Frage von Halbkornbrot, 109

Warum soll eine höhere Wahlbeteiligung gut sein?

Sowohl hier in Deutschland und auch in meiem Heimatland der Schweiz wird immer darüber gemekert das die Wahlbeteiligung nicht hoch ist. Aber warum sehen das viele als etwas negatives.

Ist es nicht das gute Recht jedes Bürgers, sich nicht für Politik zu interessieren?

Warum wollen Politiker eine höhere Wahlbeteiligung sollte man nicht besser das Wählen schwerer machen, um sicherzustellen das nur Menschen die sich politisch informiert haben auch wählen gehen?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von TUrabbIT, 14

Das sind zwei verschiedene Punkte.

Das eine: Die Wahlbeteiligung
Unsere Regierung(en) und Parlamente sind als Volksvertretung konzipiert. Diese Repräsentation ist durch die allgemeine freie Wahl realisiert.
Die andere Funktion der Wahl ist die Entscheidung über eine politische Richtung und eines Regierungsprogramm für das Land.

Wenn jedoch nur noch ein kleiner Teil des Volkes wählen geht, ist sowohl das eine als auch das andere brüchig. Denn eine repräsentative Repräsentation ist nicht repräsentativ wenn nicht mal die Hälfte der Repräsentierten dahinter steht.
Dazu ist auch eine politischer Richtungsweiser durch die Wahl wenig eindeutig, wenn nur ein kleiner Teil der Bevölkerung ihre Meinung gezeigt hat.

Damit kommen wir zum zweiten: politische Bildung
Eine hohe Wahlbeteiligung ist schön und gut, aber wenn die Menschen nur das wählen was gerade sympathisch erscheint, ohne sich über die Inhalte und das Verhalten der Parteien zu informieren ist die Qualität der Wahl bzw der Entscheidung gering.

Das zeigt: Es braucht beides, nämlich: Informierte Wähler

Doch fragst du auch: Steht es nicht jedem frei sich nicht mit Politik zu beschäftigen?

Ja und Nein. Ja es steht jedem frei, denn gesetzlicher Zwang wäre Unsinn und Nein, denn die Politik bzw deren Folgen betrifft jeden egal ob es ihn interessiert oder nicht und daher ist es die Pflicht jedes Bürgers acht zu geben und die Arbeit der Politik zu beobachten und mit seinem eigenen Verstand zu bewerten.

Antwort
von Dxmklvw, 8

Nicht an einer Wahl teilnehmen bedeutet durchaus nicht, sich nicht für Politik zu interessieren. Nichtwählen kann auch ganz andere Gründe haben.

Wie ist es um Menschen bestellt, die der Ansicht ist, daß jedwede Partei Gammel ist?

Warum soll es vernünftig sein, ein Lebensmittelgeschäft zu verlassen oder erst gar nicht zu betreten, wenn dort nur Gammel angeboten wird, und warum soll es im gleichen Atemzug unvernünftig sein, den gleichen Maßstab auch an der Politik anzulegen?

Und wie sinnhaltig sind unsere Wahlgesetze, wenn es von vornherein ausgeschlossen ist, auch anzukreuzen, daß man diese und jene Partei oder diesen und jenen Politiker auf gar keinen Fall haben möchte?

Wäre eine solche Möglichkeit eingeräumt, dann hätte schon alleine das eine erheblich höhere Wahlbeteiligung zur Folge und würde diverse Mißstände bei Koalitionsbildungen oder bei nach den Wahlen dem Volk vor die Nase gesetzten Politikern beheben.

Antwort
von azmd108, 62

Weil die Menschen, die eine extreme Wende des derzeitigen politischen Systems herbeisehnen, definitiv wählen gehen, die wählen nämlich z.B. die NPD. Wenn nun alle anderen Bürger, die eigtl gegen solche extremen Ausrichtungen sind nicht wählen gehen würde, dann würde z.B. die NPD irgendwann die Mehrheit erlangen.

Darum sollte jeder wählen gehen. Der eigentliche Wille des Volkes geht sonst unter.

Allerdings ist eben genau das auch eines der Hauptmerkmale einer Demokratie. Nämlich die Wahlfreiheit - dazu zählt auch, dass man nicht wählen gehen muss.


Antwort
von priesterlein, 41

Ohne Wahlbeteiligung bleibt der vermutliche Wille des Volkes unerkannt und die Unzufriedenheit kann stärker als normal steigen. Viele Parteien übersehen dabei, dass es oft keine Partei gibt, die für die Nichtwähler attraktiv genug erscheint und von der sie sich vertreten fühlen.

Zudem kann einen das Verhalten der Parteisprecher, absolut jedes Wahlergebnis schönzureden, schon ziemlich ankotzen und das hinterlässt den faden Geschmack und Eindruck, dass eine Wahl praktisch nichts bewirkt, weil sich jeder kleine Politiker unabhängig vom Ausgang bestätigt fühlt.

Antwort
von voayager, 13

Die Parteien plädieren allesamt für mehr Wahlbeteiligung, weil genug Postenjäger in den Startlöchern sitzen, die danach drängeln an die Futtertröge ranzukommen. Das Volk ist hierbei das bloße Mittel zum Zweck, quasi der nützliche Idiot.

Das gilt allerdings nur für die Parteienwahl, nicht für die Volksentscheide. Bei diesen, wie in der Schweiz üblich, sollte mit größtmöglicher Wahlbeteiligung abgestimmt werden, denn da geht es glücklicherweise eben nicht um die bloße Postenjägerei.


Antwort
von Nayes2020, 69

wenn es erschwert wird entspricht das nicht der demokratie.

es ist jedem das gute recht nicht zur wahl zu gehen. sagt ja auch keiner das gegenteil.

das problem ist nur das man so nicht wirklich von einer Mehrheitsentscheidung reden kann wenn 75% garnicht wählen gehen.

Leute beschweren sich wie das land geführt wird aber haben ein wahllokal nie von innen gesehen ^^

man könnte mit höherer wahlbeteiligung viel besser die Meinung der Bevölkerung erkennen.

das ist auch der grund warum die afd so stark ist. es kommen fast ausschließlich afd wähler. alle die gegen die afd wären sind menschen die eben nicht zur wahl gehen.

es ist nicht der einzige grund aber das erklärt die starken prozente zum teil

Kommentar von Funfroc ,

Das ist aber so auch nicht korrekt.

Am Beispiel der Berliner Wahl jetzt wurde ja festgestellt, dass fast die Hälfte der AfD-Wähler bei der vorherigen Landtagswahl nicht gewählt haben.

Die höhere Wahlbeteiligung war also in dem Falle einer der Hauptgründe für die starke AfD. Bei den Landtagswhalen zuvor war das Bild ähnlich.

Die AfD fängt viele ein, die sich schon länger nicht mehr für Politik interessiert haben. Die meisten tuen das immer noch nicht, gehen aber dadurch wieder wählen.

Gut ist, dass wieder mehr zu Wahl gehen... schlecht finde ich persönlich nur, wo viele davon ihr Kreuz setzen.

Kommentar von Nayes2020 ,

ok das wusste nicht.

ja sie polarisieren. für mich ist die afd keine partei sondern eine marketingargentur xD sie wissen wie man leute chatcht um.. naja mist zu kaufen xD

aber gut jedem das seine.. das ist eben demokratie

Antwort
von plato, 20

Es geht nicht um Information, es geht nicht mal um die politischen Inhalte. Es geht dabei nur darum, welche Partei gelingt es, möglichst viele Wähler zu mobilisieren, die dann genau in ihrem Interesse stimmen. Deshalb ist hier oft vom "Stimmvieh" die Rede, das Volk als Mittel zum Zweck.

Gelingt das einer Partei, kann sie eine Abstimmung oder eine Wahl so drehen, dass das Resultat gar nicht dem Willen der Mehrheit entspricht - und das hat mit Demokratie nichts zu tun.

Der Sinn einer demokratischen Abstimmung oder Wahl ist es, den Willen der Gesamtbevölkerung so gut wie möglich abzubilden. Und das gelingt nur, wenn möglichst viele an die Urne gehen.

Es gibt auch Länder, dort zählt das Resultat der Wahl bzw. Abstimmung nicht, wenn nicht mindestens 50%, 60% oder gar 75% der Wahlberechtigten auftauchen. So wird versucht, ein möglichst genaues Abbild zu kriegen.

Leider sind es meist die Parteien, die am lautesten schreien und die geilsten, populistischen Parolen haben, die ihre Wähler wirklich zum Wählen bringen. Die anderen Parteien, die logische Argumente bringen und realistische Ziele formulieren, denen gelingt das generell sehr schlecht, ihre Fans oder Wähler auch wirklich an die Urne zu kriegen.

Und so gehen sehr viele der Leute wählen oder abstimmen, die von der Materie eigentlich keine Ahnung haben und nur auf tolle Slogans und reisserische Plakate reinfallen.

Ich versuche mal, ein kleines, stark vereinfachtes Beispiel zu konstruieren:

In einem Land gibt es 1000 Stimmberechtigte. 

Es gibt zwei Parteien, Partei A und Partei B. 

Partei A hat 300 Mitglieder, Partei B 500 Anhänger. 

200 Personen betrachten sich als parteilos und stimmen somit sachbezogen ab.

Bei einer Vorlage geht es darum, "ja" oder "nein" zu sagen. Partei A ruft nach einem "nein", Partei B zu einem "ja".

Gehen 100% an die Urne, sieht das Resultat so aus:

Nein = 400 (Anhänger der Partei A + 50% der Parteilosen)

Ja = 600 (Anhänger der Partei B + 50% der Parteilosen)

Die Vorlage wird angenommen

Wenn nun nur 50% der Leute zur Urne gehen, aber die Partei A ihre Leute besser mobilisieren kann, dann gewinnt das "nein".

50% von 1000 = 500 Stimmen

Davon Partei A = 300 Nein

Rest (egal ob Partei B oder Parteilos) = 200 Ja

Die Vorlage wird abgelehnt

Obwohl das Resultat

nicht

dem Volkswillen der 1000 entspricht, ist es gültig. Nicht das Volk hat entschieden, sondern die Wähler der Partei A.

Du siehst, es gewinnt nicht die Partei mit mehr Mitgliedern, sondern die Partei, die ihre Mitglieder zum Mitmachen bewegen kann. Und das sind niemals die, die sachbezogene Politik machen. Deshalb ist es eben wichtig, dass jeweils möglichst viele Menschen zur Wahl bzw. zur Abstimmung gehen, damit der Volkswille auch möglichst genau abgebildet wird. 

Generell kann man sagen, dass der Wille der nicht abstimmenden Bevölkerung einfach nicht abgebildet wird. Und bei einer Stimmbeteiligung von 40% sind das 60% der Bevölkerung, die nicht in den Entscheidungsprozess eingebunden werden. 60%!

Antwort
von Dumpii, 59

Wenn jeder Abstimmen würde, würde jeder der Partei, wo er auch der Meinung ist, dass er diese Meinung vertritt für diese jeweilige Partei abtimmen und somit seine Meinung mit vertreten.

Umso weniger abstimmen, desto weniger kann jeder einzelne seine Meinung vertreten.

Hoffe du hasts iwi verstanden ^^ ;)

Kommentar von Halbkornbrot ,

Das Problem das ich sehe ist einfach, dass inziwschen viele Menschen gar nicht mehr Wissen welche Meinung eine Partei vertritt, die aufgrund Ihrer Werbund und Ihres öffentlichen Auftretens aber dann trotzdem Wählen.

Kommentar von Dumpii ,

Ja, aber das ist eine andere Frage ^^

Kommentar von Dumpii ,

bzw Sache

Antwort
von joheipo, 33

Die Wahlen sind für die Bürger der einzige Weg, ihren politischen Willen auszudrücken (ausgenommen diejenigen, die Mitglied einer Partei sind und schon dadurch ihren persönlichen Willen deutlich machen).

Wahlverweigerung ist gleichbedeutend mit Willenlosigkeit und Unterordnung unter andere.

Kommentar von atzef ,

Nicht jede Nichtwahl ist eine "Wahlverweigerung" und es ist Unsinn, sie mit Willenlosigkeit gleichzusetzen. Das sie tatsächlich auf die Hinnahme des status quos hinausläuft, kkann genau dies ja durchaus auch der Wille sein.

Antwort
von atzef, 15

Nein.

Man sollte das Wählen nicht weiter erschweren. Ich halte es für den Ausfluss einer latent dünkelhaften, undemokratischen Gesinnunng, Menschen in einem politischen Entscheidungsprozess vorzuwerfen, sie seien nicht "hinreichend" informiert. Das ist elitärer und arroganter Unsinn.

Ich muss kein Kernphysiker sein, um darüber mitentscheiden zu können, ob ich z.B. Atomkraftwerke möchte oder nicht. Ich brauche auch kein Tierarzt zu sein, um mit darüber entscheiden zu können, ob es in meinem Interesse liegt, weiter Tierversuche zu gestatten oder nicht. Ich brauche auch kein Lebensmittelchemiker zu sein, um mit darüber zu entscheiden, ob ich lieber höhere oder niedrigere Obergrenzen für Schadstoffbelastunen von Lebensmitteln wünsche etc.

Über persönliche Interessen können natürlich auch immer Laien "kompetent" abstimmen.

Eine hohe Wahlbeteiligung ist immer Ausdruck eines hohen, aktiven Interesses der Bevölkerung an der Politik. Sie erhöht vor allem die Legitimität der Politik, insbesondere der Regierung.

Niedrigere Wahlbeteiligungen sehe ich persönlich auch nicht sonderlich kritisch. Sie sind m.M.n. eher ein Ausdruck der grundsätzlichen Zufriedenheit mit der herrschenden Politik und relativer Alternativlosigkeit. Würden die Leute motiviert etwas anderes wollen und eine wählbare Alternative sehen, würden sie schon wählen gehen. Allerdinggs wird eine niedrige Wahlbeteiligung ggerne zur Delegitimierung der herrschenden Politik benutzt. Alleine deshalb sollte man schon an eher hohen Wahlbeteiligungen  interessiert sein.

Antwort
von hummel3, 10

Eine hohe Wahlbeteiligung unterstreicht immer, dass das Ergebnis einer Wahl von einer breiten Wählerschicht getragen ist. - Eine niedrige Wahlbeteiligung dagegen weist auf Desinteresse oder Wahlmüdigkeit hin, weil es ja angeblich "eh keine Sinn macht zu wählen".

Davon profitieren aber nur die Unverzagten, die, welche ihre Interessen zielstrebig verfolgen und damit ihren 'Wahl-Willen' schließlich auch durchsetzen, unter Umständen ganz zum Unwillen der Nichtwähler. Das begreifen nur viele Wahlverweigerer nicht.

Antwort
von NMirR, 48

Das wäre ja antidemokratisch und man will die Meinung von allen haben. Ist allerdings auch ein Schwachpunkt der Demokratie, dass jeder wählen kann, egal ob er sich informiert hat oder nicht.

Kommentar von atzef ,

In der Demookratie geht es nicht um die Vertretung von Informationen, sondern um die Vertretung von Interessen. Man muss nicht auf jedem Gebiet "Experte" sein, um über eine Wahlentscheidung sein persönliches Interesse zu verfolgen.

Kommentar von NMirR ,

kein Experte, aber man sollte schon Ahnung haben und nicht einfach glauben was Parteien so erzählen

Antwort
von PissedOfGengar, 25

Weil eine Wahlbeteiligung von z.B. 71,5 % bei der letzten Bundestagswahl nur den Willen von knapp 46 Millionen Menschen in Deutschland wiederspiegelt. Das heißt 46 Millionen Menschen wählen den Bundestag und damit die Regierung für 82 Millionen Deutsche.

Wahlbeteiligung zu Landtagswahlen sind meist noch geringer.

Antwort
von MickyFinn, 11

Bei uns in Deutschland meckert man inzwischen, das die Wahlbeteiligung vielmehr so hoch ist. Denn viele Bürger hierzulande, sind schon lange nicht mehr mit Merkels Kurs zufrieden.. aber hier wird auch fleißig die Nazikeule geschwungen, wenn man dagegen ist, 1 Mio. Afrikaner hier einwandern zu lassen.

Jene die sonst nie / selten wählen gingen, geben ihre Stimme nun vermehrt der AfD, oder Linken/Grünen.

Kommentar von marylinjackson ,

Heute in der "Welt": 

69 000 ehemalige Nichtwähler, die jetzt die AfD in Berlin wählten

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