Frage von JeremyPorridge, 41

Warum tolerieren viele Lehrer Gegenargumente nicht?

Ich kenne und habe einige Lehrer die einen Schüler an ihrer(manchmal eindeutig falschen) Meinung zu aktuellen Lernstoff keine Kritik üben lassen, obwohl es ja das "Konzept" der schule ist dass die Schüler machen hinterfragen und sich somit wissen aneignen.

Antwort
von lieanne, 14

Hallo, Jeremy -

zunächst: Eine Meinung kann nicht falsch sein, vielleicht nicht gut begründet, aber eine falsche Meinung gibt es nicht. Höchstens eine, die Dir nicht gefällt. Dann müssen die Lehrer in Wirklichkeit sich eigentlich an einen ziemlich strengen Lehrplan halten, der ihnen oft genausowenig in den Kram passt wie Dir, sie haben auch keine Wahl. Es kostet viel Zeit, Dinge zu diskutieren, die man nicht ändern kann, und Zeit ist das Letzte, was ein Lehrer hat. Auch die Geduld von Lehrern wird enorm strapaziert durch manche Schüler - sie "vergessen" Hausaufgaben, geben freche Antworten oder einfach gar keine, zucken nur mit den Schultern "keine Ahnung", kommen grundsätzlich zu spät, missachten die Schulordnung, aber ein Lehrer darf fast nichts machen, sonst stehen sofort Eltern mit dem Rechtsanwalt beim (Di-)Rektor.

Übrigens sind auch die Antworten, die Schüler geben sollen, schon stark vorgefertigt durch den sog. Erwartungshorizont, der Lehrer hat wenig Spielraum in seiner Arbeit. Ein Lehrer ist ja kein selbstbestimmt arbeitender Mensch, er unterliegt im Gegenteil unglaublich vielen Vorschriften, die sich z.T. sogar widersprechen.

Überleg mal: wärest Du in Deiner Klasse gern Lehrer? Die meisten Schüler antworten hierauf ehrlich mit "nee, lieber nicht" - leider ändern sie danach an ihrem Verhalten gar nichts.

Kommentar von JeremyPorridge ,

ich habe meine frage ein bisschen falsch formuliert, ich meinte damit hauptsächlich die Religionslehrern (reli ist schon noch mal so ein extra heikler bereich ich weiss) die uns nämlich nach einer eigenen definition für religion gefragt hat. als dann ein Schüler was gesagt hat(eigene Meinung) erwiderte sie dass das komplett falsch und keine richtige definition sei. solche Aktionen bringt sie eigentlich die ganze stunde und regt damit alle Schüler und auch andere Lehrer auf

Kommentar von lieanne ,

aha, so also.

Nun, eine Definition ist keine Meinung, soviel steht mal fest. Sie wollte offenbar von Deinem Kollegen mal gesagt haben, wie er in eigenen Worten "Religion" definieren würde, ja? Das ist keine Frage nach einer Meinung. Etwas Anderes wäre es, wenn sie ihn gefragt hätte, was er z.B. davon hält, in unserer westlichen Welt dem Buddhismus anzuhängen, das wäre dann eine Meinung. diese sollte er dann auch mit guten Argumenten begründen.

Anderes, vielleicht klareres Beispiel:

Wenn Du definieren sollst, was ein Auto ist, dann tust Du keine Meinung kund, sondern sagst so etwas wie: ein Kasten aus Blech, in den vier Leute reinpassen, darin steckt dann noch ein Motor, das Ganze steht auf vier Rädern, der Motor treibt es an, dann fährt es.

Das ist eine etwas holperige, aber eine Definition mit eigenen Worten. Eine Meinung wäre: Ich liebe Autos, ich werde meinen Führerschein so früh wie möglich machen, weil ich mich damit unabhängiger fühle. Mir ist die Umwelt nicht unwichtig, aber das Vergnügen und die Vorteile der Unabhängigkeit von Bus und Bahn sind es mir wert, auch das Mehr an Geld, was es kosten wird, Auto zu fahren.

Das ist eine Meinung, eine Einstellung zu einer Sache.

Kann schon sein, dass Deine Lehrerin es sehr genau nimmt, redet Ihr vielleicht auch aneinander vorbei? Stell Ihr Gegenfragen: Was an meiner meinung ist falsch? Was an meiner Argumentation können Sie nicht gelten lassen und warum? Wie müsste ich es Ihrer Ansicht nach formulieren?

Das könnte weiter führen.

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