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Warum sind wir unsicher, wenn es um behinderte Menschen geht?

gefragt von loanwordloanword am 25.08.2009 um 9:45 Uhr

Neulich im Supermarkt: An der Kasse steht ein Rollstuhlfahrer, hinter ihm ein kleines Mädchen (vllt. 3 o. 4 Jahre alt), das seine Mutter fragt, weshalb der Mann nicht laufen könne, wie andere Menschen. Die Mutter wird nervös und peinlich berührt. Sie forderte ihre Tochter zum Schweigen auf, statt ihr zu sagen, dass es nun mal Menschen gibt, die anders sind, weil sie vielleicht krank seien - das übernahm dann der nette Rollstuhlfahrer persönlich.

Warum sind die meisten Leute unsicher, wenn sie Behinderte sehen? Wissen sie nicht, wie sie reagieren sollen? Eine einfache Erklärung der Mutter hätte doch dem Kind geholfen, zu verstehen, dass manche Menschen eben krank sind und somit auf Hilfe angewiesen. Außerdem hätte es dafür gesorgt, dass das Kind selbst vielleicht mal mit weniger Unsicherheit Behinderten gegenübersteht. Was meint ihr dazu? Danke.

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WolkenEnte
beantwortet von WolkenEnte am 25. August 2009 09:51
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Hilfreichste Antwort

Ich selbst arbeite täglich mit behinderten Menschen, erlebe täglich immer wieder wie sie Blicke kassieren, dumme Kommentare, oder peinliches wegschauen.

Oft ist es, dass sie einfach nicht in das eingeprägte Bild der Menschlichkeit passen - sie haben einen "Fehler". Sind anders als all die anderen mit denen man normalerweise täglich umgeht. Leider gehen viele Menschen mit Behinderten um, als seien sie kleine Kinder die nichts vom Leben wissen. Oder manche haben auch Angst den Behinderten zu fragen, was denn los ist, obwohl ihnen das meist das Liebste ist, denn so sparen sie sich schonmal einen Blick.

Kommentar von 622a0a9071a62222d3609db9c8991a7fsmallsoust am 25. August 2009 10:06

Stimmt genau: sie sind "Mängelexemplare"!:((


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Joschy0907
beantwortet von Joschy0907 am 25. August 2009 09:46
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Weil uns der Regelmäßige und natürliche Umgang mit diesen Menschen fehlt....

Kommentar von 9e44ea99e1e8340446f3e395fb6da7f6smallloanword am 25. August 2009 09:49

Schon, aber jeder weiß doch auch, wie man sich gegenüber einer Oma mit einem Rollator verhält. Da ist diese Unsicherheit nicht da. Und der Unterschied ist jetzt nicht besonders groß - beide könnenn nicht mehr (oder nur schlecht) alleine laufen. Fand ich schon komisch.

Kommentar von Eddd1e866a7e975e2eb070a3a9dcb564smallJoschy0907 am 25. August 2009 09:54

Ja damit sollte man eigentlich umgehen können, das ist ja mehr oder weniger etwas alltägliches.Ich dachte da mehr an Schwerstbehinderte und geistig Behinderte,weil mit diesen Leuten hat man ja weniger Umgang, wenn man nicht gerade innerhalb der Familie selbst davon betroffen ist...


gottesanbeterin
beantwortet von gottesanbeterin am 25. August 2009 09:47
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Weil wir im Umgang mit ihnen keine Routine haben.

Kommentar von 97adadcc054eb9520f333308387ac44dsmallgottesanbeterin am 25. August 2009 10:01
  • und weil wir die Unbefangenheit, die kleine Kinder haben im Laufe unseres Lebens verloren haben und deshalb mit ihr nicht umgehen können, ja sie ist uns sogar oftmals peinlich.

Pantex
beantwortet von Pantex am 25. August 2009 09:49
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Weil diese Menschen "anders" sind. Und wir mit "Anderen" allgemein Probleme haben.

Die Mutter hat sich übrigens nicht gerade beispielhaft verhalten.

Kommentar von 5e6cf0941709acfb7a3cb28d02cf99a0smallNina2407 am 25. August 2009 09:55

das stimmt di meisten beeinträchtigten menschen (behinderte sagt man übrigens nicht mehr hab ich gehört) wollen so behandelt werden wie wenn nichts wäre!würd ich auch wollen um ehrlich zu sein finde es ungut wenn alle rund um mich dann aufeinmal verlegen werden wenn ich im rollstuhl sitzen würde!bei einer geistigen beeinträchtigung muss man natürlich vorsichtiger sein mit dem umgang!

Kommentar von 9e44ea99e1e8340446f3e395fb6da7f6smallloanword am 25. August 2009 10:07

Das stimmt, jeder möchte natürlich gerne normal behandelt werden. Und dazu gehört auch sowas wie Aufklärung. Kinder sind nun mal neugierig und stellen Fragen. Das sollte man ihnen auch kindgerecht erklären. Das schult Toleranz und Sicherheit. DH

PS: der Begriff behindert ist für mich überhaupt nicht negativ besetzt und ich empfinde es als sehr angstrengend, immer auf political correctness achten zu müssen.

Kommentar von 5e6cf0941709acfb7a3cb28d02cf99a0smallNina2407 am 25. August 2009 10:21

wollts nur mal erwähnen das ich das so gehört habe :)! manche assozieren den begriff behindert eben mit was negativen!


anonym
beantwortet von mizzebilla am 25. August 2009 09:59
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Ich nehme an, diese Mutter hatte einfach so schnell keine lockere Antwort parat und zudem Angst, dem Rollstuhlfahrer zu Nahe zu treten. Daraus ergeben sich manchmal peinliche Situationen.

Eine ähnliche ist mir gestern mit meinem Sohn (4) passiert. Er fragte mich laut und deutlich, warum die "Dinger" bei der Frau so hüpfen (die junge Frau war recht gut bestückt, mit festem Schritt und eng angezogen). Da ich bemüht war, ihm eine Anwort zu geben die eine Brust NICHT mit einer Peinlichkeit verbinden, kam ich auf die bescheuerte Idee zu sagen: "Bei manchen sind die eben nicht so fest gemacht..." wobei ich zum einen die Aufbau der Brust meinte und die unterschiedliche Festigkeit von BHs. Aber ich könnt jetzt noch im Boden versinken für meine Antwort...schäm


soust
beantwortet von soust am 25. August 2009 09:53
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Abgesehen davon, dass der Rollstuhlfahrer vielleicht nicht wegen einer Krankheit, sondern wegen eines Unfalls an den Rollstuhl gefesselt ist, bin ich Deiner Meinung. Über die Gründe für das unsichere Verhalten gegenüber Behinderten kann man viel spekulieren. Dazu gehören sicherlich:

  1. Behinderte leben oft ziemlich abgeschottet von ihrer Umwelt und haben nur mit Familienangehörigen und Pflegepersonen Kontakt. Da sind Rollstuhlfahrer fast noch die Ausnahme.Und wen man nicht kennt, dem gegenüber ist man auch unsicher und misstrauisch (vergleiche die Schauermärchen über das Leben in Klöstern). 2. Manche Zeitgenossen verdrängen das Thema Behinderung so sehr, dass sie nicht einmal zwischen körperlicher und geistiger Behinderung unterscheiden können - und vor geistig Behinderten haben sie sowieso Angst. 3. "Handicapped isn't beautiful" - was ja bekanntlich auch für viele "zu-Gruppen* zutrifft: zu dick, zu alt, zu dünn, zu rothaarig, zu bleich, zu unproportioniert, zu schüchtern, zu freizügig, zu dumm, zu intelligent usw. 4. Man meint, man müsse die Behinderten "schonen" und sie am besten "übersehen" und merkt gar nicht, dass es das Allerschlimmste überhaupt ist, dauernd übersehen zu werden.

Igelnasen
beantwortet von Igelnasen am 25. August 2009 09:53
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Ich bin als Kind jeden Tag Behinderten Begegnet, wir wohnten in der Nähe von Bethel. Ich war ein sehr Direktes Kind, gerade weil meine Mutter genauso war wie die Mutter oben beschrieben, ichhabe dann einfach Gefragt. Bei meiner Tochter habe ich es dann genauso gemacht, wenn sie es wissen will, soll sie lieb Fragen, wenn sie sich nicht Traute, mehr weil es ein Fremder war, nicht weil er Behindert war, habe ich für sie Gefragt. Die meisten Menschen finden es nur einfach Schrecklich oder Traurig und vergesen das hinter jeder Behinderung ein Mensch steht. Und auch unter Behinderten gibt es Idioten, genau wie unter nicht Behinderten Menschen, wobei sich die Frage stellt ob Menschen die da Probleme haben nicht auch irgend wie Behindert sind.


anonym
beantwortet von Chilli0107 am 25. August 2009 09:50
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Weil viele Menschen leider nicht mit Sachen umgehen können , die "nicht normal" sind. Es fehlt da oft an Aufklärung. Sehr traurige Geschichte.


kochstuebchen
beantwortet von kochstuebchen am 25. August 2009 09:50
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weil manche Menschen vor lauter Mitleid verlegen werden. Ich habe meinen Kindern immer alles in solchen Situationen erklärt, was zur Folge hatte, daß sie behinderten und alten Menschen gegenüber immer sehr hilfsbereit waren.

Kommentar von 5e6cf0941709acfb7a3cb28d02cf99a0smallNina2407 am 25. August 2009 09:53

DH echt!aufklärung ist das beste mittel um mit nicht alltäglichem unzugehen!egal worum es sich handelt!find ich echt toll!

Kommentar von Bdce6dfc91f5d13259a6e1b12090ad2dsmallkochstuebchen am 25. August 2009 09:55

danke,ist für mich selbstverständlich, jeder kann in Rollstuhl landen


anonym
beantwortet von visitar am 25. August 2009 09:50
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Alles Unbekannte macht uns potentiell Angst. Derselbe Effekt wäre möglicherweise bei dem Mädchen aufgetreten, wenn sie zum ersten Mal einem Menschen mit dunkler Hautfarbe begegnet.

Kommentar von 9e44ea99e1e8340446f3e395fb6da7f6smallloanword am 25. August 2009 09:52

Das Mädchen war nicht verängstigt. Es war, wie es eben der Natur eines Kindes entspricht, neugierig und es hat Fragen gestellt. Kinder sind viel aufgeschlossener als Erwachsene.


Slett
beantwortet von Slett am 25. August 2009 09:49
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Weil nicht unbedingt alle so freundlich reagieren wie der Mann!


helrich
beantwortet von helrich am 25. August 2009 09:49
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Würde sagen, daß viele das äußerliche Anders-Sein Behinderter mit dem geistigen Zustand dieser Personen gleich setzen oder einfach Angst haben, die behinderte Person zu verletzen. Da ist die Reaktion des Rollstuhlfahrers super gewesen, der dem Kind demonstrierte: ich bin doch gar nicht sooo anders als andere.


anonym
beantwortet von Stefie1708 am 26. August 2009 21:24
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Ich hasse es auch wenn man meine Kleine nur anstarrt und dann zu flüstern anfängt, mir währe es lieber wenn die Leute auf mich zukommen und fragen warum Mandy so ist, das ist mir lieber als das gestarre und getuschel hinter meinem Rücken. Aber wie viele schon hier erwähnten, das liegt daran das viele den umgang net gewohnt sind, es gibt ja auch behinderte Menschen die durch Unfall behindert wurden und damit net klar kommen und somit eine Abneigung gegen " gesunde " Menschen entwickeln und dementsprechend reagieren wenn man nachfragt, vielleicht liegt es ja daran, weil normale Menschen nicht wissen wie behinderte reagieren


MyHandicap
beantwortet von MyHandicap am 26. August 2009 09:36
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Vielleicht hilft dieser Artikel, dies und jenes besser zu verstehen:

http://www.myhandicap.de/beruehrungsaengste-behinderte-.html

Kommentar von 9e44ea99e1e8340446f3e395fb6da7f6smallloanword am 26. August 2009 11:02

Danke, ein wirklich hilfreicher Artikel!


puhdysfan
beantwortet von puhdysfan am 25. August 2009 10:11
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Erst einmal möchte ich mich der Meinung von "soust" anschließen. Ich bin selber körperlich gehbehindert und kenne die Auseinandersetzung mit "normalen" Leuten. Da meine Behinderung (wegen Borreliose) aber schon über 20 Jahre anhält, habe ich in der Zwischenzeit auch gelernt damit umzugehen. Manchmal muß ich mir auch das Gegaffe mit anschauen, gehe dann aber in die Offensive und erkläre meine Situation. Was ich in all den Jahren gelernt habe, ist, mich nicht von der Gesellschaft ausschließen zu lassen. Im Gegenteil, ich geniesse inzwischen die Öffentlichkeit und lasse mir nichts mehr verbieten. So fahren mein Mann und ich ( dann im Rolli) regelmäßig zu Konzerten unserer Lieblingsband. Okay, werden jetzt einige meinen: "dann kennen sie euch dort"!? Ja klar, aber es gibt trotzdem Leute / Fans die nach all den Jahren immer noch starren. Wir machen uns im Freundeskreis dann immer einen Gag daraus, indem ich dann gefragt werde, ob ich heute wieder meine "Drogen" genommen habe, um das Konzert durch zustehen. Dann schauen die anderen erst recht blöd und wir sind mal wieder am lachen. Denn jeder Eingeweihte von uns weiß, das mit den "Drogen" nichts anderes als meine zusätzlichen Schmerzmedikamente gemeint sind. Ohne diese würde ich es nicht schaffen an solchen Veranstaltungen teilzunehmen. Ich würde mich nie einigeln zu Hause. Dann gibt man nämlich seine Persönlichkeit auf. Und wenn alle selbstständig denkenden Behinderten mit ihrer Selbstbestimmung umgehen würden, dann würden auch bald alle "normalen" Leute umdenken (meine Meinung).

Kommentar von C02c9dbf1d3200881684985886cf8c49smallTessa13 am 25. August 2009 10:17

ja und nein,auch Behinderte können der Umwelt viele Probleme bereiten und das mit den Drogen verstehen die Leute schon richtig,sie sind doch nicht von gestern.Manch einer will es auch nicht akzeptieren,ist auch solch eine Sache,ist doch nicht jedem Alles zuzumuten!


Tessa13
beantwortet von Tessa13 am 25. August 2009 10:05
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weil der Mensch Barrieren hat,Allem gegnüber was er nicht kennt ,oder als krank und anders einstuft!z.b. Tourett Syndrom,fast jeder kennt es,aber man ist immer erschrocken und peinlich berührt,wenn die Betroffenen anfangen zu schreien.


MarcSu
beantwortet von MarcSu am 25. August 2009 09:55
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Wer täglichen Umgang mit Menschen hat, weiß auch, wie er mit Behinderten umgehen muß. Deshalb finde ich Deine Frage sehr verallgemeinernd. Man darf nicht von sich auf Andere schließen, das ist eine Lebenserfahrung.

Behinderte wollen in der Regel wie ganz normale Menschen behandelt werden. Es gibt natürlich auch hier Ausnahmen, einzelne Behinderte berufen sich auf ihren Behindertenstatus und fordern ganz deutlich ihre Rechte ein. Das sind aber Ausnahmen.


anonym
beantwortet von andilow am 17. September 2009 17:04
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hatte ich auch mal ich dachte nur hoffentlich kommt der nicht auf mich zu!


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