinden. Wir leben eben in einer sehr egoistischen, leistungsorentierten Welt voller Wettbewerb, Machtkampf blabla. Denke du kommst halt einfach nicht so ganz damit klar-für dich sind vielleicht diese anderen die geisteskranken

Antwort
von Indivia, 39

Es gibt da so einen schönen Spruch: " versuche mal einem blinden dieFarben zu erklären" ,ausserdem gibt es elider auch viele Leute die wirklich faul sind und dies als Depression bezeichnen, dadurch hat man dann schnell ein gewisses Bild, ähnlich wie bei Hartz4 Empfängern.

Ich kenne allerdings auch gesunde die einen besser verstehen als psychisch kranke.

Antwort
von Kinnay79, 54

Das was du beschreibst, erlebe ich oft im Alltag. Ich persönlich sehe die Problematik darin, dass es auch viele Menschen gibt, die oft nur Aufmerksamkeit haben wollen und in Wirklichkeit gar nicht krank sind. Sie wollen sich nur wichtig machen. Dadurch fällt es dem Außenstehenden schwer richtig zu beurteilen, ob jemand wirklich krank ist, oder, ob er nur Aufmerksamkeit haben will. 

Antwort
von Piratin2000, 216

Ich schätze die meisten machen es sich halt einfach. Nicht gross nachdenken, abstempeln. Vor allem die Familie muss sich dann keine Sorgen machen.

Antwort
von 2012infrage, 172

Ich kann verstehen, dass Du das fragst und ich stimme den meisten Antwortgebern auch zu. Gab ja schon gute Antworten. Und es tut mir leid, dass Du Dein Leben so wahrnimmst.

Was mich eher beschäftigt, ist die Frage, gibt es heute mehr Depressive, seelisch Kranke? Es muss ja so sein, allein hier die vielen Fragen von jungen Leuten. Oder ist es etwas, was zwar durchaus existiert, aber "ausgedehnt" wurde, damit, wie mit allem, Geld verdient werden kann? Und die Geldsumme sollte nicht unterschätzt werden.

In meiner Jugend und auch noch Jungerwachsenenzeit gab es das Wort Depression und Therapeut gar nicht. Ich kannte niemanden, der das anders wahrgenommen hat, diese Worte waren wirklich völlig unbekannt. Heute gehört es ja schon fast zum guten Ton, einen Therapeuten zu haben. Sehr "amerikanisch". 

Ich habe das Gefühl, dass die Menschen weicher geworden sind, anfälliger, lebensunfähiger. Die Grossmutter meines Mannes musste mit der Ungewissheit leben, ob ihr Mann tot ist, denn er kam nicht mehr aus dem Krieg heim. Der zweite Mann hat sich aufgehangen, der hatte psychische Probleme, geboren aus seiner persönlichen Kriegs-Erfahrung und dem, was seinen Enkeln danach als "Wahrheit" aufgetischt wurde. Nichts, was man lösen hätte können mit einer Therapie. Meine Grosseltern hatten zwei Kriege überlebt, im Zuchthaus gesessen, ein Kind im Bauch verhungert, 2mal völlig ausgebombt - nach dem Krieg ging es gleich weiter, man war froh, überlebt zu haben. Depressionen? Konnte sich keiner leisten. Ich kenne auch heute noch Leute, die Probleme haben, keine kleinen, im Sinne von Angst vor dem Leben und dem Versagen haben, keine Beziehung finden, die hält, Sinnlosigkeit des Lebens etc. - die behaupten nicht, sie hätten eine Krankheit, sie kämpfen sich da durch. 

Ohne Dir persönlich zu nahe treten zu wollen, ich kenne Dich ja nicht: der Grad zwischen echter Krankheit und eingebildeter ist sehr fein. Ich glaub aber auch, dass viele junge Menschen heute gar nicht mehr wissen, dass ein gewisses Durchbeißen einfach im Leben dazu gehört, das Überwinden von bestimmten Ängsten, das Überwinden von Schwierigkeiten, das Durchstehen von Zeiten, wo es nicht so gut läuft, eine Lehre mit einem schwierigen Chef z.B. Heute wird schnell das Handtuch geworfen - weil man es sich leisten kann. Und weil man von der Gesellschaft suggeriert bekommt: dass das Leben Spass macht, die Gutaussehenden, Körpertrainierten, die Witzigen, die Karrierestrebenden die Normalen sind und wer da nicht reinpasst, der hat sie nicht mehr alle, der ist selbst dran Schuld. 

Ich meine, es ist doch ein Widerspruch: da wird behauptet, dass Dtld. ein Paradies ist, dass alle da gut leben können, wenn sie nur wollen und hart arbeiten, dass es noch nie besser ging, jeder kann alles haben und hat ja auch (fast) alles - und dann gibt es Millionen von seelisch Kranken, von Menschen mit Depressionen? Tendenz steigend? Was stimmt da also nicht? Die eine oder die andere Seite. Aber zusammen passen tut es nicht. 

Und Leben ist kein Zuckerschlecken, Leben ist ein tägliches Sich-selbst-überwinden, sich durchbeißen, sich motivieren und manchmal hängt man eben auch durch. Was heute oft als Krankheit wahrgenommen wird, das ist einfach nur das Leben in seiner Vielfalt und mind. die Hälfte davon ist nicht schön anzusehen oder zu empfinden. Hilfe kann da nicht von außen, sondern nur von innen kommen.

Ich sag nicht, dass es keine psychischen Krankheiten gibt, das nicht, doch die wirklich Kranken, die gehen in diesem Wust von Depressiven unter. 

Ich leb in einem Entwicklungsland, einem der ärmsten Länder SA, und man sollte meinen, die Menschen hier haben Probleme, haben sie auch - aber ich kenne nicht einen einzigen Depressiven. Nicht einen. Ihr Blick ist ein anderer, sie könnten es sich gar nicht leisten depressiv zu sein, sie wissen nicht einmal, dass es so etwas gibt. Sie arbeiten, sie geben das Geld heute aus um zu feiern, und sie feiern oft, und morgen ist morgen, es wird schon - mañana. Und es wird irgendwie auch. Ich hab so viel über das Leben gelernt von diesen Menschen, die wir als arm bezeichnen, bloss weil sie in einer Lehmhütte wohnen.

LG - und das ist meine persönliche Meinung, geboren aus meinen persönlichen Erfahrungen!

Kommentar von Mewchen ,

Es gibt nicht mehr Betroffene als früher, es ist einfach weniger ein Tabu darüber zu reden.

Kommentar von Barney123 ,

Hallo 2012 in Frage.

Ich stelle Deine Antwort in Frage.

Wir leben Heute in einer Zeit des Umbruchs, der Veränderung. Das stellt Anforderungen an die Menschen, für die es in der Vergangenheit keine Notwendigkeit gab. Du erzählst aus einem Entwicklungsland in Südamerika. Da leben die Menschen in ihren Gemeinschaften wie seit Jahrtausenden. Sie sind in die Umgebung integriert und es gibt Standardlösungen, die in die moderne Welt ganz einfach nicht passen und zu Konflikten führen. Auch wie die Konflikte früher gelöst wurden passt nicht mehr in die heutige Zeit. Schon deshalb ist Dein Modell nicht in die heutige Zeit übertragbar. Demokratie stellt ganz andere Anforderungen an die Menschen, denn Demokratie ist eine sehr junge Staatsform und ich zweifle daran, dass die Demokratie in dem von Dir bewohnten Entwicklungsland sehr weit gediehen ist. Die Demokratie in Deutschland entwickelt sich gerade und in vielen Bereichen herrscht noch Kaiserreich. Das ist ein Spannungsfeld, in dem muss sich jeder Einzelne erst einmal einrichten!

Ich will Dir einmal das Leben meiner Schwiegermutter erzählen, die in der von dier geschilderten Zeit gelebt hat. Oh erstauenen: Sie war stark depressiv und kam mit dem Leben überhaupt nicht zurecht. War aber gleichzeitig stur und bockig und wollte alles bestimmen, weil sie sonst nicht zurechtgekommen ist.Ja sie hat sich durchs Leben durchgebissen: Auf Kosten der restlichen Familie. Nein Danke, dann lieber eine psychische Erkrankung und es wird ordentlich geholfen!

Kommentar von Barney123 ,

Hallo, muss noch was anderes in Frage stellen:

In meiner Jugend und auch noch Jungerwachsenenzeit gab es das Wort Depression und Therapeut gar nicht.

Habe mal Tante Google (In dem Entwicklungsland wo du lebst, da gibt es doch Tante Google?) gefragt, und nachgeschaut, woher der Begriff Depression kommt. habe folgendes Zitat gefunden, und zwar in Psychiatrischer Fachliteratur. Eine weitere Quellenangabe ist ja zitiert:

etwa seit 1845, dem Erscheinen der ersten Auflage von Griesingers „Pathologie und Therapie der psychischen Krankheiten“. Die Konzentrierung auf eben diesen wissenschaftsgeschichtlichen Zeitraum ist geboten, da sich ein theoretisch und klinisch fundiertes Problembewußtsein für eine mögliche Differenzierung von Angst und Depression konsequent erst seit der Mitte des 19. Jahrhunderts nachweisen läßt.

Nur weil du das nicht wusstest, heißt das und in Deiner Umgebung darüber nicht gerdet wurde, heißt das noch lange nicht, dass es das nicht gab.

Kommentar von 2012infrage ,

Hallo Barney,

ich bin in der ehemaligen DDR aufgewachsen und lebe seit vielen Jahren in SA. 

Ich zweifele nicht an Menschen, die psychische Erkrankungen haben, ich zweifele nur daran, dass es so viele sind. Denn dann stimmt etwas nicht in der vielgelobten Demokratie, mit der Gesellschaft. Denn wenn in einem Volk Millionen Menschen von Depressionen befallen sind mit ständig steigender Tendenz, was sagt das insgesamt über die Gesellschaft aus?!!

Wenn hier Jugendliche zuhauf fragen: "Ich sehe keinen Lebenssinn, ich hab zu nichts Lust, mein Vater hackt auf mir rum, deswegen trau ich mich nicht raus - hab ich eine Depression?" - Und dann viele Antworten kommen im Sinne von: "Das kann eine Depression sein, geh mal zum Therapeuten." Bitte? Interessant ist auch, dass es vielfach Jugendliche sind, die sich gleich selbst die Diagnose stellen.

Weißt Du, ich habe ein Kind verloren und hatte da und auch in anderen Phasen Situationen, wo ich unten war, aber da ich das Wort Depression gar nicht kannte, bin ich aufgestanden. Mit Hilfe meines Mannes. Wir ziehen uns immer gegenseitig aus dem Sumpf. Und Sümpfe lauern überall. So ist das Leben.

Und gerade die Kriegsgeneration, die hatte allen Grund depressiv zu sein, wie o.g. Opa. Es gab ein gesellschaftliches Trauma in dieser Zeit der nach dem Krieg (wenn überhaupt) heimkehrenden Männer, wo die Frauen die Verantwortung übernommen hatten und die Männer sich als Verlierer fühlten. Vielleicht wirkt sowas auch irgendwie nach. 

Doch wenn man voll verantwortlich wär für sein Leben, d.h. heute arbeiten, morgen davon essen, wer nichts tut, hat nichts zum Essen - wie säh es dann aus? 

Nachdenklich macht mich Dein Satz: "Auch wie die Konflikte früher gelöst wurden passt nicht mehr in die heutige Zeit." Ja, wie werden denn Konflikte heute gelöst - in der Therapie? Und ist das besser? Und die Depressionen steigen trotzdem? 

Ich hab mal von einem Dr. Franke gelesen, der fast selbst depressiv wurde, weil seiner Meinung nach Therapien nicht wirklich helfen. Alle Patienten stehen früher oder später wieder auf der Matte. 

Beenden wir das hier. Wie gesagt, ich hab in der DDR gelebt, etliche Jahre im Westen und in SA - ich denk schon, dass ich eine Relation habe. Doch streite ich gar nicht ab, was Du sagst - ich denke, wir haben beide Recht. 

Liebe Grüße 2012infrage

 

Kommentar von Barney123 ,

Hallo da muss ich mal was in Frage stellen,
ich zweifele nur daran, dass es so viele sind. Denn dann stimmt etwas nicht in der vielgelobten Demokratie, mit der Gesellschaft.
Ich habe es Dir ja schon geschrieben: wir leben in einer Zeit des Umbruchs. Aus dem Kaiserreich wird nun Demokratie. Da ändert sich vieles! Aus der Gefallsucht wird eine eigene Einstellung und die Leute bekommen ihre eigene Meinung. Aber viele Vorgesetzte fühlen sich nach wie vor als die unangefochtenen Herrscher. Das passt nicht in die Heutige Zeit. Wir leben in einer Zeit in der selbst Spezialisten ihr Fachgebiet nicht mehr überblicken. Überall gibt es neue Erkenntnisse. Ich selbst habe noch erlebt und erlebe es immer noch, dass es Menschen gibt, die glauben, dass sie die Meinungshoheit haben. Aber wenn wir nur die Quellen prüfen, stellen wir fest, dass die Spezialisten halt nicht alle wissen.
Die sogenannten Autoritäten glauben noch immer sie hätten die Wahrheit gepachtet. Das ist aber nicht so. Ja, es stimmt etwas nicht nicht in unserer Demokratie. Es ist die Überzeugung der Eliten, sie wüssten Alles!
Ich erlebe immer wieder, dass es Menschen gibt, die unbarmherzig, oder soll ich sagen größenwahnsinnig glauben, sie hätten die Wahrheit für sich gepachtet?
Es ist som, dass die Menschen in ihrer Erziehung erleben, dass die Autoritäten nicht mer alles wissen können, aber es werden noch immer Menschen  in Vorgesetztenpositionen gehoben, die genau das von sich glauben und zu leben versuchen. Aber das funktioniert heute nicht mehr. Schon Jesper Juul stellt das in seinem Essay " Wollen wir starke und gesunde Kinder" fest. Die Gesellschaft ist noch nicht so weit das zu verstehen. Zbd ja, die Jugendlichen sind da bersonders in diesem Spannungsfeld und fragen
"Ich sehe keinen Lebenssinn, ich hab zu nichts Lust, mein Vater hackt auf mir rum, deswegen trau ich mich nicht raus - hab ich eine Depression?"
Deine Frage
" Ja, wie werden denn Konflikte heute gelöst - in der Therapie? Und ist das besser?"
kann ich einerseits verstehen, aber andererseits auch eindeutig beantworten:
Ja es ist besser, diese Frage in Therapie zu beantworten! Denn es hilft uns nichts, irgend jemandem einen Vorwurf zu machen! Wir müssen mit der Problematik hier und jetzt zurechtkommen und es hilft uns nichts den Verursachern einen Vorwurf zu machen! Das ist es was die Leute in den Therapien lernen. Sie müssen mit den aktuellen Schwierigkeiten umgehen lernen und eine Lösung für sich selbst finden, ohne Anderen einen Vorwurf zu machen!
Die Depressionen steigen momentan noch an. weil einerseits noch Kaiserreich herrscht, andererseits die Menschen aber schon in der Demokratie leben. Das habe ich selbst erlebt. Der Anspruch, den die Heutige Gesellschaft erhebt, können  die meisten Menschen gar nicht leben. Und es gibt viele, die damit nicht zurechtkommen, und die bekommen psychische Probleme. Da werden auch viele Leistungsträger aus der Gesellschaft ausgeschleust und in Vorruhestand geschickt. Da muss man genau hinschauen.

LG

Kommentar von 2012infrage ,

Hallo Barney,

ich bin in der ehemaligen DDR aufgewachsen und lebe seit vielen Jahren in SA. 

Ich zweifele ganz und gar nicht an Menschen, die psychische Erkrankungen haben, ich zweifele nur daran, dass es so viele sind. Denn dann stimmt etwas nicht in der vielgelobten Demokratie, mit der Gesellschaft. Wenn in einem Volk Millionen Menschen von Depressionen befallen sind mit ständig steigender Tendenz, was sagt das insgesamt über die Gesellschaft aus? 

Wenn hier Jugendliche zuhauf fragen: "Ich sehe keinen Lebenssinn, ich hab zu nichts Lust, mein Vater hackt auf mir rum, deswegen trau ich mich nicht raus - hab ich eine Depression?" - Und dann viele Antworten kommen im Sinne von: "Das kann eine Depression sein, geh mal zum Therapeuten." Bitte? Interessant ist auch, dass es vielfach Jugendliche sind, die sich gleich selbst die Diagnose stellen oder sich selbst gleich einweisen wollen.

Weißt Du, ich habe ein Kind verloren und hatte da und auch in anderen Phasen Situationen, wo ich unten war, aber da ich das Wort Depression gar nicht kannte, bin ich aufgestanden. Mit Hilfe meines Mannes. Wir ziehen uns immer gegenseitig aus dem Sumpf. Und Sümpfe lauern überall. So ist das Leben.

Und gerade die Kriegsgeneration, die hatte allen Grund depressiv zu sein, wie o.g. Opa. Es gab ein gesellschaftliches Trauma in dieser Zeit der nach dem Krieg (wenn überhaupt) heimkehrenden Männer, wo die Frauen die Verantwortung übernommen hatten und die Männer sich als Verlierer fühlten. Vielleicht wirkt sowas auch irgendwie nach. 

Doch wenn man voll verantwortlich wär für sein Leben, d.h. heute arbeiten, morgen davon essen, wer nichts tut, hat nichts zum Essen - wie säh es dann aus? 

Nachdenklich macht mich Dein Satz: "Auch wie die Konflikte früher gelöst wurden passt nicht mehr in die heutige Zeit." Ja, wie werden denn Konflikte heute gelöst - in der Therapie? Und ist das besser? Und die Depressionen steigen trotzdem? Die Depression ist eine der größten Volkskrankheiten! Das muss doch etwas aussagen?

Ich hab mal von einem Dr. Franke gelesen, der fast selbst depressiv wurde, weil seiner Erfahrung nach Therapien nicht wirklich helfen. Alle Patienten standen früher oder später wieder auf der Matte. 

Beenden wir das hier. Wie gesagt, ich hab in der DDR gelebt, etliche Jahre im Westen und in SA - ich denk schon, dass ich eine Relation habe. Doch streite ich gar nicht ab, was Du sagst - ich denke, wir haben beide Recht. 

Liebe Grüße 2012infrage und eine stressfreie Weihnachtszeit, gelle!

Kommentar von CountDracula ,


Wenn hier Jugendliche zuhauf fragen: "Ich sehe keinen Lebenssinn, ich hab zu nichts Lust, mein Vater hackt auf mir rum, deswegen trau ich mich nicht raus - hab ich eine Depression?" - Und dann viele Antworten kommen im Sinne von: "Das kann eine Depression sein, geh mal zum Therapeuten." Bitte?

Was ist so schlimm daran, wenn man ihnen rät, zum Therapeuten zu gehen? Der Therapeut beginnt nicht gleich mit einer Therapie und einen sofort mit Medikamenten vollstopfen macht er schon gar nicht. Es braucht erstmal mindestens zehn Sitzungen, bis überhaupt eine Diagnose gestellt wird. Dann erst beginnt die Therapie - vorausgesetzt, sie ist nötig. Das ist wie bei jedem anderen Arzt auch: Er untersucht Dich, und wenn er eine Behandlung für nötig hält, führt er sie durch. Ansonsten nicht.


Übrigens haben Depressionen nicht immer eine erkennbare äußere Ursache. Mittlerweile wird die Ursache von psychischen Erkrankungen wie Depressionen viel mehr im Gehirn der Betroffenen vermutet.


Weißt Du, ich habe ein Kind verloren und hatte da und auch in anderen Phasen Situationen, wo ich unten war, aber da ich das Wort Depression gar nicht kannte, bin ich aufgestanden. Mit Hilfe meines Mannes. Wir ziehen uns immer gegenseitig aus dem Sumpf. Und Sümpfe lauern überall. So ist das Leben.

Depressionen bedeuten nicht, dass man nicht wieder aufstehen kann. Depressionen sind - wie jede andere Erkrankung auch - durch bestimmte Symptome definiert. Im Falle von Depressionen müssen diese Symptome über einen gewissen Zeitraum vorhanden gewesen sein, damit die Diagnose 'Depressionen' gestellt wird. Dass die Symptome nicht wieder verschwinden dürfen/können, steht nirgends.


Und gerade die Kriegsgeneration, die hatte allen Grund depressiv zu sein, wie o.g. Opa. Es gab ein gesellschaftliches Trauma in dieser Zeit der nach dem Krieg (wenn überhaupt) heimkehrenden Männer, wo die Frauen die Verantwortung übernommen hatten und die Männer sich als Verlierer fühlten. Vielleicht wirkt sowas auch irgendwie nach. 

Traumatische Erlebnisse wie Kriege verursachen viel eher PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung) als Depressionen. Die beiden Erkrankungen können - wie die meisten anderen Erkrankungen auch - gleichzeitig auftreten, aber sie müssen es nicht.


Nachdenklich macht mich Dein Satz: "Auch wie die Konflikte früher gelöst wurden passt nicht mehr in die heutige Zeit." Ja, wie werden denn Konflikte heute gelöst - in der Therapie? Und ist das besser?

In einer Therapie werden innere Konflikte - also Konflikte, die eine Person mit sich selbst hat - gelöst. Und ja, das ist oftmals deutlich besser als die Art und Weise, auf die sie früher gelöst wurden.


Für zwischenmenschliche Konflikte sind wir Mediatoren zuständig. Und ja, auch das ist oftmals besser als die Art und Weise, auf die sie früher gelöst wurden.


Ich hab mal von einem Dr. Franke gelesen, der fast selbst depressiv wurde, weil seiner Erfahrung nach Therapien nicht wirklich helfen. Alle Patienten standen früher oder später wieder auf der Matte. 

Das bedeutet aber nicht, dass Therapien generell nicht helfen. Bei mir beispielsweise hilft sie sehr gut. Allerdings sind Depressionen wie Seelenkrebs, und die Therapie ist wie eine Chemotherapie für die Psyche: SIe ist anstrengend und langwierig, und bei manchen hilft sie und bei anderen nicht. Auch, wenn sie hilft, kann es sein, dass der Seelenkrebs zurückkehrt - genau so wie bei körperlichem Krebs. Würdest Du auch sagen, dass Chemotherapien generell nicht helfen, nur, weil der Krebs bei manchen zurückkehrt?

Antwort
von Pemmaus, 157

Ich spreche es es jedem ab, wenn er behauptet, dass er sich in den anderen heineinversetzen kann. Es sei denn, er hat genau das auch erlebt. Genau wie du nicht verstehst, warum dein Bruder dich als faul empfindet, versteht er nicht, warum du es nicht bist.

Abgesehen davon, wird meines Erachtens die Diagnose Depression oftmals viel zu schnell gestellt, genau wie ADHS und wie so etwas alles heißt. Ich war mal in einer Reha, wo vorwiegend depressive Menschen behandelt wurden. Ich selbst war aber eigentlich NUR total erschöpft, es gab eine entsprechende Vorgeschichte dazu, die ich auch von Anfang an offen auf den Tisch legte. Und trotzdem wurde mir eine - wenn auch leichte - depressive Phase attestiert. Ja, ich sollte sogar Antidepressiva schlucken. Dies verweigerte ich, weil ich von Anfang an überzeugt war, wenn ich wieder körperlich zu Kräften gelange, dann verschwindet auch all das, was nur annähernd mit Depression zu tun hat... und so war es auch.

Ich möchte dir keinesfalls nahe treten - ich kenne dich nicht und weiß auch nicht, wie ausgeprägt deine Ängste sind. Nur eines weiß ich: Wenn du dich besser fühlen willst: MUSST DU ES SELSBST IN DIE HAND NEHMEN. Dabei lass dir professionell helfen, dabei braucht man manchmal kleine Anstupser. Aber wenn Du einmal erkannt hast, dass du Fortschritte machst, wenn Du selbst aktiv wirst, wird auch Dein Umfeld deinen Willen erkennen, ja und dir vielleicht auch helfen.

Vielleicht beginnst du mit Bewegung an frischer Luft? Jeden Tag... ein bisschen. Das kann schon wahre Wunder bewirken in Richtung Motivation und Wohlfühlfaktor. Viel Glück!

Kommentar von Mewchen ,

Bewegung ist definitiv sehr gut. Hat mir zusätzlich zu den Medikamenten sehr gut geholfen. Mittlerweile brauche ich die Medis nicht mehr und komme super so klar.

Antwort
von Harvix, 230

Menschen die nicht die selben Probleme wie du haben oder hatten können sich nicht in deine Lage einfühlen. Sie haben es eben selbst nicht erlebt.

Antwort
von Russpelzx3, 191

Weil sie es nie erlebt haben. Wenn du dir nie was gebrochen hast, dann weißt du auch nicht wie sich das anfühlt, oder? Und du solltest mal einen Psychologen aufsuchen

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