Frage von KommschonBitte, 41

Warum soll man Leuten beweisen, dass man psychisch krank ist?

Ich erlebe es selber manchmal und auch Leute in YouTube Videos, welche über ihre Krankheit bzw. Depression reden berichten davon, dass man Dinge zu ihnen sagt wie "Du bist gar nicht krank, du wirkst nicht so, tu doch nicht so, jedem geht es mal schlecht".

Da frage ich mich, warum soll man solchen Leuten sozusagen vorspielen wie schlecht es einem geht. Nur weil man psychisch krank ist und/oder Depressionen hat, heißt das ja noch lange nicht, dass man deswegen nicht auch mal Phasen haben kann, wo es einem gut geht.

Ich will mich nicht hinsetzen und mich für jemanden ausgeben, der ich nicht bin. Über meine Probleme zu schreiben und Antworten von Leuten zu bekommen welche mir weiterhelfen oder mich hier mit Problemen zu befassen lenkt mich nun mal ab, sowie jeder, dem es schlecht geht etwas hat, woran er sich stützen kann.

Man ist ja kein Alien, wenn man psychisch krank ist und einem geht es auch nciht zwangsmäßig immer schlecht, man merkt halt einfach, dass etwas mit einem nicht stimmt.

Ich will mich hier auch gar nicht rechtfertigen für das was ich tue oder dass, was ich bin.

Ich will nur, dass Leute auch mal verstehen, wie es eigentlich ist, wenn man weiß, dass mit einem etwas nicht stimmt. Man ist immer noch man selber, allerdings scheint ein gewisser Teil von einem seinen eigenen Weg zu gehen.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von rolfmengert, 11

Wenn Menschen über ihre Krankheit sprechen, ist die naheliegendste Erklärung, dass sie damit von den Adressaten ein Therapieangebot erhoffen.

Weit häufiger besteht jedoch das Verlangen nach Tröstung, und die bekommt man oftmals schon ganz einfach dadurch, dass der Andere sich emotionell teilnehmend die Klage über das Leiden anhört. Er muss in vielen Fällen gar nicht große Vorschläge zur Linderung des Leidens bringen, was aus medizinischer Inkompetenz auch gar nicht möglich wäre, sondern nur den Anderen in seiner mißlichen Situation bestätigen. Das wirkt im Regelfall schon überaus entlastend und bringt dem, der die Klage vorgetragen hat, ein deutlich besseres Lebensgefühl.

Ganz falsch ist dagegen das Abstreiten des Leidens, indem man den Anderen darauf hinweist, dass sein Leiden völlig harmlos ist, dass andere damit viel souveräner umgehen, dass er/sie sich nicht so anstellen solle oder ähnliche Bemerkungen. Jetzt muss der Betreffende ja die Ernsthaftigkeit seiner Aussagen beweisen und gerät in einen Schwall des Lamentierens, der für die Zuhörer meist recht nervend ist. Zudem erlebt sich der das Leiden Vortragende als unverstanden, ungeliebt und abgelehnt. Verbitterung, ja Hassgefühle können sich daraus entwickeln, was für alle Beteiligten ganz negativ ist. 

Das Problem ist nun leider, dass dieser Mechanismus nur einem Teil der Leute bekannt ist. Viele meinen immer noch, dass man dem das Leiden Vortragenden damit  helfen kann, dass man sein Leiden klein redet, dass man die Schwere relativiert und gerade damit das Gegenteil erreicht.

Es bleibt also der bessere Weg, die Beschwerden, die Angst oder die unerträglich erscheinende Lebenssituation des Anderen ganz schlicht ernst zu nehmen und zu akzeptieren. Therapieangebote, Durchhalteparolen, aufwändige Erklärungsmodelle oder Berichte, dass man selber noch viel Schlimmeres erlebt hätte - das sind alles keine wirklichen Hilfen. Ein teilnehmender und verständnisvoller Blick sind oft die beste Reaktion. Der Andere erlebt Empathie und fühlt sich verstanden, und das ist gerade bei psychischen Problemkonstellationen die von Laien beste Reaktion.

Zweifellos habe ich jetzt an diejenigen geschrieben, denen Du eine Botschaft geben wolltest, doch ich meine, dass das hilfreicher ist, als Dir vorzuschlagen, dass Du bei der Auswahl derjenigen kritisch sein solltest, von denen Du meinst, dass sie Dir ohnehin keine angemessene Reaktion bieten können. 

Kommentar von KommschonBitte ,

Das ist wahrscheinlich die beste Antwort, welche auf so eine Frage objektiv möglich gewesen wäre.

Antwort
von AphroditeL, 19

Das Ding ist einfach das man Depressionen nicht sieht oder bemerkt wie bei einer Erkältung wo man dann hustet und krank aussieht und das verstehen viele Leute einfach nicht, weil sie sich das nicht vorstellen können. Ich finde es gut wenn Menschen über diese Erkrankung sprechen damit den anderen auch mal klar wird was das überhaupt ist und das es trotzdem da ist auch wenn man es manchmal nicht bemerkt. Ich finde in Punkto Depressionen und psychischen Erkrankungen sind vorallem Außenstehende einfach viel zu ignorant und verstehn auch einfach vieles nicht. Und ich finde man muss denen nichts beweisen entweder sie finden sich damit ab oder sollen ruhig sein.

Antwort
von souvisou, 9

Ich finde es auch komisch und doof. Zudem von anderen leuten kenn ich so ritz whatsapp gruppen wo die aufhören wolen zu ritzen. Ansich was gutes aber warum muss man bilder zeigen und sich darüber austauschen welche schlimmer sind? Heisst ja net, wenn diese wunde schlimmer als diese ist, das die person schlimmere oder mehr probleme hat. Ich hasse sowas auch. Ich meine wenn ich meinen freunden darüber rede und auch welche habe die es auch tun und dann mal meine narben sehen kommt gleich ,,voar deine sehen krässer aus als meine" ansich gehts net ums aussehen der narven sondern allgemein ist es schlimm das man es schon tut. Aber klar wenn es nur so katzenkratzer sind die 1 mm tief sind dann muss ich schon sagen wo da der sinn ist, und was diese person damit erreichen will.

Aber ja, ansonsten hasse ich es, das man sich darin immer so beweisen oder zeigen muss.

Antwort
von Irina55, 13

Klar, es gibt leider sehr viele Menschen, die mit sich selbst nicht im Einklang sind und an Depressionen/Borderline/etc. leiden. Leider gibt es auch Menschen, die etwas übertreiben und sich als depressiv sehen, wenn sie ab und zu etwas schlecht gelaunt sind oder die einfach nach Aufmerksamkeit und Anerkennung suchen, sich dann deswegen teilweise Geschichten ausdenken. Gibt es öfter, als man denkt.

Kommentar von KommschonBitte ,

Leider werden diese Menschen oft alle in einen Topf geworfen, was ich nicht verstehe.

Kommentar von Irina55 ,

Ja, das ist schwer auseinanderzuhalten, besonders wenn man diese Person kaum kennt. Besonders bei Youtubern wäre ich da vorsichtig ..

Kommentar von souvisou ,

Ich finde da immerhin andere youtuber besser die von ihren erfahrungen berichten. Z.b. Von leuten, die magersucht HATTEN aber nun seid 2 jahren oder so draussen sind. Weil dann gehts nur um die eigene damalige geschichte erzählen und nett darum ,,ja meistens am abend krieg ich voll die schlimmen depressionen das ich auf dem boden liege und weine" oder was weiss ich.

Ind zudem. Es ist einfach traurig 1. wenn leute sowas vorspielen depressiv zu sein, weil 1. hätte jemand der wirklich deoressionen hat und hilfe brauxht viel früher in einer klinik den platz bekommen und wäre vielleicht deswegen nicht schln tot und 2. ist es unfair anderen gegenüber die wirklich probleme haben und sowas wirklich fühlen und es net spielen.

Kommentar von Irina55 ,

So wahr!

Antwort
von mychrissie, 5

Man muss das niemandem beweisen, denn die anderen merken es ohnehin immer eher als man selbst.

Kommentar von KommschonBitte ,

Das stimmt so leider nicht.

Oft ist es so, aber viele Leute werden auch einfach nicht ernst genommen.

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