Warum stellt eine christliche Wertegemeinschaft trotz eines Armutgebots (Luk. 6:20) so immens auf Vermögens- und ökonomische Wachstumswerte ab?

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9 Antworten

Es reicht eigentlich, den Vatikan zu besuchen, um die armselige Wohnhöhle des obersten Christusnachfolgers zu besichtigen. Wem das nicht reicht, der darf einige bayrische Barockklöster besuchen mit ihren prachtvollen Ausstattungen als Muster mönchischer Enthaltsamkeit. Die sogenannten christlichen Werte sind reine Propaganda für das dumme Volk, an die sich die christlichen Herrscher und der Klerus (bis auf einige Verrückte) nie gehalten haben. Neuestes Beispiel: Limburg und Herr Tebartz van Elst.

Es ist auch religiös gefärbte Propaganda, dass unser moderner Staat auf christlichen Werten beruht und die gesamte Aufklärung und ihr bürgerliches Staatsverständnis unterschlagen wird. Die Aussage, "dass der Mensch als Person niemals bloß als Sache, als Mittel zu einem Zweck behandelt werden darf" stammt nicht aus dem Christentum sondern vom Aufklärer Kant. Da schmücken sich welche mit falschen Federn. Die Kirche hat die Aufklärung bekämpft.

Dass sich die Menschen im Überlebenskampf bewähren müssen ist keine Erfindung von sogenannten Märkten. Das war schon immer so und die Anforderungen waren vor der Industrialisierung wesentlich härter und die Auslese viel brutaler. Dazu muss man sich anschauen, wie sich das Bevölkerungswachstum entwickelt hat. In Zeiten - bis zur Industriealisierung - in denen das Bevölkerungswachstum kaum vorankam, war die Auslese viel brutaler, war das Überleben sehr viel stärker gefährdet. Solche Fakten sollte man schon im Hinterkopf haben, bevor man über mangelnde Sahne auf dem Kuchen klagt.

Solange sich jeder Begriffe wie "Freiheit", "Gleichheit" und "Gerechtigkeit" selbst so zurechtbiegt, wie es seinen Sozialillusionen dienlich ist, wird es keine zielführende Diskussion geben. Wir als Menschen organisieren uns, unsere Lebensbedürfnisse zu erarbeiten oder lassen uns organisieren. Alle sogenannten Systeme sind menschliche Konstrukte, über deren Eigendynamik wir uns rechtzeitig Rechenschaft geben sollten und bei Kritik sollten wir mit machbaren Alternativen kommen und nicht mit uneinlösbaren Hoffnungen. Die machbaren Rechtsbeziehungen auf Märkten sind menschengemacht und danach handeln Menschen. Es gibt immer wieder Versuche, Regeln zu brechen und es gibt immer wieder Politker, die das zulassen (und mitprofitieren) und Menschenmassen, die das überhaupt nicht merken, weil sie die Zusammenhänge nicht durchschauen.

Im alten Testament heißt es dazu in erschütternder Klarsicht: Wer hat, dem wird gegeben und wer nicht hat, dem wird das, was er hat, auch noch genommen. Der größte Feind gegen solche Klarsicht und ein konsequentes Handeln dagegen ist die Bequemlichkeit. Solange die Chiptüte voll ist, mags auf den Konten aussehen wie es will. Hauptsache, Dortmund gewinnt und der im Badschrank aufbewahrte Lippenstift ist "in".

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Kommentar von Rosenblad
09.05.2016, 19:07

Allerdings würde der schlichte Mensch auch nicht verstehen können warum sein Gott in einer einfache Behausung "wohnen" sollte und nicht in einem kathedralen Prachtbau und außerdem sollte sich die eigene Religion sehr "ansehnlich" und prunkhaft von anderen Religionen abheben - und natürlich der einzelne Gläubige ebenso. Der Glaube verziert durch Reichtum - mehr Gläubigkeit geht nun aber wirklich nicht.

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Wer immens auf ökonomische Wachstumswerte setzt, stellt sich außerhalb der christlichen Wertegemeinschaft

"Ebenso wie das Gebot „du sollst nicht töten“ eine deutliche Grenze setzt, um den Wert des menschlichen Lebens zu sichern, müssen wir heute ein „Nein zu einer Wirtschaft der Ausschließung und der Disparität der Einkommen“ sagen. Diese Wirtschaft tötet. Es ist unglaublich, dass es kein Aufsehen erregt, wenn ein alter Mann, der gezwungen ist, auf der Straße zu leben, erfriert, während eine Baisse um zwei Punkte in der Börse Schlagzeilen macht. Das ist Ausschließung. Es ist nicht mehr zu tolerieren, dass Nahrungsmittel weggeworfen werden, während es Menschen gibt, die Hunger leiden. Das ist soziale Ungleichheit. Heute spielt sich alles nach den Kriterien der Konkurrenzfähigkeit und nach dem Gesetz des Stärkeren ab, wo der Mächtigere den Schwächeren zunichte macht. Als Folge dieser Situation sehen sich große Massen der Bevölkerung ausgeschlossen und an den Rand gedrängt: ohne Arbeit, ohne Aussichten, ohne Ausweg. Der Mensch an sich wird wie ein Konsumgut betrachtet, das man gebrauchen und dann wegwerfen kann. Wir haben die „Wegwerfkultur“ eingeführt, die sogar gefördert wird." 
Papst Franziskus, Evangelii Gaudium 53)

http://w2.vatican.va/content/francesco/de/apost_exhortations/documents/papa-francesco_esortazione-ap_20131124_evangelii-gaudium.html

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Kommentar von Suboptimierer
09.05.2016, 10:20

"Ebenso wie das Gebot „du sollst nicht töten“ eine deutliche Grenze setzt, um den Wert des menschlichen Lebens zu sichern,

Das ist genau genommen schon eine Interpretation. Das Gebot betont nicht den Wert des menschlichen Lebens speziell, sondern misst allem Leben einen Wert zu.

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Die christliche Wertegemeinschaft, die Du im Blick hast, hat vor allem den Hardcore-Calvinismus für sich adaptiert. Der lehrt bekanntlich, daß das Wohlgefallen Gottes sich (auch) im materiellen Erfolg deutlich zeigt. So hat Calvin das nicht gemeint, aber seine Epigonen haben seine Variante des Protestantismus so gedeutet.

So können sich die gerecht und gottgefällig fühlen, die reich sind, auch wenn sie selbst nicht viel dafür getan haben. So können die sich auch gut fühlen, die vor allem für den Reichtum arbeiten, denn liebte Gott die Arbeit dafür nicht, würde er sie ja nicht mit materiellem Segen bedenken.

Und am Ende ist - ganz entchristlicht, aber mit dem Anspruch der moralischen Unbescholtenheit - das herausgewachsen, was wir als Raubtierkapitalismus kennen. 

Daß es auch anders geht, lehrt Prof. Huber mit großem Engagement. Dabei ist er selbst reformiert, also genaugenommen auch ein Calvinist. Gruß, q.

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Kommentar von Rosenblad
09.05.2016, 19:08

Ist nun Johannes Calvin an allen schuld?

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Weil wir viele unserer Werte aufgegeben haben...

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Die christlichen "Wertegemeinschaften" haben sich von der ursprünglichen christlichen Botschaft weit entfernt und sind eher zu einer Wertpapiergemeinschaft geworden. Das gilt besonders für die beiden Großkirchen.


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Weil man daran deutlich erkennen kann, wie ernst es diese mit dem eigenen Vorschriften nimmt, gar nicht. Und warum? Weil die Kirche nicht glaubt und darum auch keine Angst vor dem Leben nach dem Tod hat, und sich hier das Paradiese auf Erden gönnt, was allerdings nur für die Masse und nicht dem einzelnen gilt.

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Ist das wirklich eine Frage oder eine Aufforderung zur kritischen Hinterfragung von Gesellschaft, Kirchen, Staat usw. was es alles so gibt ,und uns selbst, in Bezug auf Besitztum und Moral. So umfassend kann doch eine Analyse, Wertung oder "Lösung" von Konflikten hier garnicht gebracht werden.
Das ist dir doch klar - oder ?
Was soll also deine Frage leisten ?

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Kommentar von Rosenblad
09.05.2016, 18:34

1. Kor. 13:12

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Die Verlockung ist wohl zu groß

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Gläubige Christen und Muslime halten sich in Deutschland in etwa die Waage. 80 % sind Agnostiker oder gar Atheisten. Zum Glück.

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