Warum verletzen Menschen sich gegenseitig ohne es zu merken?

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8 Antworten

Alle Menschen missverstehen sich täglich. Meistens fällt es nicht auf und ist somit kein Problem. Wir können einander nicht in den Kopf gucken und die Übertragung des einen Kopf- bzw. Denkinhaltes an die Denkinhalte einer anderen Person über Sprache ist immer fehlerhaft und lückenhaft. Wir können Missverständnisse also reduzieren, aber nie ganz ausschließen. 

Gravierende Missverständnisse können schonmal dazu führen, dass eine/r verletzt wird. Aber wo ist jetzt die Verantwortung zu suchen? Bei dem, der sich missverständlich ausgedrückt hat oder bei dem, der missverstanden hat? Beide haben einen Anteil daran. Der Missverstandene kann natürlich nicht wissen, dass er missverstanden wurde, wenn der Missverstehende diese Verletzung nicht erklärt. Es muss also ein Missverständnis entdeckt und aufgeklärt werden, damit man überhaupt daraus lernen kann.

So viel zu deiner Frage, wieso Menschen sich gegenseitig verletzen, ohne es zu merken.

Nun zu deiner Frage, warum wir daraus lernen sollten, wenn sich viele nicht daran halten (eine sehr missverständliche Formulierung - WORAN halten sich viele nicht? Meinst du "wenn viele daraus nicht zu lernen scheinen"? Ich wähle jedenfalls diese Option als Grundlage meiner Antwort.):

Wir lernen ja nicht daraus, indem wir uns anstrengen, sondern es passiert so nebenbei. Das nennt man auch inzidentelles Lernen. Es stellt sich aber die Frage, ob man das Gelernte auch anwendet.

Es halten sich viele Menschen nicht an die Regeln im Straßenverkehr. Das Resultat sind viele tausend Tote im Jahr. Würden jetzt alle Menschen resignieren und aufhören, sich an die Verkehrsregeln zu halten - was meinst du? Würde die Situation sich verbessern (weniger Tote), würde sie ungefähr so bleiben, wie sie ist (ebensoviele Tote) oder würde sie sich verschlechtern (mehr Tote)?

Wenn man erreichen will, dass man weniger missverstanden wird und weniger missversteht, sollte man aus seinen Missverständnissen lernen und das Gelernte auch anwenden. Es würde deutlich mehr Verletzung durch Missverständnisse geben, wenn niemand mehr bestrebt wäre, seine Kommunikation zu verbessern. Es würde auch gravierende Probleme im Berufsleben nach sich ziehen, basieren viele Jobs doch gerade darauf, gezielt Missverständnisse zu vermeiden (zum Beispiel im telefonischen technischen Support).

Generell kann man sagen, dass das, was die Gesellschaft einigermaßen zusammenhält, das Bestreben ist, etwas besser zu machen und persönliche und soziale Ziele zu erreichen (die immer darin bestehen, einen aktuellen Zustand in einen zukünftigen Zustand zu überführen, den man besser findet). Perfektion kann man natürlich nicht erreichen, aber deshalb gleich den Kopf in den Sand zu stecken wäre eine Form der Gleichgültigkeit, die für gewöhnlich weder den persönlichen Interessen entspricht, noch irgendwelche positiven Konsequenzen für denjenigen nach sich zieht, der es tut.

Darüber hinaus würde daraus folgen, dass ALLE Menschen (denn ALLE deine Interaktionspartner sind von deinem Missverständnisvermeidungsverhalten betroffen und tragen diese Erfahrung in Kommunikation mit anderen weiter) die Konsequenzen dafür tragen müssen, dass EINIGE Menschen sich dämlich anstellen oder vielleicht länger zum Lernen brauchen. Wenn du also fair gegenüber denjenigen sein möchtest, die sich anstrengen, das aus ihren Missverständnissen Gelernte anzuwenden, musst du zwangsläufig auch deine Kenntnisse und Erfahrungen anwenden.

Zuletzt sei noch angemerkt, dass Menschen nicht "nicht lernen", bloß weil sie nicht das lernen, was du von ihnen willst. Mit Sicherheit lernt jeder aus seinen Missverständnissen (und aus allen Lebenssituationen, das fällt ebenfalls unter inzidentelles Lernen). Aber WAS daraus gelernt wird, kann sich gravierend unterscheiden.

Wenn viele kleine Menschen an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, verändert sich das Gesicht der Welt.

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Deine Frage ist durchaus berechtigt und verständlich.

Aber es geht um die kleinen dinge, die ewas bewegen. Je sensibler du auf andere eingehst und dich selbst kontrollierst, zurücknimmst, ihnen entgegenkommst,mal ein anderes Verhalten zeigst oder übernimmst- das kann einen Versuch wert sein!- desto mehr zeigst du Menschlichkeit und nicht Ingnoranz.

Jeder empfindet sein Gegenüber anders. der eine vertritt eine harte Marschlinie , überrumpelt seinen Nächsten und der soll damit zurechtkommen und gefälligst in der Spur bleiben oder auf diese kommen. Dieser Macher merkt nicht, wie verunsichert der andere ist, wie verletzt er sich fühlt, denn er ist bereits beim nächsten "Opfer" angekommen. Hier nützt nur ein energisches lautes Stopp, um den zum Anhalten zu bringen und eine klare Ansage, was gelaufen ist und wie es gewirkt hat. Kann sein,dass er umdenkt.

Der andere geht leise vor,  weil er aber einen Macher vor sich hat, reagiert der verwundert und belächelt sein Gegenüber nur. Es passiert erst mal nichts oder es wird ins Lächerliche gezogen.

Wir sollten bei unseren Handlungen und Begegnungen immer versuchen, den Menschen als Ganzes zu sehen und nicht nur, wie er gerade vor uns steht. Der mürrische Mann beim Bäcker, der sich vordrängt und alles beiseite trompetet, hat einen schlechten Tag, er hat mies geschlafen, er fühlt sich fürchterlich, er hat keine Zeit und keinen Nerv für die Umgebung, er nimmt die anderen Menschen gar nicht zur Kenntnis.

Wie wäre es, ihm freundlich Platz zu machen und ihm einen sehr zugewandten Blick und ein paar nette Worte zu schenken? Er wäre verwundert und selbst  wenn er nicht reagiert, so etwas streichelt ihn und baut ihn wieder auf. Er kann freundlicher mit sich selbst und anderen sein.

So eine kleine Zuwendung hat uns allen schon mal geholfen. ein Wort des Verständnisses, wo Schimpfen das gewesen wäre, was uns als erstes in den Sinn gekommen ist, eine Nachfrage bei jemandem, den man nicht so mag, ein kompliment an eine Frau, die sich um Haltung bemüht, ein Gruß an den Grußvermeider, der uns täglich sauer entgegenkommt...so etwas kann einen großen Stein ins Rollen bringen und uns allen den Glauben an das Gute wiedergeben und nur dafür lohnt sich das Kämpfen und der tägliche einsatz hin zum Leben.

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Kommentar von hanfmannlein
28.06.2016, 09:39

Ja, leider klappt das bei den meisten nicht.
Ich denke viele haben dafür einfach kein Gespühr.
Ich benutze sogar mit bedacht meine Worte, es wirkt bei manchen so als würde ihnen der Sinn dafür einach fehlen.

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Ganz einfach: es sind auch nur Menschen und können keine Gedanken lesen.

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In solchen Fällen sind meistens beide Schuld. Der der den anderen verletzt, weil er geredet hat, ohne vorher darüber nachzudenken, und derjenige, der zu viel da hineininterpretiert hat. Wenn ausversehen etwas verletzender aus einem herausrutscht, dann ist das mMn nicht so schlimm, wie wenn man absichtlich jemanden verletzt. Es kann zum Beispiel daran liegen, dass falsch eingeschätzt wird, wie viel Selbstironie eine Person hat.

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Warum verletzen Menschen sich gegenseitig ohne es zu merken?

Weil es manchen an der notwendigen Empathie mangelt, zu erkennen, wenn sie jemanden emotional verletzen. Missverständnisse treten auf, weil es an der notwendigen Telepathie mangelt, diese Missverständnisse zu vermeiden.

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Wir sollten daraus lernen, um uns weiterzuentwickeln, dass sollten wir aber nicht nur wegen den anderen machen, sondern vor allem für uns selbst. Und vor allem, wir wollen doch nicht wirklich wie die anderen sein, sondern besser.

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weil einige Menschen empfindsamer sind als andere und damit auch verletzbarer, dies zu erahnen ist manchmal unmöglich

weil einige Menschen Hornhaut auf der Seele haben und wenig feinfühlig sind

aber auch:

weil einige Menschen die Wahrheit sagen, die andere nicht hören wollen

Wir müssen gar nichts aus dem Verhalten anderer lernen, sondern das tun, was wir im Gewissen und Herzen als richtig erkennen. Ob man jemanden verletzt oder missversteht, ist weniger wichtig als dass man ihn nicht verletzen will.

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Weil das was den anderen verletzt ist für mich vielleicht normal. Man schiebt den schmerz lieber auf den anderen als auf sich selbst. Egoismus spielt da ne grosse rolle

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