Frage von mrradiohead1000, 120

Warum sind in der ehem. DDR so viele Deutsche aus der Kirche ausgetreten?

In einem sozialistischen, also religionsfeindlichen Staat ist ja nichts anderes zu erwarten gewesen. Andererseits sind in Polen, wo die Kommunisten bis '89 das Sagen hatten, der Großteil der Menschen katholisch geblieben. Ich hoffe, jemand von Euch weiß genaueres.

Antwort
von larry2010, 72

polen hat eine ganz andere geschichte als land, als die ddr. das kann man nicht miteinander vergleichen.

ich vermute mal, das polen schon ja etliche regierungen hatte, die nicht lange blieben und der glaube an gott etwas war, das man den menschen nicht wegnehmen kann.

soweit ich weiss, waren katholiken eh auf dem ddrgebiet in de rminderheit, dafür gab es mehr evangelische, methodisten, aventisten und was so an evangelischen abspaltungen gibt.

Kommentar von mrradiohead1000 ,

ja ok. ein Pole meinte mir gegenüber mal, dass im Gegensatz zu den Protestanten die Bindung der Katholiken an die Kirche stärker wäre. Vllt hat dies auch in der DDR ne Rolle gespielt?

Kommentar von larry2010 ,

ja, das würde ich auch so sehen.

auch habe ich in einigen orten festgestellt, auch bei mir in hessen, das evangelische kirchen oft erst um 1910 gebaut wurden, vorher hielten die gemeinden die messe in privathäusern, schulen, städtischen gebäuden ab.

ich meine, ich habe in einem buch gelesen, das um 1830 etwa auch sich die evangelische kirche in verschiedene zweige aufteilte, da gab es die liberalen und radikalen, wobei es bei den radikalen auch noch abspaltungen gab.

und zum teil wurde bestimmte gruppen auch verfolgt. da gab es dann die mennoniten, von denen sehr viele nach amerika auswanderten.

Antwort
von PeVau, 59

Zunächst einmal zu Polen. Die dortige katholische Kirche hat im Laufe der polnischen Geschichte eine besondere Rolle gespielt. Sie war die nationale Klammer während der polnischen Teilungen, die eine Abgrenzung zu den orthodoxen Russen und den protestantischen Preußen bot. Sie hatte also über die religiöse Bedeutung hinaus auch immense Bedeutung für die Herausbildung der polnischen Nation und seiner Kultur und damit für die Wiedererlangung einer polnischen Staatlichkeit nach dem ersten Weltkrieg gehabt.

Damit ist die Katholische Kirche in Polen nicht nur eine religiöse, sondern vor allem auch eine nationale Institution.

Das kann man von den Kirchen in den anderen sozialistischen Staaten so nicht sagen. Die mussten sich im wesentlichen auf ihre religiöse Botschaft beschränken, was für die Menschen immer weniger attraktiv war, weil diese Botschaft seitens des Staates nicht gefördert wurde. Hier konnte die Aufklärung der Menschen also Früchte tragen.

Das wäre in der Bundesrepublik auch so, wenn der Staat die Kirchen nicht massiv mit Vergünstigungen und Sonderrechten bei religiöser Indoktrination unterstützen würde.

Kommentar von danhof ,

Schade, dass Du die Liebe Gottes offenabar noch nicht gespürt hast und daher meinst, "Aufklärung" wäre das Allheilmilttel.

Milliarden Christen auf der Erde sind anderer Meinung. Nicht ohne Grund ;-)

PS

Ich bin in einer Freikirche, habe also überhaupt nichts von "staatlichen Vergünstigungen und Sondrrechten"

Kommentar von PeVau ,

Schade, dass Du die Liebe Gottes offenabar noch nicht gespürt hast ...

Ob es um das Ausbleiben von Autosuggestionen und Halluzinationen schade ist, wage ich zu bezweifeln.

Ich bin in einer Freikirche, ...

Das habe ich mir gedacht. :-)

Kommentar von JBEZorg ,

Es gibt bestimmt mittlerweile Mlliarden, die denken, dass ein iPhone zu besitzen sinnvoll, toll und hip ist. Muss man deswegen ein iPhone besitzen wollen? Das ist das denkabr schlechteste Argument um jemanden Religion schmackhaft zu machen. 

Kommentar von Hegemon ,

"Milliarden Christen auf der Erde sind anderer Meinung. Nicht ohne Grund"

Ja genau. Das  ist völlig richtig. Das Bildungsniveau dieser Milliarden ist nämlich in der Regel nicht mit dem in der DDR zu vergleichen.

Antwort
von Matzko, 22

Weil die DDR von ihrer Struktur her (also ihrem politischem Verständnis) ein atheistischer Staat war. Es gehörte dort nicht zum "guten Ton" Mitglied einer Kirche zu sein. Staat und Kirche waren getrennt und niemand legte dort auf eine Kirchenzugehörigkeit wert. Ganz im Gegenteil. Christen wurden zwar nicht nur geduldet, sondern auch akzeptiert, aber mehr auch nicht. Ebenfalls war christliche Werbung nicht gestattet.

Antwort
von Hegemon, 11

Wenn der Staat heute nicht künstlich gegensteuern würde und der Kirche durch Religionsunterricht, Fernsehpropaganda, durch fast vollständige Kostenübernahme bei kirchlichen Kindergärten, Schulen, Krankenhäusern usw. usw. nicht so viel Macht geben würde, würden heutzutage auch viel mehr Menschen austreten.

Diesen künstlichen Machterhalt hat es in der DDR nicht gegeben. Meine Eltern sind z.B. beide in den 50ern aus freien Stücken aus dem Verein ausgetreten, weil sie damit nichts anfangen konnten.

Kommentar von dataways ,

Meine beiden Eltern sind in Westberlin vor allem aus dem Grund ausgetreten, weil sie die Kirchensteuern satthatten. Aber sag mal, gab es nicht Repressionen in der DDR gegenüber kirchlich engagierten Leuten, die Schwierigkeiten hatten, trotz ordentlicher Leistungen in der Schule, ihr Abitur zu machen oder irgendetwas anderes studieren zu können als Theologie? Ich weiss auch, dass Angela Merkel als Pfarrerstochter Physik studieren durfte, aber war das typisch für die DDR?

Kommentar von Hegemon ,

Ich hatte in meiner Lehrklasse und auch später in der Seminargruppe (Ingenieurstudium - also nicht Theologie) einige Leute, die in der Kirche waren - auch ehem. Bausoldaten. Wenn die dort schikaniert oder auch nur schief angeguckt worden wären, hätte ich das mitbekommen. Das wäre garantiert unter uns Schülern/ Studenten thematisiert worden und über derartige Ungerechtigkeiten hätte man sich auch aufgeregt.

Tatsächlich hat das niemanden interessiert. Man wußte es, und fertig.

Ob meine persönliche Erfahrung typisch war, kann ich natürlich nicht beurteilen. Andererseits mußte ich immer wieder feststellen, daß die heute offiziell verbreite Meinung meist alles andere als zuverlässig ist. Man denke nur an die angeblich tausenden aus politischen Gründen zwangsadoptierten Kinder. Tatsächlich gab es nach von der Stiftung Aufarbeitung(!) finanzierten Untersuchungen nur 5 Fälle.

Günter Grass hat sich zu diesem Dilemma mal recht treffend geäußert:

"Wenn man sich mit mir über diesen Satz auseinandersetzen will, wenn ich die DDR-Verhältnisse in Vergleich bringe zu den Verhältnissen, wie sie in der Sowjetunion die längste Zeit herrschten, oder in Rumänien bis zum Schluß herrschten, oder in Chile herrschten, oder im Obristen-Griechenland, dann ist die DDR eine relativ kommode Diktatur gewesen. Sie blieb eine Diktatur dadurch, aber das reicht nicht, es gibt eine Mentalität, die sich in einem Teil dieser Kritiken ausgesprochen hat, die den Sieg, den man meint errungen zu haben, noch größer sehen möchte. Also muß der am Boden liegende Gegner, der zum Teil schon verschwundene Gegner, nachträglich noch gefährlicher gemacht werden, um den eigenen Sieg zu vergrößern."

Antwort
von Franz1957, 27

In Polen hatte die kommunistische Partei schon vor dem Zweiten Weltkrieg viel weniger Wähler als in Deutschland. Daraus wird man schließen können, daß auch die marxistische Weltanschauung und der mit ihr verbundene Atheismus in Polen weniger Anhänger hatten als in Deutschland.

https://de.wikipedia.org/wiki/Kommunistische_Partei_Polens_%281918%E2%80%931938%...

Kommentar von Haldor ,

Hinzu kommt, dass in Deutschland (also auch auf dem Gebiet der nachmaligen DDR) der areligiöse Nationalsozialismus die Menschen dahingehend indoktriniert hatte, dass sie an einen  irdischen "Gott" (Hitler) fanatisch glauben sollten, der Härte, Zähigkeit und Kampfeswillen "predigte", und nicht an einen Gottessohn, der Nächstenliebe, Sanftmut und Rücksichtnahme als oberste Tugenden empfahl. Auch das Werk des Atheisten Nietzsche erfreute sich im 3. Reich großer Wertschätzung. Dann wurden die DDR-Bewohner noch einmal durch die atheistische Mühle des Marxismus-Kommunismus gedreht, während in der Bundesrepublik die christlichen Kirchen und die christlichen Jugendorganisationen einen großen Aufschwung erlebten. Das Ergebnis: in der DDR Tabula rasa, was die Religionen betrifft, in der Bundesrepublik ein relativ starker Einfluss der Kirche in den 50er- und 60er- Jahren, bis auch hier durch die 68-er der marxistische Sozialismus an Einfluss gewann und durch den exorbitanten Wirtschaftsaufschwung ein enormer materieller Lebensstandard (mit entsprechend atheistisch-materialistischer Lebenseinstellung) sich ausbreitete. Man merkt es daran, dass immer mehr Menschen in Westdeutschland aus der Kirche austreten.

Antwort
von Modem1, 11

Die DDR Kirche das betrifft die Evangelische hatte viele Informierte Mitarbeiter der Staatsicherheit. 

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