Warum vergleichen wir uns mit unseren Mitmenschen, um uns besser zu fühlen, aber haben Mitleid bei Behinderten, Armen etc.?

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6 Antworten

Janis Beitrag ist da sehr richtig-unsere Empfindungen sind da recht verworren bzw. liegt in ihnen mehr,als wir annehmen. Die Entscheidung für einen sozialen Beruf wird oft mit dem Effekt des "Gesundheitsvorsprungs" begründet,d.h.Menschen,die Probleme mit ihrem Selbstbild haben,tendieren dazu,sich in ein Umfeld zu begeben,in dem sie trotzdem "herausragen",also unter Kranke,Behinderte,Tiere,Kinder usw. Nicht im unangenehm-dominierenden Sinn,wobei das leider auch vorkommen kann,sondern man fühlt sich gut und "hilft"-eigentlich sich selbst. Frag mal gestrauchelte Personen,oft hörst Du,"ich würd ja gern was arbeiten,mit Kindern oder Tieren oder so.."  
Ich bin Krankenpfleger und muss einiges aus dieser Argumentation auch für mich verbuchen,z. B.erinnere ich mich bei meiner Berufswahl daran,daß ich nichts wollte,was einen größeren Konkurrenzkampf beinhaltet. Naja,solange es den Geholfenen nutzt,ist es ja nicht grundfalsch.
Zum Bemitleiden-es gibt eine interessante "Gaffertheorie",warum stehen wir so gebannt an Orten des Dramas..?
Weil wir spüren,daß wir leben,wenn es einen anderen erwischt hat. Wir sind noch hier. Das Schicksal/der Tod/die Gottheit hat sich ein anderes Opfer geholt. Für einen Moment ist die Gefahr vorbei,der Hunger des Namenlosen gestillt. Und wir sind noch da.
Das kann man abgemildert auch für Mitleid einsetzen.
Wir sind schon eine tolle Truppe!
Aber Danke,sehr schöne Frage und Beiträge!! :)

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Kommentar von ThermalChunk
25.05.2016, 21:59

Das viele Leute den es auch schlecht geht solche Berufe vorstellen können, kann auch daran liegen, dass diese einfach sich besser mit so welchen Menschen identifizieren können oder einfach nicht wollen , dass andere Menschen auf sie herabsehen. Aber bei manchen mag das vielleicht der Fall sein. Ich weiß es ehrlich gesagt nicht..

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Kommentar von RheumaBaer
26.05.2016, 00:26

Im Zweifel-hilft es Helfern und Geholfenen,muss nichts Böses daran sein. Aber ein Krankenhaus-Extremsanierer schrieb stolz in einem Buch,"die sentimentale Einstellung der Ärzte und Pflegenden den Patienten gegenüber macht es leicht,kostenlose Überstunden zu realisieren.."
DAS ist widerlich.
Ist pflegen überhaupt nur eine Aufarbeitung des kindlichen Sadismus oder ein geistiger Defekt..?
Doch erstmal-Gute Nacht!! :)

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Zusätzlich zu dem was JaniXfX geschrieben hat:
Es ist menschlich sich zu vergleichen. Und gesellschaftlich gesehen auch sinnvoll. Würden wir uns nicht vergleichen gäbe es viele Dinge mitunter nicht. Diese Vergleicherei findet ihren Höhepunkt zb. in Sportveranstaltungen. Es hat also auch durchaus positive Aspekte.

Ich vermute das Ganze ist eine Mischung aus Egoismus und Notwendigkeit. Wir vergleichen uns mit Leuten denen es schlechter geht - aber nicht zu schlecht weil man sonst nicht gut vergleichen kann - damit wir einen Sinn in uns sehen und uns selbst bestätigen. Stell dir einen Menschen vor, der sich mit niemandem vergleichen würde - der keine Idee hätte ob er es gut oder schlecht macht ODER der immer denkt er macht es schlecht weil es keinen gibt dem es noch schlechter geht. Wir Menschen brauchen - immer einen Vergleich. Egal ob es um Geld, Sport, Anerkennung, Macht, Gefühle was auch immer geht. Nur wenn wir vergleichen wissen wir a) was gut zu uns passt und b) was man besser oder schlechter machen könnte. Und niemand auf dieser Welt hält sich für einen schlechten Menschen. Jeder hat seine Gründe so zu sein wie er ist. Und diese Gründe kommen auch sehr oft aus Vergleichen.
Man muss es nicht werten - man kann es auch einfach so nehmen wie es ist.

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Kommentar von ThermalChunk
24.05.2016, 10:06

Ich denke auch , dass es Notwendig ist sich zu vergleichen. 

Die Frage ist nur, ob man es auf einer rein objektiven Ebene macht oder aus reiner Unsicherheit. Letzteres ist denke ich nicht notwendig und sollte so gut es geht in unserer Gesellschaft vermieden werden..

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Halo ThermalChunk,

ich komme aus einer tiefenpsychologischen Richtung. Häufig habe ich schon gehört, dies sei die "dunkle" Seite der Psychologie... deshalb ist die Antwort auch "dunkel"...

Ein Kölner Professor für Psychologie sagte mal: "Altruismus ist Sadismus am ausgeführten Objekt". Jede Form von Mitmenschlichkeit hat IMMER einen Eigennutz. Das will sich natürlich niemand schnell eingestehen, weil es unheimlich kränkend ist... aber auch wenn man einem Obdachlosen spendet, ist das eine Form von Vergleich. Danach geht es einem besser. Dem Obdachlosen in der Regel nicht wirklich. Ich erkläre das gerne mit Chirurgen: Man glaubt immer, das seien Lebensretter für Menschen in Not. Es stellt sich aber heraus: Chirurgen schneiden einfach gerne an Menschen herum. Das sind perfektionierende Schlitzer. Und genau so entmenschlicht sehen sie auch ihre Patienten: es heißt nicht mehr "Herr Bauer..." sondern "Die Milz auf Zimmer vier".

Unterm Strich: Wenn man das so ausspricht, dann tut man immer allen weh und jeder empört sich darüber. Das liegt aber daran, dass das Thema so moralisch aufgeladen ist und jeder gleich eine Wertung vornimmt. Das kann man aber auch mal ohne Wertung betrachten: Denn selbst, wenn jemand aus eigennützlichen Motiven etwas mit Mehrwert tut, hat es doch etwas Gutes?!

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Kommentar von Kitharea
24.05.2016, 09:38

Gut dass du den letzten Absatz noch geschrieben hast^^

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Kommentar von ThermalChunk
24.05.2016, 10:02

Warum ist es eine Form von Vergleich ist, wenn man bspw. einem Obdachlosen etwas spendet? Ich dachte ehrlich gesagt, dass Menschen spenden, weil sie sich dann über sich selbst besser fühlen (, da sie etwas gutes getan haben...) oder weil es einem selbst besser geht dass es anderen (vermutlich) besser geht, aber das wir uns dabei mit Obdachlosen vergleichen ist denke ich nicht der Fall. 

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Kommentar von MaliniBieni
27.05.2016, 05:15

Ich denke man kann sagen, dass selbstloses Handeln trotzdem existiert Natürlich tut man letztendlich alles aufgrund eines persönlichen Gewinnes Aber die Menschen, die einen persönlichen Gewinn bekommen indem sie anderen helfen bezeichnen wir als selbstlos. Und das ist auch sinnvoll, denn die Begriffe selbstlos und egoistisch sind hier auf verschiedenen Ebenen. Auch wenn es letztendlich tiefenpsychologisch egoistisch ist jemandem zu helfen, weil man sich dadurch besser fühlt ist es dennoch eine positive Charaktereigenschaft den persönlichen Gewinn durch das Glück anderer zu bekommen. Man könnte sagen dass die tiefenpsychologische Selbstbezogenheit positive Wertungen wie "selbstlos" nicht berühren und auch nicht negieren, weil es beim selbstlos sein nicht um die tiefenpsychologische Begründung geht sondern darum wie man handelt

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Ich vergleiche mich nur mit Obdachlosen, die ich persönlich kenne.

Und da brauch ich mich nicht besser fühlen, weil es einfach so ist, daß ich mein Leben besser auf die Reihe bekomme als sie (bei ähnlichen Ausgangsbedingungen...). o.O

Mitleid braucht kein Mensch. Aber Mitgefühl und ggf nötige Hilfe, sofern das gewünscht wird.

warehouse14

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Ich vergleiche mich mit Obdachlosn und danke Gott das ich nicht auf der Straße leben muss... Dankbarkeit nennt sich das ganze.

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weil die Menschen in der heutigen Zeit einfach zu verwöhnt geworden sind und vieles nichtmehr zu schätzen wissen.

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