Frage von Ratiodoloris, 53

Warum tut keiner was gegen die geplante Obsoleszenz?

Alle wissen es und keiner tut was! Warum ist das so? Kommt keiner gegen die Wirtschaft an oder hat keiner Interesse daran was zu ändern? Wir wären ja dazu in der Lage langlebige Produkte herzustellen, würde das die Wirtschaft wirklich so massiv schädigen?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von StefanSchridde, 6

Mit MURKS? NEIN DANKE! habe ich Februar 2012 eine erfolgreiche Kampagne gegen geplante Obsoleszenz gestartet. Seitdem ist das Thema in aller Munde. Unser Verein MURKS? NEIN DANKE! e.V. holt seit einigen Jahren immer mehr Menschen und Organisationen an Bord und zeigt konkrete Handlungsmöglichkeiten gegen geplante Obsoleszenz auf. Auf www.murks-nein-danke.de/murmsmelden machen wir Meldungen zu Fällen geplanter Obsoleszenz öffentlich und nennen Produkte und Hersteller. Mit unserer starken Medienpräsenz haben wir das Thema europaweit auf die politische und gesellschaftliche Agenda geschrieben. Doch der Druck muß stärker werden. Bitte unterstützt unsere Initiativen und Projekte, siehe www.murks-nein-danke.de/verein. Mehr Infos auf www.murks-nein-danke.de/blog und www.schridde.org. Geplante Obsoleszenz schadet allen und wir tun etwas dagegen.

Antwort
von Rosenblad, 29

Weil uns Menschen dazu offenbar die evolutionäre Ausstattung fehlt, resp. wir unseren eigenen evolutionären (biologischen, psychologischen, kulturellen) Mustern, Schemata und den von uns selbst konstruierten Attraktoren "folgen.

Stichwörter sind hier z.B. Fitness, Viabilität (Brauchbarkeit), Resilienz, Adaptivität, Selektivität, Expansion - um nur einige biologische "Verfahren" zu nennen auf denen sich dann wiederum psychologische und soziologische "Verfahren" aufbauen (z.B. Konformität, Attribution, Kommunikation usw.). Wir tun das was viele tun - und das betrifft nicht nur ökonomische Lebensinhalte.

Kommentar von tommy40629 ,

Einige tun, was viele tun, weil einige nicht nachdenken können oder nicht wollen.

Kommentar von Rosenblad ,

Auch das "Denken" (kognitive Prozesse wie Urteilen, Abwägen, Entscheiden, Planen, Deuten usw.) ist solchen Mustern unterworfen, was sich darin äußert das der überwiegende Teil unserer Entscheidungen nichtreferentiell (also unbewusst) gefällt wird.

Antwort
von Maisbaer78, 21

Wir leben in einem System mit endlichen Ressourcen. Die Ressource für stetiges Wirtschaftswachstum, das nunmal unserem kapitalistischen Wertesystem zu Grunde liegt, ist der Konsument.

Da kaum noch zahlungskräftige Märkte erschlossen werden können, muss der Intervall des Neuerwerbes verkürzt werden.

Mit deiner Frage stellst du praktisch das gesamte System in Frage.

^^  du Schlingel ;)

Wer sollte die Unternehmen den zwingen, robustere Produkte zu kaufen, die Regierung macht ja selbst mit. Immer strengere Energieeffizienzvorschriften, Abgasnormen etc.

Das am Ende für die Umwelt noch mehr Schaden entsteht, ist da schon nur noch ein Nebeneffekt.

Wenn es Unternehmen gibt, deren Produkte nachweisbar länger durchhalten, ist der Kunde gefragt in dem er diese fördert.

Kommentar von tommy40629 ,

Ich habe im Sommer einen Wasserkocher gesucht, der ohne Plastik ist und lange hält. Nach 2 Stunden habe ich einen gefunden, der wie die Stahlkessel aus Omas Zeiten ist, nur dass er im Boden die typische "Wasserkocherplatte" hat.

Kostenpunkt 120€, einen normalen bekommt man für 20€ hinterhergeworfen.

Zum Glück etablieren sich so einige Produkte immer mehr.

Bei Handys kenne ich aber kein Beispiel.

Kommentar von Maisbaer78 ,

Ja das Thema Wasserkocher hatte ich auch erst. Hab ewig gesucht, selbst die Modelle aus Edelstahl hatten immer das Problem eines wackeligen Schalters etc. Hab auch zu einem etwas hochpreisigeren Modell gegriffen in der Hoffnung, dass es sich auch in der Haltbarkeit niederschlägt.

Ich hab neulich etwas interessantes über eine Art Parallelmarkt gelesen, in dem alte Haushaltsgeräte gesucht und angeboten werden. Beispiel war ein Handrührgerät aus der ehem. DDR, dessen Beliebtheit darin begründet war, das es a) ein Metallgehäuse hatte und b) sich mit einer einzigen Schraube öffnen lies um alles reinigen und ggf Warten zu können. 
 ^^

Stückpreise von 70 Euro für ein Stück DDR Technik von 1980 fand ich schon beachtlich :)

Antwort
von whabifan, 23

Viele Hersteller stellen Produkte her die günstig sind und schnell kaputt gehen und Produkte die teurer sind und sehr lange halten. Schau dir alleine die Küchengeräte in der Gastronomie an. Ich habe in einem Betrieb gearbeitet im Sommer, wo die Kaffeemaschine nach 20 Jahren kaputt ging. Die Kaffeemaschine hat einen internen Zähler der die Kaffees zählt. Insgesammt wurden in den 20 Jahren rund 250.000 Kaffee mit der Maschine gemacht. So ein Teil kostet zwar 2000 bis 3000 Euro, wenn du dir aber die Kosten pro Kaffee ausrechnest, dann kostet sie quasi nix mehr. 

Kommentar von tommy40629 ,

Ja, die Dinge für die Gastronomie leben im privaten Haushalt sehr sehr lange.

Kommentar von whabifan ,

Und besonders gebraucht kann man solche Sachen günstig kriegen. Es kommt oft vor dass neue Restaurants nach 6 bis 12 Monaten pleite gehen. Oft wird dann das Inventar versteigert und da kannst du so eine Kaffeemaschine die unter einem Jahr im Gebraucht war für ein Viertel des Neupreises kriegen. 

Antwort
von NewKemroy, 8

Liegt an der Struktur des Geldsystems. Kriegst Du meines Erachtens mit einem Geld mit Umlaufsicherungsgebühr (siehe Wiki) in den Griff. Aber interessiert ja keine Sau. Da hast Du schon recht. Wir verheizen halt lieber den Planeten und klatschen uns dabei gegenseitig noch Beifall.

Antwort
von OlliBjoern, 11

Man kann durchaus etwas dagegen tun: solche Produkte nicht zu kaufen. Das ist das wirksamste Mittel, denn auf Dauer werden nur solche Produkte hergestellt, die auch gekauft werden.

Antwort
von tommy40629, 19

Das frag mal die Millionen "Menschen", die den ganzen Tag ihren kleinen Kasten ständig vor ihrem Gesicht herumtragen und dann vor U-Bahnen, Straßenbahnen, Busse,.... laufen.

Würden die sich alle die aktuelle Politik reinziehen oder solche interessanten Themen, wie Du es machst, anschauen, dann sähe die Lage anders aus.

Aber es gibt noch Produkte, die sehr lange leben, die kosten aber auch gleich mal das 10-fache.

Wie z. B. die Mixer von Vitamix, die bei 499€ anfangen, die man aber ein Leben lang hat und dann: Oh Wunder oh Wunder, am Ende viel weniger ausgegeben hat, als wenn man sich jedes Jahr oder aller 2 Jahre einen neuen Mixer für 60 bis 100€ kauft.

Analog beim Einrichtungsgegenständen: Der normale Küchenschrank für 300€ wird es nicht lange machen, der Edelstahlschrank für die Gastronomie hält sehr lange und kostet "nur" knapp 800€.

Phillips hat z. B. gesagt, dass sie wieder langlebige Produkte herstellen, die dann aber auch mehr kosten.

Es gibt schon nicht nur eine Handvoll Hersteller, die gute langlebige Produkte herstellen, die kosten aber.

Ich habe festgestellt, dass wirklich gebildete Menschen danach schauen, ob ein Produkt lange lebt oder nicht.

Denn wer wirklich intelligent ist, der kann vor allem reflektieren!

Kommentar von Maisbaer78 ,

Das Problem ist eher, das viele Menschen nicht mehr in der Lage sind, mit Ihren vielleicht besser betuchten Nachbarn mitzuhalten. Diese sind entweder gezwungen, zu verzichten, oder eben geringere Qualität zu kaufen und zu hoffen.

Hauptmann Mumm aus Pratchetts Scheibenwelt hat es mal so ausgedrückt. Der Reiche Mann kauft ein paar hochwertiger Stiefel, die sein ganzes Leben halten, zahlt dafür .... (kann die Zahl nicht mehr nennen) sagen wir 200 Ankh Morpork Dollar.

Der arme Mann kauft aller 2 Monate für 20 Ankh Morpork Dollar Stiefel mit Pappsohle, weil er sich bessere nicht leisten kann. Da er nicht 10 Monate ohne Stiefel rumlaufen kann bis er die Summe für hochwertiges Schuhwerk zusammenhat, ist er dazu gezwungen, obwohl er dann im Leben das hundertfache für Stiefel ausgibt.

Bestes Beispiel aus der realen Welt, Staubsauger, Waschmaschine, Kühlschrank.

Du brauchst diese Dinge, aber die wirklich hochwertigen Produkte kann sich nicht jeder leisten. Diese Leute zahlen dann im Endeffekt drauf, oft sogar sehenden Auges. Mangelnde Reflektion ist es also nicht unbedingt, die ursächlich für dieses Konsumverhalten ist.

Allerdings gebe ich dir uneingeschränkt recht, was die Generation Bildschirm-Vorm-Kopf angeht.

Kommentar von tommy40629 ,

Aktuell ist es ja noch möglich durch wirtschaftliches Denkweise zu sparen.

Das geht bei der Wohnung los, ob ich als Single die 90m², 60m² oder doch die 32m² nehme und dann vielleicht in der Großstadt auf ein Auto verzichte.

Dann kann ich mir z. B. nach ein paar Monaten sparen den Mixer für 700€ leisten, oder den teuren Küchenschrank,...

Mit einer 90m² Bude und dem neuen Audi A4 wird das aber schwer.

Ökonomisches Denken ist denke ich die Grundvoraussetzung.

Kommentar von Maisbaer78 ,

Aktuell ist es ja noch möglich durch wirtschaftliches Denkweise zu sparen

In meinem Unternehmen arbeiten neben 10 fest angestellten Arbeitern 3 Leiharbeiter.

Die haben keine Wahl und keine Möglichkeit zu sparen.

Der eine fährt täglich 30km mit dem Rad weil er sich den Sprit nicht leisten kann.

Dein "aktuell" trifft inzwischen auf mindestens 1 Mio Arbeitnehmer und deren Familien nicht mehr zu. Zudem gibt es noch andere prekäre Beschäftigungsverhältnisse, die eine bloße Entscheidung unmöglich machen.

Ökonomisches Denken ist denke ich die Grundvoraussetzung.

Und eine reale Wahrnehmung über die Verhältnisse in unserem Land auch.

Wir haben eine Armutsquote von fast 16% in Deutschland. Denen zu erzählen sie müssten nur ökonomisch Denken lernen, ist ziemlich arrogant. Ich verstehe deine Aussage durchaus, aber über diesen Punkt sind viele schon längst hinaus.

Da parkt kein A4 vor der Tür und die wohnen zu 4. in Wohnungen mit 60m² und Schimmel an der Wand, aber nur wegen dem Schimmel können diese sich die 4 Wände überhaupt leisten.

Antwort
von Yodafone, 16

Das verträgt sich nicht mit Wachstum....

und ewiges Wachstum ist die Voraussetzung dafür,das der Kapitalismus funktioniert...

Kommentar von Yodafone ,

kommt übrigens wie so Vieles aus den USA...dort wollte man ursprünglich sogar die geplante Obsoleszenz per Gesetz vorschreiben,um die Wirtschaft anzukurbeln,aber damals gab es noch genügend ehrbare Handwerker und Produzenten,die sich dagegen gewehrt haben,weil sie einen Ruf zu verlieren hatten....heute gehts nur noch um schnelle Kohle

Kommentar von Maisbaer78 ,


das der Kapitalismus funktioniert...

Er funktioniert trotzdem nicht. Da gleichzeitig die Arbeitsverhältnisse unsicherer werden, die Löhne stagnieren und sich die sozialstaatlichen Prinzipien abbauen, sinkt der relevante Konsumentenanteil.

Einzige Lösung: immer wieder Wirtschaftskrisen. Vernichtung von Besitz und Kapital (natürlich nur bei den unteren - mittleren Einkommen)

Kommentar von Yodafone ,

da hast du ja vollkommen Recht.....aber so lange die Kiste läuft,wird niemand etwas daran ändern

Kommentar von Maisbaer78 ,

aber so lange die Kiste läuft,wird niemand etwas daran ändern

Im Gegenteil. Die Aufforderung zu immer mehr Konsum, jedes Jahr ein neues Handy, billige Klamotten bei Primark, wird ja nur all zu gern befolgt.  Das Nebenbei die Basis nach und nach verarmt, merken die meisten gar nicht, bei all der Besitzgeilheit.

Eine Herde Schafe hätte mehr Grips als wir als Gesellschaft.

Kommentar von tommy40629 ,

und ewiges Wachstum ist die Voraussetzung dafür,das der Kapitalismus funktioniert...

Recht hast Du:

Mein Matheprof. wusste immer nicht genau, ob er weinen oder lachen sollte, wenn ich mit ihm über genau solche sinnlosen BWL-Theorien sprach.

Unendliches Wachstum mit endlichen Rohstoffen.

Es soll ja BWL-er, Anwälte und Politiker geben, die teilen auch durch Null und sagen dann, dass dann Null die Lösung ist.....

Kommentar von Yodafone ,

BWLer und Politiker......intelligentere Lebensformen findest du auf jedem Duschvorhang ;-)

Kommentar von tommy40629 ,

Geiler Kommentar!

Antwort
von voayager, 6

Dies liegt daran, dass das Volk einfach in Deutschland nix zu melden hat.

Antwort
von Willwissen100, 5

Gib mehr Geld aus, wenn Du einen Gegenstand kaufst. Dann bekommst Du auch bessere Geräte.

Kommentar von Maisbaer78 ,

Leider kein Garant mehr. Inzwischen haben Markennamen den vormaligen Qualitätsanspruch ersetzt.

Erfahrungsaustausch wäre nötig, wer hat ein robustes und wertiges Produkt entdeckt. Dann durch Konsum den Hersteller ermutigen an diesem Produkt festzuhalten und nicht die nächste Generation mit neuen Schwächen auf den Markt zu bringen.

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