Frage von Flimmervielfalt, 56

Warum sind speziell Sitcoms und Komödien aus den USA so sehr auf bestimmte Ethnien und kulturelle Milieus konzentriert?

Das ist so ne Frage, die ich mir schon seit Jahren stelle. Bei der "Bill Cosby Show" oder dem "Prinz von Bel Air" oder "Unser lautes Heim" wirkt es so, als gäbe es nur dunkelhäutige Menschen. Da treten ganz selten hellhäutigen Menschen auf, geschweige denn, dass die Ethnien übergreifend Liebesbeziehungen miteinander führen. Bei "Seinfeld" oder "Die Nanny" hat man einen überwiegend jüdischen Cast, bei "Eine schreckliche nette Familie" weisse Unterschicht, bei "Alf" bis auf paar Latinos weisse Mittelschicht, wohingegen es bei "Two and a half Men" nur hellhäutige Oberschicht gibt. Hatte Charlie beispielsweise jemals was mit einer dunkelhäutigen oder asiatischen Frau? Eigentlich müsste man doch meinen, dass Culture Clashing bei solchen Serien von Vorteil wäre. Komischerweise machen deutsche Comedy-Serien wie "Türkisch für Anfänger" genau das zum Thema. Gibt es aber eine eindeutige Antwort darauf, warum das so gehandhabt wird?

Antwort
von Grautvornix16, 15

Hi,- das ist ein ökonomisches Kalkül in Bezug auf mögliche Absatzmärkte. Zum einen gibt man geschlossenen Ethnien die Möglichkeit, sich selbst auf die Schippe zu nehmen und zum anderen gibt man den anderen die Möglichkeit, sich über die (vermeintlichen) Eigenheiten der anderen Ethnien lustig zu machen. Das kann am Ende sogar zu medialer "Völkerverständigung" führen (für schlichtere Gemüter) ist aber nicht der Grund. Der Grund ist, dass man so mehrere Motive, eine Sendung zu schauen zusammenfaßt und damit eine größt mögliche Zuschauermenge schafft. - In Deutschland war Kaja Jana mit seinem Türsteher "Hakan", "Rangiid" und seiner Kuh, Fahrschule "Yildirim", irgendein "Horst" - mein ich - war auch dabei usw. zwar keine geschlossene Komedystory aber in Form von "Spots" nach demselben Muster gestrickt.

Expertenantwort
von knallpilz, Community-Experte für Film, 13

Das wird sicher mit der kulturellen Herkunft der Produzenten und Autoren zusammenhängen.

Bei Sitcoms mit schwarzen kann ich's gut verstehen, da steckt sicher ein bisschen Aktivismus dahinter. Also das Bemühen, schwarzen Schauspielern Arbeit/Jobs zu geben, da diese es im Filmgeschäft eben oft schwerer haben, Rollen zu bekommen als Weiße. Bei Asiaten und Latinos ist das ja noch schlimmer.
Und die USA haben halt immer noch eine ziemlich rassistisch angehauchte Kultur. Schwarze sind meist nur mit Schwarzen zusammen, etc... "interracial couples" sind da teils was besonderes. Das hat nichts damit zu tun, dass die meisten Schwarzen Weiße nicht mögen, sondern dass die meisten Schwarzen aus nem anderen Kulturkreis und nem anderen Umfeld kommen als die meisten Weißen.

Two and a half men spielt auch in einer Gegend in Los Angeles, wo, vermute ich, wenige Schwarze wohnen. Chris Rock (der auch in irgendner Gegend für Reiche wohnt) meinte auch mal, dass da, wo er wohnt, keine einzige schwarze Familie lebt. Und auch die Schule, auf die seine Töchter gehen, ist fast nur von Weißen bevölkert.
Während zB Quentin Tarantino (dem ja immer vorgeworfen wird, er wäre Möchtegern-schwarz und bla) in armen Verhältnissen aufgewachsen ist und fast der einzige Weiße in seiner Nachbarschaft und auf seiner Schule war. Und daher auch eine Menge der entsprechenden Kultur mitbekommen hat. Seine Mutter war wohl fast ausschließlich mit schwarzen Männern zusammen, weil da, wo sie gelebt haben, eben fast alle schwarz waren.
Ethnische Gruppen sind da eben noch viel krasser nach sozialen Umständen sortiert als in Deutschland.

Eine eindeutige Antwort gibt es sicherlich nicht, da müsste man die Frage auf eine ganz bestimmte Sendung einschränken.
Generell lässt sich aber vermuten, dass, egal ob Sitcom oder Film oder sonstwas, der Grund dafür, sich mit einem Milieu zu beschäftigen, ist, dass man den Einheitsbrei langweilig findet und auch mal was anderes zeigen möchte. Im Falle von Prinz von Bel-Air zum Beispiel eine privilegierte reiche Familie, die schwarz ist. Was schon sehr ungewöhnlich ist.
The Big Bang Theory beschäftigt sich eben auch mit Wissenschafts- und Geek-Kram, weil das in der Popkultur unterrepräsentiert ist. Mit der steigenden Popularität dieses Formats natürlich immer weniger.

Antwort
von findesciecle, 15

Grautvornix hat absolut recht: Man schaut in den USA tatsächlich vor Anlauf des Projektes , für welche soziale Gruppe es passend wäre: altes Bsp. Gilmore Girls - ? oder so ähnlich - zielte auf die weiße Oberschicht.

Dann nach dem Casting und Drehen der ersten Test-Folge führt man sie Test-Sehern aller Schichten und Ethien vor und wertet den Erfolg mit Fragebögen aus, wertet sie gemäß Schicht und Ethie der Testseher aus. Dann rechnet man sich den Erfolg auf die Gesamtgruppe hoch.  Erst dann beginnt man nach Kosten/Gewinn-Analyse zu drehen.

Kleine Ergänzungen: Bei ALF waren die Ochmoneks erkennbar als jüdische Familie konzipiert. Trotzdem Mittelschicht - hast du recht.

Two and a half Men, The Big Bang Theory, Mike u Molly, und Mom - stammen mehr oder minder vom gleichen Macher-Team, jüdischer Herkunft, obwohl man auf eine weiße, nichtjüdische Zielgruppe abzielt.   

   

Antwort
von ericemcee, 3

Das hat auch was mit dem Humor zu tun, der in Sitcoms benutzt wird. Es werden ja Szenarien entwickelt, in denen ich im Prinzip schon weiß, auf welche Weise verschiedene Cahraktere reagieren werden. Um das zu verstärken, wird viel mit Stereotypen und Klischees gearbeitet.

Bei der Nanny wird ja auch ganz stark der Culture Clash als Humor-Thema ausgebreitet. Die Klischee-jüdischen Queens-Bewohner und der Bristische "Adel". Oder wenn Du Dir die Afro-Amerikanischen Besetzungen ansiehst, ist zum Beispiel die Mutter immer sehr taff und stolz gezeichnet.

Ich denke es hat weniger mit der Zielgruppe zu tun. Big Bang Theory ist ja auch nicht nur für Akademiker. Two and A Half Men bietet auch Anknüpfungspunkte für Zuschauer aus der unteren Mittelschicht.

Antwort
von ThommyGunn, 22

Die verschiedenen Ethnien leben in den USA durchaus nebeneinander, da versucht man wohl den verschiedenen Zielgruppen gerecht zu werden. Die Latinos schauen vll. eh lateinamerikanische Telenovelas weswegen es wohl keine Latino Sitcom gibt. Bin mir ziemlich dass Charlie Harper in der Serie mal was mit Asiatinnen hatte.

Kommentar von Flimmervielfalt ,

Aber warum nicht mit Maxilmalpigmentierten?

Kommentar von ThommyGunn ,

Da fragst du mich zu viel, aber Asiaten werden eher auf einer Stufe mit Weißen gesehen, auch von asiatischer Seite gibt es große Vorbehalte ggü. Schwarzen, weiße Männer mit schwarzen Frauen sollen in den USA recht (relativ gesehen) selten sein, dementsprechend selten sieht man solche Verbindungen im Fernsehen, vll. sieht auch die schwarze Community das nicht gerne.

Kommentar von knallpilz ,

Naja, die Figur wohnt in Malibu und wird sich wohl hauptsächlich da rumtreiben. Da wohnen kaum Schwarze oder Asiaten.

"The 2010 United States Census reported that Malibu had a population of 12,645. The population density was 637.7 people per square mile (246.2/km²). The racial makeup of Malibu was 11,565 (91.5%) White (87.4% Non-Hispanic White), 148 (1.2%) African American, 20 (0.2%) Native American, 328 (2.6%) Asian, 15 (0.1%) Pacific Islander, 182 (1.4%) from other races, and 387 (3.1%) from two or more races. Hispanic or Latino of any race were 769 persons (6.1%)."

Kommentar von Sachsenbruch ,

Schade, dass Du diesen schrägen Ausdruck strapazieren musst, Flimmer ...

Expertenantwort
von Flimmervielfalt, Community-Experte für Anime & Film, 30

Pardon. "Alle unter einem Dach" nicht "Unser lautes Heim" war gemeint.

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