Frage von Amago, 93

Warum streben wir mehr danach, Schmerz zu vermeiden als Freude zu gewinnen.?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von berkersheim, 13

Das ist Epikureismus pur und Poppers negativer Utilitarismus. Mit Epikur tun sich viele schwer, weil er angeblich die Lustmaximierung gepredigt hat und dann aber als die größte Lust das Freisein von Schmerzen darstellt. Liest man ihn genauer, werden zwei Dinge deutlich: Epikur denkt nicht statisch sondern dynamisch: Das Leben ist ein unaufhörlicher Prozess (Heraklit) mit immer neuen Herausforderungen. Es gibt kein statisches Glück, einmal erreicht, immer garantiert. Es gibt eine weise Lebenseinstellung und -einteilung, mit der man zunehmend relative Sicherheit erlangt, die Herausforderungen des Lebens zu meistern. Die Natur selbst gibt uns sozusagen als Orientierungshilfe zwei "Leitorientierungen": Schmerz und jedes negative Lebensgefühl signalisieren, dass die Lebensweise zumindest problematisch ist. Freude, Wohlsein und jedes positive Lebensgefühl signalisieren uns (und allem Leben), dass wir auf einem guten Weg sind.

Freisein von Schmerz (seelisch wie körperlich) signalisiert uns, dass wir im wechselhaften Prozess des Lebens zuerst einmal im "grünen Bereich" sind, lässt uns gelassen das Leben angehen. Dabei ist es kein Fehler, aus dieser Position einer stabilen Mitte freudvolle Erfahrungen des Lebens zu managen. Als Menschen reagieren wir ja nicht unwillkürlich auf die Signale der Natur sondern haben einen Verstand, diese im Licht von Erfahrung zu bewerten. So können wir auch bewusst Schmerz ertragen, wenn man z.B. beim Training an die Grenze geht um hinterher siegreich einen Wettkampf zu bestreiten. Hier geht Epikur über die natürliche Prägung hinaus bereits auf die kulturelle Überformung menschlichen Lebens ein. Diese kulturelle Überformung natürlicher Signale kann zu Fehlverhalten führen. Wenn Schmerzvermeidung in unbegründete Angst ausschlägt und wir zu Marionetten der vielfältigen Ängste werden, bahnt sich eine Fehlentwicklung an. Die gegenteilige ist, wenn das Streben nach einem positiven Lebensgefühl in Sucht und Gier umschlägt. In beiden Fällen werden wir einer autarken Lebensführung beraubt.

Epikurs oberstes Ziel (wenn er überhaupt soetwas Statisches anpeilt) ist eine größtmögliche Autarkie über das eigene Leben. Generell anzustrebende Freuden zu empfehlen, ist sein Ding nicht, da diese viel zu individuell jedemanns Sache sind. Er strebt nicht nach einer fixen Utopie. Schmerzen dagegen als negative Warnung sind dagegen ein eindeutiges Zeichen, dass man von der richtigen Spur abkommt, sie sind ein überindividuelles Warnzeichen, es sei denn, man geht sie bewusst ein - dann aber ist es wieder eine Wertung des Individuums. Nach dem Spruch: "Immer an der Wand lang" sind Schmerzen für ihn die Anzeige einer Wand, die zu berühren man im Lebensprozess vermeiden sollte. Zur Seite der Freude hin ist Epikur offener, warnt nur vor dem Umschlagen in Gier. Anders als im Christentum hat er keine besondere Ächtung körperlicher Freuden, da für ihn Körper, Geist und Seele eine integrale Einheit bilden. Erst wenn man sich im "grünen Bereich" der Herausforderungen des Lebens befindet, kann man immer wieder auch gelassen freudvolle Möglichkeiten genießen.

Antwort
von rolfmengert, 15

Schmerz ist ja bekanntlich nicht nur ein Gefühl, sondern er hat auch eine körperliche Ursache. In der Stammesgeschichte des Menschen war es außerordentlich wichtig, Verwundungen zu vermeiden, weil sie gegebenenfalls die Leistungsfähigkeit und damit die Überlebensfähigkeit drastisch vermindern konnten. Daher war es ein primäres Ziel den körperlichen Schmerz zu vermeiden. Die vielfältigen Angstmomente, die von  Menschen erlebt werden, sind hier die gängigen Sicherungssysteme, die gegen das mögliche Erleiden von körperlichem Schmerz eingebaut sind.

Die Freude an bestimmten Phänomenen ist sicherlich eine starke Motivationsquelle, bestimmte Handlungen zu vollziehen, die solche freudvollen Erlebnisse herbeiführen, dennoch ist das Vermeiden von Schmerz für das dauerhafte Überleben ungleich wichtiger.

Antwort
von Kadmeta, 34

Wer will schon ein Risiko eingehen? Und das musst im Grunde bei jedem neuen Menschen den du triffst. 

Die Angst davor verletzt zu werden ist genauso fundamental wie die davor alleine zu sein. Menschen sind nunmal "Rudeltiere". 

Antwort
von latifri, 45

Weil in der Natur des Menschen verankert ist, dass Schmerz das Erlangen von Freude erheblich erschwert.

Antwort
von Cherryredlady, 36

Vielleicht weil es einfacher ist, auf etwas zu verzichten als sich dafür anzustrengen?

Antwort
von Trobi, 3

Icg glaube es führt mir, dass es dafür eine Lösung gibt. Nennt sich Glücklich sein. NICHT suchen!!! Finden! Und wenn es nicht gefunden werden will, dann mach es dir!

Antwort
von Fing5, 17

Das ist nicht wahr. Du siehst das einseitig negativ. Täglich streben wir z.B. danach, Freude am Essen zu erleben. Wenn du jetzt meinst, das sei nur die Vermeidung von Hunger, ist das nur deine Sichtweise, die aber nicht allgemeingültig ist.

Antwort
von nowka20, 6

weil schmerzen uns unangenehm sind

Antwort
von Peil0rd, 18

Warum streben wir mehr danach, Verlust zu vermeiden als Gewinn zu riskieren?

Weil wir uns lieber in Sicherheit wiegen, würde ich sagen.

Antwort
von Berjean, 24

Deine Frage habe ich so verstanden, dass es besser wäre jemanden anzulügen als ihm die Wahrheit zu sagen, um diese Person zu schützen. Aber wie heißt es: Eine schmerzliche Wahrheit ist besser als eine erträgliche Lüge.
Hoffe ich hab's richtig verstanden

Antwort
von will1984, 15

Die Verringerung von Übel ist da als treibende Kraft zu nennen. Wie soll Freude da sein, sofern das Leid überwiegt (z.B. Schmerzen)?

Antwort
von inspiration100, 22

Weil wir immer nur das negative sehen....

Kommentar von latifri ,

Da hast du vollkommen recht!!!

Antwort
von 2Fragensteller0, 23

Stimme ghostofunikorn zu

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