Frage von talkingStone, 59

Warum vergisst man die schlechten erlebnisse wenn jemand stirbt?

Wenn wir jemanden vermissen, dann haben wir automatisch nur die schönen Erlebnisse im kopf oder die negativen Erlebnisse werden in schöne umgewandelt, wieso ist das so?

Antwort
von Tasha, 20

Ich denke, das ist nicht immer so. Wenn jemand starb, der einem wenig bedeutete und der einen ständig ärgerte, erinnert man sich auch noch gut daran!

Aber wenn jemand, der einem etwas bedeutete, gestorben ist, trauert man. Wenn man trauert, trauert man natürlich nur um die guten Eigenschaften des Menschen. Zudem ärgert man sich über die meisten Eigenschaften (lebender Menschen) immer wieder neu, man vergisst sie, bis man wieder in die Situation kommt, in der jemand unhöflich oder frech ist, einen ärgert oder ignoriert oder nervt. Meistens wird man an diese Eigenschaften nur erinnert, wenn eine entsprechende Situation ansteht. 

Wenn jemand z.B. immer beim Fernsehen vor dem Bildschirm steht oder in spannenden Szenen anfängt zu reden, ärgern wir uns, sobald man wieder mit diesem Menschen fernsehen muss. Nicht zwischendurch. Nicht, wenn wir mit ihm Tennis spielen oder so.

Wenn nun jemand gestorben ist, stehen diese Situationen, in denen wir uns über ihn ärgern, ja nicht mehr an und wir betrauern ja nur die Eigenschaften und Situationen, die wir mit/an ihm genossen haben. Durch das Trauern verblasst die Erinnerung an die negativen Seiten oft.

Test: 

Wer jemanden betrauert (hat), der schon länger tot ist (also nicht akut in Trauer ist), soll sich mal vorstellen, er müsste mit ihm noch mal so eine Situation durchleben, in der er sich immer über ihn geärgert hat. Natürlich würden die meisten sagen, "wenn ich ihn noch einmal sehen könnte, würde ich keine Probleme mit der Situation haben!" - aber wenn dann diese Situation immer wieder kommen würde, würde man sich doch wieder ärgern und die Person nicht mehr hundertprozentig positiv wahrnehmen.

 Jeder Mensch hat nervige Seiten, der eine mehr, der andere weniger. Und man ärgert sich zurecht darüber, besonders, wenn jemand in bestimmten Situationen sich absichtlich nervend/ ärgernd/ provozierend verhält. Nur diese Seite an ihm betrauert man nicht, daher vergisst man sie. Würde man wieder ständig damit konfrontiert, würde man sich vermutlich auch wieder darüber ärgern, jedenfalls mit der Zeit.

Kommentar von talkingStone ,

Aber widerspricht sich das nicht, denn wenn man die Gefühle nur in den entsprechenden Situationen hat, dann müsste man doch auch die guten Eigenschaften vergessen. Wieso erinnert man sich eigentlich dann nur an dje schlechten Eigenschaften, wenn sie gerade auftreten?

Kommentar von Tasha ,

Ich denke mal, wenn man mit bestimmten Menschen oft zusammensein muss (Familie) oder möchte (Freunde), dann konzentriert man sich auf ihre positiven Eigenschaften, bis die negativen auftreten. Wenn es mich stört, dass jemand beim Essen rülpst, dann stört mich das ja nur, wenn ich mit ihm esse. In allen anderen Situationen nicht. Also denke ich nur daran, wenn es absehbar ist, dass ich mit ihm esse.  Die guten Eigenschaften oder schönen Erinnerungen sind aber das, was man betrauert. Wenn man an den Verstorbenen denkt, dann erinnert man sich an alles, von dem man bedauert, dass es nicht mehr da ist (Eigenschaften wie Humor, Freundlichkeit, Intelligenz, oder schöne Situationen/ Erlebnisse mit ihm). Man betrauert ja nicht, dass er einen jetzt nicht mehr ärgern kann, jedenfalls nicht, wenn einen das massiv gestört hat. Ggf. bedauert man, dass man sich zu sehr über das Ärgern gestört hat. 

In der Geschichte "Der (kleine) Tannenbaum" von Andersen

http://www.maerchen.com/andersen/der-tannenbaum.php

wird das mMn sehr schön verdeutlicht: Das Nichtige, worüber man sich früher geärgert hat, wird idealisiert, wenn es unwiederbringlich vorbei ist, das andere, das einen wirklich gestört hat (hier z.B. das Fällen des Baumes) vergisst man. Man sehnt ja die vergangene Zeit herbei - in der Geschichte die Zeit im Wald, die Gesellschaft der Mäuse etc. - und nicht die vergangenen Qualen im weitesten Sinne.

Wenn (in der Kindheit) die Tante tot ist, die einem immer in die Wangen gekniffen hat, betrauert man nicht, dass sie das nicht mehr tun kann - man würde sich immer noch darüber ärgern, wenn sie das wieder täte - sondern dass man nicht mehr mit ihr zusammen in den Zoo gehen kann etc. Würde man sich beständig ärgern, wenn man an einen Verstorbenen denkt, würde man ja gar nicht trauern! Dann wäre man doch froh, dass er tot ist! Um zu trauern, muss man bedauern, dass die schöne Zeit mit ihm vorbei ist, sonst würde man sich ja freuen, dass sie schlechte Zeit mit ihm vorbei ist.

Antwort
von Suboptimierer, 21

Ich vermute, dass hängt mit einem sich Bewussstwerden dessen zusammen, dass uns alle am Ende dasselbe Los ereilt - der Tod.

Man fängt an mitzufühlen, zu verstehen, die Art und Weise, wie der Mensch mit seinem Leben eine Bereicherung für die Welt sein zu wollen. Jeder hat einen Antrieb. Jeder hat Ziele.

Desweiteren wirst du nicht mehr die Chance haben, mit demjenigen ins Reine zu kommen. Es könnte ein Mechanismus sein, der nach dem Positiven im Menschen sucht, um ihn als in der Summe Bereicherung in Erinnerung zu behalten. Selbst schlimme Taten kann man sich so als Lerneffekt schön reden.

Das hat natürlich alles seine Grenzen und nicht jeder ist dazu in der Lage, alles Schlechte zu ignorieren.
Man versucht aber, das Schlechte nicht auf ewig an einem nagen zu lassen.

Das wäre meine Idee, weshalb das so sein könnte.

Antwort
von M4ISSCHLEUDER, 18

Warum das so ist kann ich dir leider nicht sagen, aber es ist wichtig dass das passiert, da die Dinge sonst sehr  belastend wirken und dein Leben einschränken könnten.

Antwort
von CrEdo85wiederDa, 27

Weil es die Natur des Menschen ist, alles unwiderruflich vergangene zu idealisieren.

Kommentar von Tasha ,

Nicht wirklich. Jedenfalls nicht bei jedem. Die meisten kennen ältere Verwandte, die sich immer noch wiederholt über längst vergangene, schlechte Situationen oder unmögliche Menschen ärgern. Die lange nach der Rente ihren ehemaligen Chef noch hassen, nicht mehr mit ihrer Schwester oder ihrem Vater reden, weil die vor Jahren etwas Schlechtes/ Böses/ Demütigendes getan haben, immer noch die ehemals beste Freundin hassen, die ihnen zu Jugendzeiten den ersten Freund ausgespannt hat etc. Davon gibt es viele Beispiele; auch Leute, die Verstorbene über deren Tod hinaus hassen, oft sogar aus nichtigen Gründen.

Kommentar von CrEdo85wiederDa ,

ok, ich korrigiere mich: wenn man jemand vermisst, dann liegt es in der Natur des Menschen die mit dieser person verbundenen Erinnerungen zu idealisieren.

Antwort
von sunshinegirl200, 25

Das ist nicht immer so aber wenn das so ist dann ist es doch zu deinem guten man soll sich von schlechten dingen ja nicht runterziehen lassen

Kommentar von talkingStone ,

Man lässt sich ja dadurch runterziehen, dass die guten Dinge nicht mehr passieren 

Kommentar von sunshinegirl200 ,

aber es wird ja noch schlimmer wenn man nur die schlechten Erlebnisse mit der Person im kopf hat

Kommentar von talkingStone ,

Mindert das nicht eher das vermissen ab? Also die schlechten Eigenschaften des Menschen 

Kommentar von sunshinegirl200 ,

klar vermisst du die schönen Erinnerungen aber wenn du es aus einer anderen perspektive beobachtest dann siehst du, dass es schlimmer wäre wenn du mehr schlechte Erinnerungen hast weil du dann vielleicht einige Sachen bereust.

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