Frage von Tastenheld, 138

Warum trauern Menschen in Mitteldeutschland immernoch der DDR nach?

In Interviews hört man immer wieder, alles sei zwar viel besser aber die Einheit sei immer noch nicht hergestellt. Welche Ansprüche verfolgen Menschen, die so etwas sagen. Im Westen haben sich die Lebensbedingungen doch auch verändert, ohne dass jemand das mit der Einheit verknüpft.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Sagittarius1989, 27

Die wende ist halt falsch verlaufen.

Viele im Osten haben ihre Arbeit verloren da viele Betriebe dich gemacht wurden. z.b,Kitas,Hotels,Kasernen,Polizei,Fabriken usw

Es gab mehr kinder und kita Plätze

ein vergleich

Frauen in der DDR sollten genauso berufstätig sein wie Männer. Damit sollte nicht nur ihre Gleichberechtigung betont werden - es war wirtschaftlich wichtig, dass die Frauen arbeiteten, sowohl für die Staatswirtschaft als auch für die der Familie. Wurde ein Kind geboren, wurde es demzufolge in eine staatliche Betreuung gegeben. Auf diese Weise konnte die SED außerdem frühzeitig Einfluss auf die Erziehung der jüngsten Bürger nehmen.

Deshalb wurden die Einrichtungen für die Kinderbetreuung früh und umfassend ausgebaut. 1989 betrug die Versorgung von Krippenkindern im Durchschnitt 80 Prozent, in den Großstädten lag sie bei fast 100 Prozent. Kindergartenplätze waren für 94 Prozent und Hortplätze für 82 Prozent der Kinder vorhanden. Davon konnte man in der Bundesrepublik nur träumen: Hier gab es gerade mal für 2 Prozent der Kinder einen Krippenplatz, für 78 Prozent einen Kindergartenplatz und für 4 Prozent der Schulkinder eine Hortplatz.

Die Betreuung wurde vom Staat finanziert (in der Bundesrepublik mussten die Eltern den Platz bezahlen). Die Eltern hatten nur für die Verpflegung zu zahlen. Ein Mittagessen für ein Krippenkind kostete z. B. 1,40 Mark, das für ein Kindergartenkind 35 Pfennig.

Mit 17-25 Jahren hatten die meisten Frauen in der DDR 1-2 kinder,Wohnungen wurden vom Staat gestellt,zur Hochzeit hat man ein Kedit bekommen von ca 4000-8000 DDR Mark womit man die Wohnung gestalten konnte,das Geld musste zurückgezahlt werden aber pro Kind wurden dir % erlassen die du nicht zurückzahlen musstest.

Dazu kommt noch das die Ostdeutschen oft als Sündenböcke dargestellt werden wenn es den westdeutschen schlecht heute geht. der Vater meiner ex war auch so einer der noch sagte scheiß ausländer ossis alle ins Kz mit ihnen.

Kommentar von felixuser ,

Willst du damit sagen, das man im Osten der rundum Erziehung und Versorgung nachtrauert? 

Das würde ja bedeuten das man indirekt zugibt, mit der Kindererziehung und der eigenen Versorgung überfordert zu sein.

Was mir in deiner Aussage leider etwas missfällt, ist die Darstellung das Kinderkrippenplätze etwas mit Wohlstand zu tun haben, im gegenteil Kinder benötigen vor allem eine regelmäßige elterliche Bindung. 

Hier sollte man daher, eher von einer Sozialen Verarmung reden, die langfristig, gravierende mängel empathischer Fähigkeiten am Nachwuchs hinterlässt.

Dazu kommt noch das die Ostdeutschen oft als Sündenböcke dargestellt werden wenn es den westdeutschen schlecht heute geht. der Vater meiner ex war auch so einer der noch sagte scheiß ausländer ossis alle ins Kz mit ihnen.

Eine solche aussage ist sicherlich nicht zu entschuldigen, nur ist man das im Osten kein schritt weiter. Ich selbst wohne im Osten als Westdeutscher direkt an der ehemaligen Grenze, bei min. 75% der Leute, stoße ich selbst auf Ablehnung, teilweise  übelster Sorte wenn ich mich als Wessi oute. 

Bei einem muss ich dir aber voll und ganz recht geben, integrativ gesehen ist hier auf beiden Seiten ein reisen Fehler gemacht worden.

Antwort
von Geraldianer, 52

Ich habe einige Jahre im Osten gearbeitet. Mein Eindruck war, viele Menschen wünschen sich den Wohlstand des Westens mit den Annehmlichkeiten des Ostens. Sozusagen die Eierlegendewollmilchsau.

Häufig wird die Treuhand noch heute für die schlechte Lage in bestimmten Gegenden verantwortlich gemacht. Aber tatsächlich waren die DDR-Betriebe am Weltmarkt nicht konkurrenzfähig.

Bei einigen Leuten scheint es auch noch Bedürfnisse nach der doch sehr spießigen und autoritären Führung zu geben. Die finden sich dann im links- und vor allem rechtsextremen Spektrum.

Kommentar von Tastenheld ,

spießigen und autoritären Führung

Das klingt einleuchtend, Spießer sind ortsfest, nörgeln gerne und werden gerne von Spießern regiert. Dann scheint das keine Ostspezialität zu sein, sondern eine Spezialität die ich auch im Westen wiedererkenne.


Antwort
von soissesPDF, 25

Einen derartigen Umbruch hatten die Wessis selbst nicht mitgemacht.
Von heute auf morgen war alles nicht nur anders, sondern das glatte Gegenteil die Realität.

Marodierende Wessi's erinnern noch heute an den Einfall der Hunnen.
Von Altkanzler Kohls (CDU) "blühenden Landschaften", blühten nur die Rapsfelder in McPomm.

Erinnerungen lassen sich nicht überschreiben, auch nicht mit einer Wiedervereinigungs"geschichte".
Vielleicht noch einmal 25 Jahre, dann mag dieser Teil der Erinnerungen etwas anders aussehen.
Noch ist es zu früh.
Diese Wiedervereinungsgedenkfeiern erscheinen wie einst die Parteitage der SED.

Antwort
von HansH41, 55

Die Einheit ist noch nicht hergestellt im Lohnniveau des Öffentlichen Dienstes und im Rentensystem. Außerdem wird der Solidarzuschlag immer noch erhoben, obwohl seine Einstellung seit langem versprochen wurde.

Alles das ist eine Bringschuld des Staates, die er nicht erfüllt (weil man sich andere Probleme aufgehalst hat).

Kommentar von Tastenheld ,

Naja, der Sinn des Solis hat sich mittlerweile verflüchtigt, dagegen nörgelt aber kaum einer. Das stimmt.

Antwort
von GenLeutnant, 48

Welche Ansprüche verfolgen Menschen

Die Lohnanpassung...um nur eines zu nennen.Nach zig Jahren der Wiedervereinigung werden immer noch nicht für die gleiche Arbeit die gleichen Löhne gezahlt.

Kommentar von zetra ,

Vielleicht werden die ehemaligen Buerger als Frauen in den Lohnlisten gefuehrt, und es ist noch keiner darauf gekommen?

Kommentar von GenLeutnant ,

Dann muss ich mir einen Rock anziehen und Zöpfe flechten ;-)

Kommentar von zetra ,

Die Schotten haben damit kein Problem. Man muss mal schauen, unter welcher Kategorie DIE gefuehrt werden?

Kommentar von Tastenheld ,

Im Westen wurde auch viele Jobs gestrichen, die Betroffenen haben dadurch auch finanzielle Verluste erlitten, obwohl die Löhne auf "westniveau" sind und blieben. Im Westen sind die Mieten aber drastisch gestiegen.

Ich glaube, dass die Nörgellei doch andere Gründe hat, als nur die rein monitären.

Kommentar von zetra ,

Die Ansprueche waren hoeher gesteckt, somit haben viele Buerger Probleme mit der realen Wirklichkeit.

Antwort
von felixuser, 40

Der Mensch ist so veranlagt das, übel zu vergessen/verdrängen und das positive zu behalten.

Dazu kommt das der Osten mit enormer Abwanderung zu kämpfen hatte, und weiterhin hat, das führt zur Einschränkung der Infrastruktur, was wiederum zu fehlender Ansiedlung moderner Industrie führt.

Mit anderen Worten, wer Karriere machen möchte geht, das sind halt leider meist die Intelligenteren, und auch die einzigen, die eventuell vor Ort dein genanntes Märchen noch verwerfen könnten. 

Antwort
von Matzko, 8

Es trauern auch in Westdeutschland noch etliche Leute der alten Bundesrepublik (ohne den neuen Ländern) nach. Beide Seiten haben aber nichts begriffen, wenn sie den alten Zeiten nachtrauern.

Antwort
von Karl37, 33

Das sind aber nur eine kleine Minderheit, die ewigen Nörgler und Verlierer der Einheit. Denn diese gibt es auch, die Mitläufer, Funktionären, die nicht rechtzeitig ihre Vorteile ins Trockene bringen konnten. Als sie Stasiakten bekannt wurden sind viele ehemaligen IM enttarnt worden. Wer will nun nach der Wende etwas mit denen zu tun haben, sie liegen daher seit der Wiedervereinigung dem Staat auf der Tasche.

Ich kenne einige Betriebe in den neuen Bundesländer, die suchen händeringend fähige Mitarbeiter und das bei einer Arbeitslosigkeit von 9,5%. Auch die Bezahlung in diesen Betrieben braucht sich vor dem Westen nicht zu verstecken. Man sollte aber bei jedem Vergleich auch die Lebenshaltungskosten der jeweiligen Region nicht vergessen. Man kommt eben mit 5'500 Euro/m in Jena besser aus wie mit 6'000 Euro/m in München

Antwort
von hutten52, 39

Es gab nicht nur Fortschritte. Die Industrie brach zusammen, es folgte für viele Arbeitslosigkeit. "Besserwessis" kamen und wollten der Bevölkerung klarmachen, wie man alles neu organisiert, das kränkte das Selbstwertgefühl.  Durch die Abwanderung brach auf dem Land ein Teil der Infrastruktur zusammen: Schulen, Kinos, Jugendhäuser, Discos, Theater schlossen. Die Kriminalität stieg an. 

Antwort
von Philippus1990, 45

Das sind Leute, die es gewöhnt waren, dass der Staat ihnen jede Eigenverantwortung abgenommen hat und die jetzt mit der neu gewonnenen Freiheit nicht klar kommen. In der "DDR" hatten sie ein geregeltes Leben, nach deren Zusammenbruch wurden viele Betriebe wegen Unrentabilität zerschlagen. Die Mitarbeiter wurden arbeitslos.

Und es gibt natürlich auch viele, die selbst in den "DDR"-Unterdrückungsapparat verstrickt waren und jetzt keine Macht mehr über andere mehr ausüben können. Jene kommunistischen Profiteure der "DDR"-Diktatur jammern am lautesten und wollen ein geschöntes Bild der Diktatur zeichnen - bei dem sie selbst dann natürlich auch in einem besseren Licht dastehen.

Antwort
von StevenArmstrong, 26

Hallo,

nun, die Sozialleistungen waren in der DDR großzügiger. Und rauen waren von Anfang gleichberechtigt, in Deutschland wurde das erst 1977 erreicht:

https://de.wikipedia.org/wiki/Artikel\_3\_des\_Grundgesetzes\_f%C3%BCr\_die\_Bun...

Zudem gibt es immer noch Lohnunterschiede etc.

Der Kapitalismus ist eben nicht das non-plus ultra.

MfG

Steven Armstrong

Antwort
von voayager, 40

Ist doch klar, wer zuvor einen Arbeitsplatz hatte, z.T. einen in gehobener Position und nach der Wende dann arbeitslos wurde, der trauert natürlich der DDR nach. Dann sehen sehr viele Bürger der Ex-DDR nicht ein, dass noch immer ihre Löhne geringer als die im Westen sind. Sie sehen auch nicht ein, warum auf einmal die Mieten so rasant stiegen, die Sozialleistungen aufs Erbärmlichste schrumpften und auch so Vieles teurer wurde, ob nun Lebensmittel, Strom, Gas, öffentl. Verkehrsmittel, Kindergartentarife usw.

Antwort
von SocialistRUSSlA, 33

Damit ist der Sozialstaat gemeint,  einen Wettkampf den die brd schon damals gegen die DDR verloren hatte 

Antwort
von Beantworter1112, 33

Die Mauer steht in manchen Sachen einfach noch... Da muss man kein Beispiel nennen...

Kommentar von Tastenheld ,

Wohl war

Antwort
von lesterb42, 14

Da hilft ein Zitat aus dem Film Sonnenallee: "Wir waren jung und wir waren verliebt". Das ist grundsätzlich doch erst einmal eine schöne Zeit und hat mit "DDR" absolut nichts zu tun. Ich meine diese beiden Gesichtspunkte werden gerne vermengt und durcheinandergebracht.

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