Frage von 89u438ur89u2, 99

Warum studiert jemand katholische Theologie, dessen Glaube aus irgendwelchen zusammengeschusterten Dogmen von teilweise sektenartigen Freikirchen besteht?

Seit gestern weiß ich, dass ein Mädchen, mit dem ich gemeinsam Theologie studiere, sich komplett verstellt, um dieses Studium zu absolvieren. Sie vertritt komplett andere (fundamentalistische) Ansichten als es die katholische Kirche vorgibt. Beispielsweise in der Bibelauslegung (die sie wortwörtlich nimmt) oder auch in Moralfragen (wo sie komplett neben der Spur zu sein scheint).

Ich finde das sehr gefährlich. Ich und auch alle anderen, mit denen ich darüber gesprochen habe, würden nicht wollen, dass unsere Kinder von so einer Person im Glauben unterrichtet werden!

Sollen wir mit ihr darüber sprechen?

Hinzu kommt noch, dass ich eigentlich seit Wochen in dieses Mädchen verknallt war. Jetzt weiß ich garnicht mehr, was ich von ihr halten soll.

Einerseits will ich nicht, dass sie geht, andererseits halte ich sie gewissermaßen für "gefährlich".

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von seguiendo, 30

Worin äußert sich denn ihr Fundamentalismus genau? Darin, dass sie etwas anderes glaubt als du? Dagegen ist erstmal nichts einzuwenden, damit solltest du eigentlich klarkommen, gerade wenn du Theologie studierst ist dir ja hoffentlich aufgefallen, dass das mit der Wahrheit nicht so einfach ist und dass deswegen Toleranz ziemlich wichtig ist.

Oder toleriert sie ihrerseits das nicht, was andere tun/glauben? Das wäre natürlich problematisch.

Aber solange sie bloß etwas anderes glaubt als du, sehe ich darin kein Problem. Ich würde an deiner Stelle auch vorsichtig sein, bevor ich die religiöse Überzeugung von anderen als "zusammengeschusterte Dogmen von teilweise sektenartigen Freikirchen" herabwürdige. Zum einen einfach aus Höflichkeit und zum anderen, weil ich mir vorstellen könnte, dass das was sie glaubt, vielleicht sogar Bestandteil der kath. Lehre ist und bei differenzierterer Betrachtung möglicherweise auch nicht so abwegig, wie es auf den ersten Blick scheint.

Beispiel: Du schreibst in einem anderen Beitrag, dass sie glaubt, dass es den Teufel gibt und dass du das so seltsam findest. Wenn du dir aber den Teufel jetzt nicht als Männlein mit Hörnern und Ziegenfuß vorstellst, sondern davon ausgehst, das sie damit meint, dass es quasi einen "Gegenpol" zu Gott gibt und dass es das Böse -vielleicht auch in personifizierter Form- gibt, halte ich das für gar nicht so abwegig. Dass es Böses gibt, lässt sich schließlich nicht abstreiten. Und wenn das Gute in Gott personifziert ist, warum soll dann nicht auch das Böse im sog. Teufel personifiziert sein.

Und bei ihren Moralvorstellungen: Solang sie die niemandem aufzwingen will, ist es doch ihre persönliche Sache, nach welchen moralischen Maßstäben sie handelt, oder? Oder hast du Grund zu der Befürchtung, dass sie evtl. z.B. Schüler in diese Richtung beeinflussen wollen würde.

(Bei mir würden sich in manchen Dingen auch viele erschrecken, wie "konservative" Entscheidungen ich in moralischen Fragen getroffen habe, wenn sie mich angingen. Ich würde aber, wenn ich z.B. eigene Kinder hätte, die in erster Linie dazu erziehen wollen, eigenständig moralisch zu urteilen, sodass meine konservativen Einstellungen eher zweitrangig sind.)

Kommentar von 89u438ur89u2 ,

Sie ist auch noch Anhängerin des Kreationismus. Das heißt, sie nimmt die auch die Schöpfungsgeschichte wortwörtlich und glaubt, dass Gott die Welt an genau 7 Tagen erschaffen hat.

Kommentar von seguiendo ,

Na gut, okay, jetzt versteh ich das Problem. Ich dachte, du nimmst ihr übel, dass sie etwas konservativer als du ist. Aber da hast du Recht, das passt wirklich nicht mit der kath. Lehre zusammen. Aber vielleicht kommt sie ja während des Studiums zu einem reflektierteren Umgang mit der Bibel und Religion.

Kommentar von 89u438ur89u2 ,

Das hoffe ich auch. Ich mag sie wirklich sehr gerne. Aber wie kann man nur so naiv sein?

Ich kann momentan nicht mal mit ihr reden, weil ich einfach nicht weiß, wie ich damit umgehen soll.

Kommentar von seguiendo ,

Ist sie denn katholisch und akzeptiert sie die Entscheidungen des kath. Lehramts (auch die beim zweiten vatikanischen Konzil und danach).

Dann könntest du nämlich, wenn du mit ihr drüber diskutieren möchtest, mit ihr gemeinsam mal das Kapitel 3 der Schrift "Dei Verbum" lesen, dort geht es darum, wie die hl. Schrift gleichzeitig vom hl. Geist inspiriert und doch von Menschen geschrieben sein kann.

http://www.vatican.va/archive/hist_councils/ii_vatican_council/documents/vat-ii_...

Kommentar von 89u438ur89u2 ,

Da werden wir sicherlich im Studium noch oft genug drüber reden.

Finde ich super, dass sich hier jemand auskennt und mich ernstnimmt.

Vielen Dank!

Antwort
von Shiftclick, 50

Krude und bizarr erscheint einem immer nur das Gedankengut anderer. Man mag sich gar nicht vorstellen, was ein Außerirdischer von den Überzeugungen eines guten Katholiken halten würde, der nicht mit den zahlreichen Grund- und Zusatzannahmen aufgezogen wurde. Was ein Religionslehrer unterrichtet wird vom Lehrplan vorgeschrieben, die Überzeugung des Lehrers dürfte da nur eine untergeordnete Rolle spielen und ich denke, die Zahl der Religionslehrer und Pfarrer, die persönlich etwas anderes glauben, als die offizielle Kirche vorsieht, dürfte sehr hoch sein. Ich würde mir keinen sonderlich schweren Kopf machen, wegen jemandem, dessen Überzeugungen neben der Spur sind und der möglicherweise in 5 Jahren in einem Klassenzimmer steht und unterrichtet. Problematischer könnte eine Beziehung mit einer Person sein, deren Überzeugungen nicht kompatibel mit den eigenen sind. Wenn nur einer davon fanatisch ist, würde ich davon abraten.

Antwort
von 1988Ritter, 43

Es gibt in Deutschland nicht für alle theologischen Richtungen Studiengänge. Deshalb werden teilweise Studiengänge belegt, um einen Abschluss oder Titel zu erreichen, obwohl man vielleicht in eine andere Richtung gehen möchte.

Das ist letztendlich jedem selbst überlassen.

Was ich in Deinem Text herausgelesen habe, Du hattest der Dame gegenüber Gefühle. Egal was Du da jetzt machst, am Ende wird man Dir verletzte Gefühle oder Eitelkeit oder Rachsucht unterstellen.

Antwort
von Andrastor, 37

Jede/r darf hier in Europa studieren was er/sie will, ungeachtet der persönlichen Ansichten und Einstellungen, solange die Vorraussetzungen für das Studium erfüllt sind.

So wie du hier reagierst, fällt mir spontan eine Szene aus "Starship Troopers 3" ein:

Nimm dir diese Szene mal als Denkanstoß!

Antwort
von Falbe, 13

In manchen Sachen ist die katholische Theologie nicht in der Bibel gegründet , sondern in der Tradition . Freikirchen haben oft ein biblischeres Verständnis , sie nehmen es wie es geschrieben steht . Ich finde das gut , daß diese Frau sich mehr an die Bibel hält , als an katholische Lehre . 

Antwort
von Whitekliffs, 20

Wie steht es denn mit dir? Warum studierst DU Theologie? Was hat dich dazu veranlasst?

Und wie steht es mit deinem Glauben? Was glaubst denn DU?

Antwort
von chrisbyrd, 14

Was ist daran problematisch, wenn Christen die Bibel als Grundlage für ihren Glauben nehmen? Sollte nicht viel mehr gefragt werden, was sonst die Grundlage für den christlichen Glauben sein könnte, wenn nicht die Bibel?

Deshalb sollte es umgekehrt sein: Christen sollten ihre Meinungen und ihr Verhalten anhand der Bibel überprüfen!

Die Bibel sagt folgendes über sich und den Umgang mit ihr: "Die ganze Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Belehrung, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes ganz zubereitet sei, zu jedem guten Werk völlig ausgerüstet" (2. Timotheus 3,16-17).

Wie vorbildlich mit der Bibel umzugehen ist, zeigten die Beröer: "Diese aber waren edler gesinnt als die in Thessalonich und nahmen das Wort mit aller Bereitwilligkeit auf; und sie forschten täglich in der Schrift, ob es sich so verhalte" (Apostelgeschichte 17,11).

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