Frage von PLehrm01, 87

Warum sind Schweizer Preise so unglaublich hoch und würde die Schweiz mit mehr Wettbewerb nicht besser fahren?

Schweizer Preise sind einfach verrückt! Vor allem für „0815“-Standprodukte. Ich habe mal die Preise für drei verschiedene Produktkategorien in der Schweiz und die identischen in Deutschland gegenüber gestellt und das bei einem Wechselkurs von 1.10 EUR/CHF.

•Ein Luxusprodukt repräsentiert durch eine a BMW Limousine 320d automatic , ohne Extras. Der Schweizer Preis liegt bei Fr. 45.000, das gleiche Produkt in Deutschland EUR 41.000. (Quelle: BMW) Kein wesentlicher Preisunterschied.

•Ein Standardprodukt vertreten durch eine gewöhnliche Kreidetafel mit Holzrahmen wie sie typischerweise in der Gastronomie eingesetzt wird. Wir haben einen kleinen Preisvergleich publiziert und im Schnitt kosten die Tafeln in der Schweiz bei 60 CHF (Quelle: https://www.kundenstopper-discount.ch/20-kreidetafeln). In Deutschland bei ca. 15 EUR. Eine Preisdifferenz von ca. 300%.

•Ein Produkt aus dem Bereich der alltäglichen Lebensmittel verkörpert durch eine Milch 1l, 3.5% Bio. Sie kostet im Coop in der Schweiz ca. Sfr. 1.90, im Edeka nur 0.90 EUR (Quelle: coophome). Eine Preisdifferenz von ca. 100%

Es ist klar! Das Preisniveau in der Schweiz ist höher weil das Lohnniveau höher ist, Zölle auf Importe erhoben werden, die Schweizer Logistik teurer ist und zu guter Letzt die Schweizer eine Tendenz habe, Schweizer Produkte zu kaufen, um ihre Wirtschaft zu unterstützen. Aber wäre es für das Land nicht besser, wenn es mehr Wettbewerb zuliesse und die Preise in Richtung deutsches Preisniveau konvergierten. Ökonomen argumentieren, dass dies Kaufkraft freisetzen würde, was der Wirtschaft zu Gute käme. Ich denke das nicht. Es ist schon so, dass Handel insgesamt Mehrwert schafft, aber die Schweiz müsste von ihrem Wohlstand abgeben und gleichzeitig profitieren die Exporteure der Nachbarländer Gobal gesehen in Plus, aber die Schweiz verliert. Also warum soll die Schweiz etwas ändern. Ich bin aber offen und interessiert an den Argumenten.

Antwort
von Tellensohn, 34

Salue

Das hohe Preisniveau in der Schweiz hängt mit dem starken SFR zusammen.

In meiner Jugend musste ich für einen DM rund SFR 1.20 hinblättern.

Der DM wurde 2 : 1 zum Euro umgetauscht Inzwischen muss ich nur noch SFR. 1.10 für einen Euro (also für 2 ehemalige DM) auslegen.

Damit haben sich in der Schweiz produzierte Produkte im Export bei den Gestehungskosten rund verdoppelt. Um konkurrenzfähig zu bleiben, mussten die Schweizer Produzenten also sehr innovativ sein und vor allem auf Luxusprodukte setzten.

Dieser Zwang, ständig besser und günstiger zu werden, liess Produzenten keine andere Wahl. Wer sich da auf seinem Umsatz "ausruhte", konnte seine Tore schliessen.

Allerdings, offensichtlich klappte dies ganz gut. Die Schweiz hatte immer weniger Arbeitslose als andere Länder, der Lebensstandart ist sehr hoch und die diversen Krisen in anderen Länder waren hier kaum zu spüren.

Dies ist umso interessanter, wenn man sieht, dass um 1900 herum die Schweiz noch das Armenhaus Europas war. Das Land hat weder Kohle, noch Oel oder Erdgas. Es hat nach und nach die Vorteile des Heraushaltens aus den beiden Weltkriegen systematisch ausgebaut.

Irgendwie verständlich, das man da keinen Kurswechsel bei der Wirtschaft plant.

Übrigens profitieren wir auch durch den starken SFR. Müssen wir Rohmaterial einkaufen, ist dies für uns günstiger. Auch beim Import von Gütern aus anderen Hochpreisinseln haben wir die besseren Preise.

Gerade bei der Unterhaltungselektronik liegen wir teilweise unter den Preisen in der EU.

Es grüsst Dich aus der Schweiz

Tellensohn  

Kommentar von FrageSchlumpf ,

hmm, dass eine starke Währung das inländische Preisniveau erhöht, wäre mir neu.

Wenn der US-Dollar schwach ist ( und der Euro stark ) merkt das jeder sofort an der Zapfsäule ....

Antwort
von FrageSchlumpf, 26

Der Hauptgrund liegt wie auch schon geschrieben, an den höheren Löhnen. Die Schweizer haben ja trotz der zum Teil deutlich höheren Preise keinen niedrigeren Lebensstandard als in anderen Ländern.

Natürlich kommt es dann in Einzelfällen zu komischen Situationen wie die Grenzshopper in Konstanz und anderen Städten. Und das legt die Vermutung nahe, dass es den Schweizern doch viel besser gehen würde, wenn man für alle z.B. die billige deutsche Milch importieren würde.

Allerdings sind die Dinge nicht so einfach. Zum deutschen Preis gibt es genau diese aktuelle Milchmenge. Käme die Schweizer Milchmenge noch dazu, wäre auch der Preis höher. Durch die höheren Importe könnte bzw. dürfte sich der Wechselkurs ändern, was den Preiseffekt zusätzlich aushebeln könnte. Außerdem könnte das ganze Auswirkungen auf die Realwirtschaft haben, usw usw. Es ist alles sehr komplex.

Generell will die Schweiz als klassisches Wohlstandsland mit Überdimensionierter Ersparnis natürlich einen Exportüberschuss erwirtschaften. Hierzu wird ja z.B. von Seiten der Nationalbank beständig der Wechselkurs manipuliert ..... Der Status Quo ist für die Schweiz sicher nicht schlecht ( u.U. natürlich schlecht für andere, aber das interessiert ja nicht ).

Antwort
von plato, 11

Dass viele Preise für Non-Food-Produkte in der Schweiz obszön hoch sind, ist nichts Neues. Besonders grosse internationale Konzerne verdienen sich in der Schweiz mit Fantasie-Margen und Fessel-Verträgen eine goldene Nase.

Bei Lebensmitteln sieht es ganz anders aus. Es ist geradezu obszön, einen Liter Milch für unter einen Euro zu verkaufen. Daran hängt Tierwohl, daran hängen Arbeitsplätze in der Landwirtschaft, daran hängen Existenzen. 

Und ein Vergleich in ganz Europa zeigt schnell, dass die Milch nirgends so kotzbillig ist wie in Deutschland.

Die Schweiz hat vor dreissig(!) Jahren die Käfighaltung für Hühner abgeschafft. In den meisten EU-Staaten ist diese noch immer erlaubt. Bei uns haben Schweine, Rinder und andere Nutztiere gesetzlich um einiges mehr Platz zur Verfügung als in der EU. Dafür sind unsere Bauernhöfe auch flächenmässig viel kleiner.

Das heisst, dass mit weniger Tieren auf weniger Raum eben doch die Existenz des Bauern gesichert werden muss. Auch muss dem Tierwohl Rechnung getragen werden.

Würde tatsächlich billige Waren wie Fleisch, Milch oder Käfigeier aus der EU unbegrenzt zugelassen, kämen die Preise zwar unter Druck, aber wer würde profitieren? Nicht die Tiere, nicht die Bauern und auch nicht die Konsumenten, weil die Qualität dadurch ja auch markant sinken würde.

In keinem anderen westlichen EU-Land sind die Preise so tief wie in Deutschland. Und teilweise wird da gehörig in die Trickkiste gegriffen. So hat Beiersdorf (Nivea) zugegeben, dass sie in Deutschland ihre Produkte unter den Produktionskosten verkaufen müssen. Das wird subventioniert mit den viel zu hohen Preisen z.B. in Frankreich, der Schweiz und den Niederlanden.

Das hat nichts mit Konkurrenz zu tun, sondern mit Dumping, mit unverhältnismässiger Preisdrückerei. In Italien verdienen die Leute viel weniger als in Deutschland, aber praktisch alles kostet in Bella Italia mehr.

Niemals darf man die deutschen Preise als Massstab nehmen. Sie sind definitiv und deutlich verzerrt und überhaupt nicht repräsentativ für den tatsächlichen Warenwert.

Antwort
von futzi1970, 20

Auch wenn ich provokativ bin, die Schweiz verballert Subventionen für die Landwirtschaft in Milliardenhöhe, weil die SVP um Blocher mit der Bauernlobby jegliche Modernisierung verhindern.
Wenn Restaurants 300 Prozent mehr für ihre Kreidetafel zahlen müssen wie oben beschrieben, weil es Zölle auf so was gibt und deswegen auch das Essen 3 mal mehr kostet, dann fehlt das Geld eben irgendwo. Die Konsumenten haben weniger Kaufkraft für die Förderung moderner Sektoren wie Energie oder Technologie ist kein Geld mehr da. Und dann wundert sich die Schweiz warum sie seit Jahrzehnten unterdurchschnittlich wächst. Ganz klar, der fehlende Wettbewerb ist schlecht!

Antwort
von Mikkey, 44

Zu den Kreidetafeln kann ich nicht viel schreiben, aber ein Vergleich mit den Lebensmittelpreisen in Deutschland ist - problematisch.

Wir haben kürzlich in Italien erlebt, dass solche Sachen dort viel teurer sind. Ein Liter normale (kein Bio) Milch 1,55€. Damit sind die 1,90 SFR absolut normal. Außerdem halte ich die 0,90€ für einen ziemlichen Kampfpreis, wir müssen je nach Marke zwischen 1,20 und 1,50 zahlen.

In Italien waren sogar die Ferrero-Produkte, die von dort kommen, viel teurer als hier.

Kommentar von PLehrm01 ,

Einverstanden für die Einzelfälle. Aber es ist so dass die Schweizer Einkaufstouristen Konstanz bevölkern. Also das Problem ist da, ich denke das kann man nicht leugnen

Kommentar von Mikkey ,

Diese Phänomen findet man an jeder "Preis-Grenze"

- Dänen kaufen in Flensburg, Malmö und Hälsingborg

- Deutsche kaufen in Polen, Tschechien, Luxemburg (Kraftstoff)

Bei Lebensmitteln ist es halt auch so, dass die Scheizer es in der Hand hätten, einige Handelsketten á la Aldi, Lidl und Metro aufzubauen. Wenn es massenhaft Groß-Supermärkte gibt, werden die sich gegenseitig mit den Preisen unterbieten.

Ob so eine Situation wünschenswert ist, steht auf einem anderen Blatt - kleinere Läden werden dann zumachen. Statt etwas höherer Preise muss dann der Kraftstoff für die Fahrt zum Einkaufsmarkt bezahlt werden.

Antwort
von louisfcz, 28

Ganz einfach: In der Schweiz verdient man viel, was bedeutet dass due Preise dem Lohn also angepasst sind.

Antwort
von Maxilo311, 43

Ohne solche Preise, gäbe es keinen solchen Wohlstand. Mehrere Beispiele Belegen das es dem Volk besser eght, umso mehr es kauft, und es teuer kauft. Z.B. Lässt sich durch sturres kaufen, ohne zu sparen, eine Wirtschaftskrise beheben. Dieses Prinzip stellt sich zwar gegen den Verstand, entspricht allerdings der Realität. Die Kaufkraft bestimmt also die Wirtschaft. 

Außerdem liegt das Einkommen in der Schweiß ca. doppelt so hoch wie in Deutschland. ( Siehe BIP Schweiz)

MFG

Antwort
von swissss, 41

... und die Preise in Richtung deutsches Preisniveau konvergierten.....

und wie die Deutschen die Bauern wie Drecksklaven arbeiten lassen, weil sie nicht bereit sind den Bauern einen angemessenen Preis für ihre Arbeit zu zahlen. Geiz ist geil ist IMMER mis und gemein und charackterlos gegenüber den Produzenten.

Landwirte verzweifeln am niedrigen Milchpreis

...... 

http://www.ndr.de/nachrichten/Landwirte-verzweifeln-am-niedrigen-Milchpreis,milc...

Antwort
von Rotrunner2, 37

Der Erfolg gibt ihnen Recht, wenn sie keinen Erfolg damit hätten, würden sie garantiert was daran ändern.

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