Frage von Kodringer, 135

Warum sucht der Mensch immer krankhaft nach einer höheren Macht?

Es gibt sehr viele Religionen, und ein "Gott" wird immer als etwas positives angesehen, was einem hilft. Wieso stört sich dabei aber keiner an dem Gedanken, dass man weniger Entscheidungsfreiheit hat? Mir würde der Gedanke nicht gefallen, nicht Herr über mein Schicksal zu sein - alle Pflichten wie zb Beten scheint man sich nur schönzureden, quasi als Mittel zum zweck. Sind religiöse Menschen so darauf versessen, jemand an ihrer Seite zu haben der Erklärungen auf nicht Erklärbares gibt, dass sie auch ihre eigene Freiheit aufgeben würden?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Rosenblad, 44

Wegen der Kontingenzbewältigung des Lebens - dazu zwei Zitate:

Am Anfang aller Religion stand (……), die Angst als notwendige psychische Grundausstattung im Kampf ums Überleben. Ohne Angst keine Flucht und keine Vorsicht, ohne Flucht und Vorsicht kein Entkommen und Überleben. Angst entsteht aber nicht nur bei konkreten Anlassen, sondern sie überschattet die menschliche Existenz dauerhaft, zumindest seit dem Augenblick, seit der Mensch sich der ständigen Bedrohtheit seiner Existenz bewusst wird." (Ina Wunn / Patrick Urban / Constantin Klein „Götter - Gene - Genesis....",  S. 22,23 ff.)


"Religion ist transempirische und nicht verifizierbare Realität die immer mit der Gewissheit des eigenen Todes korrespondiert: „Als einziges Wesen weiß sich der Mensch in seinem Dasein in reflexiver Konfrontation mit seinem eigenen Tod. Er lebt stets im bewussten Horizont seines eigenen ‚Nicht-(mehr-da-)seins. Dieses anthropologische Charak-teristikum steht zugleich in einer Diathese mit zwei anderen Selbstvollzügen menschlichen Seins: Einerseits dem scheinbar widersprüchlichen Vollzug, im eigenen Handeln und Leben stets Sinn zu setzen, wo doch der gewisse Tod als radikale Infragestellung solchen Tuns ver-standen werden muss. Andererseits ist der Mensch kognitiv auf Unendlichkeit angelegt und transzendiert stets das Gegebene oder Erreichte. Das menschliche Subjekt fragt, (....), daher auch „notwendigerweise über die Grenze des eigenen Todes hinaus und verlang(en)[t] nach einem unbedingt bleibenden Sinn.“ Der Mensch entwirft sich gewissermaßen über sein eigenes Leben hinaus und weist so eine Struktur auf, die transzendentalphilosophisch als Hoffnungsartikulation auf ein Leben nach dem Tod interpretiert werden kann.“ (Daniel Remmel „ Die Auferstehung des Gekreuzigten" S.67,68)

Oder kurz gesagt: Der Mensch braucht die (Über)Macht eines supernaturalen Wesens wegen seiner eigenen Ohnmacht, da die Finalität des menschlichen Lebens das Nichts darstellt und dieses Nichts versucht der Mensch - wenigstens in seiner Vorstellungskraft ("raffiniert" überführt in einen Glaubensakt, verstärkt und ummantelt in der Institution der Religion) zu überwinden.


Kommentar von HumanistHeart ,

Oder kurz gesagt: Der Mensch braucht die (Über)Macht eines supernaturalen Wesens wegen seiner eigenen Ohnmacht, da die Finalität des menschlichen Lebens das Nichts darstellt und dieses Nichts versucht der Mensch - wenigstens in seiner Vorstellungskraft ("raffiniert" überführt in einen Glaubensakt, verstärkt und ummantelt in der Institution der Religion) zu überwinden.

Großartig erklärt.
Das ist direkt am Punkt des "krampfhaften", wie in der Frage oben gestellt.

Irgendwann in der Zukunft, un-aus-weich-lich in die Inexistenz versetzt zu werden, ist kein Gedanke der sich leicht verkraften ließe, selbst wenn er vorstellbar wäre.

Die Urangst des Menschen, letztlich des Lebens an sich.


Der Glaube an höhere Mächte, welche einem die Existenz zu erhalten versprechen würden, ist hier nur zu natürlich.

...

Und nimmt man hinzu, dass das Herdentier Mensch, dank der Größe seines Gehirns, irgendwann zu abstraktem Denken befähigt wurde –  und er somit lernte, das Konzept von Ursache und Wirkung zu erkennen (So sind z.B. erste Werkzeuge entstanden), dann ist man auch ganz schnell beim Ursprung der ersten Religionen.

Kommentar von Rosenblad ,

Völiig richtig!

Die frühen Menschen brauchten eine Geschichte für alles Wichtige, das ihnen zustieß, weil das Bewusstsein ohne Geschichten und Erklärungen seiner eigenen Bedeutung [und Bewältigung sowie Orientierung] nicht funktionieren kann.“ (Edward O. Wilson „Die soziale Eroberung der Erde“ , S.348, 349)

Antwort
von Andrastor, 58

Um es mit den Worten von Sigmund Freud zu sagen:

Die Religiosität führt sich biologisch auf die langanhaltende Hilflosigkeit und
Hilfsbedürftigkeit des kleinen Menschenkindes zurück, welches, wenn es später seine wirkliche Verlassenheit und Schwäche gegen die großen Mächte des Lebens erkannt hat, seine Lage ähnlich wie in der Kindheit empfindet und deren Trostlosigkeit durch die regressive Erneuerung der infantilen Schutzmächte zu verleugnen versucht

Sprich Gott wird von diesen Menschen als imaginäre Vaterfigur gebraucht um sich selbst in Schutz und Sicherheit lullen und Verantwortungen abgeben zu können.

Antwort
von sunflower111, 15

Ich weiß zwar nicht wie alt du bist, aber ich hatte das Thema Religionskritik lange Zeit in der Schule und das sollte in Thema sein, das genau zu deiner Frage passt und dich sicher sehr interessieren wird. 

Die typischen Religionskritiker wie Feuerbach, Freud, Schopenhauer, Nietzsche, etc. sehen ja alle Gott als Projektion und Illusion, welche den Menschen aus seiner Hilflosigkeit befreien soll. Anstatt dass Menschen ihr eigenes Wesen erkunden und Beistand und Kraft bei sich finden, verlegen sie ihr Wesen außer sich und projizieren es auf eine höhere Macht, die sich Gott nennt. 

Ein Gott, egal aus welcher Religion, wird ja immer als allmächtig, stark und gutmütig beschrieben und soll somit Ängste und Lasten des Menschen abnehmen, z.B. die Frage, was nach dem Tod passiert, die Angst vor dem Tod überhaupt, etc. 

Das könnte ich jetzt noch stundenlang ausführen, ich würde dir mal empfehlen Werke von den oben genannten Kritikern zu lesen, das ist wirklich interessant :)

Antwort
von Illuminaticus, 3

Naja, den lieben Gott kann man natuerlich gut dafuer verantwortlich machen, wenn es nicht gut laeuft im Leben, wenn es toll zugeht, dann gibt keiner dem lieben Gott die Schuld, dann war man es immer selber.

Diese Suche, von der du sprichst und diese Sehnsucht haben alle Menschen, ist, sich selbst zu erkennen und wenn du dich selbst erkannt hast, weisst du wer oder was Gott ist.

Das laesst mich ahnen, dass wir irgendwie mit dem lieben Gott verbunden sind, da aber dort oben niemand ist, keine Person oder sonst etwas, lasse uns lieber goettliche Quelle sagen, aus der alle Energie emaniert und von der du ein Teil bist ohne es jetzt gerade zu wissen. Du hast es nur vergessen.

Nun suchst du im Aussen nach der Quelle, die einen nennen es Gott, die anderen Natur oder Nirvana usw.

Der Witz ist, dass du dort draussen nichts finden kannst, es bringt dir nur Leid, weil du von deiner Suche immer wieder abgelenkt wirst und du kannst die einfach nicht erklaeren, wann du es nun endlich findest.

Erst wenn du in Dich gehst und die fuenf Sinne mal sausen laesst, kann es vorkommen, dass sich eine andere Realitaet dir praesentiert, die dich aber auch ablenken will, damit du vor lauter Baeumen den Wald nicht findest.

Wenn du beharrlich weiter stoeberst in deinem Innersten, dann kann irgendwan das Goettliche durch seinen Ausdruck gewinnen und dann bist du durch. Aber du wolltest doch spielen, also schiebe das noch hinaus oder siehe, was sich in Dir selbst verbirgt.

Aber Achtung, du koenntest dich selbst verlieren wenn du dich erkennst!

Antwort
von Fantho, 20

An einen Gott zu glauben impliziert keine Einschränkung der Entscheidungsfreiheit...

Im Gegenteil: Man ist sich dieser Verantwortung sehr bewusst...

Wenn Du genau liest, dann wirst Du feststsellen, dass die meisten Ansichten der Nichtgläubigen sich auf Spaß im Leben, Karriere, Nachwuchs, Ruhm, Reichtum usw fokussieren, also alles, was das Materielle betrifft.

Jedoch bei spirituellen Gottgläubigen gehören zu diesen legitimen Wünschen aber noch andere Dinge dazu, welche sich ausserhalb des Materiellen befinden, und um diese zu erreichen und zu festigen, muss hart an und mit sich gearbeitet werden...

Sind religiöse Menschen so darauf versessen, jemand an ihrer Seite zu
haben der Erklärungen auf nicht Erklärbares gibt, dass sie auch ihre
eigene Freiheit aufgeben würden?

Sie sind wie nichtwissende Kinder, welche ebenso über nicht Erklärbares Erklärungen von Erwachsenen erwarten und bedürfen...

Und ob die Erklärungen der Erwachsenen stimmen, können sie im Laufe des Lebens für sich selbst herausfinden. Zuerst jeodch können sie den Erklärungen der Erwachsenen nur Glauben schenken...

Wer jedoch es nur beim Glaube ohne einer Selbst-Überpüfung belässt, der ist ein Gefangener: Ein Gefangener durch die Abhängigkeit von jenen, denen er glaubt....

Und jene, welche an Gott glauben, weil es ihnen, in welcher Form auch immer, erzählt, erklärt, vorgelesen etc. wurde und diese nicht durch Selbst-Überpüfungen und / oder Erfahrungen / Erkenntnisse gewonnen wurde, sind ebenso Gefangene ihres Glaubens...

Wie auch jene, welche der Wissenschaft blind glauben, indem sie eine Theorie unüberprüft als wahr annehmen...

Gruß Fantho

Antwort
von 666Phoenix, 9

Warum sucht der Mensch immer krankhaft nach einer höheren Macht?

Das tun nur solche Menschen, die sich ihrer eigenen Größe und Bedeutung nicht bewusst sind und die zwanghaft eine höhere Macht benötigen, auf die sie die Verantwortung für alles Mögliche abschieben können.

Antwort
von Ursusmaritimus, 60

Die Pflicht/Verpflichtung mit dem Versprechen einer goldenen Zukunft hat doch etwas Kuscheliges und Geborgenes!

Man lässt Fremddenken und trägt keine persönliche Verantwortung für das eigene Handeln..........

Antwort
von AriZona04, 35

Du und ich - wir stellen uns auf umgedrehten Eimern im Londoner Park hin in die "Speaker's Corner" und fragen genau DIESE Frage! Ich mein das ernst! Ich frag mich das schon seit Jaahren! Und ziehe meine Fazits!

Meine Meinung ist, dass viele "Gottesarbeiter" - wie Priester, Pastoren und ähnliches - nur einen Haufen Geld mit dem kleinen Bürger machen.


Antwort
von aicas771, 12

Ein Mensch, der ausführlich nachdenkt, der wird erkennen, dass er leider nicht Herr seines Schicksals ist, dass er nur sehr wenig Einfluss hat auf den Verlauf seines Lebens.

Im Leben gibt es viele Dinge, über die man sich freut, an denen man leidet, über die man mit jemandem reden will. Da gilt dann der alte Spruch: geteilte Freude ist doppelte Freude und geteiltes Leid ist halbes Leid.

Gott bietet sich in der Person von Jesus an, Gesprächspartner zu sein, mit dem man Freude und Leid teilen kann.

Jesus macht nur zwei Vorschriften (Mt. 22,37-40): Liebe Gott und liebe deine Mitmenschen.

Und Jesus macht ein Angebot (Mt. 11,28):

Ihr plagt euch mit den Geboten, die die Gesetzeslehrer euch auferlegt haben. Kommt alle zu mir; ich will euch die Last abnehmen!

Ich quäle euch nicht und sehe auf niemand herab. Stellt euch unter meine Leitung und lernt bei mir; dann findet euer Leben Erfüllung. Was ich anordne, ist gut für euch, und was ich euch zu tragen gebe, ist keine Last.

http://ww.bibleserver.com/text/GNB/Matthaeus11

Die "Gesetzeslehrer" und Vorschriftenmacher sind Menschen, nicht Jesus.

Für Christen ist Gott eine "höhere Macht", aber eben auch als "die Liebe in Person" die Anlaufstelle in allen Lebenslagen, vor allem in seelischen Nöten.

Antwort
von klausog333, 35

Weil es eben nicht krankhaft ist!

Antwort
von 3plus2, 39

Weil das Universum, die Sonnen, die Planeten und das Leben geschaffen wurde, von was, was mehr kann, viel mehr, als die Menschen können und die möchten das gerne Wissen wie und suchen krampfhaft nach diesen Könner.

Kommentar von Ryuuk ,

Weil das Universum, die Sonnen, die Planeten und das Leben geschaffen wurde, von was, was mehr kann, viel mehr, als die Menschen können

Leere Behauptung. Es gibt nichts was tatsächlich darauf hinweist.

Antwort
von alexander329, 12

Du bist nicht Herr über dein Schicksal!

Der Glaube an Gott macht frei, frei von Angst über die Sinnlosigkeit des Lebens, frei vom Zwang für alles verantwortlich zu sein, alles planen zu müssen, keine Fehler zu machen, das Beste und möglichst viel aus seinem Leben zu machen und es zu geniessen, bevor es vorbei ist.

Antwort
von Raubkatze45, 37

Die Wahrheit macht frei, sonst gar nichts.

Wenn Gott IST, dann ist er das aller Liebe würdige Gut und Liebe in einer Beziehung kennt weder Unfreiheit noch sonstige Einschränkungen.

Liebe und tue, was du willst - sagt einer, der es wissen muss, denn er dachte ein halbes Leben lang wie du und lebte auch so, ganz ohne "Einschränkungen".  Sein  Name ist Augustinus, ein Heiliger und Kirchenlehrer.

Kommentar von Ursusmaritimus ,

Nur kennt keiner die "befreiende" Wahrheit!

Zumindest ist noch kein Gläubiger nach Lieferung des Endproduktes zurückgekommen und hat reklamiert......

Antwort
von Abuterfas, 58

Es liegt in der eigenen Freiheit zu glauben, oder nicht und sich "unterzuordnen".

Antwort
von chrisbyrd, 8

Es geht um die Suche nach der Wahrheit und die Beantwortung der Fragen, die sich die meisten Menschen im Leben irgendwann einmal stellen: Was ist der wirkliche Sinn und die tiefere Bedeutung unserer Existenz? Wo kommen wir her und wo werden wir einmal nach unserem Tod sein? Was müssen wir gegebenenfalls tun oder glauben, um an einen besseren Ort (Himmel, Paradies) zu gelangen?

Die Antworten auf diese und auf andere Frage habe ich persönlich in der Bibel gefunden, die für mich das ist, was sie von sich selbst behauptet, zu sein: Gottes wahres Wort und Offenbarung für die Menschen (vgl. 2. Timotheus 3,16; 2. Petrus 1,21).

Für mich gibt es für die Wahrheit dieser Aussage viele Gründe, z. B. ihre Argumentation, ihre Logik und ihr Aufbau, die Einzigartigkeite ihrer Entstehung und Überlieferung, der Bereich "erfüllte Prophetie" usw.

Einige Gründe dafür werden z. B. hier aufgeführt: http://gottesbotschaft.de/?pg=3048

Antwort
von Spock1701, 29

Weil er den Grund seiner Existenz sucht. Und ein Mensch wird wohl nicht die benötigte "Macht" aufweisen können um ein Universum zu erschaffen.

Logische Schlussfolgerung: Eine Macht höher des Menschen.

Die weitere Frahge lautet dann, wo diese höhere Macht herkommt. Logischerweise eine noch höhere als die höhere Macht. Es ist ein Impossibile, kann daher die Frage der Existenz nicht beantworten und ist zum Scheitern verurteilt.

Mit freundlichen Grüßen 

Kommentar von Ryuuk ,

Logische Schlussfolgerung: Eine Macht höher des Menschen.

Nix logisches daran eigentlich. Das das Universum erschaffen wurde ist ja nur eine Annahme ohne handfeste Fundierung.

Nach allem was wir wissen, kann es genausogut auf tausend andere Weisen entstanden sein.

Kommentar von Spock1701 ,

Ich habe nur versucht, die Logik der Menschengruppe zu verstehen, um seine Frage zu beantworten.

Mit freundlichen Grüßen 

Antwort
von kestanien, 7

Weil Gott dies in uns eingepflanzt hat, sodass, wenn der Mensch dies willentlich unterdrückt und sich von diesseitigen Gelüsten betören lässt, im Jenseits bestraft werden wird.

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