Frage von sabbel008, 135

Warum verdrängt man negative Ereignisse schneller und leichter?

Und warum ist es so schwer, das Ereignis so zu akzeptieren,wie es ist? Bzw. Mit anderen darüber zu reden? Und warum können verdrängte negative Ereignisse selbst Jahre später noch durch Schlüsselreize wider hoch kommen, obwohl die ganzen Jahre davor nicht bis kaum an das Ereignis gedacht hat, und das Leben für kurze Zeit total auf den Kopf stellen? So viele Fragen... Im voraus schon ein mal Danke für die Antworten

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von TheTrueSherlock, 50

Negative Ereignisse verdrängt man schneller und leichter als was..?
Man verdrängt ja NUR negative Ereignisse (sofern es so weit kommt). Und denke auch nicht, dass das leicht fällt.. Aber manchmal verdrängt man so krasse Dinge wie eine Vergewaltigung leichter, als das man sich damit in der Realität auseinandersetzen müsste.

In der Psychologie gibt es verschiedene Theorien, die auch über Verdrängung gehen. Rogers zum Beispiel sagt, dass eine Verdrängung dann passiert, wenn Real- und Idealselbst zu weit auseinander sind. Real- und Idealselbst: Das eine ist wie du bist und das andere ist wie du bzw. die Umwelt dich gern hätte. Wenn die Diskrepanz zu groß ist und dann noch eine Erfahrung kommt, die du nicht in dein Selbstkonzept integrieren kannst, dann kommt es zu einer Verdrängung. Das Selbstkonzept beinhaltet alle Überzeugen etc. von der eigenen Person. Wenn du zum Beispiel als Selbstkonzept hast, dass du gut in Mathe bist und dann aber eine fünf als Note bekommst, dann stimmt das nicht überein. Entweder akzeptierst du das und weißt bestenfalls noch woran es gelegen hat (wenig gelernt, unkonzentriert gewesen -> du kannst die Erfahrung in dein Selbstkonzept integrieren) ODER du verleugnest/verdrängst die Erfahrung (du kannst die Erfahrung nicht in dein Selbstkonzept integrieren) -> "Ich habe doch keine fünf bekommen" (der Weg ist in dem Beispiel weniger realistisch) bzw. du suchst die Schuld bei den Anderen: "Der Lehrer hasst mich und drückt mir jetzt noch mit Fleiß eine schlechte Note rein". Somit hast du schon die Erfahrung verdrängt.

Sigmund Freud hat auch einen Ansatz dazu, würde hier jetzt vielleicht den Rahmen sprengen, das auch noch zu erklären :P

Naja, du kannst auf alle Fälle Dinge verdrängen, aber diese verdrängten Inhalte beeinflussen nach wie vor dein Erleben und Verhalten (so sieht das zum Beispiel auch Freud). So kannst du heftige Kriegserfahrungen (du hast jemanden sterben sehen, Schüsse etc.) als Kind verdrängt haben, aber im Alter hast du Herzprobleme. Das kann unter anderem auch wegen den Verdrängungen sein, denn etwas zu verdrängen und die Erfahrung im Unbewusstsein "einzusperren" und nicht wieder hochkommen zu lassen, kostet Kraft und Energie.

Entweder kommen die Erlebnisse wieder hoch, weil deine Psyche nicht mehr die Kraft hat, das weiter zu verdrängen und/oder du hast ein neues auslösendes Ereignis. Zum Beispiel wurdest du als kleines Kind vergewaltigt, hast das verdrängt und stoßt i-wann im Erwachsenenalter auf eine Dokumentation über Vergewaltigung etc. Das kann alles mögliche sein, was in i-einer Beziehung zu dem Erlebnis steht.

Hoffe das war verständlich.. :)

Kommentar von sabbel008 ,

Danke für die Antwort sie war verständlich ;) Aber um jetzt mal bei der Theorie von Rogers zu bleiben: wie kann man im Nachhinein damit umgehen, wenn man über die Diskrepanz zwischen Ideal und Selbstwert noch nicht ganz weggekommen ist?

Kommentar von TheTrueSherlock ,

Freut mich :)
Du meinst sicherlich Real- und Idealselbst. Eine Lücke wird dazwischen immer sein, allerdings darf die nicht zu groß werden. Wenn du zum Beispiel einem Hobby nachgehen würdest, was du eigentlich nicht magst, aber du machst es halt, wegen deinen Eltern oder einer Freundin zuliebe. Das wäre dein Realselbst, allerdings sagt dein Idealselbst, dass du viel lieber einer anderen Freizeitbeschäftigung nachgehen würdest. Ergo du bist unzufrieden und solche Geschichten sollte man vermeiden. Man sollte sich daran orientieren, wie man selbst gerne sein möchte und nicht immer das machen, was andere sagen. Bzw. sollte man sich nicht zu hohe (evtl. unerreichbare) Ziele setzen. Zum Beispiel wenn du die beste Pianistin auf der Welt werden willst und aber kaum Noten lesen kannst, dann stimmt i-was nicht und es herrscht ebenfalls eine große Diskrepanz zwischen Real- und Idealselbst.

Am wichtigsten ist, dass du ein flexibles Selbstkonzept hast. Dass du Erfahrungen, die mit deinen vorherigen Erfahrungen  bzw. so wie du dachtest zu sein, nicht zusammen passen. Am Beispiel der Schulnote: Versuche zu hinterfragen, warum es nicht geklappt hat. Akzeptiere diese neue Erfahrung und versuche beim nächsten Mal besser zu lernen etc. Manchmal muss man sich auch eingestehen, dass man falsch über sich dachte (vielleicht ist man in Mathe doch nicht so gut, wie man annahm?).

Kommentar von TheTrueSherlock ,

Dankeschön :)

Kommentar von sabbel008 ,

Bitte (:

Antwort
von rockylady, 67

Verdrängte Ereignisse können wieder hochkommen - weil sie eben verdrängt wurden, und nicht bearbeitet, also verkraftet und losgelassen. Hierbei kann es sich auch um Trauma handeln.

Ein negatives Ereignis hat eine 7-fach stärkere Wirkung auf die Psyche als ein positives. Dswg ist es sehr wichtig, viel für sein eigenes Glück & Wohlbefinden zu tun.

Kommentar von sabbel008 ,

Und wie kann man sie im Nachhinein am besten verkraften bzw. loslassen?

Kommentar von rockylady ,

Sich ganz bewusst mit den Dingen auseinanderzusetzen. Heißt, dem Unangenehmen gegenüber (ob Ereignisse, andere Personen, und auch sich selbst) die Augen zu öffnen und sich der Angst vor dem dazugehörigen Schmerz zu stellen. Vergebung ist hier ein großes Stichwort, anderen und auch sich selbst vergeben zu können, ist eine große Herausforderung. Zu akzeptieren - dass genau das - das Leben ist.

Das kann viel Kraft kosten, wswg eine psychische Therapie hierbei sehr helfen kann. 

Kommentar von TheTrueSherlock ,

Es gibt sicherlich Menschen, die ein positives Ereignis stärker wahrnehmen und sich von einem Rückschlag nicht beirren lassen. Also würde ich nicht sagen, dass bei jedem Mensch ein negatives Ereignis eine 7-fache stärkere Wirkung auf die Psyche hat als ein positives.. Woher hast du die Zahl?

Kommentar von rockylady ,

ehrlich gesagt aus einem Interview auf ARD in einer Doku, welches ein Psychologe gegeben hat ...lief letztes Jahr, kann leider keine richtige Quellenangabe machen. Es war aber absolut authentisch und ich hab diese Info einfach nicht mehr vergessen.

Kommentar von TheTrueSherlock ,

hmm okay krass, aber finde ich persönlich i-wie komisch

Kommentar von rockylady ,

du hast aber sicher Recht damit, dass es mit davon abhängt, wie gefestigt jemand prinzipiell ist. Die Wirkung ist hier wohl die gleiche, macht sich aber nicht drastisch bemerkbar.

Antwort
von xNerdGirlx, 63

Man hat nicht daran gedacht, weil man es verdrängt hat. Die Psyche braucht Zeit, man kann z.B. nicht nach 2 Wochen schon 100 % über eine Trennung hinweg sein. Klar, man kann es sich so gut es geht einreden, aber mit dem einreden fängt man an, die verletzten Gefühle zu unterdrücken. Klar kommen die dann irgendwann wieder hoch, man muss sie wirklich verarbeiten und Wege dafür finden, diese Trauer loszuwerden. Unterdrücken geht da nicht.. 

Antwort
von TheDeadTriller, 37

Hallo sabbel 008,

mann akzeptiert die meisten ,,Negativen" ereignisse nicht,weil man (häufig) denkt,das man noch etwas machen kònnte,bevor das ereignis geschah,wie zB verlust einer Familienperson wie (Oma,Mutter,Vater,Bruder,usw...). bei diesen ereignissen fragt man sich immer: warum haben sie die hoffnung aufgegeben?,warum musste das passieren,usw... Mann denkt eben man könnte das ereignis ,,Verhindern".

,,Warum wird man sich immer wieder daran erinnern?"

weil man merkt,das irgendetwas fehlt,oder weil einem klar wird, das man einen fehler gemacht hat,der nicht wieder rückgängig gemacht werden kann.

Hoffe konnte es richtig beschreiben (-?
P.S: Sorry für die Rechtschreibfehler.

LG,DeadTriller

Kommentar von sabbel008 ,

Ja du hast er richtig beschrieben. (: Wie meinst du, kann man dieses Gefühl vorher eventuell irgendetwas Falsch gemacht zu haben verarbeiten?

Antwort
von motivatio, 43

Weil du durch den Schock ein Trauma erlitten hast welches wehgetan hat und deine Psyche diese Erfahrung abspeichert um dich vor einer Wiederholung zu schützen.

Antwort
von Pollypopopocket, 45

Du meinst warum man negative Ergebnisse bzw Erfahrungen nicht so schnell verdrängt? Ganz einfach , weil man sich an die schlimmsten Dinge, die einem schon mal passiert sind einfach am besten erinnern kann

Kommentar von sabbel008 ,

aber warum ist das denn eigentlich so?

Kommentar von xNerdGirlx ,

Ich kann mir vorstellen, dass das ja wie eine Art Schock ist und dieser Schock eben sehr doll prägt. Etwas gutes passiert oft, man muss nur etwas unternehmen was Spaß macht und schon wird das hedonische System angeregt. Was Trauriges passiert eher seltener (es sei denn man hat oft Pech ^^) und deshalb ist es schwieriger.

Antwort
von newcomer, 37

weil das Unterbewusstsein des Menschen seine eigenen Regeln hat

http://www.psychotipps.com/unterbewusstsein.html

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