Frage von coccinellaa, 128

Warum sind manche Menschen für die Anarchie?

Antwort
von Schwoaze, 68

Vielleicht weil sie sich nicht in unser jetziges System einfügen können. Weil sie nicht begreifen, dass ihre Freiheit dort aufhört, wo sie die eines anderen beschneiden.

Aber nur so kann ein friedliches Miteinander doch funktionieren.

Im Chaos erhoffen sie sich vielleicht mehr Freiheiten.

Kommentar von Imago8 ,

dass ihre Freiheit dort aufhört, wo sie die eines anderen beschneiden

Ich würde sagen, das ist sogar die Grundlage für ein herrschaftsloses Zusammenleben.

Kommentar von Schwoaze ,

So ist die Menschheit anscheinend nicht gestrickt. So wie es kein Wolfsrudel ohne "Chef" gibt, gibt es auch keine Menschengruppe ohne. Die kleinste Einheit - die Familie - hat ja auch ein Oberhaupt - oder zwei.

Kommentar von Imago8 ,

Guter Einwand!

Nur, es besteht ein Unterschied zwischen dem Einfluss und der Macht derer, von denen wir (bis zu einem gewissen Alter) unmittelbar abhängen (Eltern) und einer Art abstrakter Herrschaft (staatl. Gewaltenteilung, Chef), die unser Leben mittelbar beeinflusst, egal, ob wir das wollen oder nicht. Bei letzterem gibt es kaum bis keine Möglichkeit, zu verhandeln oder da heraus zu wachsen.

Eltern sind doch dazu da, ihren Kindern dabei zu helfen, zu eigenverantwortlichen Lebewesen zu werden und die Abhängigkeit von ihnen immer kleiner werden zu lassen.

Ich kann versuchen, zu beschreiben, wie man die Funktion eines Rudelführers (Chef) auch verstehen kann:

Ein Mensch, der sich in einer Gruppe als besonders weitsichtig oder fähig zeigt, dessen Meinung wird von der Gruppe besonders gewichtet. Da die Gruppe gute Erfahrungen mit ihm gemacht hat, vertrauen sie ihm. Dadurch bekommt er erst Macht bzw. Einfluss auf die Gruppe. Die Gruppe profitiert von den besonderen Fähigkeiten dieser Person, deswegen geben sie seiner Meinung Gewicht.

Jedoch, wenn die Gruppe der Person aus irgendeinem Grund weniger vertraut, sinkt auch automatisch ihr Einfluss. Ihr besonderer Status ergab sich ja aus dem Vertrauen der anderen. Wenn jemand anders sich als fähiger erweist, wird der alte "Chef" abgelöst.

Eine Person, die sich Vertrauen verdient hat, braucht keine Absicherung durch Herrschaft.

Warum sollte jemand, den ich nicht als vetrauenswürdig erachte, Macht bzw. Einfluss über mein Leben haben?

Und mal im ehrlich: Wieviele Leute vertrauen eigentlich denjenigen, die die Gesetze machen und durchsetzen? Wieviele Leute sind unzufrieden mit ihren Politikern und Chefs und fühlen sich ohnmächtig?

Kommentar von Schwoaze ,

Ja, das Problem ist eben - was wir alle wissen - dass nicht immer der fähigste Kandidat zum Zug kommt.

Das war leider schon in den Monarchien dieser Welt so, dass automatisch der Erstgeborene der Nachfolger werden musste, auch wenn jeder gewusst hat, dass der 3. Sohn oder die 2. Tochter viel besser geeignet wären.

Ich behaupte nicht, dass unser System perfekt ist - wirklich nicht! Aber solange ich  keine brauchbare Alternative vor Augen habe, finde ich unsere Demokratien hier in Europa ganz in Ordnung.

Im Gegensatz zu einer Familie, in der die Kinder dann irgendwann groß und selbständig sind, ist es in der Gesamtheit der Bevölkerung eben so, dass immer wieder junge Leute nachfolgen, die wieder einer gewissen Führung bedürfen, ehe sie als mündige Staatsbürger gelten.

Kommentar von Imago8 ,

dass nicht immer der fähigste Kandidat zum Zug kommt.

...und warum lassen wir das zu?

Das war leider schon in den Monarchien dieser Welt so

ja, weil sie auf dieser Art der "unverdienten" Macht aufbaut.

keine brauchbare Alternative

Ich bin da auch noch am Anfang meiner Suche. Ich glaube nicht daran, dass eine Gesellschaft, die jahrhundertelangen Machtmissbrauch gewohnt ist und ihren Schaden davon getragen hat, von heute auf morgen herrschaftslos leben könnte. Dass viele sich Herrschaftslosigkeit nicht vorstellen können, ist ja ein Zeichen dafür, dass sie sich an die Unterdrückung gewöhnt haben, ja sie sogar für nötig halten.

Was ist ein mündiger Staatsbürger?

Kommentar von Schwoaze ,

Viel Glück bei der Suche. Tschüss!

Antwort
von DIRother, 61

Weil genau jene Menschen erkannt haben das ein Individuum in kein System bzw Gesellschaftsform passt ,weil Mensch eben individuell ist ,jeder Mensch ist auf seine Weise einzigartig aber nicht die Krone der Schöpfung !!!

Antwort
von Imago8, 103

Vielleicht weil sie die Schnauze voll haben von Machtmissbrauch, (staatlicher) Willkür, struktureller Gewalt, stumpfem Gehorsam, Fremdbestimmung...

Kommentar von Imago8 ,

noch hinzuzufügen: die meisten Menschen, die meinen, gegen Anarchie zu sein, sind gegen Chaos und Gesetzlosigkeit, aber nicht gegen Anarchie, weil sie garnicht wissen, was sich hinter dem Begriff verbirgt. Einfach mal googlen.

Antwort
von slos8, 60

Also ich verstehe unter Anarchie, das es keinerlei Herrschaft und Führung gibt, also komplettes Chaos. Letztendlich kann dieses Modell doch nicht funktionieren, da es immer Personen oder Gruppen geben wird, die versuchen einen gewissen Einfluß zu besitzen.

Naja, warum manche dafür sind? Keine Ahnung, vielleicht verstehen diese ja darunter etwas anderes und es ist im eigendlichen Sinne nicht mal schlecht. Aber ebenso finden sich ja Befürworter für alle anderen Staatsformen.

Kommentar von Imago8 ,

keinerlei Herrschaft und Führung gibt, also komplettes Chaos

Dieser "Kausalkette" fehlen ein paar Glieder, find ich.

vielleicht verstehen diese ja darunter etwas anderes

Land in Sicht! ;-)

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