Frage von pablopikante876, 161

Warum sind die meisten Obdachlosen Männer?

Wieso sind es eigentlich Männer, die häufig am Rand unserer Gesellschaft stehen/leben? Die meisten Obdachlosen oder verwahrlosten Menschen die man so sieht sind männlich, aber auch Menschen ohne Freunde, Alkoholiker Außenseiter sind häufig Männer. Warum ist das so? Ist nur meine Einschätzung. Ich muss dazu sagen, dass ich auch nicht den kompletten deutschlandweiten Überblick habe, da sich meine Vermutung nur auf die Beobachtung aus einer Hauptstadt stützt.

Falls Ihr also andere Beobachtungen gemacht habt, nur her damit.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Tokij, 88

Die Frage find ich aber gar nicht so dumm. Natürlich gibt es da auch Frauen, aber es sind doch etwas mehr Männer. Ich persönlich denke das liegt an einem bestimmten sozialem Phänomen.

In den Bildungswissenschaften wird derzeit besprochen wieso Jungs "Bildungsverlierer" sind. Es gab Erhebungen, dass Jungs in der Schule schlechter abschneiden als Mädchen (Natürlich ist das alles tendenziell und keine Regel). Ich bin der Meinung, dass Frauen sozial gesehen immer noch eine bestimmte Rolle erfüllen, genau wie Männer.

So unterstützt man Mädchen unterbewusst zunächst mehr, ganz wie man es in der Steinzeit auch getan hätte (Frauen und Kinder werden beschützt, andere Männer sind Konkurrenz und werden leichter außer Acht gelassen). Das ändert sich dann aber im Berufsleben. Frauen wird zwar Unterstützung und Aufmerksamkeit gegeben, sie werden aber nicht in Führungspositionen gesehen, als Chefs eingesetzt, das spricht man unterbewusst immernoch eher Männern zu.

Das Ganze kehrt sich also erst später um, aber auch da müssen sich Männer durchkämpfen.

Obdachlosigkeit entsteht hier in Deutschland eher nur, wenn man auch nicht in der Lage ist, das Formular zum Arbeitslosengeld auszufüllen. Ich kann nachvollziehen, dass Menschen auch da Hilfe brauchen können. Es gibt noch mehr Ausnahmefälle, denn als Hartz 4 Empfänger wird man nicht immer wirklich wie ein vollwertiger Mensch mit zurechtgegeben Rechten behandelt.

Selbst wenn es zum äußersten Sozialfall kommt, werden Frauen auch hier wahrscheinlicher unterstützt. Das ist natürlich nicht immer so, weil auch nicht jeder Mensch gleich so reagiert, aber auf viele trifft es doch zu und so erkläre mir persönlich diese Angelegenheit.

Kommentar von pablopikante876 ,

Schön, dass du meine Frage gar nicht so dumm findest. ;)

Und warum sind jetzt Jungs " Bildungsverlierer"?

Es ging ja nicht nur um Obdachlosigkeit sondern auch darum, dass das ganze soziale Gefüge häufiger bei Männern zerbricht/ nie vorhanden war, egal ob man nun obdachlos ist oder nicht.

Kommentar von Tokij ,

Bin tatsächlich auf den Punkt nicht gut genug eingegangen, da hast du Recht...

Meiner Meinung nach werden Mädchen in der Schule besser unterstützt. Und nicht nur weil es solche Aktionen wie die meines damaligen Chemielehrers gab, der im öffentlichen Unterricht Nachhilfeunterricht für die aufreizendsten Mädchen gab, obwohl sie keine Lust hatten und sich alles aus der Nase gezogen gelassen haben. Sie haben eine bessere Note bekommen.

Du kannst jedes bildungswissenschaftliche Seminar zur Notengebung besuchen, da wirst du erfahren wie subjektiv noten WIRKLICH sind. Man versucht heutzutage sich auch um Jungen ordnungsgemäß zu kümmern, aber wenn ich das Ganze so beobachte, fällt mir auf, dass es den Lehrern bei Mädchen immernoch leichter fällt.

Selbst andere weibliche Lehrer, die weiblichen Schülern nicht gut eingestellt sind, bemerken diese Schüler immerhin. Jungs tendieren dazu, mit ihren Problemen übersehen zu werden.

Und unterbewusst herrscht dort auch ein Druck, es aus eigener Kraft schaffen zu müssen. Ganz dem männlichen Klischee eben. Deshalb bitten die meisten Jungs auch nicht von sich aus um Hilfe.

Kommentar von pablopikante876 ,

Wenn jetzt jemand kommen würde und diesen Menschen helfen würde, so dass die Hürde du muss das alleine schaffen wegfallen würde, würde dann die Verteilung von Obdachlosen auf 50:50 kommen?

Irgendwie ist es ungerecht, dass die ersten Jahre solch eine ernorme Grundlage für das weitere Leben darstellen.
Manche wissen noch gar nicht was sie mal werden machen wollen und dafür werden sie, wenn es dumm läuft ihr ganzen Leben gebranndmarkt.

Kommentar von Tokij ,

Ja, das ist ein essentielles Problem was man schon lange versucht zu lösen. Politisch kann es dafür aber keine Lösung geben, weil da nicht die Ursache des Problems liegt, sondern im zwischenmenschlichen Verhalten, im Miteinander.

Es wird zunehmend schwerer, so einem Menschen zu helfen, weil die Verzweiflung immer tiefer verankert ist, je besser er sich an seinen Zorn und Hilflosigkeit gewöhnen konnte.

Wenn man schon nicht mehr bereit ist, eigene Kraft in einen Versuch zu investieren, dann sind diese Menschen dazu geneigt, einen Hilfeversuch erst dann zu aktzeptieren, wenn sie ohne Aufwand garantiert großen Erfolg haben.

Und das ist kaum möglich. Jedenfalls nicht langfristig. Da müsste man sich lange und intensiv mit der Person beschäftigen. Sie nicht einfach mit finanziellen Mitteln abspeisen oder so. Wenn einer davon im Lotto gewinnt, dann hat er eine Zeit was vom Geld, lernt aber auch nicht, selbstständig leben zu können oder Freude an einer Arbeit zu entwickeln.

Also ist das Geld auch irgendwann aufgebraucht. Wirtschaftlich gesehen ist es untragbar, diesen Menschen TATSÄCHLICH zu helfen. Man müsste Unmengen an Arbeitszeit und Mittel investieren, diese Arbeitszeit amortisiert sich dann auch auf ganz anderer Ebene, sodass diese Hilfsinstitution nicht gehalten werden kann.

Es ist so schwer, das nachzuverfolgen, dass es bis heute keiner geschafft hat, etwas Ähnliches zu realisieren. Am wenigsten finanzieller und arbeitstechnischer Aufwand wäre es, den Menschen ein Bewusstsein dafür aneignen zu lassen, Menschen die Kostbarkeit des Lebens verständlich zu machen.

Aber das scheint wiederum auf ganz anderer Ebene ein Ding der Unmöglichkeit zu sein.

Antwort
von SarahTee, 88

Ein Grund ist auch, denke ich, dass Frauen oft Kinder haben und die sollen dann nicht auf der Straße aufwachsen.

Kommentar von pablopikante876 ,

Und Männer brauch man nicht für Kinder?!

Auch Männer haben Kinder

Kommentar von SarahTee ,

Doch, aber die findet man auch so. Und, wenn sich ein Paar trennt oder sonstiges, bleiben die Kinder eben oft bei der Mutter.

Kommentar von SarahTee ,

Verbesserung des ersten Satzes: Eine Frau wird immer einen nicht obdachlosen Mann finden mit dem sie Kinder bekommen kann. Natürlich braucht man sie auch für Kinder. Aber so hoch ist die Anzahl der Obdachlosen jetzt auch nicht, dass es so wenige nicht obdachlose Männer gibt.

Antwort
von bikerin99, 100

Kein Wunder, denn viele Frauen lassen sich auf eine Beziehung ein, um nicht auf der Strasse leben zu müssen. Aber wie diese Beziehungen dann ausschauen, ist eine andere Geschichte.

Kommentar von Oelfrosch ,

besser gesagt sie suchen das nächste Opfer

Kommentar von bikerin99 ,

das ist zynisch

Antwort
von BalTab, 69

2 Erklärungen, als Ergänzung zu der guten Antwort von Tokij.

1. : Die "Soziale Hängematte" ist dichter. Wenn sie in eine soziale Schieflage geraten, haben sie oft Ehemänner und Familie oder Freunde, die sie auffangen.

2. : Einen Großteil der Obdachlosen Frauen erkennt man nicht als Obdachlos! Sie wahren weiterhin den Anschein und achten auf ihr Äußeres, sie betteln nicht und schleppen nicht ihre Besitztümer mit sich herum. Die, die das machen, sind meist psychisch krank. Siehe hier:

http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/obdachlose-frauen-die-unauffaelligen-133...

Kommentar von pablopikante876 ,

Und wieso ist die soziale Hängematte dichter?

Ich meine, ersetze Ehemänner durch Ehefrauen und ob man Familie oder Freunde hat ist ja nicht vom Geschlecht abhängig.

Kommentar von BalTab ,

Es sind immer noch überwiegend die Männer, die die Hauptverdiener in einer Familie sind, Wenn die Frau arbeitslos wird, bleibt immer noch der. Und vielfach sind Frauen auch eher dazu bereit, ihren Stolz zurück zu stecken und um Hilfe zu bitten.

Wobei das natürlich dort geht, wo die Familie noch intakt ist. Das ist natürlich nicht die Regel, sonst gäbe es keine 70.000 Obdachlose Frauen

Kommentar von pablopikante876 ,

Ich habe nur kurz gegooglet und bin auf folgende Statistik gestoßen: auf jede obdachlose Frau kommen ungefähr 3 obdachlose Männer.

"ihren Stolz zurück zu stecken und um Hilfe zu bitten." ist natürlich ein guter Grund erklärt aber noch lange nicht wieso es mit obdachlosen Männern noch weiter abwärts geht Alkoholprobleme.

Wieso stellen Frauen die Weichen früher wieder auf "aufwärts" oder anders gesagt warum geben sich dann Männer mit ihrem Schicksal zufrieden oder womöglich die Hoffnung auf Besserung auf?

Kommentar von Tokij ,

Das psychische Aushaltevermögen ist natürlich maßgeblich von vorherigen Erfahrungen geprägt. Während Mädchen im Kindesalter mehr Rückenwind bekamen, tragen sie dieses Gefühl auch im Erwachsenenalter mit. Männer haben dort vielleicht eher Gegenwind gehabt und rutschen so leichter in eine fatalistische Weltsicht. Wenn ein Mensch für alles kämpfen muss, dann wägt er den Aufwand irgendwann ab und beschließt, dass der Energieaufwand für das wohlmöglich zum Scheitern verurteilte Ergebnis zu hoch ist.

Diese Menschen haben schlichtweg aufgegeben, sehen sich selbst auch als Verlierer der Gesellschaft. Unterbewusst haben sie diese ungerechtmäßige Verteilung bestimmt schon früh bemerkt, in dem Alter wird sie zu bewusstem, ziellosem Zorn, weil sie andere sehen müssen, die alles haben und es mit Leichtigkeit schaffen und dagegen sich, total ausgebrannt mit nichts. Das würde jeder ungerecht empfinden.

Kommentar von BalTab ,

Stimme ich voll zu...

Antwort
von lisasandrahein, 38

Weil Frauen "meist " fleißiger sind, klingt vlt doof wurde allerding bewiesen

Antwort
von Francescolg, 48

Gegenfrage: Warum sind über 90% (geschätzte Zahl) der Gefängnisinsassen männlich?

In dieser Frage liegt auch die Antwort auf deine Frage. Mehr habe ich dazu leider nicht zu sagen :(

Kommentar von pablopikante876 ,

Vielen Dank für deine Antwort, aber damit komme ich nicht wirklich weiter

Kommentar von Francescolg ,

Es gibt zuviele Antworten dazu: Männer leben ungesünder, sterben früher, sind aggressiver, draufgängerischer, unterliegen eigenen Zwängen und Erwartungen, etc. etc., andere (nachteilige) Sozialisation.

Obdachlose können entweder nicht "mit dem System", oder oft haben sie psychische Leiden, oder Alkohol-abusus, etc. etc. etc., hohe Schulden..!

Es gibt keine Antwort auf deine Frage, denn jeder Fall, jede Notlage ist anders und (ein Sozialarbeiter wird dir das sagen) gehört einzeln betrachtet!  Es gibt keine allgemeine Antwort, außer millionen von Artikeln. Der hier fasst es super zusammen:

https://notehub.org/hpp2i

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