Frage von Irmin1888, 82

Warum sind viele Juden nach dem zweiten Weltkrieg nach Deutschland zurück gekommen?

Weil nach so einem Erlebnis, würde ich mich in dem Land doch nicht mehr sicher fühlen, umgeben von Leuten, die mich vor ein paar Jahren noch gelyncht hätten. Woher hätte man wissen sollen, dass sowas nicht wieder passiert? Außerdem hab ich mir diese Doku angeschaut, die berichtet, dass die Deutschen sehr wohl vom Holocaust wussten. https://www.youtube.com/watch?v=sGtN9FtlRXU Wie hat man das ausgehalten, kurz nach dem zweiten Weltkrieg als Jude wieder in Deutschland zu leben?

Antwort
von Losloslosx3, 14

Ja, viele Juden dachten so wie du und sind nicht zurück gekommen.

Andere hatten Heimweh oder wollten in ein Land zurück, dessen Sprache sie als Muttersprache sprechen oder fühlten sich in dem Land, in das sie Emigriert waren nicht wohl oder wollten ihren Besitz (z.B. Geschäft) zurück haben oder wollten nach dem Versuch der Deutschen, alle Juden zu ermorden, wieder eine jüdische Gemeinde in Deutschland gründen und kamen zurück. 

Aber für die Rückkehrer und deren Kinder war das Leben unter diesen ganzen alten und jungen ehemaligen und gegenwärtigen Nazis nicht leicht. In Deutschland in den 50er Jahren war der Antisemitismus in Deutschland sehr stark und die Toleranz sehr gering. 

Die meisten Deutschen behaupteten, dass sie nicht mit dem Holocaust zu tun hatten, die Täter wurden von der Gesellschaft geschützt, die Opfer wurden totgeschwiegen. 

Die Deutschen von heute tun ja gerne so, als sei die Nazi-zeit ein Spuk gewesen, der plötzlich über Deutschland gekommen sei, als habe das mit dem Deutschland davor und danach nichts zu tun. Aber das stimmt eben nicht. Die deutsche Bevölkerung in den 40er und 50er Jahren war dieselbe, die den Holocaust begangen hatte.

Übrigens war die Anzahl der Rückkehrer relativ gering im Vergleich zur Anzahl der "Displaced Persons", die gerade die Konzentrationslager überlebt hatten und am Schluss in Deutschland blieben, weil es sich nicht ergab, in ein anderes Land zu übersiedeln (auch für die Überlebenden der Konzentrationslager war es nicht einfach, ein Visum für ein anderes Land zu bekommen). Das heisst die jüdischen Gemeinden in deutschland ab 1945 wurden zu grossen Teilen von "displaced persons" gegründet, wie auch der Zentralrat der Juden in Deutschland.

Antwort
von archibaldesel, 20

Naja, viele der europäischen Juden waren ja 1945 in den Ländern der Vernichtungslager, also hauptsächlich in Polen. In Polen waren die Juden auch nicht sonderlich willkommen.

Die meisten Juden wollten nach Palästina ausreisen. Dort saßen zu der Zeit aber die Engländer, die aus Rücksichtnahme auf die dort teilweise ansässigen Araber kaum Juden einreisen ließen. Die Auswahl der Länder war also sehr begrenzt. So zog es viele dahin zurück, wo sie vorher gelebt haben.

Dazu kam noch, dass die Engländer illegale Einwanderer aus Palästina eine Zeit lang in ihre Besatzungszone nach Deutschland gebracht haben.

Du siehst, viele Probleme, die wir heute haben, hatten damals schon ihren Ursprung bzw. hatten bereits Gültigkeit. Juden und Araber waren bereits Spinnefeind, und Flüchtlinge waren kaum irgendwo willkommen.

Antwort
von Kuestenflieger, 33

die genannten personen waren deutsche die wieder nach hause wollten.

bis auf einige extremisten , leben heute wieder katholiken , lutheraner , juden , mohammedaner privat und beruflich nebeneinander . so wie es vor der braunen zeit war ; da wurden auch alle männer zum wehr und später kriegsdienst eingezogen - egal welches glaubensbekenntnis sie hatten.

Kommentar von Irmin1888 ,

Der Antisemitismus hat sich in Deutschland immer mehr aufgebaut, bis er im Holocaust gegipfelt hat. Die Nazis waren ja nichts, was von außen gekommen ist, die sind ja aus dem Volk gekommen. Die haben auch Ideologien aufgegriffen, die schon lange im Volk vorhanden waren, sonst wären sie auch nie so erfolgreich gewesen.

Kommentar von Kuestenflieger ,

schade für sie und ihre informanten .

Kommentar von Irmin1888 ,

Sorry, schau dir ein paar Dokus dazu an, lies dir ein paar Bücher dazu durch, dann ergibt das Ganze auch für dich Sinn. Kannst ja mit der Doku, die ich oben gepostet habe, anfangen.

Kommentar von Losloslosx3 ,

Es ist etwas blauäugig zu glauben, dass der Antisemitismus im Mai 1945 schlagartig weggezaubert wurde. Dem war nicht so. Das Deutschland der 50er Jahre und auch der folgenden Jahrzehnte war unterschwellig extrem antisemitisch, und es war nicht einfach nur angenehm, als Jude in Deutschland zu leben. Nazis und Kriegsverbrecher wurden in dieser Zeit in Deutschland weitgehend geschützt und bekamen auch ohne weiteres ihre Pensionen.

Antwort
von DonkeyDerby, 38

Nun, es gibt da so etwas  wie Heimweh...

Und nicht jeder Mensch kann sich in einem fremden Land, in einer fremden Sprache eingewöhnen.

Und die meisten Deutschen haben sich lediglich durch "Stillhalten, Kopf einziehen und Maul halten" schuldig gemacht, das darf man auch nicht vergessen. Nicht jeder war ein (Schreibtisch-)Mörder.

Kommentar von Irmin1888 ,

"Und die meisten Deutschen haben sich lediglich durch "Stillhalten, Kopf einziehen und Maul halten" schuldig gemacht"

Okay, und soll das einen beruhigen, wenn die Leute halt zuschauen?

Kommentar von DonkeyDerby ,

Nein, das beruhigt nicht. Aber es macht es vielleicht etwas erträglicher, wenn man vermuten darf, dass Feigheit verbreiteter war als blanker Hass. Man darf auch nicht vergessen, dass man als Jude in sehr, sehr vielen Ländern der Welt immer wieder mit Ablehnung (sprich Antisemitismus) konfrontiert wird. Nu, man gewöhnt sich... ;-)

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