Frage von Franz577, 130

Warum sterben einheimische Wirtshäuser immer mehr aus?

Also vorweg, ich gehe zwischendurch schon auch selbst gerne mal zum Italiener, Griechen, Asiaten etc., aber wenn man mal die bayrische Kleinstadt (ca. 20000 Einwohner) in meiner Nähe betrachtet, dann gab es da vor 30 bis 40 Jahren noch mindestens 5 bayrische Wirtshäuser und vielleicht einen Italiener sowie eine italienische Eisdiele und sonst nichts.

Heute sieht es in derselben Stadt so aus:

Nur noch ein (!) bayrisches Wirtshaus im Stadtkern, dafür aber sieben(!) Pizzerias und mindestens ebensoviele Dönerbuden, drei Eisdielen, zwei Griechen und drei Asiaten.

Nichts gegen kulinarische Vielfalt, aber ist das nicht ein wenig zu viel des Guten?

Darf man da nicht zurecht die Frage stellen, was hier für die einheimische Gastronomie falsch läuft bzw. ob wir unsere eigene Kultur wirklich langsam aber sicher abschaffen?

Wer hat eine Erklärung für dieses Phänomen, das anscheinend jeder für normal und selbstverständlich hält?

Antwort
von Shiftclick, 71

Wie bei vielen Dingen ist die Erklärung vermutlich einfach: wer mit seinem Geschäft nichts verdient, macht seinen Laden zu, wer davon leben kann, kommt oder bleibt. Es sind die Kunden und ihre Bereitschaft für eine Dienstleistung etwas zu bezahlen, die bestimmen, wo es lang geht. Im Ausland, ich erwähne mal Großbritannien oder Italien gibt man bei einem Restaurantbesuch viel mehr Geld aus. Die Deutschen sind geizig und mit Gastronomie kann man kein Geld mehr verdienen. Nur wer mit 'billig' den Magen füllen kann, hat eine Chance. Sicher gibt es noch viele andere Faktoren, beobachten kannst du vermutlich selber, dass viele Gastronomen in den Sparten, die du beobachtest, außerordendlich engagiert sind, lange Öffnungszeiten haben und mit Hilfe der ganzen Familie ihren Betrieb günstig am Laufen halten. Deutsche Unternehmer haben nicht mehr unbedingt eine Mentalität, wie man sie noch während des Wirtschaftswunders auf den Trümmern des zweiten Weltkrieges hatte.

Antwort
von Novos, 72

Das liegt an unterschiedlichen Faktoren. Ausländische Betriebe werden oft in der Familie (Verwandtschaft) betrieben, die keine gesetzliche Arbeitsbedingungen verlangen (dürfen). Oft findet sich kein Nachfolger in der deutschen Betreiberfamilie, Auch die Übernahmekosten spielen eine Rolle wenn man einen Betrieb übernimmt.

Antwort
von Lennister, 39

Erstmal muss ich schon sagen, dass ich das Phänomen der "kulinarischen Überfremdung", das mir hier zum ersten Mal begegnet, ziemlich witzig finde. Zumal ich wirklich nicht verstehen kann, was dich daran stört.

Ansonsten ist die Sache doch ganz einfach: Marktwirtschaft. Wer nicht ausreichend Umsatz macht, der überlebt eben nicht. Es ist also wohl einfach auf die Wünsche der Menschen zurückzuführen, dass Wirtshäuser mit bayerischer bzw. deutscher Küche aussterben. Die Leute wollen das anscheinend immer weniger essen. 

Kommentar von Franz577 ,

Was meinst du mit "hier zum ersten Mal begegnet"? Willst du damit sagen, daß das in anderen Ländern nicht so extrem ist?

Und was mich daran stört, hab ich doch in meiner Frage hinreichend beschrieben, oder? Eben einfach der immer weiter fortschreitende Rückgang von einheimischer Kultur, wozu auch die Wirtshauskultur gehört.

Eine bayrische Kleinstadt, deren Stadtbild immer mehr von Dönerbuden, Asia-Imbissen und dergleichen bestimmt wird, entfremdet sich für mich zunehmend.

Kommentar von Lennister ,

Ich muss ehrlich sagen, dass ich einfach nicht nachvollziehen kann, warum du dich entfremdet fühlst, wenn in deiner Stadt viele ausländische Restaurants sind. Das genuin Deutsche gibt es sowieso nicht, es ist gerade unsere Mischung aus verschiedenen Kulturen, die Deutschland(mit Blick auf die Geschichte übrigens eindeutig eine Willensnation) ausmacht.

Also warum akzeptierst du nicht einfach diese Mischung und freust dich über die vielen Möglichkeiten, die sie uns bietet? 

Kommentar von Franz577 ,

Tu ich doch! Hab ja nicht behauptet, daß ich alles Ausländische und Fremdartige kategorisch ablehne. Ich weise ja nur auf das krasse Mißverhältnis zwischen einheimischer und ausländischer Gastronomie hin, das sich in den letzten 30 bis 40 Jahren praktisch umgekehrt hat. Die einheimische Gastronomie stellt sich da doch ein Armutszeugnis aus, wenn auf ein deutsches Lokal die 10-fache Anzahl an ausländischen Lokalen kommt.

Und was heißt, es gäbe keine typisch deutsche Küche?

Natürlich fließen in jede nationale Küche auch internationale Impulse ein, aber ich will nicht so weit gehen zu sagen, es gäbe keine deutsche Küche.

Denn dann muß man im gleichen Atemzug auch sagen, daß es keine typische italienische, griechische, türkische ect. Küche gibt, denn warum sollte die Küche anderer Nationen "reiner" oder "genuiner" sein?

Kommentar von Lennister ,

Und was heißt, es gäbe keine typisch deutsche Küche?

Ich meinte eigentlich, dass es nicht genuin deutsches gibt. Also keine speziell  deutsche Kultur. Und ja, es gibt auch keine genuin deutsche Küche, d.h. keine Küche, die in ganz Deutschland aber auch nur in Deutschland beheimatet ist. 

Kommentar von Franz577 ,

Naja, aber wenn man es so betrachten will, dann trifft das doch auf alle anderen Länder auch zu. Oder welchen Nationen würdest du Genuinität zuschreiben?

Klar hat Deutschland nicht DIE EINE Kultur, denn jedes Bundesland hat spezielle eigene Kulturen, Traditionen, Bräuche und auch kulinarische Schwerpunkte.

Und so ist es in praktisch allen anderen Ländern auch. Den Süditaliener oder Sizilianer kann man auch nicht in einen Topf mit dem Norditaliener oder Südtiroler werfen.

Aber ob nun das traditionelle Fischlokal aus Norddeutschland oder das bodenständige Wirtshaus aus Bayern, es handelt sich in beiden Fällen um typisch deutsche, regionale Gastronomie, die ich durchaus erhaltenswert finde.

Kommentar von Lennister ,

Oder welchen Nationen würdest du Genuinität zuschreiben

Keiner. Das zeigt eigentlich schon, dass Ideen wie "Leitkultur" lächerlich sind.

die ich durchaus erhaltenswert finde.

Als Teil eines abwechslungsreichen Angebots sind solche Lokale natürlich erhaltenswert. Aber ganz verschwinden werden so sowieso nie, sie werden nur weniger. 

Antwort
von Katharsis036, 81

Hallo.
Fortschritt ist der Grund dafür.
Dadurch, dass einfach niemand die Zeit hat in ein Wirtshaus zu gehen und lange auf sein Essen zu warten, werden diese Gebäude und Gaststätten langsam zerfallen und pleite gehen.
Das fängt damit an, dass man sein Essen zu hause bestellen kann, geht weiter mit der Wartezeit und hängt auch vom Geschmack ab.
Ich esse sehr gerne "Chinesenpampe" und auch andere Sachen wie "Subway".
Die Sachen sind im allgemeinen eben auch günstiger (hängt natürlich davon ab ob man von Restaurants oder Imbissbuden spricht).
Viele Leuten kochen zudem das, was im Wirtshaus gemacht wird, meistens zu hause.

Kommentar von Franz577 ,

Komisch, aber warum hatten die Leute früher die Zeit dazu? Und auch beim Italienier, Griechen, Asiaten etc. muß man auf sein Essen warten, oft sogar noch deutlich länger, wenn mal viel los ist.

Ich bin ja wie gesagt auch für die Abwechslung, nur stört mich eben das große Ungleichgewicht. Warum müssen einem bayrischen Wirtshaus gleich sieben Pizzerias gegenüberstehen?

Kommentar von Katharsis036 ,

Natürlich ist das ein Überangebot. Aber auch dieses Bild wird sich dann wahrscheinlich ändern. Vielleicht kommen andere Restaurants hinzu und wieder andere gehen. Ich esse zum Beispiel kaum in einheimischen Restaurants, wenn nicht zu Geburtstagen oder Feiern, weil sie entweder zu weit weg sind (Teufelskreis) oder ich keinen Hunger auf die Menüs habe. 
Früher war es eben einfacher, weil da die "Lebensmittelglobalisierung" noch nicht so verbreitet war.
Es gab eben noch keine Bratwurst mit Sauerkraut in den USA oder so viele chinesische Restaurants oder Imbissbuden.
Menschen essen mittlerweile eben auch sehr gerne das, was ihnen so vorkommt, das sie es nicht jeden Tag haben können, auch wenn das mittlerweile Quatsch ist.

Kommentar von Franz577 ,

Also ein vielleicht nicht ganz so schwerwiegender aber durchaus nicht zu vernachlässigender Grund ist mir selbst auch noch eingefallen. Das Angebot der Speisen in bayrischen Wirtshäusern ist halt leider immer noch sehr fleischlastig. Viele Leute ernähren sich aber immer bewußter und der Anteil an Vegetariern und Veganern nimmt immer mehr zu, was ich auch durchaus begrüße. Und da geht man dann eben lieber dorthin, wo das Angebot an solchen Speisen größer ist.

Kommentar von Katharsis036 ,

Durchaus ein Grund. Das Angebot bleibt gleich bei neuen Clienté von Kunden.

Antwort
von EddieWinkler, 26

Meistens geht das zubereiten der ausländischen Speisen schneller, ebenso der Verzehr. Außerdem sind die Preise niedriger.

Kommentar von Franz577 ,

Kann man beides so pauschal nicht behaupten. Und den Aspekt der Qualität darf man bei solchen Überlegungen auch nicht vernachlässigen.

Kommentar von EddieWinkler ,

Der Begriff "meistens" verweist auf eine sehr statistische Häufung, keine Verallgemeinerung. Einigen Deutschen geht es nicht um Qualität ("Einigen" verweist auch auf eine Häufung und ist nicht stellvertretend für alle).

Kommentar von Franz577 ,

Aber bei deiner Aussage in Bezug auf die Preise steht nichts von "meistens". Daß die Preise in ausländischen Lokalen niedriger sind als in einheimischen, kann man aber eben so pauschal nicht sagen.

Und wenn man einen Preisvergleich anstellt, muß man auch einen Qualitätsvergleich anstellen.

Kommentar von EddieWinkler ,

Hier wurde aber nicht gefragt, wie man sein Restaurant aussuchen soll, sondern warum es mit den Wirtshäusern zurück geht, und da ist das die Antwort darauf. Eine Tatsache interessiert nicht, ob es anders besser ist, was ist ist.

Ein Außerdem führt meist den vorangegangenen Satz fort, bezieht sich also weiterhin auf das oben genannte "meistens"

Antwort
von FooBar1, 45

Mach doch eins auf wenn es dich stört. Ich bin mir ziemlich sicher es wird sich nicht rechnen. Ich geh immer weniger raus essen weil es einfach mit Family viel zu teuer ist

Kommentar von Franz577 ,

Ok, aber das erklärt ja nicht den Boom der vielen ausländischen Lokale. Dort bekommt man auch nichts geschenkt.

Kommentar von FooBar1 ,

Pizza 6 Euro, Schnitzel Pommes 12 Euro

Kosten für ne Pizza 1 Euro

Kommentar von Franz577 ,

Ich weiß ja nicht, wo du hingehst, aber hier hab ich noch niemals ein Schnitzel mit Pommes für 12 Euro gesehen! Außer vielleicht für ein echtes Wiener Schnitzel vom Kalb, aber ein normales Schweineschnitzel "Wiener Art" mit Pommes kostet hier auch selten mehr als 7,50 Euro.

Und 6 Euro zahlst du vielleicht für eine einfache Pizza Margherita, aber sobald etwas mehr drauf ist (v.a. Meeresfrüchte) ist man auch da schnell bei 8 bis 10 Euro und teilweise auch sogar drüber.

Antwort
von FragaAntworta, 59
Antwort
von kiniro, 31

Ich konnte die "gutbürgerlichen Wirtshäuser" noch nie wirklich ausstehen.

Als Abschaffung der eigenen Kultur sehe ich es trotzdem nicht.
Schließlich besteht Deutschland aus mehr als "deftiger deutscher Speisen und deutschem Bier".

Ich gehe seit etlichen Jahren lieber "ausländisch" essen, weil ich die Geschmacksvielfalt liebe.

Kommentar von Franz577 ,

Es gibt immer gute und weniger gute Restaurants, egal welcher Nationalität. Und mir würde ständig italienisches, griechisches oder asiatisches Essen irgendwann genauso zum Hals heraushängen wie wenn ich immer nur Hausmannskost essen würde.

Wie du schon richtig sagst, die Abwechslung machts. Aber dazu gehört für mich eben auch, daß ich hin und wieder gutbürgerlich esse. Allerdings schon in ein Wirtshaus, in dem man wirklich gut essen kann und wo noch handwerklich gekocht wird.

Aber das wird eben immer schwieriger, wenn diese Wirtshäuser zunehmend verschwinden.

Halten kann sich da eigentlich nur noch, wer wirklich außergewöhnlich gute Küche anbietet und das könnte man, wenn man so will, als einzigen Vorteil dieser Entwicklung ansehen.

Antwort
von Dichter1Denker, 30

Weil hier in Deutschland die Reallöhne in den letzten zehn Jahren systematisch gefallen sind, während im Ausland die Löhne je nach Produktivitätsfortschritt gestiegen sind. Wenn man systematisch nach und nach weniger verdient, so muss man auch seinen Konsum nach und nach zurückfahren. Und das tut man halt am besten, in dem man sich das Geld für die Restaurant-Besuche spart, da man zu Hause billiger speisen kann.

Kommentar von Franz577 ,

Ok, aber das erklärt ja nicht, warum ausländische Lokale überall wie Pilze aus dem Boden schießen. Dort etwas zu essen kostet ja auch Geld. Vermutlich hast du nur die Überschrift gelesen, aber nicht meine ganze Frage.

Antwort
von Griesuh, 37

Keine Umsätze, kein Gewinn, Laden zu.

Und warum?

Alles Nichtraucherkneipen, Bier zu teuer

Kommentar von Franz577 ,

Na und? In den ausländischen Lokalen darf genausowenig geraucht werden und das Bier gibt es dort auch nicht geschenkt.

Kommentar von Griesuh ,

Na und? Deutschland ist eben Deutschland und nicht anders wo.

Andre Länder andre Sitten.

Kommentar von Franz577 ,

Tolle Erklärung! Du scheinst ja wirklich Ahnung zu haben!

Kommentar von railan ,

@Griesuh Hauptsache was dazugeblubbert?

Kommentar von Franz577 ,

Manche beantworten hier scheinbar wirklich nur Fragen, um ihr Punktekonto zu füllen.

Kommentar von Griesuh ,

Die letzten 3 Kommentareschreiber glauben wohl die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben.

Jedoch: Auf solche Sinnlose Kommentare kann verzichtet werden.

Kommentar von EddieWinkler ,

Aber auf deine nicht???

Kommentar von Franz577 ,

Schon witzig, daß sich derjenige über sinnlose Kommentare aufregt, der selber die sinnlosesten schreibt.

Und um das zu erkennen, muß man gar nicht mal besonders weise sein.

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