Frage von Aspectulex, 118

Warum verdiene ich als 18-jähriger nicht Mindestlohn?

Seit dem 01. August arbeite ich bei einem großen Hersteller für Küchenmöbel. Die ersten drei Wochen befanden sich innerhalb der Sommerferien. Obwohl ich bereits volljährig war musste ich für diesen Zeitraum keinen Arbeitsvertrag unterzeichnen, auf meine Nachfrage hin, wie hoch denn mein Stundenlohn sei wusste mein Vorgesetzter auch nicht genau bescheid (letztlich hab ich es auf mich zukommen lassen). Im Anschluss an diese drei Wochen habe ich mein Arbeitsverhältnis wiederum um vier Wochen verlängert, da ich seit Juli nicht mehr schulpflichtig bin. Bei Antritt dieser vier Wochen habe ich dann einen Vertrag bekommen, der Stundenlohn betrug ab dem Zeitpunkt 10 €

Vor ein paar Tagen habe ich die schriftliche Verdienstabrechnung per Post erhalten: Stundenlohn für die ersten drei Wochen→ 7,5 € ... und das obwohl ich wie gesagt 18 war und doch eigentlich Anspruch auf Mindestlohn habe.

Woran könnte das liegen? Habe ich so wenig verdient weil ich aufgrund der Arbeitszeit in den Sommerferien als simpler Ferienjobber wahrgenommen wurde? Wie gehe ich am besten vor?

Danke schon mal im Voraus :)

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Familiengerd, Community-Experte für Arbeitsrecht, 29

Wenn Du bei Beginn des Arbeitsverhältnisses am 01.08. schon volljährig wahrst, hattest Du von Anfang an Anspruch auf den gesetzlichen Mindestlohn.

Ich gehe dabei davon aus, dass es sich bei Deinen Angaben zu den Stundenlöhnen um die Bruttolöhne handelt (also vor Abzug von Steuern und Sozialabgaben). 

Die Tatsache, dass die ersten 3 Wochen Deines Beschäftigungsverhältnisses in Deinen Sommerferien lagen, dass Du nur "als simpler Ferienjobber wahrgenommen" wurdest, spielt für Deinen Anspruch auf den Mindestlohn überhaupt keine Rolle! Auch volljährige Schuler, Ferienjobber haben Anspruch auf den Mindestlohn.

Du kannst die Lohnbuchhaltung auf diesen Fehler hinweisen - denn vielleicht handelt es sich tatsächlich nur um einen Irrtum.

Ich kann aber nicht beurteilen, inwieweit sich ein "Reklamieren" Deinerseits auf die Haltung Deines Arbeitgebers Dir gegenüber möglicherweise auswirkt, ob sich ein möglicher Konflikt überhaupt "lohnt", auch wenn Du im Recht bist - aber "Recht haben" und "Recht bekommen" sind leider viel zu oft zwei sehr verschiedene Dinge.

Ich kann allerdings vollkommen nachvollziehen, wenn Dir ein "Nachgeben" in dieser Frage sozusagen "schwer runtergeht" - ich würde es jedenfalls nicht "schlucken" - das muss ein Arbeitnehmer in seiner schwächeren Position dem Arbeitgeber gegenüber viel zu oft tun!

Kommentar von Aspectulex ,

Danke für deine sehr ausführliche Frage :)

Genau, gemeint waren die Bruttolöhne. Keine Angst, mein Arbeitsverhältnis endet nächste Woche. Diese juristische Tatsache werde ich jedenfalls höflich aber bestimmt bei der Buchhaltung zur Sprache kommen lassen

Kommentar von Familiengerd ,

Dann viel Glück!

Die gesetzlichen Grundlagen für Deine Ansprüche findest Du im Mindestlohngesetz MiLoG auf der Seite "Gesetze im Internetz" des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz: https://www.gesetze-im-internet.de/milog/

Hier sind es vor allem die nicht auf Dich zutreffenden Ausnahmen, die Du für Dich also ausschließen kannst: § 22 "Persönlicher Anwendungsbereich" und § 24 "Übergangsregelung".

Antwort
von bronkhorst, 24
Bei Antritt dieser vier Wochen habe ich dann einen Vertrag bekommen, der Stundenlohn betrug ab dem Zeitpunkt 10 €

Wenn das so ist, ist das doch auch Dein vereinbarter Bruttolohn.

Du erwähnst Deine Verdienstbescheinigung - ich vermute mal, der Betrieb hat brutto auch tatsächlich 10 € abgerechnet und Du hast nur Dein erstes deutsches Brutto-Netto-Erlebnis, weil aufgrund der Abzüge nur etwa drei Viertel bei Dir ankommen.

Niemand hat versprochen - auch mein Liebling Andrea Nahles nicht - dass bei der großen deutschen Brutto-Netto-Maschine unten wirklich mindestens 8,50 € je Stunde für den Arbeitnehmer ankommen...

Falls das so ist - Du kannst Dich darauf einstellen, dass diese Verluste mit fortschreitender Qualifikation und Bezahlung immer schlimmer werden; daraus wäre allerdings nicht Deinem Betrieb ein Vorwurf zu machen.

Falls der Betrieb dagegen seine eigene Zusage nicht einhält und weniger als 10 € brutto zahlt, solltest Du erst mal die Personalabteilung ansprechen - Fehler sind blöd, können aber passieren... und berichtigt werden.

Kommentar von Familiengerd ,

Niemand hat versprochen - auch mein Liebling Andrea Nahles nicht - dass bei der großen deutschen Brutto-Netto-Maschine unten wirklich mindestens 8,50 € je Stunde für den Arbeitnehmer ankommen...

Selbstverständlich handelt es sich beim Mindestlohn um den Bruttolohn!!

Kommentar von bronkhorst ,

Nichts anderes habe ich gesagt... was also soll dieser Kommentar??

Kommentar von Familiengerd ,

Nun fühl Dich nicht gleich "auf den Schlips getreten"!

Deine von mir als Zitat angeführte und etwas polemische Brutto-Netto-Bemerkung kann den Schluss aufkommen lassen, es könnte auch ein Anspruch auf den Mindestlohn als Netto-Lohn gemeint sein!

Kommentar von bronkhorst ,

Deine von mir als Zitat angeführte und etwas polemische Brutto-Netto-Bemerkung kann den Schluss aufkommen lassen,

Jede Äußerung kann von irgendjemandem irgendwie verstanden werden...

Wobei ich diese Auslegung meines Satzes schrill finde...

Kommentar von Familiengerd ,

Beruhige Dich mal ...

Drück' Dich weniger missverständlich aus, dann kommt es auch nicht zu Missverständnissen (Deinen "schrillen Auslegungen")!

Antwort
von Elfi96, 71

Lese dir mal im Internet die Voraussetzungen für den Mindestlohn durch! 

Obwohl du 18 warst, hast du bisher keine Ausbildung abgeschlossen,  weshalb  der Mindestlohn nicht gezahlt werden musste. LG 

Kommentar von Familiengerd ,

Obwohl du 18 warst, hast du bisher keine Ausbildung abgeschlossen,  weshalb  der Mindestlohn nicht gezahlt werden musste.

Das ist falsch!

Bei Volljährigen spielt es keine Rolle, ob eine abgeschlossene Berufsausbildung vorliegt oder nicht: sie haben auf jeden Fall Anspruch auf den Mindestlohn (von den zeitlich begrenzen Ausnahmen und Übergangsregelungen für Langzeitarbeitslose, bei Pflichtpraktika, für Zeitungsausträger abgesehen).

Nur Minderjährige, die noch nicht über eine abgeschlossene Berufsausbildung verfügen - was der Regelfall sein dürfte - , haben kleinen Anspruch auf den Mindestlohn.

Kommentar von Familiengerd ,

Ergänzung:

Nach der Logik Deiner Aussage ("Obwohl du 18 warst, hast du bisher keine Ausbildung abgeschlossen,  weshalb  der Mindestlohn nicht gezahlt werden musste.") hätte dann auch ein z.B. 40-jähriger, der seit 24 Jahren ohne abgeschlossene Berufsausbildung arbeitet, keinen Anspruch auf den Mindestlohn.

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